Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 6 › Seite 49

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-11-10, Seite 49

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ftungen getroffen zum Bau der Kirche.

Schon
würde dieſelbe fertig daſteben, wenn wir wieder
von Holz hätten bauen wollen; weil wir aber
ſo reichlich beſchenkt worden ſind, ſo ſoll nun
auch von unſerer Seite gethan werren, was
nur in unſeren Kräften ſteht, und wir haben da—
ber beſchloſſen, eine Kirche von Stein zu bauen;
nicht der Meinung, als ob wir dadurch eine et—

baige Zerſtörung hindern könnten, ſondern da—

rum, damit unſere Kirche ein deſto länger blei—
bendes Denkmal der brüderlichen Liebe zur Ehre
Gottes daſtehen möge. Neben unſeren herzlich—
ſten Dank, den wir hiermit gegen unſere lieben

Glaubensbrüder ausſprechen, können wir nicht

umnhin, uns auf's Neue ihrer gläubigen Fürbit—
it zu empfehlen. Nicht nur bitten wir, für uns
zu beten, daß der Herr wider alles Wüthen und
Toben des Satans und der Welt unſere neu zu
trbauende Kirche durch den Schutz ſeiner heili—
gen Engel behüten und erhalten wolle, ſendern
vornehmlich, daß uns das kleine Maß der Trüb⸗
ſal zum Wachsthum in der Gnade und Erkennt—
niß Chriſti recht heilſam und förderlich ſein mö—
ige, dem gekreuzigten Hejland recht ähnlich zu
werden, im Glauben zu beharren und den gu⸗
ten Kampf zu kämpfen, damit wir endllich mit
der Krone der Gerechtigkeit gekrönet werden und
ras Ende unſeres Glaubens davon bringen,
nämlich der Seelen Seligkeit. Auch bitten wir,
unſerer Widerſacher in ihrem Gebete zu geden⸗
ken, daß ihnen Gott Gnade zur Buße ſchenke
und ſie nüchtern werden aus des Teufels Strick
und mit uns in Eintracht'des Glaubens und
der Liebe den Einen Weg zum Himmel wan⸗
rern. ö ö
Neumelle, St. Charles Co., Mo.

A. Claus, Paſtor.

Eine Geſchichte von Einziehung geiſtlicher“

Güter.

Zur Zeit der Reformation befand ſich zu
Hayn in Oberheſſen unweit Waldeck ein Ciſter—
tienſer⸗Kloſter, in welchem die Mönche ein ſo
ſchändliches unzüchtiges Weſen trieben, daß es
ſtadt⸗ und landrüchtig wurde. Landgraf Phi⸗

und in ein Spital verwandeln, in welchem nun
alljährlich 500 Arme erhalten und verpflegt
vurden. Die Mönche, über Kirchenraub ſchrei—
end, wandten ſich an Papſt Clemens V., und
dieſer brachte es bei dem Kaiſer ſo weit, daß der—
ſelbe Commiſſarien nach Hayn ſandte, die da—
lbſt den Abt ſammt den Seinigen in das Klo⸗
ſir, aus dem ſie vertrieben waren, wieder ein—
ſezen ſollten. . Als die Verhandlungen beginnen
ſollten, erhob ſich der Verweſer, Herr Heinze von
Lüdder, und hielt eine Rede an die Commiſſarien
voll Kraft und Leben, erzählte darin den Verlauf
der Sachen, ſchilderte die ſtinkende Faulheit und
die viehiſche Unzucht, welcher die gegeuwärtigen
fetten Mönche ſich bis dahin ergeben, gab endlich
tinem Naheſtehenden einen Wink und ſchwieg.
Die Thür wird geöffnet, und eine große Schaar

on Krüppeln, Blinden, Tauben, Stummen u.

