# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 02 28_S109 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) RRTT und zu Ende ſeinés Briefes an die Coloſſer ſchreibt er: „Und wenn die Epiſtel bei euch geleſen iſt, ſo ſchaffet, daß ſie auch in der Gemeine zu Laodirea geleſen werde, und daß ihr die von Laodicea leſet,“ unter welcher letzteren Epiſtel der Apoſtel wahrſcheinlich ſeinen Brief an die Epheſer meint. Gäbe es nun endlich irgend ein Buch, von welchem man, ſeiner natürlichen Vernunft folgend, etwa dennoch muthmaßen möchte,Waß es nicht jedermann leſen ſollte, Weil es ſehr ſchwer zu verſtehen iſt, ſo iſt es ewih die Offenbarung St. Johannis. Und doch, wie heißt es ſelbſt zu Anfang dieſes Büchs? Finden wir etwa wenigſtens da für Manche eine Warnung vor dem Leſen deſſelben? Nein, das Gegentheil. Es heißt nehmlich ſelbſt im Ein⸗ gange der Offenbarung St. Johannis: „Selig ſſ, derda lieſet und die da hören die Worte der Weiſſagung, und behalten, was darinnen geſchrieben iſt. Doch was ſuchen wir ſolche einzelne ausdrück⸗ liche Befehle zum Bibelleſen? Daß alle Menſchen vit Bibel leſen ſollen, die es können, das iſt ſo iſt geboten, ſo oft es den Apoſtehn geboten iſt, allen Völkern das Evangelium zu predigen, und ſo oft es allen Menſchen geboten vird, die Apoſtel aufzunehmen und zu höͤren. Daß alle Menſchen die Bibel leſen ſollen, das iſt ferner ſo oft geboten, ſo oft es ihnen geboten iſt, ihren Glauben nicht auf Menſchen⸗ ieugniß, ſondern auf die Schrift iugründen und mit dem Schwerdte des Geiſtes, mit dem Worte Gottes, zu kämpfen und zu ſtreiten. So ſchreibt Jeſajas: „Ja,⸗ nach dem Geſetz und Zeugniß. Werden ſie das nicht ſagen, ſo werden ſie die Morgenröthe nicht haben.“ (8, 20.) Daß alle Menſchen die Bibel leſen ſollen, das iſt ferner ſo oft geboten, ſo oft es ihnen geboten iſt, alle Lehrer nach Gottes Wort zu prüfen und zu beurtheilen und ſich nicht von falſchen Propheten verführen zu laſſen. Daß alle Menſchen die Bibel leſen ſollen, iſt ferner ſo oft geboten, ſo oft alle Verführten darum, weil ſie die Schrift haben, für unent⸗ ſchuldigt erklärt werden. „Sie haben Moſen und die Propheten; laß ſie dieſelbigen hören,“ ſpricht Abraham aus dem Himmel zu dem reichen Mann in der Hölle, als dieſer für ſeine verführten und verblendeten Brüder um die Sendung eines Boten aus der anderen Welt bittet. Ja, was ſage ich? Das Bibelleſen iſt allen Menſchen ſo oft geboten, ſo oft ſie nur aufgefordert werden, ſch zu dem Herrn zu bekehren und für ihrer ö Seelen⸗ Seligkeit zu ſorgen; denn die Schrift iſt s, die den Weg zur Seligkeit zeigt; daher paulus an den Timotheus ſchreibt: „Weil du von Kind auf die heil. Schrift weißt, kann dich dieſelbige unterweiſen zur Selig— leit, durch den Glauben an Chriſto Jeſu.“ Johannes aber beſchließt das vorletzte Cap. ſeines Evangeliums mit den Worten: „Dieſe aber ſind teſchrieben, daß ihr glaubet, Jeſus ſei Ihriſt, der Sohn Gottes; und daß ihr durch den Glauben das Leben habt in ſeinem Namen.