# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 11 10_S37 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſie allemal die Zeit damit hinzubringen, daß ſie hin und wieder vorkommende Vergehungen un⸗ ſerer Chriſten aufzudecken ſuchen. Dieß Alles, mochte viel oder wenig Wahres daran ſein, gab mir Gelegenheit, die Leichengredigt eine ernſte Bußpredigt ſein zu laſſen, und der treue Gott gab mir Gnade, daß ich mit aller Freudigkeit und Unerſchrockenheit den Ernſt der Züchtigung Gottes ihnen vorhalten konnte. Natürlich hatte ich vielmehr die Sünde des Saufens und der Schwelgerei im Auge, der einige von den Ange— hörigen dieſes Kindes ergeben waren, als die vorgebliche Sünde, welche die betrübte Mutter mit dem Beerenpflücken am Sonntage begangen haben ſollte. Die Methodiſten waren größten⸗ theils bei der Beerdigung zugegen, auch ihre Prediger fehlten nicht. Das Maul iſt ihnen eht geſtopft, und ſo weit wir Menſchen ſehen können, hat die Trübſal bei den Angehörigen des ertrunkenen Kindes eine friedſame Frucht der Gerechtigkeit hinterlaſſen. Eine neue unerwartete Freude hat uns der Herrr geſtern, als am 14. Sonntage n. Trin. bereitet. Ein kleiner Indianer Knabe, etwa 7 Jahre alt, von ſeiner Mutter verſtoßen, wurde. nach Bethanien zu ſeinen Großeltern gebracht, die ebenfalls noch verſtockte Heiden ſind. Der Knabe jedoch ſollte nicht vergeblich in unſere Mitte gekommen ſein. Er kam zuweilen zu uns, hielt ſich zu unſern Knaben, bettelte ſich man⸗ chesmal ein Stück Brod und gewöhnte ſich ſo allmählig an unſer Haus, daß er nirgends lie⸗ ber war, als bei uns. Da er nun auch gehört hatte, daß man ſich taufen laſſen müße, wenn man ſelig werden wolle, ſprach er eines Tages zu mir: „Du Schwarzrock,“ (ſo nennen ſie ihre Paſtoren) „frage doch meinen Großvater, ob ich mich auch darf taufen laſſen.“ Am vergange⸗ nen Sonnabend kam ſeine Großmutter zu mir und ich theilte ihr mit, was mir der Knabe auf⸗ getragen hatte; ſie ſagte, ihr Mann ſei nicht zu Hauſe, käme aber bald zurück. Geſtern nun, am oben erwähnten Tage, kam die Frau mit ei⸗ nigen ihrer Hausgenoſſen zur Kirche. Ich pre— digte gerade über das Evangelium von den zehn Ausſätzigen, und hinweiſend auf die Wahrheit, daß Alle, die den Namen des Herrn anrufen, ſe⸗ lig werden ſollen, ſprach ich von der Wichtigkeit, den Namen des Herrn anzurufen, weil Er uns nahe iſt. Grade als ich über die rechte Zeit des Anrufens ſprach, traten dieſe Leute in die Kir⸗ che und ich ahnte nicht, was ſie wollten. Nach⸗ dem der Gottksdienſt geſchloſſen war und ich ſchon die Kirche verlaſſen hatte, wurde mir die Taufe des oben erwähnten Kindes gemeldet. Sie wünſchten, daß es noch an demſelben Tage geſchehen möchte. Ich ſprach mit ihnen darüber und da ich fand, daß nichts hinderliches im Wege war, beſtimmte ich die Taufe für den Nachmit⸗ tag. Auf die Frage, ob wir nicht lieber abwar— ten wollten, bis der Großvater des Knaben nach Hauſe käme, ſagte die Frau, der Knabe wäre ihr, übergeben, ſie hätte darüber zu beſtimmen, und dazu wiſſe ſie, daß ihr Mann nichts dagegen habe, wenn er getauft würde. Nun fiel mir noch die Mutter ein. Ich fragte, ob wir nicht ihre Ein⸗ willigung zuvor einholen müßten. Da ſagte der Knabe in ſeiner kindlichen Einfalt: „Mei⸗ ne Mutter hat mich verlaſſen und kümmert ſich nicht mehr um mich, und wenn ich dorthin käme, will ſie mich von den Katholiken taufen laſſen.