upp von Heſſen ließ daher das Kloſter aufheben

— 47—

Irrſinnigen tritt ein. Hierauf fragt nun der
Verweſer, ob man wohl verlange, daß dieſe Elen—
den wieder vertrieben und jene Unfläther wieder
eingeführt werden ſollten? Alles ſchwieg. Der
Prozeß war entſchieden. Troßz aller Zorngluth,
die in die rothen Geſichter der Mönche mit ih—
rem Abte trat, zogen dennoch die kaiſerlichen
Commiſſarien achſelzuckend u. unverrichteter Sa—
che wieder ab und wagten nicht zu behaupten,
daß auf dieſe Weiſe ein Kirchenraub begangen
und Güter den „Geiſtlichen“ genommen und den
„Welilichen“ gegeben würden. ö

Blutgier der Papiſten
unſerer Tage nach ihrem eigenen Geſtänd—
niſſe.

Kaum wird der Leſer ſeinen Augen trauen,
wenn er das unten Folgende lieſt. Und doch iſt
es Wahrheit: ſo ſchreibt der „Shepherd of the
Valley“ (der Hirte des Thals), ein Organ des
gegenwärtigen Erzbiſchofs von St. Louis im
Staate Miſſouri:

„Wir geben zu, daß die römiſch-katholiſche
Kirche unduldſam iſt, d. h. daß ſie Alles auf⸗
bietet, was in ihrer Macht ſteht, um Irrthum
und Sünde auszurotten. Dieſe ihre Unduld—
ſamkeit folgt aver nothwendigerweiſe aus ihrer
Unfehlbarkeit. Nur ſie allein Idie römi—
ſche Kirche! hat das Recht, unduldſam zu ſein,
weil ſie allein die Wahrheit iſt und hat. Ketzerei
iſt nach ihrem Geſetz eine Sünde, welche
den Tod verdient. Die Kirche duldet Ke—
tzer, wenn und wo ſie dazu genöthigt iſt, aber ſie

haſſet. ſie tödtlich und wendet alle ihre Kräfte
auf, um deren Vernichtung zu bewerkſtelligen.
Wenn einſt die Katholiken eine unermeßliche
Majorität haben werden, was auch ſicherlich der
Fall ſein wird, obgleich erſt nach längerer Zeit,
dann hat die religiöſe Freiheit dieſer Republik
ein Ende. Das ſagen unſere Feinde, und wir
glauben es. Unſere Feinde wiſſen es, daß wir
nicht beſſer ſind, als unſere Kirche, und was die—
ſe letztere betrifft, ſo liegt ihre Geſchichte offen vor
ihnen aufgeſchlagen. Sie wiſſen, wie die römi⸗

hat und was ſie noch heutzuage überall, wo
ſie die Gewalt dazu beſitzt, mit ihnen
thut. Wir gehen auch keineswegs damit um,
dieſe geſchichtlichen Thatſachen abzuläugnen, oder
die Gottesheiligen l1] und Kirchenfürſten darob
zu tadeln, daß ſie ſolches gethan und gebilligt
haben.
Seele tödtet und den ganzen Menſchen mit Leib
und Seele in die Hölle hinabſtürzt. Sie iſt au⸗

Unendliche fortpflanzende Krankheit, welche die
zeitliche und ewige Wohlfahrt zahlloſer noch
kommender Geſchlechter gefährdet. Darum wer⸗
den ächtſchriſtliche Fürſten die Ketzerei in ihren
Landen mit Stumpf und Stiel ausrotten, und
chriſtliche Staaten werden, wenn ſie nur unmer⸗
hin können, ſie aus ihrem Bereiche jagen. Und
wenn wir jetzt davon abſtehen, die Ketzer hier

zu verfolgen, ſo geſch ieht es nur deswegen, weil

ſche Kirche im Mittelalter mit Ketzern gehandelt'

Ketzerei iſt eine Todtſünde, welche die

ßerdem noch eine höchſt anſteckende und ſich ins

wir dazu zu ſchwach ſind. und glauben dadurch

der Kirche, der wir dienen, mehr zu ſchaden als
zu nützen. —
P
Urtheil Herrn Anſtädt's
über den Streit unſerer Synode mit der
Synode von Buffalo.

