# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 11 10_S40 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Das Geheimniß der heil. „Dreieinigkeit“ ſcheint die baptiſtiſche Parthei, welcher der Send⸗ bote dienen will, zu unſerer Freude ohne Rück⸗ halt anzuerkennen. Ja, Herr Rauſchenbuſch ſchreibt in dem Blatt, daß ihm „die Lehren von der Dreieinigkeit und von der Rechtfertigung wichtiger ſind, als die Lehre von der Taufe.“ Auch die Erbſünde ſcheint der „Sendbote“ zu glauben. Wenigſtens heißt es in der zweiten Nummer: „Gott ſagt von jedem lebenden Men⸗ ſchen, der nicht gläubig iſt, mag er übrigens jung oder alt ſein: er iſt todt,“ nämlich, wie es weiter unken heißt, „geiſtlich todt.“ „Alle Menſchen ohne Ausnahme haben ſie“ (die Wiedergeburt) „nöthig. Alle ſind Kinder deſ⸗ ſelben irdiſchen Stammvaters, der durch die Sünde fiel und nur durch eine neue Geburt in Kinder des himmliſchen Vaters umzuwandeln. Daß wir dies Werk nicht ſelber aus ühren kön⸗ nen, iſt gewiß. Wir können unſere Sünden än⸗ dern, aber nicht unſere Herzen.“ Der Menſch, ehe und zuvor er neu geboren und eine neue Creatur wird, durch den Geiſt und Glauben, thut nichts dazu, kann auch nicht etwas ſtreben, dadurch er ſich bereite zu der geiſtlichen Wieder⸗ geburt, und zum Reich Gottes.“ Je mehr und aufrichtiger wir uns nun über jeden Strahl von göttlicher Wahrheit freuen, wo ſich derſelbe auch nur finden mag, denn in einem jedem liegen ja Kräfte der Wiedergeburt und des neuen Lebens aus Gott, und je größer daher unſere Freude war, wenigſtens jene Wahr⸗ heiten von dem Sendboten“ ausgeſprochen zu ſinden: deſto betrübter war es uns, neben die⸗ ſen Wahrheiten und in Widerſpruch mit denſel⸗ ben auch „viele ſchwere, höchſt gefährliche Irr— lehren“ darin zu finden. Davon, ſo der HErr will, das nächſte Mal. —— Recenſion der von unſerer Synode heraus⸗ gebenen Schrift: „Die Stimme unſerer Kirche in der Frage über Kirche und Amt.“ Daß es auch im alten Vaterlande noch Män⸗ ner giebt, welche die von uns feſtgehaltene und gegen die hieſige Grabauiſche Parthei vertheidig⸗ te alte evangeliſch-lutheriſche Lehre auch von Kirche und Amt mit uns bekennen, zeigt eine in der“Zeitſchrift für die geſammte lutheriſche Theo⸗ logie und Kirche von Dr. Rudelbach und Dr. Guericke“ (drittes Quartalheft dieſes Jahres) erſchienene Recenſion des Licentiaten und Gym⸗ naſiallehrers Karl Ströbel. Wir theilen dieſe Recenſion nach einem Beſchluß der St. Louis⸗Diſtrikts⸗Predigerconferenz hierdurch mit. Sie lautet Seite 571-573, wie folgt: „Daß die Lutheraner jetzt über die wichtigen Lehren von Kirche und Amt und was damit in unmittelbarem Zuſammenhange ſteht, zwieſpältig ſind, kommt daher, daß man von der in den öf⸗ fentlichen Bekenntniſſen unſerer Kirche niederge⸗ legten und in den Privatſchriften ihrer rechtgläu⸗ bigen Lehrer entwickelten Lehre abſieht und abweicht. . . . Und wer etwa von uns Grundſätze und Lehren mit Erſtaunen als Grundſäe und Lehren der lutheriſchen Kirche vorgelegt findet, die