“ Mit Freuden nahmen wir dieſe unerwartete Ga⸗ be Gottes auf und ließen ihn am Nachmittag zur heil. Taufe zu. Er erhielt den Namen Theodor (d. i. Gottes Gabe); wer bezweifelt's, daß es eine Gabe Gottes war, die uns in ihm ge⸗ ſchenkt wurde! Billig ſollten wir den Herrn unaufhörlich loben und preiſen für ſolche Gnade und Treue, für ſolche reiche Gaben. Im Ganzen können wir faſt allen Gliedern unſerer Gemeinde das gute Zeugniß geben, daß ſie Gottes Wort lieb haben und auch gern hören und lernen. Die Kirche wird von den Meiſten regelmäßig beſucht und ſie beweiſen ſich auch immer mehr und mehr in ihrem gewöhnli⸗ chen Leben als Chriſten, die ihrem Herrn nach— folgen. Freilich ſind auch viele Kranke und Schwache unter ihnen, und von einigen müſſen wir leider ſagen, ſie ſchlafen; ſie ſchlafen den Schlaf der Sünde. Möge auch an ihnen der Herr ſein Wort noch einmal mächtig werden laſ⸗ ſen und ſie bekehren von dem Irrthum ihres Weges. Vorläufig kann ich Ihnen auch mel⸗ den, daß der Häuptling, mit Zuſtimmung ſeiner Frau, die beide den Methodiſten angehörig und von denen namentlich die Frau ſonſt unſere ärg⸗ ſte Gegnerin war, ſeine älteſte Tochter zu mir in den Unterricht ſchickt. Da es dem Mädchen nach Indianer Sitte frei geſtellt iſt, nach em⸗ pfangenen Unterrichte zu wählen, wohin ſie künf⸗ tig gehören wolle: ob zu uns oder zu ſeiner Kirche (den Methodiſten), hoffe ich, daß dieſelbe bald in unſere Kirche aufgenommen werden kann, um ſo mehr, da es das Mädchen von Herzen wünſcht. Möge es der Herr zu ſeines heiligen Namens Ehre und dem Teufel und ſei⸗ nen Dienern zum Trutz geſchehen laſſen. Die Schule iſt ſeit einigen Wochen wenig be⸗ ſucht worden, da die meiſten unſerer Indianer abweſend waren; jetzt fangen ſie wieder an, ſich mehr um uns zu ſammeln. Bruder Röder hat die Knaben und ich die Mädchen. Dieſe Theilung, wie ſie früher nicht ſtatt fand, hat ſich wie von ſelbſt gemacht. Ich hatte nämlich eine Zeit lang zwei Mädchen, die Tochter unſeres Dolmetſchers und die Tochter eines engliſchen Mannes, der unſerer Kirche angehört. Dazu fanden ſich noch einige junge Indianerinnen, denen ich indianiſchen Unterricht ertheilte und die ſonſt nicht zur Schule gekommen wären. Da ich nun dieſen hinzugekommenen Indiane⸗ rinnen neben dem engliſchen auch indianiſchen Unterricht ertheilen mußte, habe ich erſt ſpäter das einzige Mädchen, das ſonſt noch in der Schule war, aus Röders Claſſe hinzugenom⸗ men. Auf dieſe Weiſe iſt eine Theilung der Schule zu Stande gekommen, wie ich ſie ſchon lange gewünſcht habe. Nachdem ich