Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 11 › Seite 80
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-01-03, Seite 80
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immer weiter, ſtill und ſegensreich fortſchreiten⸗
des Werk, das auch bei uns allgemeinere Beach⸗
tung und Nachahmung verdiente. Der ihm zu
Grunde liegende Gedanke iſt der: alle evange⸗
liſche Chriſten Frankreichs zu brüderlicher Hand-
reichung und gemeinſamer Förderung aller von
der freien chriſtlichen Liebe geſtifteten Werke zu
vereinigen, die auf mancherlei Weiſe den Bau
„des Reiches Gottes bezwecken und es namentlich
auch den Unbemittelten möglich zu machen, ſich
dabei zu betheiligen.
Die Einrichtung der Sou⸗Collecte ſelbſt iſt
höchſt einfach, nur daß es beſonders hervorgeho—
ben zu werden verdient, daß es Frauen ſind,
die ſich zu ſolchem ſtillen Dienſte der Liebe per⸗
ſönlich die Hände reichen, um die einzelnen
Scherflein der Barmherzigkeit einzuſammeln.
Es giebt 3Claſſen von Sammlerin⸗
nen.
Jede Sammlerin der 1ſten Claſſe beſorgt die
Einſammlung des wöchentlichen Sou (Cent)
von 10 Gebern, die dafür unterzeichnet haben.
Jede Sammlerin der Lten Claſſe empfängt
von je 10 Sammlerinnen der üſten Claſſe wö⸗
chentlich ihre Einn ahmen.
Jede Sammlerin der Zten Claſſe liefert alle
10 Wochen alle eingegangenen Gelder einer
Schatzmeiſterin ab, welche die Centralcaſſe hat,
in welche auch die außerordentlichen Beiträge
fließen. Bei dieſer Ablieferung ſind immer die
Sammlerinnen der Lten Claſſe gegenwärtig, wo⸗
bei auch perſönliche Mittheilung und Berathung
über den Gang des Werkes ſtatt findet.
Die Verwaltung der Collecte iſt einem
Committe aus allen Sammlerinnen der Zten
Claſſe, der Schriftführerin und der Schatzmei⸗
ſterin anvertraut, welche beide letztern durch die
eben bezrichneten Sammlerinnen gewählt wer⸗
den, während eine Hülfsſe ommitte von
Männern zu allen auf die Verwendung
der Gelder bezüͤglichen Fragen beigezogen wird.
Die Pariſer Geſellſchaft iſt bereits Mittel⸗
punkt für mehrere Vereine in größeren Städten
des Landes geworden, während ſich an Straß⸗
burg andere Städte und Gemeinden im Elſaß
angeſchloſſen haben.
Die Straßburger Geſellſchaft verwendet
ihre Einnahme auf folgende Weiſe: 4-5 und
zwar zur Hälfte für die Pariſer Sou⸗Geſellſchaft,
zur andern Hälfte für die wohlthätigen Geſell⸗
ſchaften und Anſtalten in Straßburg und dem
Elſaß, während das letzte Fünftheil der Com⸗
mitte zur außerordentlichen Verwendung für an⸗
derweitige Vereine und Werke verbleibt.
Die Straßburger Jahreseinnahme von
1851 bis 1852 betrug 8449 Franken und ver⸗
theilte ſich, den beſtimmten Beitrag für Paris
abgerechnet, auf 10 dem Elſaſſe angehörende
Vereine und Werke, die regelmäßig zu drei⸗
en Malen des Jahres unterſtützt werden, wäh⸗
rend durch außerordentliche Gaben an
17 Stellen Handreichung gethan werden konnte.
Die Pariſer Sou⸗Collecte hatte im letzten
Rechnungsjahre eine Geſammteinnahme von
12,122 Franken, wozu freilich der Straßburger
Verein allein den Aten Theil, nämlich 3000
Franken beigetragen hatte. Die Pariſer Geſell⸗
ſchaft unterſtützte 25 Anſtalten und Geſellſchaf—
ten, woran ſich die Straßburger ebenfalls durch
ihren eben erwähnten Beitrag betheiligte und
auf ſolche Weiſe, mit Hinzurechnung obiger 27
Geſellſchaften, im Ganzen 52 derſelben an ver—
ſchiedenen Qrten im Laufe Eines Jahres un⸗
terſtützte. In der That ein ſchönes Zeugniß von
dem Bande der brüderlichen Liebe und Gemein⸗
ſchaft, das die evangeliſchen Chriſten in Frank⸗
reich umſchließt!
Doch meint der letzte Straßburger Be⸗
richt: „zählen wir im Departement des Nieder⸗
rheins auf 150,000 Proteſtanten 30,000 Fami⸗
lienväter,‚“ ſo hätten wir, anſtatt daß nur 7000
Franken eingeſammelt worden ſind, 78,000
Franken einſammeln ſollen. Wo bleibt da alles
Rühmen?
Freilich erſcheint nach dem Maaßſtabe ſolcher
Berechnung jene Pariſer Haupteinnahme für
das proteſtantiſche Frankreich noch äußerſt ge⸗
ring. Denn rechnen wir 13 Millionen Prote⸗
ſtanten in Frankreich und verlangen den wöchent—
lichen Sou nur von den 700,000 Familienvä⸗
tern, ſo ſollte die Sou-Collecte 780,000 Franken
jährlich ſammeln.“
Statt deſſen fragen wir aber lieber, wo iſt die
Treue im Kleinen, welche ſo die Scherflein der
Liebe zu ſammeln und, zunächſt rein äußerlich
angeſehen, mit ſolcher Weisheit und Zweckmä—
ßigkeit kleine Gaben zu ſo bedeutenden Hülfs⸗
leiſtungen zu vereinigen ſtrebt, daß daraus ein
Band, und das iſt doch kein bloß äußerliches, um
allerlei Arbeit rettender Liebe durch eine ganze
Nation hin geſchlungen wird? und ſollte nicht
der leitende Gedanke der franzöſiſchen Sou⸗Col⸗
lecten auch in unſerm Vaterlande, und beſonders
in den Kreiſen evangeliſcher Frauen eine ſegens⸗
reiche Anwendung im Kleinen wie im Großen
finden können?
