Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 2 › Seite 4

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-09-15, Seite 4

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſetz 21 · Tanz 9

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danken, daß das geringe Zeugn iß unſeres Blätt⸗
leins für die reine evangeliſche Wahrheit gegen
Menſchenwitz und-Wahn ſichtbar über Bitten
und Verſtehen reichlich und herrlich geſegnet ge⸗
weſen iſt. Von vielen Seiten her haben wir
nehmlich Zeugniſſe davon erhalten, daß de
Kampf, den der „Lutheraner“ in der letztver—
gangenen Zeit gekämpft hat, ſo Manchen, der
über die betreffenden wichtigen Punkte der Lehrt
in Unklarheit befangen war, zur Klarheit ge⸗
bracht, Andere in der bereits erkannten Wahr⸗
heit geſtärkt und überhaupt vielfach angeregt
hat, in Gottes Wort und in den alten Kern⸗
ſchriften unſerer Kirche weiter zu forſchen. Das
Erfreulichſte unter allem iſt uns endlich die Be⸗
merkung, daß ſelbſt unſere Widerſacher an dem
Segen des in unſerem Blatte für die Wahrheit
abgelegten Zeugniſſes nicht ganz leer ausge⸗
gangen ſind. Ihre widrige Geſinnung und ih—
re Bitterkeit gegen uns iſt zwar dieſelbe geblie⸗
ben, aber dem aufmerkſamen Beobachter kann
es nicht entgehen, daß ſie, was die ſtreitigen
Lehren und die Anerkennung einer darauf ge⸗
gründeten Praris betrifft (zwar ohne es einzu⸗
geſtehen, aber in der That), einen offenbaren
Rückzug angetreten haben, und daher manches,
was ſie vorher auf die ertremſte Weiſe verthei⸗
digt und auf die Spitze geſtellt hatten, nun
möglichſt mildern und nun gern darauf einge⸗
hen, wenn man ihnen zugeſteht, daß ſie es viel⸗
leicht nicht ſo gemeint, wie ſie früher ge⸗
ſchrieben haben. Gewiß, wüßten die Ge⸗
meinden, die von unſeren Gegnern geleitet wer⸗
den, welchen Einfluß unſer Zeugniß auf die
letzteren bereits geübt, von welchen Laſten es
ſie, die Gemeinden, ſchon befreit, von welchen
bereits eingeſchlagenen Irrwegen es ihre Leiter
ſchon zurückgerufen und zurückgezogen hat: ſie
würden ſich nimmer dazu verſtehen, mit ihren
Paſtoren uns (wie ſie leider! gethan haben)
als ihre Feinde und als Verſtörer der Kirche
Gottes in furchtbarem Frevel zu verdammen
und zu verfluchen, ſondern vielmehr Gott dan⸗
ken, daß Er uns erweckt hat, ihren verblendeten
Paſtoren „Halt!“ zuzurufen, daß dieſelben we⸗
nigſtens nicht in noch größere Verirrungen ge⸗
rathen ſind, als geſchehen iſt. Mögen nun im⸗
merhin unſere Gegner dieſen Segen unſeres
Kampfes gegen ſie, den ſie ſelbſt wider ihren
Willen genießen, ableugnen, wir preiſen Gott
dafür. Jener Tag wird es klar ma⸗
chen, wohin es in der lutheriſchen
Kirche Amerika's gekommen ſein
würde, wenn eine mit ſolchem Fa⸗
natismus und mit ſolcher Energie
verfolgte romaniſirende Richtung,
wie ſie ein Grabau hier einge⸗
ſchlagen, keinen kräftigen Wider⸗
ſtand gefun den hätte. Möge nur der
HErr, welcher allein Herzen ändern kann, hel⸗
fen, daß unſere Gegner einmal mit heilſamen
Erſchrecken erkennen lernen, mit welcher furcht⸗
baren Schuld ſie ſich durch ihr maaßloſes Ver⸗
bannen, Richten, Verdammen und Verfluchen
belaſtet haben, und mögen ſie endlich einlenken
und ſich mit uns in der Einen alten evange⸗

