Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 11 › Seite 87

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-01-03, Seite 87

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gotteshaus 3

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reer

Maccabäer, zu erkennen, und iſt man erſt dort,

davon ergriffen worden, ſo wird das Auge auch
für die ſchwächeren Strahlen des Lichts in den
üÜbrigen empfänglich werden.“ ö

Der durchgreifendſte Vorwurf gegen die apokr
Bücher, den zunächſt der Rationalismus aufge⸗
bracht hat und den dann leider auch gläubige
Theologen angenommen und ziemlich allgemein
derbreitet haben, iſt der: „Die Apokryphen ent⸗
halten nichts von einem Meſſias und deſſen
Reich.“ Allein bei unbefangener Erwägung
werden wir darin doch manche Stellen entdecken,
aus denen deutlich hervorgeht, daß ihre Verfaſ—
ſer den Glauben an den zukünftigen Heiland
kannten, z. B. 1 Maccab. 2, 57. und Sir. 47,
13. iſt von einem Könige die Rede, der niemand
anders als unſer Herr Chriſtus ſein kann; daſ⸗—
ſelbe gilt vom 4 Maccab. 14, 41, wo der rechte
Prophet erwähnt wird, den Gott erwecken wollte.

Von der unpartheliſchen Würdigung der Apo—
kryphen, wie von ihrem bisherigen Gebrauche,
ſagt R. Stier treffend: „Wir können uns
die Ueberzeugung noch nicht nehmen laſſen, daß
die Entſtehung der Apokryphen zwiſchen Malea⸗

Zeit vorbereitete griechiſche Alte Teſtament (die
Septuaginta,) ihr dadurch vermittelter Ueber—
gang in die Kirche Chriſti gleich neben dem Alt.
Teſtament und das Anſehen, welches ſie in be—
deutendſten Abtheilungen derſelben bis zum heu—
tigen Tag behauptet haben, inſofern wirklich von
der Vorſehung beabſichtigt ſei, als ſie eine be—
ſonders zweckmäßige Beilage zu dem canoniſchen
Worte Alt. und N. Teſtament ausmachen. Es
könnte wirklich zu Zweifeln an der Wahrheit des
Wortes Chriſti veranlaſſen: „Ich bin kei euch
alle Tage bis an der Welt Ende,“ wenn die
ganze chriſtliche Kirche durch Ihn nicht vor dem
ſchweren Irrthum bewahrt worden wäre, Schrif—
ten, unnütz und ſchädlich zu leſen, für ſolche zu
erklären, welche gut und nützlich zu leſen ſind.“

Bei dem Leſen der apokr. Bücher ſollen wir
nie vergeſſen, daß von ihnen nicht das Wort
gilt, wie von den canon. Büchern: Hiehe dei-
ne Schuhe aus, denn das Land, da du auf ſte—
heſt, iſt heiliges Land,“ ſondern das Wort:
„Prüfet Alles und das Gute behaltet.“ Daher
ſollen wir Ausſprüche derſelben nie zum Beweis
von Lehren gebrauchen, die nicht in den canon.
Büchern gegründet ſind, z. B. zu den oben er—
wähnten Lehren von Schutzengeln, vom Fege—
feuer, von Fürbitten für die Todten. Mißver⸗
ſtändliches, z. B. von der Verdienſtlichkeit des
Gehorſams gegen Eltern Sir. 3, 4. 6. und na⸗
mentlich der Allmoſen Tob. 12, 9., ſollen wir
nach dem Zuſammenhange der heilſamen Lehre
zurechtſtellen und überhaupt immer deſſen ein⸗
gedenk ſein, daß in dieſen Büchern unvergleich—
lich mehr Wahres und Nützliches, als Falſches
und Schädliches enthalten iſt, wie ſie denn na—
mentlich viel Treffliches zur Erläuterung der
10 Gebote darbieten.

