Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 11 › Seite 85
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-01-03, Seite 85
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengehen 6
Amichriſtenthums ſei. — *)
ber die in Prag unſchuldige Lämmer geweſen
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befeſtigen, was auch immer übrigens die Kirche
wirklich der Sitz des Antichriſtes und des
Rach dem Mitgetheilten ſcheint es nun frei⸗
lich eine höchſt überflüſſige Arbeit zu ſein, ein
Wort gegen die Zweifel zu verlieren, welche ſo⸗
woͤhl der St. Louiſer jeſuitiſche „Herold des
Glaubens,“ als die New Horker jeſuitiſche „Kir⸗
chenzeitung“ Herrn Oertels gegen den jeſuitiſchen
Urſprung des No. 5. mitgetheilten Prager Brie—
ſes von 1629 erhoben oder vielmehr geheuchelt
haben. Oder ſollte ſich jemand vielleicht nun
noch den ſüßen Gedanken hingeben, daß die Je⸗
ſuiten zwar ſonſt in der ganzen Welt alles Ge⸗
wiſſens baare, abgefeimte Ränkeſchmieder, daß
ſtien, denen man die Niederträchtigkeit nur mit
hoͤchſter Unbill zutrauen dürfe, die in jenem ano⸗
nymen Jeſuitenbriefe documentirt iſt? Gewiß
nicht. Um jedoch die hieſigen „unterſten Hand⸗
langer“ der Jeſuiten ganz zufrieden zu ſtellen,
theilen wir denſelben noch Folgendes mit:
Um die Zeit, als der mitgetheilte Brief ge—
ſchieben wurde, war Erzbiſchof von Prag der
Cardinal Ernſt Adalbert Graf von
Harrach. Von dieſem liegt ein Brief vor, in
pelchem er ſeine Jeſuiten ſo abmalt, daß man
ſch von ihnen leicht eine lebendige Vorſtellung
nachen kann. Welches Bild entwirft nun aber
dieſer treue Unterthan des Papſtes von ſeinen
prager Jeſuiten?“) Er ſchreibt über dieſelben
an Papſt Urban VIII., nachdem er über die
vielen Verderber der Kirche in Böhmen geklagt,
U. A. folgendermaßen: „Und unter dieſen ſind
in dieſem Reiche (Böhmen) die Jeſuiten die
allerverderblichſten, indem ſie mit unbeugſamer
Ctele, ſelbſt auf die Gefahr des Unterganges
der Kirche hin, nach ihrer Macht trachten ...
Eines doppelten Armes bedarf es hier, ſowohl
des Königs gegen die Politiker und Weltlichen,
als Deiner Heiligkeit gegen die erimirten Ordens⸗
kute, und wäre es auch allein gegen die Jeſui⸗
tn, welche mit furchtbarer Kühnheit und Arg⸗
liſt bereits nicht mehr im Geheimen darauf hin⸗
arbeiten, daß ihnen — wenn ſie nur ſelbſt ſowohl
an Reichthümern wachſen, als auch in den Ge—
nüthern der Politiker die Meinung von der
höchſten Gunſt und Macht, die ſie allenthalben
genöſſen, und von der Untrüglichkeit ihrer Lehre
lehren, die Kirchengeſetze und Rechte gebieten,
der Erzbiſchof oder Papſt befehlen und durch
welche Mittel ſie dies auch erzielen mögen, ſelbſt
venn es dadurch geſchehen müßte, daß ſie, wie
ſi drohen, der Kirche die Waffe des Bann—
ſrahles nehmen (denn auch dahin dehnen ſie
*) Benn der maskirte Herausgeber des hieſigen „Herold
des Glaubens“ wirklich kein Jeſuit von Profeſſion iſt, ſo iſt
nuch er ein unſere Behauptung erhärtendes Beiſpiel. Der⸗
ſelbe ſchreibt nehmlich: „Es kann nicht geleugnet werden,
daß einzelne Jeſuiten die Sittenlehre modifitirten.“
Dem Herrn Herold iſt alſo die ganze jeſuitiſche Gaunertheo⸗
ni nichts weiter, als eine „Modifieation“ derchriſtli⸗
chen Moral! Fürwahr, ein Euphemismus, der auch den lez⸗
ten Zweifel löſt, welchen Morolgrundſätzen der Herold ſelbſt
hold iſ
) Harrach, das iſt hierbei wohl zu merken, hatte ſogar
ſeine Studien in dem deutſchen Collegium zu Rom unter den
IAſuiten gemacht, kannte daher dieſe ſauberen Herren genau.