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liſchen Wahrheit und in Frieden zu leben be⸗
geben. —

Was nun die Art und Weiſe betrifft, wie der
„Lutheraner“, geliebt es Gott, in der Zukunft
ſich halten will, ſo können wir dem lieben Leſer
eine, wie wir hoffen, erfreuliche Verſicherung
ausſprechen.
eine nicht unerhebliche Veränderung erleiden.
Unſere Synode hat während ihrer letzten Sitz—
ungen zu Cleveland im Monat Juni dieſes
Jahres den Beſchluß gefaßt, neben dem „Lu⸗
theraner“ noch eine zweite, und zwar theo⸗
logiſche Monatsſchrift herauszugeben.
Da der „Lutheraner“ bis jetzt das einzige öf⸗
fentliche Organ unſerer Synode war, ſo hat
derſelbe bisher Vieles aufnehmen müſſen, was
oft nur einem kleineren Theile der Leſer genieß⸗
bar war, z. B. manche Streitigkeiten und Lehr⸗
entwickelungen, die faſt nur die Prediger, wel⸗
che noch andere Zeitſchriften leſen, intereſſiren
konnte. Dieſem Noth- und Uebelſtande iſt nun
abgeholfen. Von nun wird der „Lutheraner“
es ſich ſtreng zur Aufgabe machen, nur ſolche
Aufſätze und Nachrichten zu liefern, die für je⸗
den Leſer verſtändlich und von Intereſſe ſind⸗
Es ſind auch die nöthigen Anſtalten getroffen“
es möglich zu machen, daß der „Lutheraner“
bald die wichtigſten Ereigniſſe auf dem kirchlichen
Gebiete unſeres alten Vaterlandes aus unmit⸗
telbarer Quelle ſeinen Leſern mittheile. Sonſt
wird das Blatt im Allgemeinen ſeinen bisheri⸗
gen eigenthümlichen Charakter, ein Blatt zu⸗
nächſt für Lehre und Wehre zu ſein, ſtreng feſt⸗
halten.

Da aber, wie es in jenem Liede heißt: „Un⸗
ſere Kraft iſt lauter Ohnmacht,“ ſo ſei der chriſt⸗
liche Leſer hiermit noch zum Schluß dringend
gebeten, auch den lieben „Lutheraner“ in ſein
andächtiges Vaterunſer mit einzuſchließen.

Amen.
qü9,aꝛſ

(Für den „Lutheraner.“)

Folgendes vürfte den Leſern des Lutheraners,
obwohl es durch einen Zufall verſpätet iſt, auch
jetzt noch nicht unintereſſant ſein.

Es betrifft nemlich einen editoriellen Artikel in
dem Januarheft d. J. des von den Doctoren der
Theologie C. O. Krauth und W. M. Reynolds
herausgegebenen Evang. Review. Derſelbe iſt
„Kirche und Amt“ überſchrieben, und enthält ei⸗
ne Anzeige und Beurtheilung der von Hrn. Prof.
Walther im Auftrage der Synode von Miſſouri
u. ſ. w. über den bezeichneten Gegenſtand veröf⸗
fentlichten Schrift.

Um zu zeigen, aus welcher Veranlaſſung die
Schrift hervorgegangen ſei, wird vorweg der
Anfang und Verlauf des Lehrſtreits dargeſtellt,
der bekanntlich erſt von einigen Predigern in
Miſſouri, und nachdem ſich eine Synode von
Miſſouri u. ſ. w. gebildet hatte, von dieſer, gegen
Paſtor Graban geführt wurde.

