# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 02 28_S110 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) en unſeren Brüdern die Gnade ihres Gottes, Himmel und Seligkeit anbieten, obgleich wir wüßten, daß viele, daß Tauſende, daß Millionen dieſe unausſprechlichen Schätze der Ewigkeit nicht annehmen würden 2— Doch, meine Lieben, mag immerhin Tauſen⸗ den das Buch der Bücher vergeblich angeboten werden, das Werf der Bibelverbreitung bleibt dennoch ein unausſprechlich geſegnetes Werk. Oder iſt es etwa ein geringer Segen, wenn tauſend Bibeln vertheilt werven und wenn durch dieſelben auch nur Eine Seele zur Erkenntniß ihres Heils gebracht, errettet und ſelig gemacht würde? Zagt nicht der Herr: „Was hülfe es dem Menſchen, wenn er die ganze Welt gewön⸗ ne, und nähme Schaden an ſeiner Seele? „Iſt alſo nicht Eine Seele mehr werth, als die ganze Welt und alle ihre Schätze? Was für ein un⸗ ausſprechlicher Segen wäre es daher, wenn wir auch jahrelang das heilige Werk der Bibelver⸗ breitung unterſtützt hätten, wenn dadurch auch nur Eine, zum ewigen Leben geſchaffene, Seele errettet worden wäre? Hat nicht der Sohn Got⸗ tes für iede einzelne ſein ganzes Blut vergoſſen? Würde er daher nicht, wenn auch nur Eine Seele bei ſeiner Erlöſung vergeſſen worden wäre, noch einmal für ſie leiden und ſterben? Freuen ſich nicht, wie er ſelbſt ſagt, alle Engel Gottes, freut ſich nicht der ganze Himmel über Einen Sünder, der Buße thut, mehr, denn über neun und neun⸗ zig Gerechte, die der Buße nicht berürfen? Und wix ſollten es für ein Geringes achten, wenn duͤrch unſer armſeliges Scherflein nur Eine Seele des ewigen Lebens theilhaftig gemacht würde? Doch, meine Lieben, meinet nicht, daß durch die jetzt zu Millionen verbreiteten Bibeln nur hie und da Eine Seele zum Himmel geführt weide. So groß auch die Anzahl derjenigen iſt, in deren Häuſern die Bibel im Staube liegt, ſo giebt es doch noch Tauſende und aber Tauſende/ denen die Bibel ein Schlüſſel wird, womit ſie ſich und anderen den Himmel erſchließen. Bedenket, was für einen Segen hat die ein⸗ zige Bibel geſtiftet, welche einſt Luther in ſeinem einſamen Kloſter fand! Darin fand er nicht nur ſelbſt das lange vergeblich geſuchte Heil: wie viele Millionen Seelen würde auch das Papſt⸗ thum mehr verſchlungen haben, wäre nicht Lu— ther durch das Licht der Bibel erleuchtet worden, das Geheimniß der antichriſtiſchen Bosheit zu entdecken und die reine evangeliſche Lehre wie— der zu verkündigen! Wohin würde es auch mit den vielen verſchiedenen Secten unſerer Tage gekommen, in wie viel ſchrecklichere Irrthümer würden ſie gefallen und wir viel mehr Seelen würden dadurch um ihre Seligkeit gekommen ſein und noch kommen, wenn nicht gerade in den letzten 100 Jahren die Bibel ſo allgemein ver— breitet worden wärel Es iſt nun ja freilich wahr, es iſt von unberechenbarer Wichtigkeit, daß Gott neben ſeinem geſchriebenen Worte auch das beil. Predigtamt eingeſetzt hat, damit durch daſſelbe die Schrift auch ausgelegt werde; aber was würde die mündliche Predigt ausgerichtet baben und noch ausrichten, koͤnnten die erweck— en Zuhörer nicht daheim in der Stille ihrer Kammer in der Schrift forſchen, ob ſich's alſo halte, wie ihnen gepredigt worden? Wie feſt werven unter anderen in der rbmiſchen Kirche Millionen Seelen in den allergräulichſten Irr⸗ thümern gehalten, da man in dieſer Kirche nicht nur lehrt, daß die ſogenannten Traditionen mit gleicher Ehrfurcht anzuſehen ſeien, wie das ge⸗ ſchriebene Wort Gottes, ſondern auch dem Laien das Leſen, ja das Haben des Buches Gottes in ſeiner Mutterſprache unter Androhung des Ban⸗ nes verbietet! r A4 2¹⁷ Wer⸗mag daher den Segen der Verbreitung der Bibel in der Mutterſprache ausrechnen? Wer mag die Gnadenregungen und Bewegun⸗ gen zählen, die in allen denjenigen vorgingen und vorgehen, welche in dem heil. Bibelbuche ge⸗ leſen haben und noch leſen? Erſt die Ewigkeit wird dieſe Geheimniſſe der göttlichen Gnade ent⸗ decken. Da werden wir ſehen, daß laut der gött⸗ lichen Verheißung auch nicht Ein Bibelbuch ver⸗ geblich gedruckt, nicht Eines vergeblich in die Hand eines Menſchen gekommen, nicht Eines vergeblich geleſen worden ſei, ſondern daß ein jedes ausgerichtet hat, wozu der Herr es geſen— det hatte, dem einen nehmlich zur wirklichen Er⸗ langung der Seligkeit, dem andern hingegen doch zu einem Zeugniß, daß Gott ſeine Seligkeit gewollt hat. L4 851 ſo laßt uns denn heute uns herzlich freuen