Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 6 › Seite 47

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-11-10, Seite 47

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Papſttum 4

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—

alle Gemeinſchaft der Chriſten einzig und
allein aus der lauteren Predigt des Wortes und
dem Glauben der Predigt hervorgehend: Groß.
Katech. Luth. 2 Th. Art. 3. „Denn wo man
nicht von Chriſto predigt, da iſt kein heil. Geiſt
des, welcher die chriſtliche Kirche machet, berufet
und zuſammenbringet,

— 45—

deine Seele, die in den koſtbaren Becher hangen
geblieben ſein würde, woraus du den ſüßen
Wein des Evangelii trankeſt, ſoll nur zum Him⸗
mel erhoben werden; deßwegen läßt ſie der HErr
ſo preſſen. R.

auſſer welcher.

Niemand zu dem Herrn Chriſto kommen kann.“

Alles deshalb, was ſich als F
mit der Lehre des Glaubens auf Eine Linie ſtel⸗
len oder für ſich etwas ſein will, Alles was als
Form des gemeinſamen Lebens in ſich eine Le⸗
ben gebende, Kirchen bauende Kraft haben ſoll,
ja Alles, was in der Kirche dem Glauben und
ſeiner Predigt nicht unbedingt die alleinige Ehre
giebt, es durch den heil. Geiſt nur zu vermögen,
Leben zu wirken, muß ſie als das Evangelium,
die Ehre Chriſti verdunkelud, als wider ihr hei⸗
ligſtes Kleinod anlaufend, als unlutheriſch und
Kirchen zerſtörend verwerfen, die Form ſei ſonſt
ſo glatt und genau gegliedert, wie ſie wolle.
Darin eben unterſchtidet ſich die
lutheriſche Kirche von der katholi⸗
ſchen, welche die heils- und leben⸗
wirkende Kraft in die äuſſere In⸗
ſtitution der Kirche ſetzt.
Paſt. Althaus in Celle.

Nachdem die Zeit ihre Weisheit über Gottes
Wort geſetzt und den Schöpfer gemeiſtert hat,
von deſſen Gnade ſie lebt, will ſie nun auch da—
durch beweiſen, wie tief Satans Lüge: „werdet
ihr Gott gleich ſein“ in ihr hafte, daß ſie, wie
bisher göttliche Weisheit, ſo jetzt göttliche Kraft
affectirt, ſie fängt nämlich an zu ſchaffen.
Doch macht ſie ſich erſt noch Bahn und ſchafft
weg, was iſt, auf daß ſie dereinſt aus Nichts
eiwas mache. Weil ſie nun bis an den jün g⸗
ſten Tag mindeſtens immer noch Himmel und
Erde von der alten Schöpfung übrig behalten
wird, ſo wird auch wohl dann erſt ihre Prahle⸗
rei aufhören. So lange hat ſie den Vortheil,
taß ſie allen Einwendungen gegen ihre ſchöpferi⸗
ſche Allmacht mit dem kühnen Vorgeben begeg⸗
nen kann: Alles wird ſich finden, wenn ich erſt
Alles mit Stumpf und Stiel ausgerottet haben
werde: das Nichts muß hergeſtellt ſein, bis ich
beweiſen kann, meine Kunſt ſei größer als die
Nacht des alten HErrn Zebaoth!

N.

Das Kreuz iſt ein geöffnetes Himmelsfenſter,
das Gottes reinen Odem und friſche Luft in die
gepreßten Räume voll Erdendunſt bringt.

R.

Köͤnig Auguſt ſoll ſo ſtark geweſen ſein, daß
er tin ſilbernes Trinkgefäß in ſeiner Hand in ei⸗
nem Augenblick zuſammendrückte und dann der
Wein bis unter die Decke ſpritzte. Oft möchte
der Herr Chriſtus auch in dieſer Hinſicht einem
ſolchen Simſon zu vergleichen ſein. Was will
er anders als den Wein des Wortes Gottes um ſo
hoͤher ſchwingen, n wenn die Gefäße, in denen er es

damricht, ban an einander Hersthen IyAuch

Form des Daſeins

Aus einem Briefe

des von den Unirten verfolgten Badenſchen
lutheriſchen Paſtors Eichhorn an den

blattes.

Lieber Bruder in dem Herrn!

— — Wenn Sie in öffentlichen Blättern le⸗
ſen, daß die Gewährung freier Religionsübung
und meine Befreiung aus dieſer ſchweren und
traurigen Verbannung in naher Ausſicht ſtehe,
ſo glauben Sie es nicht. Menſchlich angeſehen,
iſt gar keine Ausſicht hierzu vorhanden. Eine
Audienz. welche eine Deputation aus unſeren
Gemeinden Ende Januar d. J. bei unſerem Re—
genten, nach vielen, lange vergeblich geweſenen
Verſuchen und Demüthigungen endlich erhielt,
hat einen traurigen Ausgang gehabt. Unſer
Prinz⸗Regent redete dieſen Männern mehrmals
zu, ſie möchten mit den Ihrigen zur Union zu⸗
rücktreten, und als ſie unerſchütterlich feſt und
ſtandhaft blieben, ließ er ſie im Zorne ſofort ab⸗
treten. „Wir gehen im Namen Gottes“, ſagten
ſie im Weggehen. — In den jüngſten Tagen über⸗
reichten dieſelben Männer wieder eine dringende
Eingabe bei unſerem allgebietenden Herrn Mi⸗
niſter v. Marſchall. Ueber dieſe Audienz
wird mir ſo eben brieflich Folgendes berichtet:
„Der Herr Miniſter war hart und ſchnöde und
hat Alles, Alles abgeſchlagen, ſelbſt höhnend, in—
dem er noch ſagte: „„Ich dulde euch ja: —aber
die Kinder müßt ihr in der unirten Kirche tau—