Dieſen Mittheilungen aus den „fliegenden
Blättern“ (herausgegeben v. Dr. Wichern, Vor⸗
ſteher des Rauhen Hauſes bei Hamburg,) füge
ich noch Folgendes hinzu. Sollte uns dieſe
Liebesthätigkeit nicht ein Mahnruf ſein: Gehet
hin und thut desgleichen!? Wie Großes könnte
durch ähnliche wöchentliche Sammlungen kleiner
Beiträge ausgerichtet werden, an denen nicht
bloß die Familienväter, ſondern alle communi⸗
cirende Gemeindeglieder ſich betheiligen ſollten
und könnten. Sollte denn unſer Glaube weni⸗
ger thätig ſein in der Liebe, als jener ihr Glau⸗
be? Das wäre fürwahr kein erfreuliches Kenn⸗
zeichen für die Frucht des Wortes Gottes, das
uns lauter und rein verkündiget wird! Bedür⸗
fen nicht vor allem unſere Lehranſtalten, dann
aber auch unſere Miſſionen unter den Indianern
und endlich auch die Anſtalten zur Verbreitung
der Bibel und reiner Traetate, zum Beſuche zer⸗
ſtreuter und verlaſſener Lutheranet und ſo man⸗
ches Andere, was noch gar nicht einmal angeregt
worden iſt, — bedarf dies Alles nicht einer weit
regelmäßigeren und kräftigeren Unterſtützung,
Wohlan denn ihr Diener des Worts ermun⸗
tert eure Gemeinden zu ſolcher Liebesthätigkeit,
und ihr Gemeinden gehorchet auch hierin euren
Lehrern und folget ihnen!
Erſchollen iſt abermals der fröhliche und ſelige
Adventsruf: Siehe, dein König kommt zu dir
und er tönt durch jede Predigt im ganzen Kir“
chenjahre. Darum nehmet dieſen König im!
Glauben an ſein heiliges Evangelium mit Freu⸗
den auf als eure Gerechtigkeit wider eure Sün⸗
de, als euren Helfer wider euren Tod, ſinget
und betet ein Hoſianna nach dem andern, daß
ſein Reich bei euch und in aller Welt gemehrel
und gefördert werde, und daß es euch mit ſol⸗
chem Glauben und Gebet ein Ernſt ſei, beweiſel
damit, daß ihr nach dem Vorbilde jenes jubeln⸗
den Volkes dem Herrn Chriſto eure Kleider auf
den Weg breitet, „daß er doch,“ wie Dr. Luther
ſagt, „ein wenig einen herrlichen und ehrlicher'
Einzug möge haben. Solches geſchiehet als-
dann, wenn wir das Predigtamt fördern nach
unſerm Vermögen, daß man helfe mit Geld und
Gut, auf daß man feine, gelehrte, fromme Leute
aufziehe, die den Kirchen mit dem Wort und gu⸗
tem Wandel fürgehen.“ K. ö
(Eingeſandt.)
Die Auswanderung
der evangeliſch lutheriſchen Salzburger
in den Jahren 1731, 32 und 33.
—
Vielleicht haſt du, l. Leſer, ſchon vernommen
daß vor etwas mehr als hundert Jahren ganzt
Schaaren ernſter und frommer Lutheraner aus
dem Salzburgerlande durch die deutſchen Gauen
zogen, um ſich eine Freiſtätte in der Fremde zu
ſuchen, weil ſie daheim von den Papiſten ihres
Glaubens wegen hart bedrängt worden waren
und daß dann dieſelben größtentheils in den preu⸗
ßiſchen Landen ſich niederließen, ein Theil aber
auch über das Weltmeer ſegelte und ſich eine neue
Heimath in dieſem unſerm neuen Vaterlande
gründete; oder vielleicht iſtdir des alten Schait—
bergers „Sendbrief“ zu Geſicht gekommen
und hat dich auf die ſalzburgiſchen Glaubens⸗—
brüder und ihre damaligen Nöthen und ihren
lebendigen Glauben aufmerkſam gemacht, oder,
du haſt in einem Erbauungsbuche des vorigen
Jahrhunderts eine Rede an die „ſalzburgeſchen
Emigranten“ gefunden — genug, von der Ge⸗
ſchichte ihrer Auswanderung etwas zu hören,
wird dir dann nur um ſo willkommener ſein.
Ich habe vor mir ein Büchlein, das ein Nach⸗
kömmling derſelben verfaßt hat. Aus ihm, und
meiſt mit ſeinen Worten laß dir erzählen.x)
Südwärts von dem heutigen Königreich Bay⸗
ern liegt das Salzburgerland. Ein wunderſames,
an großartigen Naturſchönheiten reiches Land!
Wenn man es zum erſtenmal betritt, macht es
„ Dies Bichlein i bertelt: „Geſchichte der evangel. Sal⸗
burger in den Jahren 1731, 32 u. 33. Für das Volk bear⸗
beitet nach dem gelehrten Werke: „Geſchichte der Auswan⸗
derung der evangel. Salzburger Anno 1732 von Karl Panſe.
Leipzig 1827é. Im Jahre 1848 erſchien zu Nürnberg bereis P
die ſiebente Auflage die ſes Büchleins.
als es bisjetzt gefunden hat? x
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