“ So iſt denn alſo kein Zweifel, das Werk, zu deſſen Betreibung wir uns verbunden haben, —10 — nehmlich das Werk der Verbreitung der Bibel in der Muiterſprache, iſt ein gutes und daher überauus ſeliges Werk. Denn iſt, wie wir geſehen haben, das Leſen der Bibel allen Menſchen von Gott geboten, ſo iſt auch die Verbreitung derſelben unter allen Menſchen von Gott geboten; iſt ſie aber ein von Gottgebotenes, ſo iſt ſie auch ein gutes Werk; iſt ſie aber ein gutes Werk, ſo iſt ſie auch ein Gott gefälliges und überaus ſeliges Werk, ein Werk, das Gott und alle Engel erfreut, ein Werk, das! gewißlich Gottes Ehre befördert, ein Werk, das unter Gottes Schutz ſteht, ein Werk, womit Gott ge⸗ dient wird, ein Werk, das auf einem ewigen Grunde ruht, ein Werk, das nicht zu jenem Holz, Heu und Stoppeln gehört und daher in der Feuerprobe verzehrt wird, ſond ern das zu jenem Gold, Silber und Edelſteinen gehört, die da bleiben und ihren Lohn haben, ein rechtes Chriſtenwerk, das kein Wind der Zeit verweht, ſondern das da ewig bleibet. Selig iſt daher⸗ wer dieſes Werk in rechtem Glauben betreibet! Obgleich es nun hiernach, meine Brüder, zur freudigen Betreibung eines Werkes gewiß ſchon hin reichend iſt, zu wiſſen, daß dasſelbe ein von Gott ſelbſt geboteners Werk iſt, ſo kommt doch bei dem Werke der Verbreitung der Bibel in der Mutterſprache noch dieſes hinzu, daß es auch ein überaus geſegnetes iſt. Laßt mich daher nan noch 2. auch hiervon zu euch ſprechen. Da jetzt ein Bibelbuch um einen ſo geringen Preis zu haben iſt, daß auch der Bettler im Stande iſt, ſich ein Eremplar derſelben ſelbſt zu beſchaffen, ſo ſcheint es freilich etwas Geringes zu ſein, was eine Bibelgeſellſchaft thut, wenn ſie dafür ſorgt, daß, wo möglich, in jedem Hauſe und in jeder Hand eines jeden Chriſten ein Bibelbuch ſei. Allein, meine Brüder, abgeſehen davon, daß es eben die Bibelgeſellſchaften geweſen ſind, durch deren Eifer es erſt dahin gekommen iſt, daß jetzt kein Buch als das Bibelbuch um ein ſo Geringes erlangt werden kann; ich ſage, abgeſehen davon: was ſpricht Chriſtus von dem Werthe eines Bibelbuchs in unſerm Terte? Er ſpricht zu den Juden: „Suchet in der Schrift, denn ihr meinet, ihr habt das ewige Leben darin; und ſieiſt's, die von mir zeuget.“ Chriſtus will ſa— gen: Leſet nur ernſtlich und mik Fleiß in der Schrift, denn ihr wißt es ja ſelbſt und geſteht es ſelbſt zu, daß, wie die Perle in der Muſchel, und wie das Gold im tiefen Schacht, ſo das ewige Leben d. i. der Himmel mit aller ſeiner Seligkeit in der Schrift verborgen liegt, und wenn ihr darin ſuchet, werdet ihr finden, daß ſie o beden⸗ ket die große Gnade!