# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 09 15_S4 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) danken, daß das geringe Zeugn iß unſeres Blätt⸗ leins für die reine evangeliſche Wahrheit gegen Menſchenwitz und-Wahn ſichtbar über Bitten und Verſtehen reichlich und herrlich geſegnet ge⸗ weſen iſt. Von vielen Seiten her haben wir nehmlich Zeugniſſe davon erhalten, daß de Kampf, den der „Lutheraner“ in der letztver— gangenen Zeit gekämpft hat, ſo Manchen, der über die betreffenden wichtigen Punkte der Lehrt in Unklarheit befangen war, zur Klarheit ge⸗ bracht, Andere in der bereits erkannten Wahr⸗ heit geſtärkt und überhaupt vielfach angeregt hat, in Gottes Wort und in den alten Kern⸗ ſchriften unſerer Kirche weiter zu forſchen. Das Erfreulichſte unter allem iſt uns endlich die Be⸗ merkung, daß ſelbſt unſere Widerſacher an dem Segen des in unſerem Blatte für die Wahrheit abgelegten Zeugniſſes nicht ganz leer ausge⸗ gangen ſind. Ihre widrige Geſinnung und ih— re Bitterkeit gegen uns iſt zwar dieſelbe geblie⸗ ben, aber dem aufmerkſamen Beobachter kann es nicht entgehen, daß ſie, was die ſtreitigen Lehren und die Anerkennung einer darauf ge⸗ gründeten Praris betrifft (zwar ohne es einzu⸗ geſtehen, aber in der That), einen offenbaren Rückzug angetreten haben, und daher manches, was ſie vorher auf die ertremſte Weiſe verthei⸗ digt und auf die Spitze geſtellt hatten, nun möglichſt mildern und nun gern darauf einge⸗ hen, wenn man ihnen zugeſteht, daß ſie es viel⸗ leicht nicht ſo gemeint, wie ſie früher ge⸗ ſchrieben haben. Gewiß, wüßten die Ge⸗ meinden, die von unſeren Gegnern geleitet wer⸗ den, welchen Einfluß unſer Zeugniß auf die letzteren bereits geübt, von welchen Laſten es ſie, die Gemeinden, ſchon befreit, von welchen bereits eingeſchlagenen Irrwegen es ihre Leiter ſchon zurückgerufen und zurückgezogen hat: ſie würden ſich nimmer dazu verſtehen, mit ihren Paſtoren uns (wie ſie leider! gethan haben) als ihre Feinde und als Verſtörer der Kirche Gottes in furchtbarem Frevel zu verdammen und zu verfluchen, ſondern vielmehr Gott dan⸗ ken, daß Er uns erweckt hat, ihren verblendeten Paſtoren „Halt!“ zuzurufen, daß dieſelben we⸗ nigſtens nicht in noch größere Verirrungen ge⸗ rathen ſind, als geſchehen iſt. Mögen nun im⸗ merhin unſere Gegner dieſen Segen unſeres Kampfes gegen ſie, den ſie ſelbſt wider ihren Willen genießen, ableugnen, wir preiſen Gott dafür. Jener Tag wird es klar ma⸗ chen, wohin es in der lutheriſchen Kirche Amerika's gekommen ſein würde, wenn eine mit ſolchem Fa⸗ natismus und mit ſolcher Energie verfolgte romaniſirende Richtung, wie ſie ein Grabau hier einge⸗ ſchlagen, keinen kräftigen Wider⸗ ſtand gefun den hätte. Möge nur der HErr, welcher allein Herzen ändern kann, hel⸗ fen, daß unſere Gegner einmal mit heilſamen Erſchrecken erkennen lernen, mit welcher furcht⸗ baren Schuld ſie ſich durch ihr maaßloſes Ver⸗ bannen, Richten, Verdammen und Verfluchen belaſtet haben, und