—00 —
ſchon ihre Theologie aus), damit ſie nehmlich
dadurch (durch den Bannſtrahl) nicht vielleicht
einmal ſelbſt getroffen werden könnten — daß
ihnen, ſage ich, dies alles erlaubt ſei, nehmlich,
zu jener größeren Ehre Gottes,
deren ſie ſich ſo ſehr rühmen ... Unter den
frühern Kaiſern machten ſie keine großen Fort⸗
ſchritte und da die mächtigeren Hofleute auf
ihre Handlungen ein wachſames Auge hatten,
konnten ſie ſich keine größere Gunſt verſchaffen;
ſo duckten ſie ſich denn in den ſfrüheren Jahren
ſo, daß ſie, da ſie das Haupt nicht bewegen
konnten, wenigſtens heimlich mit dem Schweife
um ſich ſchlugen . . . in der Hoffnung, ſeiner
Zeit bei mehr lächelndem Glücke ſich zu erheben.
Und dies iſt denn auch glücklich geſchehen, als
Kaiſer Ferdinand II. zum Könige von
Böhmen erwählt wurde, deſſen Gnade ſie vor
allem, nachdem ſie dieſelbe ſchon lange vorher
ſich verſchafft hatten, ſich zu erhalten trachteten.
Als aber noch bei Lebzeiten des Kaiſers Mathias
die Böhmen klagten, daß Ferdinand als König
wider die Verträge in Sachen der Religion
habe Neuerungen machen wollen, wurden nicht
nur die königlichen Statthalter von den Böh—
men mit den Waffen in der Hand übel em⸗
pfangen, ſondern auch die Jeſuiten, diie für
die Urheber der Unruhen angeſe⸗
hen wurden, durch ein Edikt der Aufſtän⸗
digen aus dem Reicht ſo lange verbannt, bis
nach unterdeſſen erfolgtem Tode des Kaiſers
Mathias und nach Wiedereroberung Prags
durch die ſiegreichen Waffen des darnach er⸗
wählten Ferdinand auch die Jeſuiten in ihre
Collegien und Häuſer wieder eingeführt wur—
den. Denn ſeit dieſer Zeit haben die Jeſuiten
bei dem ſo guten Fürſten, der ihren Ge⸗
wiſſensräthen bis zum Erſtaunen
Folge leiſtet, immer die höchſte Gunſt ge—
noſſen.“
In dem Folgenden klagt nun der Erzbiſchof,
daß die Jeſuiten die von den Proteſtanten zu⸗
rückgegebenen geiſtlichen Güter durch Liſt und
Gewalt faſt ſämmtlich allein an ſich gezogen, die
Prager Univerſität dem Kaiſer für ſich abge⸗
drungen und ihn, den Erzbiſchof, der Würde ei⸗
nes Kanzlers der Univerſität beraubtihätten, und
fährt fort: „Es wäre mir noch leicht, ihren Haß
zu ertragen, wenn man nur privatim meine
Perſon angriffe, aber da derſelbe ſowohl meine
Gerichtsbarkeit, als das öffentliche Wohl der
Neligion ſo weſentlich berührt, daß dadurch alle,
die ſich meiner Gerichtsbarkeit widerſetzen, be—
ſtärkt zu werden ſcheinen, ſo habe ich es für
nöthig gehalten, den Arm deiner Heligkeit anzu⸗
flehen. Dieſe guten Väter halten ſich überzeugt,
es ſei zu größerer Ehre Gottes von
ſo hoher Wichtigkeit, daßſie mäch⸗
tig ſeien . . . ſie meinen, der Himmel und
der eatholiſche Glaube würden ſogleich gänzlich
zuſammenſtürzen, wenn nicht jedermann mit
höchſter Ehrfurcht, Unterwerfung und beinahe
mit einem Huldigungseid bekennen würde, daß
ſie die Allermächtigſten ſeien ... Wer nur in
meinem erzbiſchöflichen Gericht ein Urtheil wider
ſich erhält, der findet bei ihnen die ſichere Zu⸗
flucht einer gelinderen Lehre; wer nur
die Kirchengüter an ſich reißt, die Kirchenviſita⸗