- daß ſie das ewige Leben euch nicht ſelbſt durch ſchwere Werke verdie— nen, ſondern durch den Glauben an mich frei und umſonſt nehmen und genießen heißt. Was ſind alſo alle Schätze der Erde gegen ein Bibelbuch? Was der vergängliche Staub der Erde iſt gegen die unvergänglichen Schätze des Himmels. ö Was iſt alſo das fuͤr ein Werk, was wir Hun, Wert Eir dir Pibelin en Haus bringen 2- O ſegensvolles Werk! Wir führen damit in ein ſolches Haus den ganzen Chor der Apoſtel und ö Propheten, die den Vewohnern deſſelben eint aus freier Gnade zu erlangende ewige Seligkeit wie mit Einer Stimme verkünden. Wir graben damit in einem ſolchen Hauſe einen Brunnen, in welchem die Bewohner ſtets lebendigen Waf⸗ ſers finden die Fülle. Wir pflanzen damit in ein ſolches Haus den Baum des Lebens und machen es ſo für alle, die von ſeinen Früchten genießen wollen, zum ſeligſten Paradieſe. Wir zünden damit in einem ſolchen Hauſe den Stern der Weiſen aus dem Morgenlande an, der dit ſuchenden Seelen noch immer nach Vethlehem leitet zum Heiland der Welt; ja wir legen damit das Jeſuskindlein ſelbſt, in die Windeln der Schrift gewickelt, in ein ſolches Haus und machen daſſelbe dadurch zu dem Stalle, wo das neuge⸗ borne Heil der Welt liegt für alle, die es nur im Hauſe begehren. Wir bauen damit in ein ſolches Haus eine offene Pforte, durch' welche alle Bewohner des Hauſes jede Stunde einen offenen Zugang haben zur Gnade, ja, in den Himmel. Wir tragen damit die rechte Himmels⸗ leiter Jacobs in ein ſolches Haus und verwandeln daſſelbe in ein Allerheiligſtes, wo Gott ſelbſt ſich offenbart, ſich fragen laſſen und der heils⸗ begierigen Seele antworten will. Doch wie? meine Zuhörer! müſſen wir es den Feinden der Bibelverbreitung nicht zugeſte⸗ hen, daß jetzt Unzählige zwar eine Bibel haben, aber dieſen Segen nicht genießen? Wohl iſt es wahr, daß ach! nur zu viele mit der Bibel den Baum des Lebens haben, die doch nicht von ſeinen Früchten genießen; daß ach! nur zu viele mit der Bibel den Quell der Gnade beſitzen, die doch nicht daraus trinken; daß ach! nur zu viele mit der Bibel die offene Pforte des Himmels haben, die doch durch dieſelbe nicht ein⸗ gehen! Aber beweiſt dies etwa, daß die Bibel dunkel und daß das Leſen derſelben daher nutz⸗ los, ja ſchädlich, und daß ſonach das Werk der Bibelverbreitung ein ungeſegnetes ſei? Das ſei ferne! Die dies mit den römiſchen Prieſtern ſagen, ſprechen ſich damit ſelbſt das Urtheil, denn der heil. Apoſtel ſpricht: „Iſt unſer Evan— gelium verdeckt, ſo iſt es bei denen, die verloren werden, verdeckt!“ Und geſetzt meine Brüder, der Segen der Bi⸗ belverbreitung wäre auch wirklich wenigſtens ſehr gering, ſollten wir darum die Hand von dieſem Werke zurückziehen? Wie verfährt Goit? Wußte Gott nicht im Voraus, daß die Güter der Erde von Millionen nur gemißbraucht wer⸗ den würden, und hat er nicht dennoch die aller⸗ herrlichſte Welt und eine Erde geſchaffen, die voll iſt ſeiner Güter? Wußte Gott nicht ferner ſchon von Ewigkeit, daß Millionen die Erlöſung nicht annehmen würden, die er durch die Dahingabe ſeines Sohnes in den Tod vollbringen wollte, und hat er nicht dennoch das unausſprechliche Wunder ſeiner Liebe gethan und ſeinen einge⸗ bornen Sohn nicht dennoch in die Welt geſen— det?— Sollten wir nun nicht „Gottes Nachfol— ger“ ſein, und mit dem heiligen Bibelbuche al⸗