Dann ſpricht ſich der Verfaſſer des Artikels
folgendermaßen über das Buch aus. „Das gan⸗
ze Werk bildet einen der intereſſanteſten Beiträge
zu unſerer kirchlichen Literatur, der noch von ei⸗

Der „Lutheraner“ wird nehmlich

nem amerikaniſchen Schriftſteller geliefert worden
iſt. Zwar iſt Prof. Walther ein Deutſcher von
Geburt und das Buch in Deutſchland gedruckt,
aber gleichwohl iſt es in jeder Beziehung ein
amerikaniſches Buch. Es iſt nicht nur aus der
Lage der Dinge in dieſem Lande und den Bewe⸗
gungen in der hieſigen lutheriſchen Kirche hervor—
gegangen, ſondern es ſetzt auch das Lutherthum
in entſchiedenen Einklang mit dem Freiſinn ame⸗
rikaniſcher Grundſätze und Inſtitutionen. Wir
beſorgen allerdings, daß uns unſere Freunde von
der. Miſſouri Synode für dieſes Compliment
nicht danken, und daß die Buffaloer auf daſſelbe
als eine Beſtätigung ihrer ärgſten Befürchtungen
und eine Rechtfertigung ihres härteſten Tadels
in Abſicht auf miſſouriſche Grundſätze hinweiſen
werden, welche ſie als „radical,“ „demokratiſch,“
„die bewährteſten Grundſätze des lutheriſchen
Kirchenregiments umſtürzend“ u. d. gl. verdäch⸗
tigt haben. Allein wir antworten, ohne daß uns
Furcht vor reactionärem Conſervatismus vor
Augen ſchwebte, daß die Reformation, wie Luther
ſie anfieng, und bis zu ihren gerechten Folgerun⸗
gen ausführte, eine „radicale“ Reform aller in
der Kirche beſtehenden Mißbräuche war, „demo⸗
kratiſch,“ da ſie allen das Recht, ſelbſt zu urthei⸗
len gab, indem ſie alle Chriſten gleicherweiſe zu
Königen und Prieſtern Gottes machte, und den
Despotismus einiger weniger Pfaffen über das
Gewiſſen der Menſchen und das Wort Gottes
gründlich verwarf und vernichtete.“

Nun werden die Theſen ſelbſt mitgetheilt, ſo
wie ſie ſich in dem Buche befin den, neun über die
Kirche und zehn über das Amt.

Darnach heißt es „Mit den Anſichten, die in
dieſen Theſen im Allgemeinen enthalten ſind,
ſtimmen wir völlig überein; ſonderlich haben wir
gegen die neun erſten nichts einzuwenden, glau⸗
ben vielmehr, daß die hier dargelegte Lehre der
lutheriſchen Kirche die einzig richtige, und gleich
ſehr ſchriftgemäß und lutheriſch iſt.“ Und wei⸗
ter unten „Auch mit den Theſen über die Kirche
ſind wir meiſt einverſtanden. Die Theorie iſt
ſtreng die Luthers und iſt durch die in den Sym⸗
bolen der Kirche ausgeſprochenen Grundſätze
beſtätigt.“

Nun folgen einige Ausſtellungen. Es heißt
nemlich gegen Ende des Artikels „Hätten wir
dieſe Theſen ſelbſt geſchrieben, ſo würden wir den
in der fünften ſich findenden Ausdruck die Ge⸗
walt eines geiſtlichen Gerichts' nicht gebraucht,
und den allgemeinern Ausdruck die vollſtrecken⸗
de Gewalt der Kirche in der Verwaltung ihrer
Zucht“ vorgezogen haben.“ Dieſes wird dad urch
begründet, daß, da nach der zehnten Theſis das
Recht Lehre zu urtheiken und daher auch in den
Kirchengerichten und Concilien mit den Predi⸗
gern Sitz u. Stimme zu haben, auch den Laien
zugeſtanden werde, dem Prediger keine beſondere
Verrichtung verbleibe, als die Vollſtreckung. Ein⸗
ſender dieſes erlaubt ſich dagegen zu bemerken,
daß ihm der Vorzug dem in der Theſis gebrauch⸗
ten Ausdruck „geiſtliches Gericht“ zu gebühren
ſcheint. Denn er ſchließt ſich nicht nur an die
Redeweiſe der Apologie an, ſondern iſt auch der
bezeichnendere. Es ſoll nemlich der Umſtand an

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