Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 6 › Seite 40

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-11-10, Seite 40

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tanz 9

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Das Geheimniß der heil. „Dreieinigkeit“
ſcheint die baptiſtiſche Parthei, welcher der Send⸗
bote dienen will, zu unſerer Freude ohne Rück⸗
halt anzuerkennen. Ja, Herr Rauſchenbuſch
ſchreibt in dem Blatt, daß ihm „die Lehren von
der Dreieinigkeit und von der Rechtfertigung
wichtiger ſind, als die Lehre von der Taufe.“

Auch die Erbſünde ſcheint der „Sendbote“
zu glauben. Wenigſtens heißt es in der zweiten
Nummer: „Gott ſagt von jedem lebenden Men⸗
ſchen, der nicht gläubig iſt, mag er übrigens
jung oder alt ſein: er iſt todt,“ nämlich, wie
es weiter unken heißt, „geiſtlich todt.“ „Alle
Menſchen ohne Ausnahme haben ſie“ (die
Wiedergeburt) „nöthig. Alle ſind Kinder deſ⸗
ſelben irdiſchen Stammvaters, der durch die
Sünde fiel und nur durch eine neue Geburt in
Kinder des himmliſchen Vaters umzuwandeln.
Daß wir dies Werk nicht ſelber aus ühren kön⸗
nen, iſt gewiß. Wir können unſere Sünden än⸗
dern, aber nicht unſere Herzen.“ Der Menſch,
ehe und zuvor er neu geboren und eine neue
Creatur wird, durch den Geiſt und Glauben,
thut nichts dazu, kann auch nicht etwas ſtreben,
dadurch er ſich bereite zu der geiſtlichen Wieder⸗
geburt, und zum Reich Gottes.“

Je mehr und aufrichtiger wir uns nun über
jeden Strahl von göttlicher Wahrheit freuen,
wo ſich derſelbe auch nur finden mag, denn in
einem jedem liegen ja Kräfte der Wiedergeburt
und des neuen Lebens aus Gott, und je größer
daher unſere Freude war, wenigſtens jene Wahr⸗
heiten von dem Sendboten“ ausgeſprochen zu
ſinden: deſto betrübter war es uns, neben die⸗
ſen Wahrheiten und in Widerſpruch mit denſel⸗
ben auch „viele ſchwere, höchſt gefährliche Irr—
lehren“ darin zu finden. Davon, ſo der HErr
will, das nächſte Mal.

——

Recenſion der von unſerer Synode heraus⸗
gebenen Schrift:

„Die Stimme unſerer Kirche in
der Frage über Kirche und Amt.“
Daß es auch im alten Vaterlande noch Män⸗

ner giebt, welche die von uns feſtgehaltene und

gegen die hieſige Grabauiſche Parthei vertheidig⸗
te alte evangeliſch-lutheriſche Lehre auch von

Kirche und Amt mit uns bekennen, zeigt eine in

der“Zeitſchrift für die geſammte lutheriſche Theo⸗

logie und Kirche von Dr. Rudelbach und Dr.

Guericke“ (drittes Quartalheft dieſes Jahres)

erſchienene Recenſion des Licentiaten und Gym⸗

naſiallehrers Karl Ströbel. Wir theilen
dieſe Recenſion nach einem Beſchluß der St.

Louis⸗Diſtrikts⸗Predigerconferenz hierdurch mit.

Sie lautet Seite 571-573, wie folgt:

„Daß die Lutheraner jetzt über die wichtigen
Lehren von Kirche und Amt und was damit in
unmittelbarem Zuſammenhange ſteht, zwieſpältig
ſind, kommt daher, daß man von der in den öf⸗
fentlichen Bekenntniſſen unſerer Kirche niederge⸗
legten und in den Privatſchriften ihrer rechtgläu⸗
bigen Lehrer entwickelten Lehre abſieht und
abweicht. . . . Und wer etwa von uns

