Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 6 › Seite 37
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-11-10, Seite 37
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tanz 9
ſie allemal die Zeit damit hinzubringen, daß ſie
hin und wieder vorkommende Vergehungen un⸗
ſerer Chriſten aufzudecken ſuchen. Dieß Alles,
mochte viel oder wenig Wahres daran ſein, gab
mir Gelegenheit, die Leichengredigt eine ernſte
Bußpredigt ſein zu laſſen, und der treue Gott
gab mir Gnade, daß ich mit aller Freudigkeit
und Unerſchrockenheit den Ernſt der Züchtigung
Gottes ihnen vorhalten konnte. Natürlich hatte
ich vielmehr die Sünde des Saufens und der
Schwelgerei im Auge, der einige von den Ange—
hörigen dieſes Kindes ergeben waren, als die
vorgebliche Sünde, welche die betrübte Mutter
mit dem Beerenpflücken am Sonntage begangen
haben ſollte. Die Methodiſten waren größten⸗
theils bei der Beerdigung zugegen, auch ihre
Prediger fehlten nicht. Das Maul iſt ihnen
eht geſtopft, und ſo weit wir Menſchen ſehen
können, hat die Trübſal bei den Angehörigen
des ertrunkenen Kindes eine friedſame Frucht
der Gerechtigkeit hinterlaſſen.
Eine neue unerwartete Freude hat uns der
Herrr geſtern, als am 14. Sonntage n. Trin.
bereitet. Ein kleiner Indianer Knabe, etwa 7
Jahre alt, von ſeiner Mutter verſtoßen, wurde.
nach Bethanien zu ſeinen Großeltern gebracht,
die ebenfalls noch verſtockte Heiden ſind. Der
Knabe jedoch ſollte nicht vergeblich in unſere
Mitte gekommen ſein. Er kam zuweilen zu uns,
hielt ſich zu unſern Knaben, bettelte ſich man⸗
chesmal ein Stück Brod und gewöhnte ſich ſo
allmählig an unſer Haus, daß er nirgends lie⸗
ber war, als bei uns. Da er nun auch gehört
hatte, daß man ſich taufen laſſen müße, wenn
man ſelig werden wolle, ſprach er eines Tages
zu mir: „Du Schwarzrock,“ (ſo nennen ſie ihre
Paſtoren) „frage doch meinen Großvater, ob ich
mich auch darf taufen laſſen.“ Am vergange⸗
nen Sonnabend kam ſeine Großmutter zu mir
und ich theilte ihr mit, was mir der Knabe auf⸗
getragen hatte; ſie ſagte, ihr Mann ſei nicht zu
Hauſe, käme aber bald zurück. Geſtern nun,
am oben erwähnten Tage, kam die Frau mit ei⸗
nigen ihrer Hausgenoſſen zur Kirche. Ich pre—
digte gerade über das Evangelium von den zehn
Ausſätzigen, und hinweiſend auf die Wahrheit,
daß Alle, die den Namen des Herrn anrufen, ſe⸗
lig werden ſollen, ſprach ich von der Wichtigkeit,
den Namen des Herrn anzurufen, weil Er uns
nahe iſt. Grade als ich über die rechte Zeit des
Anrufens ſprach, traten dieſe Leute in die Kir⸗
che und ich ahnte nicht, was ſie wollten. Nach⸗
dem der Gottksdienſt geſchloſſen war und ich
ſchon die Kirche verlaſſen hatte, wurde mir die
Taufe des oben erwähnten Kindes gemeldet.