und Gott preiſen und loben, daß er uns erweckt hat und es uns hat gelingen laſſen, uns zu ge⸗ meinſamer Verbreitung des heil. Bibelbuches zu verbinden. Dadurch nehmen wir Theil an der Ausführung der großen Gnadenheimſuchung un⸗ ſerer letzten Zeit; dadurch treiben wir mit das Werk der allerlauterſten und allerreinſten Miſ⸗ ſlon; dadurch werden wir Mithelfer und Mit— arbeiter Gottes an der Rettung und Seligma⸗ chung der Welt; und ſo wir das Unſrige aus Liebe zu Chriſto und zu den durch Ihn erkauf⸗ ten Seelen dazu beitragen, ſo wird auch das ge⸗ ringſte dafür von uns geopferte Scherflein nicht verloren ſein; es wird uns dort ausgewechſelt werden mit erretteten Sündern und mit einem überſchwänglich herrlichen Gnadenlohn ewiger Freude. Ja, ſelig iſt, wer hier voll Glaubens und Liebe mit an dem Werke Theil genommen, daß das Buch Gottes in aller Menſchen Hände komme I— der wird einſt am jüngſten Tage nicht erſchrecken, wenn dieſes Buch aufgethan wird von dem ewigen Richter; denn dieſes Bch wird ihn nicht verdammen, ſondern losſprechen.— Ach Herr Jeſu, das hilf' uns allen!— Schreib' unſern Ram'n auf's Beſit In's Buch des Lebens ein, Und bind' unſ'r Seel ſein ſeſte In's ſchöne Bündeltin Der'r, die im Himmel grünen Und vor dir leben frei, So wollen wir ewig riihmen, Daß dein Herz treue ſei. Amen! 211 1252 +1◻ + * Allerneueſte wichtige Entdeckung. Der „Lutheran Observer“ vom 20. Januar d. J. berichtet ſeinen Leſern, daß vor kurzem ein Herr Kohlmann, Paſtor zu Horn bei Hamburg ein altes Manuſcript von der Hand des berüch— * tigten Bremer Hardenberg aufgefunden habe, in welchem bezeugt ſei, daß Luther noch kurz vor ⸗ ſeinem Tode gegen Melanchton ſeinen Kampfn gegen Hie Sacramentirer widerrufen habe. — Was doch die Leute in dieſem „Jahrhundert der Entdeckungen,“ wie es im Observer heißt, alles entdecken! Nach dieſem Beiſpiel zu urtheilen, wird man ſicher in dieſem neunzehnten Jahrhun⸗ dert noch das Pulver und die Buchdruckerkunſt erfinden und America entdecken, ſo daß die ſchon undankbar genug behandelten Berthold Schwarz, Guttenberg und Columbus vollends allen Credit verlieren. Denn bekanntlich iſt jene von dem „Observer““ bekanntgemachte Entdeckung des neunzehnten Jahrhunderts bereits im 16. Jahr⸗ hundert gemacht worden, 5 Jahre nach Melanch⸗ tons Tode, aber freilich erſt nach dem Tode deſſelben. Seit dieſer Zeit erzählte man ſich jene Geſchichte in ganz Deutſchland als die bekannte „Heidelberger Landlüge“ bis zu An⸗ fange des neunzehnten Jahrhunderts. Mit Anfang deſſelben verlor ſie ſich wieder auf Tage, Wochen und Jahre, bis ſie endlich, wie der „Observer““ verkündigt, in Rorddeutſchland. wieder attrapirt und über London nach Gettps⸗ burg erpedirt und von da der amerien niſchen Welt communieirt worden iſt. Da der „Lutheraner“, ſchon einmal dieſe dicke fette Lüge gegen Herrn Nollau, d. Z. in St. Louis, widerlegt hat (ſiehe Jahrgang 2. Nro. 12.), ſo verweiſt er die Leſer dorthin, erſucht aber den Perrn „Observer'e, dieſeAnſern Beiträge zur Biographie jents neualten Mährchens gefälligſt ſeinen Leſern nicht vorzueuthalten. Neue politiſche Zeitſchriften. Es iſt erfreulich, zu bemerken, daß das Ver⸗ langen, Kunde von den gegenwärtigen Zeiter⸗ eigniſſen nicht mehr vermittelſt der ſataniſchen Preſſe zu erhalten, immer größer und daß dieſem Verlangen mehr und mehr durch das Erſcheinen von ſolchen politiſchenOrganen entſprochen wird, welche dem Leſer jene Kunde bringen, ohne den⸗ ſelben zugleich mit Läſterungen über das Heilige und mit Zoten zu beſchmutzen. Die Stunde, wo den hieſigen atheiſtiſchen Zeitungsſchreibern das Monopol endlich genommen wird, ſcheint geſchlagen zu haben. In den letzten Wochen ſind uns zwei neue politiſche Wechſelblätter zu⸗ gekommen, welche beide den Zweck ausſprechen, Chriſten zu einem Organe für ihre Orientirung auf dem weltlichen Gebiete zu dienen. Das er⸗ ſtere kommt in Louisville, Ky., unter dem Titel: „Wächter im Weſten“ heraus. Das Blatt wird von einer Geſellſchaft „evangeliſcher“ (unir⸗ ter und reformirter) Proteſtanten je wöchentlich einmal h erausgegeben und von einem Herrn Leo⸗ pold Mader redigirt. Das andere Blatt er⸗ ſcheint in Buffalo unter dem Titel: „Zeit⸗ ſchrift für Staats⸗, Schul⸗ und Bür⸗ ger⸗Sachen,“ redigirt von Herrn Conrad Bär, dem Herausgeber des von Herrn P. Gra⸗ bau redigirten „Informatorium.“ Es iſt ditſe Zeitſchrift der von Herrn Bär früher publicirte „Schul- und Hausfreund“ in veränderter Form.