Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 11 › Seite 77
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-01-03, Seite 77
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Beſcheid der Lutheraner in Preußen
in Betreff unſerers Streites mit der
Synode in Buffalo.
(Genommen aus dem „Kirchenblatt“, 94.189360 fen von
P. Ehlers in Liegnitz, vom 1. Oct. 1853.)
Manchen Leſern wird ſchon zu Ohnn gekom⸗
men ſein, daß zwei Paſtoren aus den Vereinigten
Staaten von Nord-Amerika zum Beſuch nach
Deutſchland gekommen ſind. Es ſind dieſe der
Paſtor Grabau aus Buffalo, der vormals
landeskirchlicher Prediger in Erfurn war, die
unirte Kirche verließ und, nachdem er um ſeines
Bekenntniſſes willen mehrfach gelitten, im Jahre
1839 nach Amerika auswanderte, und der Paſtor
von Rohr, ehemaliger preußiſcher Hauptmann,
der mit Paſtor Grabau auswanderte, in Amerika
ſich auf das Predigtamt vorbereitete und darnach
zu dieſem Amte ordinirt und Paſtor der luth.
Gemeine in Bergholz wurde. Dieſe beiden
Paſtoren ſind von der nordamerikaniſchen luthe⸗
riſchen Synode (d. h. Kirchenverband) Buffalo,
welche 16 Gemeinen, 12 Paſtoren und etwa
7000 Seelen zählt, nach Europa geſendet worden,
um zunächſt den lutheriſchen Kirchen in Deutſch—
land, darnach denen in Dänemark und Norwegen
und, wenn ihre Zeit ausreicht, auch der in
Schweden einen betrübenden Streit, in welchem
ſeit Jahren die Synode von Buffalo mit der von
Miſſouri liegt, vorzutragen und ihren Beiſtand
und Hülfe gegen ihnen widerfahrne Unb ill in
Anſpruch zu nehmen. Ihre Klage über die
Synode von Miſſouri beſteht aber darin, daß
dieſer Kirchenverband (er beſteht aus 108 Paſto⸗
ren; der Profeſſor Walther und der Paſtor
Wyneken, die vor zwei Jahren Deuiſchland
beſuchten, gehören ihm an) Leute, welche von der
Synode von Buffalo ausgeſchloſſen worden, oh⸗
neeweiteres aufnehmen und daß ſie dieſen Leuten
auf ihr Begehr Prediger zuſenden, und ſagen,
daß ſie das fortſetzen wollen, bis ein Lehrſtreit,
der zwiſchen beiden Synoden ſchwebt, beigelegt
ſein werde. Dieſen beizulegen hat zwar die Sy⸗
node von Miſſouri der von Buffalo ein Religi⸗
onsgeſpräch angeboten; letztere Synode aber hat
darauf nicht eingehen wollen, bis nicht die Sy⸗
node von Miſſouri die von ihr geſendeten Pre⸗
diger zurückrufen würde. Dies zu thun weigert
ſich die Synode von Miſſouri, und will zunächſt
bloß über den beſtehenden Lehrſtreit ein Ge⸗
ſpräch halten. — Die beiden von der Synode
Buffalo abgeſandten Paſtoren haben zuerſt Geiſt⸗
liche im Königreich Hannover beſucht. Darnach
haben ſie an der Paſtoral-Conferenz in Leipzig
(am 30. u. 31. Aug. d. J.) Theil genommen;
am 14. u. 15. September aber waren ſie in
Breslau, wo ſich mehre der in der Umgegend
wohnhaften lutheriſchen Paſtoren verſammelt
hatten, um in einer freien Conferenz mit den
Brüdern aus Amerika ſich zu beſprechen. Auch
einige Glieder der Breslauer Gemeine wohnten
den gepflogenen Beſprechungen bei. — Es liegt
in der Natur der Sache, daß da ein begründetes
Urtheil zwiſchen zwei Parteien zu fällen ſchwierig