er bisher als Schwärmerei perhorrescirt hat, den können wir getroſt auf die Belege verweiſen, welche wir dafür beigebracht haben, und ihm die Wahl laſſen, entweder uns den Ruhm lutheriſcher Rechigläubigkeit zu laſſen, oder denſelben der ganzen Wolke treuer Zeugen von Luther an bis auf einen Baier und Hollaz herab abzuſprechen. So ſpricht ſich die Synode von Miſſouri in den „Vorerinnerungen“ zu dem Walther' ſchen Buche aus, und Ref. kann zu dieſer Erklärung nur ſein fröhliches Ja und Amen fügen und das herrliche amerikaniſche „Glaubens-Zeugniß“ als den entſcheidenden Wendepunkt des Kirchen⸗ und Amts⸗Streites begrüßen. Fortan kann nicht mehr die Frage ſein, was die evangeliſche Chri⸗ ſtenheit über dieſen wichtigen Gegenſtand lehre, oder was nur überhaupt mit ihrem Princip und Geiſte verträglich ſei. Der wackere Walther hat unwiderleglich dargethan, daß ſie ſich ſelbſt aufgeben und ins Pabſtthum zurückkehren muß, wenn ſie nicht folgende Sätze in aller Schärfe feſthält: 1. „Die Kirche im eigentlichen Sinne des Wortes iſt die Gemeinde der Heiligen, d. i. die Geſammtheit aller derjenigen, welche, durch das Evangelium aus dem verlorenen, ver⸗ dammten Menſchengeſchlecht vom heil. Geiſte herausgerufen, an Chriſtum wahrhaftig glau⸗ ben und durch dieſen Glauben geheiligt und Chriſto einverleibt ſind.“ 2. „Zu der Kirche im eigentlichen Sinne des Wortes gehört kein Gottloſer, kein Heuchler, kein Unwiedergeborener, kein Ketzer.“ 3. Die Kirche im eigentli⸗ chen Sinne des Wortes iſt unſichtbar.“ 4. „Dieſe wahre (unſichtbare) Kirche der Gläubigen und Heiligen iſt es, welcher Chriſtus die Schlüſſel des Himmelreichs gegeben hat, und ſie iſt daher die eigentliche und alleinige In⸗ haberin und Trägerin der geiſtlichen, göttlichen und himmliſchen Güter, Rechte, Gewalten, Aem⸗ ter u. ſ. w., welche Chriſtus erworben hat, und die es in ſeiner Kirche giebt.“ 5. Wie die ſichtbaren Gemeinſchaften, in denen Wort und Sakrament noch weſentlich iſt, wegen der in denſelben ſich befindenden wahren unſichtbaren Kirche wahrhaft Gläubiger nach Gottes Wort den Namen Kirche tragen, ſo haben dieſelben auch um der in ihnen verborgen liegenden un⸗ ſichtbaren Kirche willen, wenn dies auch nur zwei oder drei wären, die Gewalt, welche Chriſtus ſeiner ganzen Kirche gegeben hat.“ 6. Das Pre⸗ digtamt iſt kein beſonderer, dem gemeinen Chri⸗ ſtenſtande gegenüberſtehender heiligerer Stand, wie das levitiſche Prieſterthum, ſondern ein Amt des Dienſtes.“ 7. Gott durch dir Gemeinde, Inhaberin aller Kirchengewalt oder der Schlüſſel, und durch de⸗ ren von Gott vorgeſchriebenen Beruf übertragen. Die Ordination der Berufenen mit Handaufle⸗ gung iſt nicht göttlicher Einſetzung, ſon dern eine apoſtoliſche kirchliche Ordnung, und nur eine öf⸗ fentliche feierliche Beſtätigung jenes Berufes.“ 8. Das heilige Predigtamt iſt die von Gott durch die Gemeinde als Inhaberin des Prie⸗ ſterthums und aller Kirchengewalt übertragene Das Predigtamt wird von — Gewalt, die Rechte des geiſtlichen Prie⸗ ſterthums in öffentlichem Amte von Ge— meinſchaftswegen auszuüben.