Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 2 › Seite 5

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-09-15, Seite 5

3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch 6 · Tanz 9

⤓ Download .txt · copy text

dem Predigtamt bezeichnet werden, daß Lehre
urtheilen u. ſ. w. dem Prediger mit allen, weil er
ja auch ein Glied der Kirche iſt, und vor allen,
weil er die Gemeine repräſentirt, zukomme; fer⸗
ner, daß er in gewiſſen Fällen auch allein zu
entſcheiden habe, z. B. ob jemand zum h. Abend⸗
mahl zuläſſig ſei oder nicht. Dies wird wohl
ausgedrückt, wenn man die Worte der Theſis
gebraucht, nicht ſo durch den vorgeſchlagenen
Ausdruck. Denn wenn man von einer vollſtre⸗
ckenden Gewalt redet, ſo verſteht man darunter
insgemein die Gewalt, etwas, was von andern
aber nicht von dem, der dieſe Gewalt hat, mit
den andern oder gar allein beſchloſſen iſt, in Aus⸗
übung zu ſetzen.

„Noch weniger,“ fährt der Verfaſſer des Arti⸗
kels fort, „ſind wir durch die achte Theſis zufrie⸗
den geſtellt.“ Er ſagt, er würde Bedenken tra⸗
gen, das Predigtamt das höchſte in der Kirche zu
nennen, und giebt als Grund an, daß dies weder
ſchicklich noch demüthig geredet ſet. Man be—
greift kaum, wie ein ſo großes Mißverſtändniß
dieſer Theſis möglich war. Was die Theſis vom
Predigtamt ſagt, um es nach ſeinem Verhältniß
zu andern Kirchenämtern ins rechte Licht zu
ſetzen, bezieht der Verfaſſer des Artikels auf eine
verwerfliche Geſinnung des Trägers des Amts,
und während geſagt wird, daß das Predigtamt
das höchſte iſt, weil es alle andern Kirchenämter
in ſich begreift, ſo daß der, welcher es trägt, nach
göttlichem Recht auch zu allen andern Kirchen⸗
ämtern befugt iſt, und ſie in Fällen, wo menſch⸗
liche Ordnung ihren Zweck verfehlt, gültig ver⸗
richten mag: misverſteht er, daß, wer das Pre⸗
digtamt führt, größer iſt als diejenigen, welche
andere Kirchenämter verwalten, und deshalb den
Vorzug und die Ehre von dieſen begehren mag
die ſie ihm ſchuldig find. Wir ſtimmen deshalb
völlig mit dem Verfaſſer überein, wenn er ſagt
„Wie ungereimt iſt es, wenn ſich der Diener
über die erheben will, denen er dient“ ohne darin
einen Streit mit der Theſis zu ſehen.

Den andern Theil der Thefis aber, nemlich,
daß alle andern Kirchenämter aus dem Predigt⸗
amt fließen, leugnet der Verfaſſer gradezu. Denn,

ſagt er, dies ſei im Cirkel geſchloſſen. Im Cir⸗
kel ſchließen geſchähe hier, wenn man ſagte: das
Predigtamt hat die Kirchengewalt von der Kirche
und die Kirche hat ſie wieder vom Predigtamt.
In der Theſis wird aber nicht dergleichen geſagt;
alſo muß hier abermal ein Mißverſtändniß ob⸗
walten. Wahrſcheinlich hat dazu der Ausdruck
„fließen“ Veranlaſſung gegeben. Derſelbe kann
und ſoll aber nichts weiter bedeuten, als daß
Chriſtus nur ein Amt eingeſetzt hat, und daß
daher alle Kirchengewalt in dieſem Amte im wei⸗
tern Sinne des Worts begriffen iſt, ſo daß, wo
verſchiedene Kirchenämter ſind, nur menſchliche
Ordnung jene Gewalt getheilt, und dieſe Theile
verſchiedenen Perſonen übertragen hat. Wollte
man alſo dieſe Theſis leugnen, ſo müßte man
zeigen können, daß Chriſtus mehr Aemter als
eins eingeſetzt hat. Das kann aber Niemand,
denn Gottes Wort leidet es nicht, und das meint
auch der Herr Verfaſſer natürlich nicht. Der
Ausdruck, den derſelbe ſtatt des in der Theſis

4. Bemerkungen über Weiſſagung. Vom Ehrw.

—.——

———— —

gebrauchten vorſchlägt „alle Prediger ſind von
gleichem Range und Unterſchied in dieſer Bezie⸗
hung iſt nur menſchliche Ordnung“ läßt den
Grund davon aus, nemlich, weil das Predigt⸗
amt das höchſte iſt, und iſt nur eine einzelne Fol⸗
gerung aus demſelben.