tionen nicht annimmt und meiner Gerichtsbar⸗
keit ſich widerſetzt, der findet hier eine ſichere
Theologie und überdies bei ihnen, die die Ge⸗
walt haͤben, freundlichen Schutz; wer nur ent⸗
weder vurch heimliche Ketzerei ein Feind der
Kirche oder ein offenbarer Verbrecher iſt, der
fürchtet keine Kirchenzucht, ſo er nur dazu die
Jeſuiten gebraucht oder Einem von ihnen beich⸗
tet; hinter ſolcher Beichte iſt er dann wie hinter
einem Jupiters⸗Schild geborgen; und endlich
kann nun von meiner Gerichtsbarkeit kein Akt
ausgehen, wogegen die Jeſuiten nicht aus ihrer
Theologie ein Gegenmittel ſogleich bei der Hand
hätten und darreichten. Ja, ſie ſehen, daß zur
Behauptung und Befeſtigung dieſer ihrer Macht
die Politiker und weltlichen Herren ihnen viel
zuträglicher ſind, als die Kirche mit ihren Obe⸗
ren ihnen iſt und ſein wird. Es iſt daher
nichts ſo bedenklich, was ſie nicht!
den Gewiſſen der Weltlichen ge⸗
ſtatteten, wenn ſie dabei nur entweder an
Gütern oder an Gunſt reicher werden. I u
Allem ſehen ſie durch die Finger.
Damit ſie aber nicht einmal von ihrer Gewalt
vurch die einzige der Kirche noch übrige Waffe
herabgeſtoßen werden können, drohen ſie in öf⸗
fentlichen Schriften, daß ſie auf Grund ei⸗
ner probabeln Meinung anerkannter
Lehrer beweiſen wollen, daß ſelbſt der bisher in
der Kirche hochheilig gehaltene Bannſtrahl von
den Herren nicht eben ſo ſehr mehr zu fürchten
ſei. Und endlich iſt keine Lehre ſo verkehrt und
gefährlich, die ſie nicht den politiſchen Herren,
welche mit großer Begierde für die gebotene
Freiheit ſind, bei aller Gelegenheit in ihren Re⸗
den vorſetzten und verderblicherweiſe einflößten,
wenn dies nur zur Befeſtigung der weltlichen
Macht, deren Gunſt ſie ſich ganz ergeben, und;
zur Verſpottung meiner Auktorität (welche die
der Kirche iſt) bei den Weltlichen dient. Unter⸗
deſſen ſetzen ſie meine Diener durch die offen⸗
barſten und als falſch klar erwieſene Verleum⸗
dungen und, was noch niederträchtiger iſt, auch;
durch Schmähſchriften bei aller Art von Leuten
und beſonders an den Höfen der Fürſten in eine
ſo große Verachtung und in einen ſo großen Haß
im ganzen Reich, daß es ſchwer iſt, außer meinen
Vertrauten kaum den einen oder anderen zu fin⸗
den, der es noch wagt, mir zu dienen und meine.
Auktorität offen in Böhmen zu ſchützen. Selbſt
die mir untergebenen kirchlichen Perſonen hetzen
ſie wider mich auf, ſo daß die Jeſuiten in dieſem
Reiche den erzbiſchöflichen Reſpekt haben, ich
aber den Namen dieſer Würde. Deine Hei⸗
ligkeit mag daher in Zeiten dafür ſorgen, daß
dieſe ihre ſo hoch geſtiegene Macht nicht endlich
ſo gerathe, daß ſie einſt nur mit dem Ruin der
Kirche in dieſen Theilen ihnen wieder genommen
werden könne. Mir iſt ſie allerdings ſo furcht⸗
bar, daß ich es für beſſer halte, mich zu ſtellen,
als merkte ich die Sache nicht, als mit ſo großer
Gefahr des gemeinen Weſens gegen ſie zu ver⸗
fahren, wie ich allerdings könnte und ſollte. Sie
ſcheinen ſich für die Strafe unerreichbar gemacht
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