“ — Das ſind die Fundamental-Artikel der evangeliſch⸗ lutheriſchen Lehre von Kirche und Amt, und um den Freunden der entgegengeſetzten Anſichten die unnütze Mühe zu ſparen, jene Glaubensſätze durch Deutelei zu verengen, bemerke ich noch, daß ſie von unſern bewährten Kirchenlehrern in der weiteſten Ausdehnung gefaßt werden. Der Amts⸗ und Kirchen⸗Streit reduzirt ſich fortan auf die Frage: Iſt die evang.⸗lutheriſche Ueberzeugung göttliche Wahrheit, oder menſchlicher Irrthum, verderbliche „Schwärmerei?“ Sollen wir die Reformatoren und ihre geiſtesverwandten Nach⸗ folger als rechte Verkündiger des Evange— liums annehmen, oder als Irrlehrer und Wölfe fliehen? Von nun an wird jener Streit nicht mehr zwiſchen Gliedern und Gliedern, ſondern nur noch zwiſchen Gliedern und Feinden der evangel.⸗lutheriſchen Kirche geführt werden. Wer nicht zu unſerer Fahne ſchwört, der iſt kein Bekenner der augsb. Conf., ſondern ein in unſer Heerlager vorgeſchobener römiſcher Feldpo⸗ ſten, der über lang oder kurz aus ſeiner jetzigen Stellung in die ihm angemeſſenere, naturgemäße an der Tiber zurückgedrängt werden wird. Auf unſerer Seite iſt die chriſtliche Wahrheit und mit ihr die Gewißheit des endlichen Sieges. Wal⸗ ther hat durch zahlreiche Stellen aus der heil. Schrift und den Kirchenvätern erwieſen, daß in der apoſtoliſchen und patriſtiſchen Zeit keine an⸗ dere Lehre von Kirche und Amt gegolten hat, als die einſt von den Reformatoren, und jetzt von uns vertheidigte. Wir können es uns daher ſehr wohl gefallen laſſen, daß unſere Lehre in dem“ zweiten Synodalbriefe“ der va⸗ tikaniſch-lutheriſchen Kirche zu Buffalo fürde⸗ mokratiſch“ und ihre Vertheidiger (namentlich auch Walther) als Rottenbeſchützer“ bezeich⸗ net werden. Darauf müſſen wir als evangeli⸗ ſche Chriſten gar kein Gewicht legen, vielmehr gefaßt ſein, daß es noch ſchlimmer kommen kann, daß man uns vielleicht nicht blos eine „demokrati⸗ ſche Rotte“ ſchelten, ſondern nach einiger Zeit auch als ſolche behandeln wird, wie es unſern ſel. Vätern gegangen iſt. Sprache u. Grundſätze der Meiſter von Buffalo laſſen keinen Zweifel übrig, daß ein Eck, Emſer, Murnar, Bellarmin und Conſorten von den Todten auferſtanden ſind und (angeblich gegen uns, in der Wirklichkeit aber) gegen Lu⸗ ther, Melanchthon, Chemnitz, Chyträus, Joh. Gerhard, gegen Ignatius, Irenäus, Origenes, Chryſoſtomus, Cyprian, Ambroſius, Auguſtin, Hieronymus, gegen Paulus, Petrus, Johannes, gegen Chriſtum, das göttliche Wort und die ganze ökumeniſche Kirche auf Erden den verjähr⸗ ten Amts⸗ und Kirchen-Streit wieder aufge⸗ nommen haben. Sollte es ihnen irgendwo ge⸗ lingen, Herrn Omnes oder das brachiem sœ— culare für ſich zu gewinnen, ſie würden mit uns armen Schächern gar wenig Federleſens machen. Wie der treffliche Löhe in dieſe Geſellſchaft ge⸗ rathen iſt und wie er ſich über das Verhältniß ſeiner Anſichten zu der Bibel- und evangeliſch⸗ lutheriſchen Kirchen-Lehre ſo völlig täuſchen