Sie wünſchten, daß es noch an demſelben Tage
geſchehen möchte. Ich ſprach mit ihnen darüber
und da ich fand, daß nichts hinderliches im Wege
war, beſtimmte ich die Taufe für den Nachmit⸗
tag. Auf die Frage, ob wir nicht lieber abwar—
ten wollten, bis der Großvater des Knaben nach
Hauſe käme, ſagte die Frau, der Knabe wäre ihr,
übergeben, ſie hätte darüber zu beſtimmen, und
dazu wiſſe ſie, daß ihr Mann nichts dagegen
habe, wenn er getauft würde. Nun fiel mir noch
die Mutter ein. Ich fragte, ob wir nicht ihre Ein⸗
willigung zuvor einholen müßten. Da ſagte
der Knabe in ſeiner kindlichen Einfalt: „Mei⸗
ne Mutter hat mich verlaſſen und kümmert ſich
nicht mehr um mich, und wenn ich dorthin käme,
will ſie mich von den Katholiken taufen laſſen.“
Mit Freuden nahmen wir dieſe unerwartete Ga⸗
be Gottes auf und ließen ihn am Nachmittag
zur heil. Taufe zu. Er erhielt den Namen Theodor
(d. i. Gottes Gabe); wer bezweifelt's, daß es
eine Gabe Gottes war, die uns in ihm ge⸗
ſchenkt wurde! Billig ſollten wir den Herrn
unaufhörlich loben und preiſen für ſolche Gnade
und Treue, für ſolche reiche Gaben.
Im Ganzen können wir faſt allen Gliedern
unſerer Gemeinde das gute Zeugniß geben,
daß ſie Gottes Wort lieb haben und auch gern
hören und lernen. Die Kirche wird von den
Meiſten regelmäßig beſucht und ſie beweiſen ſich
auch immer mehr und mehr in ihrem gewöhnli⸗
chen Leben als Chriſten, die ihrem Herrn nach—
folgen. Freilich ſind auch viele Kranke und
Schwache unter ihnen, und von einigen müſſen
wir leider ſagen, ſie ſchlafen; ſie ſchlafen den
Schlaf der Sünde. Möge auch an ihnen der
Herr ſein Wort noch einmal mächtig werden laſ⸗
ſen und ſie bekehren von dem Irrthum ihres
Weges. Vorläufig kann ich Ihnen auch mel⸗
den, daß der Häuptling, mit Zuſtimmung ſeiner
Frau, die beide den Methodiſten angehörig und
von denen namentlich die Frau ſonſt unſere ärg⸗
ſte Gegnerin war, ſeine älteſte Tochter zu mir
in den Unterricht ſchickt. Da es dem Mädchen
nach Indianer Sitte frei geſtellt iſt, nach em⸗
pfangenen Unterrichte zu wählen, wohin ſie künf⸗
tig gehören wolle: ob zu uns oder zu ſeiner
Kirche (den Methodiſten), hoffe ich, daß dieſelbe
bald in unſere Kirche aufgenommen werden
kann, um ſo mehr, da es das Mädchen von
Herzen wünſcht. Möge es der Herr zu ſeines
heiligen Namens Ehre und dem Teufel und ſei⸗
nen Dienern zum Trutz geſchehen laſſen.
Die Schule iſt ſeit einigen Wochen wenig be⸗
ſucht worden, da die meiſten unſerer Indianer
abweſend waren; jetzt fangen ſie wieder an, ſich
mehr um uns zu ſammeln. Bruder Röder
hat die Knaben und ich die Mädchen. Dieſe
Theilung, wie ſie früher nicht ſtatt fand, hat ſich
wie von ſelbſt gemacht. Ich hatte nämlich eine
Zeit lang zwei Mädchen, die Tochter unſeres
Dolmetſchers und die Tochter eines engliſchen
Mannes, der unſerer Kirche angehört. Dazu
fanden ſich noch einige junge Indianerinnen,
denen ich indianiſchen Unterricht ertheilte und
die ſonſt nicht zur Schule gekommen wären.
Da ich nun dieſen hinzugekommenen Indiane⸗
rinnen neben dem engliſchen auch indianiſchen
Unterricht ertheilen mußte, habe ich erſt ſpäter
das einzige Mädchen, das ſonſt noch in der
Schule war, aus Röders Claſſe hinzugenom⸗
men. Auf dieſe Weiſe iſt eine Theilung der
Schule zu Stande gekommen, wie ich ſie ſchon
lange gewünſcht habe.