müßt ihr in der unirten Kirche nehmen; aber
glauben könnt Ihr, was Ihr wollt, und wenn
es Euch nicht ſo gefällt, könnt Ihr gehen! Pa—
ſtor Eichhorn's beſte Freunde (1), die Geiſtlichen
aus der Union, ſind Alle zu mir gekommen und
haben mich gebeten, ich ſolle Euch nur keinen
Geiſtlichen erlauben —Wenn Türken heute in's
Land kämen, würde ich ihnen auch keine Mo⸗
ſchee bauen. Ich bin auch Lutheraner! Ach,
dieſe kleinen Unterſchiede beim Abendmahle, was
ſind ſie?““ R. verlegt ſich auf's Bitten, daß
wir doch auf Oſtern das heilige Abendmahl
durch unſeren Paſtor Eichhorn empfangen dürf—
ten, worauf aber der Miniſter mehrere Male
„ν„nein!““ ſagte: „„Ich thue es nicht! Ich
kann und will es nicht thun!““ —Dann ſagte
C. noch: „es ſei doch entſetzlich, daß Sie (Paſt.
Eichhorn), der im Jahre 1849 aus unerſchüt⸗
terlicher Anhänglichkeit an den Großherzog in
mehrwöchiges ſchweres Gefängniß gekommen,
jetzt um Ihres Glaubens willen von des Groß⸗
herzogs Regierung in ſchwerer Verbannung ge⸗

Herausgeber des Stade'ſchen Sonntags⸗

fen und unterrichten laſſen; das Abendmahl!

halten würden, worauf der Miniſter antworte⸗
te: „„Paſtor Eichhorn iſt ein Fanatiker.““ Ja,

ſogar ſagte der Miniſter noch zu den Männern:
wenn ſie katholiſch werden wollten, hätte er nichts
dagegen. —Als F. ſagte: er werde die Luthe⸗
raner doch nicht aus dem Lande treiben wollen,
dadurch daß er ihnen nicht einmal Duldung ge—
be, ſagte er: „„Ich treibe Euch nicht hinaus!
Geht nur wieder in die unirte Kirche!“ꝰ“ — —

Sie ſehen, geliebter Bruder in dem Herrn,
daß wir von unſerer Obrigkeit zunächſt keine
Conceſſion zu erwarten haben, und daß noch
immer ſchwerer Druck auf uns liegt! Doch wird
mir zu meiner Freude und Erhebung geſchrie—
ben: „Alle drei Deputirten ſagten: ſie fühlten
ſich neu geſtärkt, denn ſie hätten auf's Neue ge⸗

ſehen, auf welch ſchwachen Füßen die Sache der

Union ſtebe, und mit welch unwürdigen Waffen
die Geiſtlichen derſelben ſich befaſſen. Nun
wollten ſie erſt recht kämpfen und immer wieder
Eingaben machen; das haben ſie beim Wegge⸗
hen dem Miniſter auch geſagt: ſie ließen nicht
ab, und würden immer wieder kommen. Aber
was ſoll aus den armen Gemeinden, was ſoll
aus den Kindern werden, wenn ſie noch länger
der Predigt des Worts, der Stärkung durch das
Abendmahl entbehren ſollen? Ich bin mit der
frohen Hoffnung von Rade hierhergeeilt, über
Oſtern die Darbenden endlich wieder einmal be⸗

ſuchen und ihnen zurufen zu können: fürchtet

euch nicht, der Herr iſt wahrhaftig auferſtanden!
Er lebt; Er regiert; Er ſchützt; Er ſpricht, ſo
geſchieht's. Aber. nun bin ich wieder ſchärfer
beobachtet und ſehe zunächſt keine Möglichkeit,
zu ihnen zu gelangen. Taufen ſtehen bevor.

Die Aeltern wollen die Nothtaufe nicht verrich⸗

ten, denn ſie haben, wie ſie ſagen, ihren rechtmä⸗
big berufenen Paſtor, der mit Unrecht ihnen vor⸗
enthalten wird. Auch ſoll ja unſere Noth im⸗
mer offenbarer werden und unſere Regierung
muß wohl am Ende ſelber in Verlegenheit darü⸗

ber kommen, daß ſie eine in Deutſchland feierlich
ganerkannte und öffentlich aufgenommene Kirche,
den Segen und den noch einzigen Rettungsan⸗

ker des deutſchen Volkes, auf dieſe faſt unerhörte
Weiſe unterdrückt und zu vertilgen ſucht.
werde um jeden Preis die Taufen ſelber in al⸗
lernächſter Zeit zu verrichten ſuchen; dann aber⸗
habe ich wohl neues, noch ſchwereres und länge⸗
reres, und zwar mein fünftes Gefangniß zu er ·
warten!.

Im Januat kam die „vertrauliche Aufrage⸗
Sr. Majeſtät des Königs von Preußen an mich:

ob ich wohl geneigt ſei, in die Preußiſche Union
Ich antwortete ſo⸗
gleich, daß ich wohl ein treuer Unterthan Sr.

als Paſtor einzutreten?

Majeſtät, aber kein getreuer Diener der unirten
Landeskirche zu ſein mir getraue“. ö
Anfrage öffentlich geworden, weiß ich nicht. —

Mit herzlicher Hochachtung und Liebe Ihr i

Herrn Ihnen verbundener Bruder
Eich horn, Pfanter. In

Kembach bei Werthheim im Grokbenagtbum

Baden, den 26. März 1853.

Ich

Wie jene

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