Grundſätze und Lehren mit Erſtaunen als

Grundſäe und Lehren der lutheriſchen
Kirche vorgelegt findet, die er bisher als
Schwärmerei perhorrescirt hat, den können
wir getroſt auf die Belege verweiſen, welche wir
dafür beigebracht haben, und ihm die Wahl
laſſen, entweder uns den Ruhm lutheriſcher
Rechigläubigkeit zu laſſen, oder denſelben der
ganzen Wolke treuer Zeugen von Luther an bis
auf einen Baier und Hollaz herab abzuſprechen.
So ſpricht ſich die Synode von Miſſouri in den
„Vorerinnerungen“ zu dem Walther' ſchen
Buche aus, und Ref. kann zu dieſer Erklärung
nur ſein fröhliches Ja und Amen fügen und das
herrliche amerikaniſche „Glaubens-Zeugniß“ als

den entſcheidenden Wendepunkt des Kirchen⸗ und

Amts⸗Streites begrüßen. Fortan kann nicht
mehr die Frage ſein, was die evangeliſche Chri⸗
ſtenheit über dieſen wichtigen Gegenſtand lehre,
oder was nur überhaupt mit ihrem Princip und
Geiſte verträglich ſei. Der wackere Walther
hat unwiderleglich dargethan, daß ſie ſich ſelbſt
aufgeben und ins Pabſtthum zurückkehren muß,
wenn ſie nicht folgende Sätze in aller Schärfe
feſthält: 1. „Die Kirche im eigentlichen
Sinne des Wortes iſt die Gemeinde der Heiligen,
d. i. die Geſammtheit aller derjenigen, welche,
durch das Evangelium aus dem verlorenen, ver⸗
dammten Menſchengeſchlecht vom heil. Geiſte
herausgerufen, an Chriſtum wahrhaftig glau⸗
ben und durch dieſen Glauben geheiligt und
Chriſto einverleibt ſind.“ 2. „Zu der Kirche im
eigentlichen Sinne des Wortes gehört kein
Gottloſer, kein Heuchler, kein Unwiedergeborener,
kein Ketzer.“ 3. Die Kirche im eigentli⸗
chen Sinne des Wortes iſt unſichtbar.“
4. „Dieſe wahre (unſichtbare) Kirche der
Gläubigen und Heiligen iſt es, welcher Chriſtus
die Schlüſſel des Himmelreichs gegeben hat, und

ſie iſt daher die eigentliche und alleinige In⸗

haberin und Trägerin der geiſtlichen, göttlichen
und himmliſchen Güter, Rechte, Gewalten, Aem⸗
ter u. ſ. w., welche Chriſtus erworben hat, und
die es in ſeiner Kirche giebt.“ 5. Wie die
ſichtbaren Gemeinſchaften, in denen Wort und
Sakrament noch weſentlich iſt, wegen der in
denſelben ſich befindenden wahren unſichtbaren
Kirche wahrhaft Gläubiger nach Gottes Wort
den Namen Kirche tragen, ſo haben dieſelben
auch um der in ihnen verborgen liegenden un⸗
ſichtbaren Kirche willen, wenn dies auch nur zwei
oder drei wären, die Gewalt, welche Chriſtus
ſeiner ganzen Kirche gegeben hat.“ 6. Das Pre⸗
digtamt iſt kein beſonderer, dem gemeinen Chri⸗
ſtenſtande gegenüberſtehender heiligerer Stand,
wie das levitiſche Prieſterthum, ſondern ein Amt
des Dienſtes.“ 7.
Gott durch dir Gemeinde, Inhaberin aller
Kirchengewalt oder der Schlüſſel, und durch de⸗
ren von Gott vorgeſchriebenen Beruf übertragen.
Die Ordination der Berufenen mit Handaufle⸗
gung iſt nicht göttlicher Einſetzung, ſon dern eine
apoſtoliſche kirchliche Ordnung, und nur eine öf⸗
fentliche feierliche Beſtätigung jenes Berufes.“
8. Das heilige Predigtamt iſt die von Gott
durch die Gemeinde als Inhaberin des Prie⸗
ſterthums und aller Kirchengewalt übertragene

