Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 2 › Seite 16
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-09-15, Seite 16
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tanz 9
was endlich der Beſchwerde führende Theil der
Gemeine des P. Winkler dazu, daß dieſer mit al⸗
ler Gewalt nichts davon wiſſen wollte, ſeine Sa⸗
che von einem unparteiiſchen Zeugen unterſu⸗
chen zu laſſen? ö
Auch der Schlüſſel paßt alſo nicht. Es iſt
ein Advokatenkniff, daß Prof. Winkler, nachdem
er ſelbſt damit nichts anfangen kann, dem Leſer
überläßt, daran nach Gefallen zu drehen. Sol⸗
che Schlüſſel muß ein ſolcher Mann haben: dann
iſt er ſicher, daß Niemand hinter ſeine Schliche
kommt. Ein einfältiger Menſch, der ſich nicht
denken kann, daß ein Paſtor und Profeſſor mit
ſolchen Ränken umgehe, meint ja nun doch,
es ſei alles in Richtigkeit, weil ein Schlüſſel, der
nicht ſchließt, im Schloß ſteckt, und Jeder aufge—
fordert wird, nur getroſt aufzuſchließen und
nachzuſehen.
Die Schlauheit und Frechheit muß man
wirklich anſtaunen. Schade nur, daß ein Ta⸗
lent, das mit den abgefeimteſten Schleichhänd⸗
lern wetteifern dürfte, ſo vergraben wird! Denn
große Sprünge kann ein amerikaniſcher Paſtor
doch nicht machen, wenn er ſich auch noch ſo ſehr
aufs Betrügen legt.
Kammerherrn tragen hinten einen goldenen
Schlüſſel, der ſchließt dann auch nicht. Er ſoll
auch gar nicht ſchließen. Vielleicht hat es mit
den beiden Schlüſſeln des Prof. Winkler eine
ähnliche Bewandniß. Sie ſollen wohl nur ein
Ehrenzeichen ſein, eine Art Ritterſporn, oder gol⸗
dener Sporn, wie ihn der Papft verleiht, ein
Orden für geleiſtete Dienſte im Kampf gegen dit
Miſſouri Synode. Hinten hangen ſie wenig⸗
ſtens auch: denn ſie ſind das letzte, was man
beim glorreichen Rückzug des Prof. Winkler von
dieſem ruhmgekrönten Streiter ſieht. Aber lei—
der fehlt ihnen das Prädikat golden. Es ſind
elende Papierſchnitzeln, wie die Kinder aus Pa⸗
pier allerlei Figuren ſchneiden. Ich möchte ſie
nicht auf den Rücken hangen haben; ich würde
die Gaſſenbuben fürchten.
K. Röbbelen.
Herr Paſtor Winkler
hat, wie die Leſer wiſſen, einmal im „Informa⸗
rium“ geſchrieben, gewiſſe üble Nachrichten über
unſere Synode von eigenen Gliedern derſelben
gehört zu haben. Als er hierauf im „Luthe—
raner“ aufgefordert wurde, dieſe Glieder zu
nennen, widrigenfalls der „öffentliche Vor—
wurf der Lüge auf ihn haften ſolle“, da ant⸗
wortete Herr Winkler ausweichend und nannte
ſeine angebtichen Gewährsmänner nicht. So
forderte ihn denn unſere Synode in einem amt⸗
lichen Schreiben dazu auf. Er antwortete nun
gar nicht, wie wir bereits in unſerem Blatt, S.
165 des 9. Jahrg. berichtet haben. In Folge
der Verößentlichung dieſer Thatſache ſchreibt
nun Herr Winller, als er dies geleſen, habe er
„ſeinen Augen kaum getraut“, denn allerdings
habe er unſerer Synode geantwortet, und zwar
folgendermaßen:
„Eine Ehrw. Synode von Miſſouri u. ſ. w.
benachrichtige ich hiermit, daß der unterm 3.