mögen ſie endlich einlenken und ſich mit uns in der Einen alten evange⸗ 2 liſchen Wahrheit und in Frieden zu leben be⸗ geben. — Was nun die Art und Weiſe betrifft, wie der „Lutheraner“, geliebt es Gott, in der Zukunft ſich halten will, ſo können wir dem lieben Leſer eine, wie wir hoffen, erfreuliche Verſicherung ausſprechen. eine nicht unerhebliche Veränderung erleiden. Unſere Synode hat während ihrer letzten Sitz— ungen zu Cleveland im Monat Juni dieſes Jahres den Beſchluß gefaßt, neben dem „Lu⸗ theraner“ noch eine zweite, und zwar theo⸗ logiſche Monatsſchrift herauszugeben. Da der „Lutheraner“ bis jetzt das einzige öf⸗ fentliche Organ unſerer Synode war, ſo hat derſelbe bisher Vieles aufnehmen müſſen, was oft nur einem kleineren Theile der Leſer genieß⸗ bar war, z. B. manche Streitigkeiten und Lehr⸗ entwickelungen, die faſt nur die Prediger, wel⸗ che noch andere Zeitſchriften leſen, intereſſiren konnte. Dieſem Noth- und Uebelſtande iſt nun abgeholfen. Von nun wird der „Lutheraner“ es ſich ſtreng zur Aufgabe machen, nur ſolche Aufſätze und Nachrichten zu liefern, die für je⸗ den Leſer verſtändlich und von Intereſſe ſind⸗ Es ſind auch die nöthigen Anſtalten getroffen“ es möglich zu machen, daß der „Lutheraner“ bald die wichtigſten Ereigniſſe auf dem kirchlichen Gebiete unſeres alten Vaterlandes aus unmit⸗ telbarer Quelle ſeinen Leſern mittheile. Sonſt wird das Blatt im Allgemeinen ſeinen bisheri⸗ gen eigenthümlichen Charakter, ein Blatt zu⸗ nächſt für Lehre und Wehre zu ſein, ſtreng feſt⸗ halten. Da aber, wie es in jenem Liede heißt: „Un⸗ ſere Kraft iſt lauter Ohnmacht,“ ſo ſei der chriſt⸗ liche Leſer hiermit noch zum Schluß dringend gebeten, auch den lieben „Lutheraner“ in ſein andächtiges Vaterunſer mit einzuſchließen. Amen. qü9,aꝛſ (Für den „Lutheraner.“) Folgendes vürfte den Leſern des Lutheraners, obwohl es durch einen Zufall verſpätet iſt, auch jetzt noch nicht unintereſſant ſein. Es betrifft nemlich einen editoriellen Artikel in dem Januarheft d. J. des von den Doctoren der Theologie C. O. Krauth und W. M. Reynolds herausgegebenen Evang. Review. Derſelbe iſt „Kirche und Amt“ überſchrieben, und enthält ei⸗ ne Anzeige und Beurtheilung der von Hrn. Prof. Walther im Auftrage der Synode von Miſſouri u. ſ. w. über den bezeichneten Gegenſtand veröf⸗ fentlichten Schrift. Um zu zeigen, aus welcher Veranlaſſung die Schrift hervorgegangen ſei, wird vorweg der Anfang und Verlauf des Lehrſtreits dargeſtellt, der bekanntlich erſt von einigen Predigern in Miſſouri, und nachdem ſich eine Synode von Miſſouri u. ſ. w. gebildet hatte, von dieſer, gegen Paſtor Graban geführt wurde. Dann ſpricht ſich der Verfaſſer des Artikels folgendermaßen über das Buch aus. „Das gan⸗ ze Werk bildet einen der intereſſanteſten Beiträge zu unſerer kirchlichen Literatur, der noch von ei⸗ Der „Lutheraner“ wird nehmlich nem amerikaniſchen Schriftſteller geliefert worden iſt. Zwar iſt Prof. Walther ein Deutſcher von Geburt