Um noch etwas von zweien dieſer Bücher zu
erwähnen, ſo wurde J eſus Sirach mit dem
Namen Eccleſiaſtikus, d. i. kirchliches Buch, be⸗

zeichnet, weil es in der Kirche zur Erbauung der
Sitten geleſen und ſelbſt die Epiſtel am Tage
St. Johannis des Evangeliſten (Sir. 15, 1-8.)
und die ſonntägliche Lektion zur Katechismus⸗
lehre (Sir. 3, 1-18.) daraus genommen wurde.
Dr. Luther ſpricht ſich über dies Buch in ſeiner
Verrede alſo aus: „Es iſt ein nützlich Buch
für den gemeinen Mann, denn auch alle ſein
Fleiß iſt, daß er einen Vürger und Hausvater
gottesfürchtig, fromm und klug mache, wie er
ſich gegen Gott, Gottes Wort, Prieſter, Eltern,
Weib, Kinder, eigen Leib, Gütern, Knechte, Nach⸗
barn, Freunden, Feinden, Obrigkeit u. jeder—
mann halten ſoll, daß man es wohl möchte nen—
nen ein Buch von der Hauszucht oder von den
Tugenden eines frommen Hausherrn, welches
auch die rechte geiſtliche Zucht iſt und heißen
ſoll.“

Wie nun Dr. Luther gerathen hat, zu Zeiten
auch über dies Buch zu predigen, ſo hat dies
ſein Schüler Joh. Matheſius in Joachims⸗
thal in Gemeinſchaft mit ſeinen Collegen gethan.
Dieſen Predigten, die einen ſtarken Folioband
ausmachen, hat er als Motto den Spruch des

chi und Chriſtus, ihr Anſchluß an das für Chriſti Clemens Romanus (in den canon. apostol.)

vorgeſetzt: „Ihr ſollet auch wohl lernen die
Weisheit Sirach, ja wir wollen auch, daß ihr
daſſelbige Buch euren Schülern und Jüngern
gar gemein und bekannt machet.“

Valerius Herberger, Pfarrer in Frau⸗
ſtadt, geſt. 1627, ſagt in der „Erklärung des
Hans- und Zuchtbuches Jeſus Sirach in 97
Predigten,“ von demſelben Buche: „Es iſt
bräuchlich geweſen, daß man die Schulkinder
nach dem Katechismo läßt in dem Sirach leſen,
damit der lieben zarten Jugend bald anfangs
gleichſam als mit der Muttermilch die Gottes—
furcht und chriſtliches Leben möge eingeflößt
werden.“

Vom Buche der Weisheit ſagt Dr. Luther in
ſeiner Vorrede über dies Buch: „Es iſt viel
gutes Dings drinnen und wohl werth, daß
man's leſe. — Daraus man klärlich erkennen
kann, daß es Weisheit hier heißt, nicht die
tlugen hohen Gedanken der heidniſchen Lehrer
und menſchlichen Vernunft, ſondern das heilige
göttliche Wort. Und was du hierinnen Lobes
und Preiſes von der Weisheit höreſt, da wiſſe,
daß es nichts anders, denn von dem Worle Got—
tes geſagt iſt.“

Wir ſchließen mit den letzten Worten jenes
lehrreichen Aufſatzes: „Eine ſehr bedenkliche
Seite dieſer Polemik (gegen die apokryphiſchen
Büchter) und der mit ihr Hand in Hand gehen—
den Thätigkeit von Colporteurs der Brittiſchen
Bibelgeſellſchaft, welche das chriſtliche Volk ge—
gen die Bibeln mit Apokryphen einzunehmen
ſuchen, iſt die, daß die Auetorität der
Kirche, diejetzt, wenn je, zarte Scho⸗
nung verdient und welchemuthwil⸗
lig anzugreifen jetzt ein beſonders
ſchweres Vergehen iſt, da durch ei⸗
nen neuen Stoß erhält. Was ſollen
die Leute von einer Kirche denken, welche von
ihren erſten Anfängen an und durch die Jahr⸗

hunderte ihres Beſtehens hindurch Bücher als
nützlich und gut zu leſen den Ihrigen empfoh⸗
len und ſie der Sammlung der heiligen Schrift
beigefügt hat, welche in Wahrheit unnütz und
ſchädlich zu lſen ſind?“ K.

