# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 01 03_S87 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) reer Maccabäer, zu erkennen, und iſt man erſt dort, davon ergriffen worden, ſo wird das Auge auch für die ſchwächeren Strahlen des Lichts in den üÜbrigen empfänglich werden.“ ö Der durchgreifendſte Vorwurf gegen die apokr Bücher, den zunächſt der Rationalismus aufge⸗ bracht hat und den dann leider auch gläubige Theologen angenommen und ziemlich allgemein derbreitet haben, iſt der: „Die Apokryphen ent⸗ halten nichts von einem Meſſias und deſſen Reich.“ Allein bei unbefangener Erwägung werden wir darin doch manche Stellen entdecken, aus denen deutlich hervorgeht, daß ihre Verfaſ— ſer den Glauben an den zukünftigen Heiland kannten, z. B. 1 Maccab. 2, 57. und Sir. 47, 13. iſt von einem Könige die Rede, der niemand anders als unſer Herr Chriſtus ſein kann; daſ⸗— ſelbe gilt vom 4 Maccab. 14, 41, wo der rechte Prophet erwähnt wird, den Gott erwecken wollte. Von der unpartheliſchen Würdigung der Apo— kryphen, wie von ihrem bisherigen Gebrauche, ſagt R. Stier treffend: „Wir können uns die Ueberzeugung noch nicht nehmen laſſen, daß die Entſtehung der Apokryphen zwiſchen Malea⸗ Zeit vorbereitete griechiſche Alte Teſtament (die Septuaginta,) ihr dadurch vermittelter Ueber— gang in die Kirche Chriſti gleich neben dem Alt. Teſtament und das Anſehen, welches ſie in be— deutendſten Abtheilungen derſelben bis zum heu— tigen Tag behauptet haben, inſofern wirklich von der Vorſehung beabſichtigt ſei, als ſie eine be— ſonders zweckmäßige Beilage zu dem canoniſchen Worte Alt. und N. Teſtament ausmachen. Es könnte wirklich zu Zweifeln an der Wahrheit des Wortes Chriſti veranlaſſen: „Ich bin kei euch alle Tage bis an der Welt Ende,“ wenn die ganze chriſtliche Kirche durch Ihn nicht vor dem ſchweren Irrthum bewahrt worden wäre, Schrif— ten, unnütz und ſchädlich zu leſen, für ſolche zu erklären, welche gut und nützlich zu leſen ſind.“ Bei dem Leſen der apokr. Bücher ſollen wir nie vergeſſen, daß von ihnen nicht das Wort gilt, wie von den canon. Büchern: Hiehe dei- ne Schuhe aus, denn das Land, da du auf ſte— heſt, iſt heiliges Land,“ ſondern das Wort: „Prüfet Alles und das Gute behaltet.“ Daher ſollen wir Ausſprüche derſelben nie zum Beweis von Lehren gebrauchen, die nicht in den canon. Büchern gegründet ſind, z. B. zu den oben er— wähnten Lehren von Schutzengeln, vom Fege— feuer, von Fürbitten für die Todten. Mißver⸗ ſtändliches, z. B. von der Verdienſtlichkeit des Gehorſams gegen Eltern Sir. 3, 4. 6. und na⸗ mentlich der Allmoſen Tob. 12, 9., ſollen wir nach dem Zuſammenhange der heilſamen Lehre zurechtſtellen und überhaupt immer deſſen ein⸗ gedenk ſein, daß in dieſen Büchern unvergleich— lich mehr Wahres und Nützliches, als Falſches und Schädliches enthalten iſt, wie ſie denn na— mentlich viel Treffliches zur Erläuterung der 10 Gebote darbieten. Um noch etwas von zweien dieſer Bücher zu erwähnen, ſo wurde J eſus Sirach mit dem Namen Eccleſiaſtikus, d. i. kirchliches Buch, be⸗ zeichnet, weil es in der Kirche zur Erbauung der Sitten geleſen und ſelbſt die Epiſtel am Tage St. Johannis des Evangeliſten (Sir. 15, 1-8.) und die ſonntägliche Lektion zur Katechismus⸗ lehre (Sir. 3, 1-18.) daraus genommen wurde. Dr. Luther ſpricht ſich über dies Buch in ſeiner Verrede alſo aus: „Es iſt ein nützlich Buch für den gemeinen Mann, denn auch alle ſein Fleiß iſt, daß er einen Vürger und Hausvater gottesfürchtig, fromm und klug mache, wie er ſich gegen Gott, Gottes Wort, Prieſter, Eltern, Weib, Kinder, eigen Leib, Gütern, Knechte, Nach⸗ barn, Freunden, Feinden, Obrigkeit u. jeder— mann halten ſoll, daß man es wohl möchte nen— nen ein Buch von der Hauszucht oder von den Tugenden eines frommen Hausherrn, welches auch die rechte geiſtliche Zucht iſt und heißen ſoll.“ Wie nun Dr. Luther gerathen hat, zu Zeiten auch über dies Buch zu predigen, ſo hat dies ſein Schüler Joh. Matheſius in Joachims⸗ thal in Gemeinſchaft mit ſeinen Collegen gethan. Dieſen Predigten, die einen ſtarken Folioband ausmachen, hat er als Motto den Spruch des chi und Chriſtus, ihr Anſchluß an das für Chriſti Clemens Romanus (in den canon. apostol.) vorgeſetzt: „Ihr ſollet auch wohl lernen die Weisheit Sirach, ja wir wollen auch, daß ihr daſſelbige Buch euren Schülern und Jüngern gar gemein und bekannt machet.