und das Buch in Deutſchland gedruckt, aber gleichwohl iſt es in jeder Beziehung ein amerikaniſches Buch. Es iſt nicht nur aus der Lage der Dinge in dieſem Lande und den Bewe⸗ gungen in der hieſigen lutheriſchen Kirche hervor— gegangen, ſondern es ſetzt auch das Lutherthum in entſchiedenen Einklang mit dem Freiſinn ame⸗ rikaniſcher Grundſätze und Inſtitutionen. Wir beſorgen allerdings, daß uns unſere Freunde von der. Miſſouri Synode für dieſes Compliment nicht danken, und daß die Buffaloer auf daſſelbe als eine Beſtätigung ihrer ärgſten Befürchtungen und eine Rechtfertigung ihres härteſten Tadels in Abſicht auf miſſouriſche Grundſätze hinweiſen werden, welche ſie als „radical,“ „demokratiſch,“ „die bewährteſten Grundſätze des lutheriſchen Kirchenregiments umſtürzend“ u. d. gl. verdäch⸗ tigt haben. Allein wir antworten, ohne daß uns Furcht vor reactionärem Conſervatismus vor Augen ſchwebte, daß die Reformation, wie Luther ſie anfieng, und bis zu ihren gerechten Folgerun⸗ gen ausführte, eine „radicale“ Reform aller in der Kirche beſtehenden Mißbräuche war, „demo⸗ kratiſch,“ da ſie allen das Recht, ſelbſt zu urthei⸗ len gab, indem ſie alle Chriſten gleicherweiſe zu Königen und Prieſtern Gottes machte, und den Despotismus einiger weniger Pfaffen über das Gewiſſen der Menſchen und das Wort Gottes gründlich verwarf und vernichtete.“ Nun werden die Theſen ſelbſt mitgetheilt, ſo wie ſie ſich in dem Buche befin den, neun über die Kirche und zehn über das Amt. Darnach heißt es „Mit den Anſichten, die in dieſen Theſen im Allgemeinen enthalten ſind, ſtimmen wir völlig überein; ſonderlich haben wir gegen die neun erſten nichts einzuwenden, glau⸗ ben vielmehr, daß die hier dargelegte Lehre der lutheriſchen Kirche die einzig richtige, und gleich ſehr ſchriftgemäß und lutheriſch iſt.“ Und wei⸗ ter unten „Auch mit den Theſen über die Kirche ſind wir meiſt einverſtanden. Die Theorie iſt ſtreng die Luthers und iſt durch die in den Sym⸗ bolen der Kirche ausgeſprochenen Grundſätze beſtätigt.“ Nun folgen einige Ausſtellungen. Es heißt nemlich gegen Ende des Artikels „Hätten wir dieſe Theſen ſelbſt geſchrieben, ſo würden wir den in der fünften ſich findenden Ausdruck die Ge⸗ walt eines geiſtlichen Gerichts' nicht gebraucht, und den allgemeinern Ausdruck die vollſtrecken⸗ de Gewalt der Kirche in der Verwaltung ihrer Zucht“ vorgezogen haben.“ Dieſes wird dad urch begründet, daß, da nach der zehnten Theſis das Recht Lehre zu urtheiken und daher auch in den Kirchengerichten und Concilien mit den Predi⸗ gern Sitz u. Stimme zu haben, auch den Laien zugeſtanden werde, dem Prediger keine beſondere Verrichtung verbleibe, als die Vollſtreckung. Ein⸗ ſender dieſes erlaubt ſich dagegen zu bemerken, daß ihm der Vorzug dem in der Theſis gebrauch⸗ ten Ausdruck „geiſtliches Gericht“ zu gebühren ſcheint. Denn er ſchließt ſich nicht nur an die Redeweiſe der Apologie an, ſondern iſt auch der bezeichnendere. Es ſoll nemlich der Umſtand an