Das Predigtamt wird von

—

Gewalt, die Rechte des geiſtlichen Prie⸗
ſterthums in öffentlichem Amte von Ge—
meinſchaftswegen auszuüben.“ — Das
ſind die Fundamental-Artikel der evangeliſch⸗
lutheriſchen Lehre von Kirche und Amt, und um
den Freunden der entgegengeſetzten Anſichten die
unnütze Mühe zu ſparen, jene Glaubensſätze
durch Deutelei zu verengen, bemerke ich noch, daß
ſie von unſern bewährten Kirchenlehrern in der
weiteſten Ausdehnung gefaßt werden. Der Amts⸗
und Kirchen⸗Streit reduzirt ſich fortan auf die
Frage: Iſt die evang.⸗lutheriſche Ueberzeugung
göttliche Wahrheit, oder menſchlicher Irrthum,
verderbliche „Schwärmerei?“ Sollen wir die
Reformatoren und ihre geiſtesverwandten Nach⸗
folger als rechte Verkündiger des Evange—
liums annehmen, oder als Irrlehrer und Wölfe
fliehen? Von nun an wird jener Streit nicht
mehr zwiſchen Gliedern und Gliedern, ſondern
nur noch zwiſchen Gliedern und Feinden der
evangel.⸗lutheriſchen Kirche geführt werden.
Wer nicht zu unſerer Fahne ſchwört, der iſt
kein Bekenner der augsb. Conf., ſondern ein in
unſer Heerlager vorgeſchobener römiſcher Feldpo⸗
ſten, der über lang oder kurz aus ſeiner jetzigen
Stellung in die ihm angemeſſenere, naturgemäße
an der Tiber zurückgedrängt werden wird. Auf
unſerer Seite iſt die chriſtliche Wahrheit und mit
ihr die Gewißheit des endlichen Sieges. Wal⸗
ther hat durch zahlreiche Stellen aus der heil.
Schrift und den Kirchenvätern erwieſen, daß in
der apoſtoliſchen und patriſtiſchen Zeit keine an⸗
dere Lehre von Kirche und Amt gegolten hat, als
die einſt von den Reformatoren, und jetzt von
uns vertheidigte. Wir können es uns daher
ſehr wohl gefallen laſſen, daß unſere Lehre in
dem“ zweiten Synodalbriefe“ der va⸗
tikaniſch-lutheriſchen Kirche zu Buffalo fürde⸗
mokratiſch“ und ihre Vertheidiger (namentlich
auch Walther) als Rottenbeſchützer“ bezeich⸗
net werden. Darauf müſſen wir als evangeli⸗
ſche Chriſten gar kein Gewicht legen, vielmehr
gefaßt ſein, daß es noch ſchlimmer kommen kann,
daß man uns vielleicht nicht blos eine „demokrati⸗
ſche Rotte“ ſchelten, ſondern nach einiger Zeit auch
als ſolche behandeln wird, wie es unſern ſel. Vätern
gegangen iſt. Sprache u. Grundſätze der Meiſter
von Buffalo laſſen keinen Zweifel übrig, daß ein
Eck, Emſer, Murnar, Bellarmin und Conſorten
von den Todten auferſtanden ſind und (angeblich
gegen uns, in der Wirklichkeit aber) gegen Lu⸗
ther, Melanchthon, Chemnitz, Chyträus, Joh.
Gerhard, gegen Ignatius, Irenäus, Origenes,
Chryſoſtomus, Cyprian, Ambroſius, Auguſtin,
Hieronymus, gegen Paulus, Petrus, Johannes,
gegen Chriſtum, das göttliche Wort und die
ganze ökumeniſche Kirche auf Erden den verjähr⸗
ten Amts⸗ und Kirchen-Streit wieder aufge⸗
nommen haben. Sollte es ihnen irgendwo ge⸗
lingen, Herrn Omnes oder das brachiem sœ—
culare für ſich zu gewinnen, ſie würden mit uns
armen Schächern gar wenig Federleſens machen.
Wie der treffliche Löhe in dieſe Geſellſchaft ge⸗
rathen iſt und wie er ſich über das Verhältniß
ſeiner Anſichten zu der Bibel- und evangeliſch⸗
lutheriſchen Kirchen-Lehre ſo völlig täuſchen

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