Juni an mich ergangenen Aufforderung gemäß
—4—
in einer der folgenden Nummern bes Informa⸗
toriums die geforderte Aufklärung gegeben wer—
den wird.“
Da nun aber ein ſolcher Brief Herrn Wink—
lers, angeblich vom 6. Juni d. J., noch nicht
bei unſerer Synode eingegangen iſt, ſo müſſen
wir hierdurch öffentlich erklären, daß wir der
Verſicherung Herrn Winklers keinen Glauben
ſchenken können, er beweiſe es denn durch Zeug—
niß des betreffenden Poſtamts und eines glaub—
würdigen Menſchen, der und daß er den an⸗
geblichen Brief geleſen habe. Unſer Grund
liegt, wir müßen es, ſo leid es uns thut, geſte⸗
hen, in dem bekannten Sprüchwort: „Einem
Lügner glaubt man nicht, wenn er auch ſpäter
einmal die Wahrheit ſpricht.“ Geſetzt übrigens,
Hr. Winkler hätte wirklich jenen Brief geſchrie-
ben und abgeſendet, und derſelbe wäre un⸗
erklärlicher Weiſe verloren gegangen, ſo änderte
dies nichts an unſerem Urtheil, daß Hr. Wink
ler lichtſcheu iſt. Denn das ſind offenbar
faule Fiſche, wenn er zu feiner Entſchuldi—
gung Folgendes vorbringt: 1) daß er die Ge—
wohnheit habe, „in Ordnung einen Punkt nach
dem andern vorzunehmen;“ 2) daß „wegen des
zeitherigen nur einmaligen Erſcheinens des In—
formatoriums in jedem Monate, manche Aufſätze
Monate lang haben warten müßen, ehe ſie aufge⸗
nommen werden konnien; und 3) daß er ſeine
„häufig dazwiſchen kommende Krankheit gar
nicht einmal rechnen“ wolle. Jeder ſieht ein,‚
daß nur an „unbedingten Geherſam in allen
Dingen“ Gewöhnie ſolche Flauſen eines „Ehr—
würdigen Herrn“ als baare Münze hinnehmen,
denn es bedurfte von Seiten Herrn Winklers
nur der Nennung von zweioderdrei Na⸗
men, die 1) ſchwerlich ſeiner ſonſt makelloſen Lo⸗
gik einen Schandflecken angehängt; 2) hoffentlich
im Informatorium keiner unbedingt nothwendi⸗
gen andern Belehrung den nöthigen Platz weg⸗
genommen, und 3) nur einige lichte Augenblicke
in ſeinen Krankheiten erfordert hätte, die Hr.Wink⸗
ter jedenfalls genoſſen hat, da er ja hat antwor⸗
ten können, daß er noch nicht antworten wolle.
(Eingeſandt von A. H.)
Iſt es denn wahr, daß wir Lutheraner
überall wohin wir kommen, Streit an⸗
fangen?
Es wohnten in einem Orte zwei Leute neben
einander, von denen der eine den Staub nicht
leiden konnte, und fleißig bei der Hand war, den
Staub wegzukehren, der ſich vor feinem Hauſe
geſammelt hatte. Dabei begab es ſich nun, daß
er unterweilen der Thüre des anderen nahe kam.
der die Gewohnheit hatte, den Staub ruhig lie⸗
gen zu laſſen. Wiewohl nun der erſtere dabei
nichts Schlimmes im Sinne hatte, ſo ward doch
der andere darob ſehr ungehalten und meinte,
wenn er fegen wollte, ſo ſollte er das vor ſeiner
eignen Thüre thun; denn der umherfliegende
Staubuthue ja den Augen wehe. Da erwiderte
der erſte: Lieber, das iſt ja nicht meine Schuld,
denn ich will den böſen Staub gerne weg haben;
ſondern deine, daß du das Fegen nicht leiden
kannſt.