mehr in den gramma tiſchen Bau der Sprache eingegangen bin, habe ich nicht nur große Enideckungen zur Erleichterung der Er— lernung, ſondern auch bedeutende Fortſchritte in der Sprache ſelbſt gemacht. Da das Lexikon beinahe fertig iſt, beſchäftige ich mich jetzt theil⸗ weiſe mit der Bearbeitung einer Grammatik. Ich finde in dem Bau der Sprache, bei einem genaueren Eingehen auf die Formen, eine ſo auf⸗ fallende Aehnlichkeit mit der hebrälſchen Spra⸗ che, daß ich die Grammatik nach Vorlage meiner hebräiſchen bearbeiten und mir dadurch bedeu⸗ tende Erleichterungen vſchaffen kann. Später will ich einmal genauer über die Sprache be⸗ richten. (Eingeſandt.) Kirchweihe. Erſt kürzlich haben unſere lieben Glaubens⸗ genoſſen Nachricht von drei Kircheinweihungen hier im Oſten Amerika's erhalten. Schon wie⸗ der iſt eine neue Kirche hier zum Gebrauch fer⸗ tig und dem Dienſte unſeres Gottes geweiht worden. Am 17. Sonntage nach Trin., den 18. Sept. 1853 wurde nämlich unſere neue St. Peterskirche in HartfordCo. im Staate Mary⸗ land, eingeweiht. Es iſt dieſelbe ein 41 Fuß langes und 22 Fuß breites Framegebäude, mit unmittelbar und ganz paſſend angebauter Saͤ⸗ criſtei. Seit 6 Jahren weniger etwa 2 Mona⸗ ten wird das Wort Gottes in daſiger Gegend verkündigt. Viel Feindſchaft und Verläug⸗ nungen hat das liebe Evangelium und das lu⸗ theriſche Häuflein dort während dieſer Zeit er⸗ fahren müſſen. Nun endlich iſt es mit vieler Mühe und Arbeit, die nur wenige übernehmen konnten, durch die Hülfe Gottes und die Liebe und Handreichung unſerer theuern Schweſterge⸗ meinde zu Baltimore, —was wir hier mit inni⸗ gem Dank gegen Gott und Dieſelbe wiederholt auszuſprechen uns nicht verſagen wollen —da⸗ hin gekommen, daß wir nun Gottes dienſt in un⸗ ſerer Kirche halten können. von ſchöner Witterung begünſtigt war, hatten ſich ſehr viele Gäſte aus dem etwa 24 Meilen entfernten Baltimore und faſt die ganze Gemein⸗ len entlegen, ſo wie einige Glieder der Long Green Gemeinde eingefunden und unſere Freu⸗ de erhöht. Die Ordnung der Feier und des Gottesdienſtes war ganz ähnlich der bei der Kirchweihe zu Washington City voriges Jahr befolgten —ſiehe Lutheraner, Jahrg. 9. Nr. 11. —, nur mit der Abänderung, daß wir bloß ein⸗ mal Gottesdienſt halten konnten, und auch die⸗ ſen noch etwas abkürzten. So ſchön, wie in Washington der Fall war, trifft es bei Kirch⸗ weihen freilich nur ſelten zuſammen, daß näm⸗ und für die Zukunft in der neuen Kirche ver⸗ richtet werden ſollen (als Beichte, Evangelien⸗ predigt, Feier des heiligen Abendmahles, Kate⸗ chismusübung, Trauung und Taufe mit Sin⸗ gen und Beten), auch in dem neuen Gotteshauſe am Kirchweihtage verrichtet werden könnten. Geſchehen aber ſollte es freilich bei dieſer Gele⸗ genheit, wo möglich immer; denn dadurch, daß dieſe Handlungen an dem Orte geſchehen, und Am genannten für uns ſo feſtlichen Tage, der de aus Franklinville mit Jericho, etwa 13 Mei⸗ lich alle kirchliche Handlungen, die überhaupt