“ Valerius Herberger, Pfarrer in Frau⸗ ſtadt, geſt. 1627, ſagt in der „Erklärung des Hans- und Zuchtbuches Jeſus Sirach in 97 Predigten,“ von demſelben Buche: „Es iſt bräuchlich geweſen, daß man die Schulkinder nach dem Katechismo läßt in dem Sirach leſen, damit der lieben zarten Jugend bald anfangs gleichſam als mit der Muttermilch die Gottes— furcht und chriſtliches Leben möge eingeflößt werden.“ Vom Buche der Weisheit ſagt Dr. Luther in ſeiner Vorrede über dies Buch: „Es iſt viel gutes Dings drinnen und wohl werth, daß man's leſe. — Daraus man klärlich erkennen kann, daß es Weisheit hier heißt, nicht die tlugen hohen Gedanken der heidniſchen Lehrer und menſchlichen Vernunft, ſondern das heilige göttliche Wort. Und was du hierinnen Lobes und Preiſes von der Weisheit höreſt, da wiſſe, daß es nichts anders, denn von dem Worle Got— tes geſagt iſt.“ Wir ſchließen mit den letzten Worten jenes lehrreichen Aufſatzes: „Eine ſehr bedenkliche Seite dieſer Polemik (gegen die apokryphiſchen Büchter) und der mit ihr Hand in Hand gehen— den Thätigkeit von Colporteurs der Brittiſchen Bibelgeſellſchaft, welche das chriſtliche Volk ge— gen die Bibeln mit Apokryphen einzunehmen ſuchen, iſt die, daß die Auetorität der Kirche, diejetzt, wenn je, zarte Scho⸗ nung verdient und welchemuthwil⸗ lig anzugreifen jetzt ein beſonders ſchweres Vergehen iſt, da durch ei⸗ nen neuen Stoß erhält. Was ſollen die Leute von einer Kirche denken, welche von ihren erſten Anfängen an und durch die Jahr⸗ hunderte ihres Beſtehens hindurch Bücher als nützlich und gut zu leſen den Ihrigen empfoh⸗ len und ſie der Sammlung der heiligen Schrift beigefügt hat, welche in Wahrheit unnütz und ſchädlich zu lſen ſind?“ K. — ——————— Der ũ herwundene Prahlhans. Nicht gar weit von hier liegt ein Badeort, in welchem jährlich zur Sommerzeit allerhand Leute ſich aufhalten, theils um des Badens willen, theils um nach Kräften vergnügt zu ſein. Da ſaßen eines Tages in dem Geſellſchaftsſaale mehrere Herren beiſammen, die aus dem benach⸗ barten, höchſt aufgeklärten Städtchen juſt her⸗ übergekommen waren. Und wie ſie miteinander in munterm Geſpräche waren, kam die Rede auch auf die Religion, welche bekanntermaßen in jetziger Zeit bei den Aufgeklärten nicht ſonder— lich im Rufe ſteht. Sie redeten allerhand Su⸗ perkluges, und tranken dazu Limonade mit Wein, weil der Tag ſchwüle war. Einer von ihnen, ein dicker Herr, nahm einen tiefen Trunk und ſagte mit hoher Zufriedenheit: „Ich habe die Pfaffenweisheit ſatt; ich bin ſeit 10 Jahren mit meinem Fuß in keiner Kirche geweſen!“ Hier⸗ bei ſah er in hohem Maaße ſtolz aus und guckte mit Majeſtät in ſein Weinglas. ö Da trat ein ältlicher Mann hinzu, der dem Geſpräche bis dahin nur ſchweigend aus der Ferne zugehört hatte, aber jetzt nicht länger zu⸗ rückhalten konnte. Er ſagte: „O meine Her— ren! bloß 10 Jahre nicht in der Kirche? das will noch gar nichts ſagen! In meinem Orte kenne ich einen Mann, der iſt 46 Jahre alt, und iſt bloß ein einziges Mal in ſeinem Leben in der Kirche geweſen, nämlich an dem Tage, wo er ge⸗ tauft wurde.“ Alle ſahen den Sprecher an und ſchienen ver⸗ wundert. „Wie geht das zu?“ fragte endlich rer Prahler. „Sehen Sie, mein Herr,“ antwor⸗ tete der Fremde, „der arme Menſch und bei die⸗ ſem Wort wies er mit ſeinem Finger auf ſeine Stirn—der arme Menſch iſt hier nicht richtig.“ (Halleſches Volksblatt). Freibeit oder Frechbeit. Unter dieſer Ueberſchrift findet ſich in der 23. und 24. Nummer des „National Demo- kraten“ ein Aufſatz des Herausgebers, Herrn Friedrich Schmidt's, den wir, wenn es der Raum geſtattete, wohl gern unſeren Leſern mittheilen möchten. Es findet ſich darin eine Revue einer großen Anzahl hieſiger deutſcher politiſcher Blät— ter, die uns ſchreckenerregende Enthüllungen über deren unmoraliſche, irreligiöſe, ja atheiſtiſche Tendenzen macht. Außerdem zeigt der Aufſatz, mit welcher ſchaamloſen Frechheit die hieſigen Zeitungsſchreiber in die Welt hinaus ſchreiben, daß ſie mit dieſen ihren Unfläthereien die allge— meine Geſinnung der hieſigen Deutſchen treu repräſentiren. Wir können nicht unterlaſſen, wenigſtens die beherzigungswerthen Worte un— ſeren Leſern mitzutheilen, womit Herr Friedrich Schmidt, ſich an alle hieſige beſſer geſinnte Deut⸗