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Der ũ herwundene Prahlhans.

Nicht gar weit von hier liegt ein Badeort, in
welchem jährlich zur Sommerzeit allerhand Leute
ſich aufhalten, theils um des Badens willen,
theils um nach Kräften vergnügt zu ſein. Da
ſaßen eines Tages in dem Geſellſchaftsſaale
mehrere Herren beiſammen, die aus dem benach⸗
barten, höchſt aufgeklärten Städtchen juſt her⸗
übergekommen waren. Und wie ſie miteinander
in munterm Geſpräche waren, kam die Rede
auch auf die Religion, welche bekanntermaßen in
jetziger Zeit bei den Aufgeklärten nicht ſonder—
lich im Rufe ſteht. Sie redeten allerhand Su⸗
perkluges, und tranken dazu Limonade mit Wein,
weil der Tag ſchwüle war. Einer von ihnen,
ein dicker Herr, nahm einen tiefen Trunk und
ſagte mit hoher Zufriedenheit: „Ich habe die
Pfaffenweisheit ſatt; ich bin ſeit 10 Jahren mit
meinem Fuß in keiner Kirche geweſen!“ Hier⸗
bei ſah er in hohem Maaße ſtolz aus und guckte
mit Majeſtät in ſein Weinglas. ö

Da trat ein ältlicher Mann hinzu, der dem
Geſpräche bis dahin nur ſchweigend aus der
Ferne zugehört hatte, aber jetzt nicht länger zu⸗
rückhalten konnte. Er ſagte: „O meine Her—
ren! bloß 10 Jahre nicht in der Kirche? das
will noch gar nichts ſagen! In meinem Orte
kenne ich einen Mann, der iſt 46 Jahre alt, und
iſt bloß ein einziges Mal in ſeinem Leben in der
Kirche geweſen, nämlich an dem Tage, wo er ge⸗
tauft wurde.“

Alle ſahen den Sprecher an und ſchienen ver⸗
wundert. „Wie geht das zu?“ fragte endlich
rer Prahler. „Sehen Sie, mein Herr,“ antwor⸗
tete der Fremde, „der arme Menſch und bei die⸗
ſem Wort wies er mit ſeinem Finger auf ſeine
Stirn—der arme Menſch iſt hier nicht richtig.“

(Halleſches Volksblatt).

Freibeit oder Frechbeit.

Unter dieſer Ueberſchrift findet ſich in der 23.
und 24. Nummer des „National Demo-
kraten“ ein Aufſatz des Herausgebers, Herrn
Friedrich Schmidt's, den wir, wenn es der Raum
geſtattete, wohl gern unſeren Leſern mittheilen
möchten. Es findet ſich darin eine Revue einer
großen Anzahl hieſiger deutſcher politiſcher Blät—
ter, die uns ſchreckenerregende Enthüllungen über
deren unmoraliſche, irreligiöſe, ja atheiſtiſche
Tendenzen macht. Außerdem zeigt der Aufſatz,
mit welcher ſchaamloſen Frechheit die hieſigen
Zeitungsſchreiber in die Welt hinaus ſchreiben,
daß ſie mit dieſen ihren Unfläthereien die allge—
meine Geſinnung der hieſigen Deutſchen treu
repräſentiren. Wir können nicht unterlaſſen,
wenigſtens die beherzigungswerthen Worte un—
ſeren Leſern mitzutheilen, womit Herr Friedrich
Schmidt, ſich an alle hieſige beſſer geſinnte Deut⸗

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