iſt, wo nicht beide Parteien gleichmäßig vertreten
ſind, und ſo vermochte dies auch die erwähnte
Conferenz nicht. Es war auch den Abgeordneten
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zunächſt darum zu thun, einige allgemeine Sätze,
die ſie der Conferenz zu Leipzig vorgelegt hatten,
auch von uns begutachtet zu erhalten. Ueber
dieſe Sätze wurde denn auch in Breslau viel
geſprochen; in ihrer Allgemeinheit wurds ihnen
beigepflichtet (doch unter gewiſſen Einſchränkun⸗
gen), aber auch erkannt, daß nun alles darauf
ankomme, ob dieſe Sätze auf die in Amerika
unter den ſtreitenden Synoden vorliegenden Fälle
Anwendung leiden. — Einige Ausſicht auf
Schlichtung des Streites eröffnete der Umſtand,
daß die abgeordneten Brüder ſich rathen ließen,
auf ein Geſpräch mit der Synode von Miſſouri
eingehen zu wollen, auch ohne daß dieſe die vor⸗
hin erwähnten Prediger zuvor abriefe, nur daß
dieſe ſelbſt an dem Geſpräche keinen Antheil näh⸗
men und daß das Verfahren der Miſſourier, über
das ſie klagten, bis zu vollendetem Geſpräch ein⸗
geſtellt würde. Wir fügen noch hinzu, daß die
Conferenz der Meinung war, es werde weſentlich
dazu beitragen, zwiſchen den ſtreitenden Synoden
den Frieden herbeizuführen, wenn das beabſich⸗
tigte Geſpräch von Männern, die außer den
Parteien ſtehen, geleitet wür de; — demgemäß
der Wunſch ausgeſprochen wurde, der HErr
möge Mittel und Wege finden laſſen, zwei Män⸗
ner, etwa einen aus einer der lutheriſchen Lan⸗
deskirchen Deutſchlands, den andern aus der
lutheriſchen Kirche in Preußen, zu dieſem Zwecke
nach Amerika zu ſenden. — — Wir befeh⸗
len unſre Brüder in Amerika, welche in dieſen
verderblichen Streit gerathen ſind, der Fürbitte
unſerer Leſer. Der HErr aber wolle unſer Ge⸗
bet erhören und den Brüdern Frieden ſchenken.
Amen.
(Aus dem Sächſ. Kurchen⸗ Iung Scublaue vom 21. Oet.
Au die ehrwürdige Synode von Miſſouri,
Ohio und andern Staaten —
und von Buffalo.
Gnade und Friede von Gott unſerem Vater
und von dem Herrn Chriſto Jeſu! Amen.
Die Liebe Chriſti dringet uns: ſo ſchreibt der
heilige Apoſtel Paulus 2 Kor. 5, 14. Geehrte,
theure Herren und Brüder, die Sie den ehrwür⸗
digen Synoden von Miſſouri ꝛc. und Buffalo
angehören, auch wir glauben, in aller Demuth
uns dieſes apoſtoliſche Wort aneignen zu dür⸗
fen. Die Liebe Chriſti dringt uns zu dieſem
Schreiben an Sie. Wir richten die inbrünſtige
Bitte an den Herrn, daß, was wir reden, geredet
ſein möge in ſeinem Geiſte und in ſeiner Liebe,
daß er durch ſeinen Geiſt uns jedes Wort, das
wir reden, eingeben wolle. Ach könnten wir
bei Ihnen gegenwärtig ſein, daß wir unſere
Stimme wandeln (Gal. 4, 20,) und Sie könn⸗
ten ſehen laſſen, wie unſer Herz von tiefem Jam⸗
mer darüber erfüllt iſt, daß jetzt ein leidiger, un⸗
ter Brüdern, derſelben Mutter Kindern ausge⸗
brochener, in immer größerer Heftigkeit hervor⸗
tretender Streit das fröhliche Aufblühen unſerer
lieben evangeliſch⸗lutheriſchen Kirche in Amerika,
dem wir von Anfang an mit reger Theilnahm,
gefolgt waren, zu verd eb en droht!