So verhält es ſich mit einer Kirche, die wir
Lutheriſche auf reine Lehre hält, und wo ſie den
Staub der Irtlehre merkt, gleich mit dem Beſen
des Zeugniſſes bei der Hand iſt, ihn fortzuſchaf⸗
fen. Da geſchieht es denn, daß er den Leuten
in die Augen fliegt, darob ſie klagen daß er beiße—
Denn es iſt viel leichter, auf den Nachbar und
ſeinen Beſen zu ſchelten, als zu erkennen, daß es
die Natur des Staubes nehmlich der Irrlebre,
daran man feſthält, mit ſich bringt, zu beißen,
wenn der Beſen kommt. Daher du lutheriſcher
Chriſt oder du lutheriſche Gemeinde, fege nur
wacker vor deiner Thür, thue von dir ab allt
falſche Lehre, und mit ihr auch allen falſchen
Gottesdienſt in der Kirche ſowohl wie im tägli—
chen Leben, dagegen laß im Bekenntniß deines
Mundes und in deinem ganzen Wandek und Le—
ben die lautere Lehre des Wortes Gottes heile
leuchten, und wenn alsdann deine Nachbarn dir
darob zürnen, und ſchimpfen, daß du Streit an⸗
fangeſt, ſo denke nur, die Irrlehre, die du durch
dein Abthun derſelben ans Lichmgeſtellt haſt, beißt
in ihren Herzen und treibt ſie zum Zanken. Ie
mehr ſie zanken, deſto eifriger fege du; wo erſt
die Irrlehre beißt, da iſt auch die Möglichkeit da,
daß man ſie erkennt, und eben als ein beißendes
Ungeziefer adthut: vielteicht bringſt du durch
dein Fegen vor deiner Thür es dahin, daß dein
Nachbar auch vor der ſeinigen fegt. Muß ich
noch auf die Frage antworten: Iſts denn wahr,
daß wir Lutheraner überall, wohin wir kemmen,
Streit anfangen? Ich denke ihr antwortet:
nein, denn das iſt offenbar, die Irrgläubi⸗
gen fangen Streit mit uns an, nicht wir
mimihnen.
(Eingeſandt.)
Leſefrüchte für den Lutheraner.
Von dem königlichen Conſiſtorinm in Breslau
iſt amtlich nachgewieſen worden, daß im Jahre
185 allein 648 römiſch katholiſche Chriſten, un⸗
ter ihnen 3 Prieſter, in Schleien zur evangeli—
ſchen Kirche übergetreten, ferner 4bb Kinder ka⸗
tholiſcher Väter, dem Wunſch derſelben gemäß,
von evangeliſchen Geiſtlichen getauft, und 1673
gemiſchte Ehen, weil die Bräutigame das von
den römiſch-katholiſchen Geiſilichen verlangte
Verſprechen, die Kinder in dem katholiſchen Be⸗
fennuniße unterrichten zu laßen, verweigert ha—
ben, eingeſegnet worden. (Pilger aus Sachſen.)
Römiſch⸗katholiſche Miſſionenin
Schleſien. Im vorigen Jahre haben die
Jeſuiten ihre Miſſionen in der Gegen? von Neiſ⸗
ſe, Appeln, Breslau, Natibor und Koſel gehal⸗
ten .‚Da hat denn unter andern der Pater Rieger
in einer Abends h Uhr auf dem Kirchbofe zu
Koſtenblut gehaltenen Predigt, nachdem er dit
Höllenſtrafen geſchildert, das an der Seite der
Kanzel befeſtigte Kruzifix ergriffen, es empor ge⸗
halten und mit demſelben folgende Unterredung
angeſtellt: Herzliebſtes Jeſulein! Erlaube mir
doch eine Frage: Giebt es denn für den Sünder
keine Gnade? Antwort mit veränderter Stimme;
O ja, wenn er ſich bekehrt und 36,000 Pater⸗
noſter u. ſ. w. betet. Die können aber auch in
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