Nachdem ich mehr in den gramma tiſchen Bau
der Sprache eingegangen bin, habe ich nicht nur
große Enideckungen zur Erleichterung der Er—
lernung, ſondern auch bedeutende Fortſchritte in
der Sprache ſelbſt gemacht. Da das Lexikon
beinahe fertig iſt, beſchäftige ich mich jetzt theil⸗
weiſe mit der Bearbeitung einer Grammatik.
Ich finde in dem Bau der Sprache, bei einem
genaueren Eingehen auf die Formen, eine ſo auf⸗
fallende Aehnlichkeit mit der hebrälſchen Spra⸗
che, daß ich die Grammatik nach Vorlage meiner
hebräiſchen bearbeiten und mir dadurch bedeu⸗
tende Erleichterungen vſchaffen kann. Später
will ich einmal genauer über die Sprache be⸗
richten.
(Eingeſandt.)
Kirchweihe.
Erſt kürzlich haben unſere lieben Glaubens⸗
genoſſen Nachricht von drei Kircheinweihungen
hier im Oſten Amerika's erhalten. Schon wie⸗
der iſt eine neue Kirche hier zum Gebrauch fer⸗
tig und dem Dienſte unſeres Gottes geweiht
worden. Am 17. Sonntage nach Trin., den
18. Sept. 1853 wurde nämlich unſere neue St.
Peterskirche in HartfordCo. im Staate Mary⸗
land, eingeweiht. Es iſt dieſelbe ein 41 Fuß
langes und 22 Fuß breites Framegebäude, mit
unmittelbar und ganz paſſend angebauter Saͤ⸗
criſtei. Seit 6 Jahren weniger etwa 2 Mona⸗
ten wird das Wort Gottes in daſiger Gegend
verkündigt. Viel Feindſchaft und Verläug⸗
nungen hat das liebe Evangelium und das lu⸗
theriſche Häuflein dort während dieſer Zeit er⸗
fahren müſſen. Nun endlich iſt es mit vieler
Mühe und Arbeit, die nur wenige übernehmen
konnten, durch die Hülfe Gottes und die Liebe
und Handreichung unſerer theuern Schweſterge⸗
meinde zu Baltimore, —was wir hier mit inni⸗
gem Dank gegen Gott und Dieſelbe wiederholt
auszuſprechen uns nicht verſagen wollen —da⸗
hin gekommen, daß wir nun Gottes dienſt in un⸗
ſerer Kirche halten können.
von ſchöner Witterung begünſtigt war, hatten
ſich ſehr viele Gäſte aus dem etwa 24 Meilen
entfernten Baltimore und faſt die ganze Gemein⸗
len entlegen, ſo wie einige Glieder der Long
Green Gemeinde eingefunden und unſere Freu⸗
de erhöht. Die Ordnung der Feier und des
Gottesdienſtes war ganz ähnlich der bei der
Kirchweihe zu Washington City voriges Jahr
befolgten —ſiehe Lutheraner, Jahrg. 9. Nr. 11.
—, nur mit der Abänderung, daß wir bloß ein⸗
mal Gottesdienſt halten konnten, und auch die⸗
ſen noch etwas abkürzten. So ſchön, wie in
Washington der Fall war, trifft es bei Kirch⸗
weihen freilich nur ſelten zuſammen, daß näm⸗
und für die Zukunft in der neuen Kirche ver⸗
richtet werden ſollen (als Beichte, Evangelien⸗
predigt, Feier des heiligen Abendmahles, Kate⸗
chismusübung, Trauung und Taufe mit Sin⸗
gen und Beten), auch in dem neuen Gotteshauſe
am Kirchweihtage verrichtet werden könnten.
Geſchehen aber ſollte es freilich bei dieſer Gele⸗
genheit, wo möglich immer; denn dadurch, daß
dieſe Handlungen an dem Orte geſchehen, und
Am genannten für uns ſo feſtlichen Tage, der
de aus Franklinville mit Jericho, etwa 13 Mei⸗
lich alle kirchliche Handlungen, die überhaupt
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