Auch der ehrwürdigen Synode von Miſſouri
wird bekannt geworden ſein, daß zwei Mitglieder
der ehrwürdigen Synode von Buffalo zu uns
herübergekommen ſind und uns nähere Mitthei⸗
lungen über dieſe beklagenswerthen Zerwürfniſſe
gemacht haben. Auch auf der am 31. Auguſt
und 1. September im Anſchluſſe an die vorauf⸗
gegangene Miſſionsfeier gehaltenen Konferenz
zu Leipzig iſt auf Veranlaſſung jener beiden
Brüder dieſe die ganze lutheriſche Kirche ſo we⸗
entlich betreffende Angelegenheit einer theilneh⸗
menden Berathung unterworfen, wobei den Un⸗
terzeichneten das, was ohnehin ihrem Herzen
nahe lag, auch noch als beſonderer Auftrag auf⸗
gelegt wurde, nämlich an die beiden ehrwürdigen
Synoden zu ſchreiben und zu verſuchen, was
uns von dem Herrn gegeben würde auf dieſe
Weiſe zur Herſtellung eines rechten, ihm gefälli⸗
gen Friedens beizu tragen.
So bitten wir Sie denn, theure Brüder, um
Jeſu willen, nehmen Sie unſer in Liebe und als
unter ſeinen heiligen Augen geredetes Wort
freundlich auf und erwägen Sie gewiſſenhaft,
was Ihnen daſſelbe als ſeinen Willen möchte
zu zeigen haben. Er iſt unſer Zeuge, daß wir
uns nicht anmaßen, Nichter über Sie zu ſein,
daß nur inniges Erbarmen mit der Noth der
:heuren Kirche uns, die wir ſonſt viel lieber ge⸗
ſchwiegen hätten, zum Reden bringt. Sollen
denn die Ungläubigen und Halbgläubigen dort
und hier den Triumph haben, es zu ſehen, wie
die Glieder der Kirche, die ſich rühmt, und das
mit Recht, die wahre zu ſein, ſich untereinander
zerfleiſchen? — Wir ſtehen gewiß unpartheiiſch
da: die Mitglieder der ehrwürdigen Buffalo⸗
Synode, die zu uns gekommen ſind, haben uns
ihr Vertrauen geſchenkt, aber auch in der ehr⸗
würdigen Synode von Miſſouri haben wir ſehr
liebe in dem Einen Herrn mit uns verbundene
Freunde und Brüder. So nehmen Sie uns
denn offenen Herzens gütig auf. Wir haben
und beanſpruchen kein anderes Recht Ihnen ge⸗
genüber, als das Gebot des Apoſtels: Ermah⸗
net euch untereinander und bauet einer den an⸗
dern. 1 Theſſ. 5, 11.
O ehrwürdige, theure Brüder, dieſer verderb⸗
liche, unglückliche Zwieſpalt muß geheilt werden.
Seid friedſam, gebietet der Apoſtel, ſo wird der
Gott der Liebe und des Friedens mit euch ſein.
2 Kor. 18, 11. Wenn aber ſeine Kinder, ſtatt
friedſam zu ſein, ſich untereinander beißen und
freſſen, ſo ſollen ſie wohl zuſehen, daß ſie nicht
untereinander verzehret werden. Gal. 5, 15.—
Und es kann auch unter Ihnen Friede werden.
Siie erkennen ja einer den andern an, als noch
im Glauben ſtehend, noch der lutheriſchen Kirche
angehörend, und nach dem, was uns bekannt iſt
von Ihrem beiderſeitigen kirchlichen Stande,
müſſen wir ſagen, daß Sie dies gegenſeitige An⸗
erkenntniß einander ſchulden. Da muß es bei
treuem Bemühen und ernſtlichem Gebete auf
beiden Seiten möglich ſein, die Differenzen in
der geoffenbarten Wahrheit des göttlichen Wor⸗
tes auszugleichen; und ſollte ja etwas noch un⸗
gelöſt zurückbleiben, ſo gilt Ihnen das Wort des
Apoſtels: Und ſollet ihr ſonſt etwas halten.
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