Herr Anſtädt, geweſener Zögling des Gettys—
burger Seminars, gegenwärtig Herausgeber des
ſogenannten,Lutheriſchen Kirchenboten“ fällt u.
A. folgendes Urtheil über die oben bezeichnete
Controverſe in der letzten Nummer ſeines Blat-—
tes: „Dieſe beiden ſogenannten altlutheriſchen
Synoden liegen ſich bekanntlich ſeit Jahren
furchtbar in den Haaren und beſchimpfen ſich ge—
genſeitig in ihren reſpektiven Blättern, den Lu⸗
theraner' und „Informatorium' auf die ſchänd⸗
lichſte Weiſe. Um die (sic?] Ehre der lutheri—
ſchen Kirche und des Chriſtennamens wäre es
zu wünſchen, daß ſie dieſem unchriſtlichen Trei—
ben bald ein Ende machen würden.“

In dieſem Urtheil zeigt ſich eine Gerechtig—
keit und eine Werthhaltung der reinen evangeli⸗
ſchen Lehre, die eines Gettysburger Schülers
würdig iſt. Dies Urtheil zeigt, daß die falſchen
Lehrer, die des Namens Gettes nicht ſchonen,
noch vicl weniger gegen Menſchen gerecht ſind
und daß ſie nur dann in Eifer gerathen können,
wenn ihr lieber Bauch angegriffen wird. Ern⸗
ſter Kampf um reine Lehre iſt ihnen ein Gräu⸗
el. Ihr höchſtes Ziel iſt, wenn ſie ein Blatt
berausgeben, viel Subſeribenten, weil jeder
Subſcribent einen Thaler werth iſt. Wir ge—
ſtehen gerne zu, daß man Herrn Anſtädt viel
zu gute halten muß, wenn er über einen
Streit, wie der unſrige iſt, falſch urtheilt, da
derſelbe, um was es ſich dabei handelt, ſicher
noch nicht capirt hat, auch kaum bei den be⸗
ſten Willen zu capiren im Stande iſt, es ſei
denn, daß er erſt einige Studien in der chriſt-
lichen Lehre macht. Daß ſich aber der arme
Schlucker tretz ſeiner Beſchränktheit, die ihm
doch bewußt ſein muß, herausnimmt, wie ein
Menſch, der Verſtand von der Sache hat, u.
zvar ſo, wie oben angegeben, mit zu reden,
das verräth ein gut Theil Bosheit, die Züch—
tigung verdient.

*9*

Anno 1539 den 29. Januarii beweinte und
beklagte D. M. die Secten, ſo noch kommen
würden von falſchen Brüdern. Es wird des
Schre ibens, ſprach er noch ſo viel werden, daß
der geringſte Grammatikus und Philoſophus
wird ſonderlich Ding wollen ſchreiben, und wir
werden wieder in die vorige alten Irrthümer
fallen, denn der Teufel iſt ein Tauſendkünſtler,
kann einen Irrthum mancherlei verbrämen und
ſchmücken.
ö Luther.

Kein Ketzer läßt ſich bereden, daß er weicht
von ſeinem gefaßten Wahn und Sinn, und ge⸗
be der Wahrheit göttlichen Worts die Ehre:

Nein, ſie ſehen und hören nichts, wie Michel

Stiefel, als er Anno 33 predigte, daß in demſel⸗

bigen Jahre der jüngſte Tag kommen ſollte; der

ſah und hörte mich nicht.

Leben lang kein Widerſacher
ben, als er.

Es hat mir mein
ſo böſe Wort gege⸗

Der Ketzer und Rottengeiſter, Juden und
Schwärmer Thun und Vornehmen iſt allezeit

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