Obwohl nun Einſender dieſes gedachte Aus⸗
ſtellungen des beſprochenen Artikels nach ſeiner
Ueberzeugung zurückweiſen mußte, ſo kann er
doch ſeine innige Freude darüber nicht verheh—
len, daß die Schrift von Hrn. Prof. Walther
über Kirche und Amt und die in derſelben dar⸗
gelegte Lehre der lutheriſchen Kirche ſolche An⸗
erkennung von einem ſo bedeutenden Gliede der
Engliſch lutheriſchen Kirche dieſes Landes, als
der Verfaſſer dieſes Artikels iſt, gefunden hat,
eine Freude, die gewiß mancher Leſer theilen
wird.

Das Juliheft des Evangelical Revicm v. d.
J. enthält folgende Artikel. 1. Der Einfluß der
Bibel auf Literatur. Vom Ehrw. J. A. Seiß.
2. Die Kirche wie ſie in den Bekenntniſſen der
Chriſtenheit dargeſtellt iſt. Vom Ehrw. C. T.
Krauth. 3. Beitrag zur Chriſtologie. Ueber⸗
ſetzt aus dem Deutſchen Werke von Thomaſius.

J. Oswald. 5. Lehre der Schrift von der Auf—
erſtehung der Todten. Vom Ehrw. T. Rizer.
6. Die Kleinodien unſeres Volks. Vom Ehrw.
J. F. Smith. 7. Brief an einen Zweifler. 8.
Unſere auswärtige Miſſionsthätigkeit. 9. Ti⸗
ſchendorf's Ausgabe der Septuaginta. 10.
Nachrichten von neu erſchienenen Werken. 11.
Deutſche religiöſe Zeitſchriften. 12, Kirchliche
Nachrichten.

**

(Eingeſandt.)
Herr Paſtor Winkler in Detroit“)
erklärt, endlich den „Schlüſſel“ zu dem Trei⸗
ben Profeſſor Crämer's in ſeiner Gemeinde den
Leſern des „Informatorium“ geben zu können.
Und welches iſt dieſer Schlüſſel? Er beſteht
darin: Herr Paſtor Winkler will die Entseck⸗
ung gemacht haben, daß die Fäden zu dem gan⸗
zen Rottenunfug in Detroit bis in das Jahr
1845 zurückreichen und eigentlich nicht von
St. Louis, ſondern von Neuendettelsau in
Franken aus, nicht durch Hrn. Prof. Walther,
ſondern eigentlich durch Hrn. Pfarrer Löhe an—
geſponnen worden ſind. Und zwar gibt Herr
Winkler über das entſetzliche Geheimniß der
Bosheit in Nro. 2. des 3. Jahrgangs des

„Informatorinm's“ folgenden Aufſchluß: „
„Meine Predigerſtelle () in De⸗
troit war in Deutſchland ſchon
einem andern vergeben; — da⸗
her war ich den Herren im Wege.
Mehrere Monate lang hatten die lutheri⸗

) Wir nehmen dieſes Eingeſandt nur darum auf, weil
ſich darin ein Glied unſeres Miniſteriums gegen eine Ver⸗
leumdung vertheidigt, die, wenn ſie Wahrheit enthielte, die
Feinde des HErrnläſtern machen würde. Sonſt bitten wir
berzlich, den armen „Lutheraner“ mit Erwiederungen auf
perſönliche Schmähungen zu verſchonen. Ein Blatt, das
fort und fort ſchimpft, kann niemanden mehr beſchim⸗
pfen, es wärt denn durch Lob. D. R.

ſchen Leute in Detroit mit mir verhandelt
über die Annahme eines Berufs zu ihnen
und endlich folgte ich dem dringenden Rufe
und trat im Frühjahr 1845 mein Amt in
Detroit an. — Später las ich Schrift
von Deutſchland: „Der talentvolle
Jüngling F. Lochner“ ſei für De⸗
troit beſtimmt. — Landkarte und chriſtli⸗
cher Predigtamtsberuf kamen hier in feind⸗
lichen Gegenſatz.“

Herr Paſtor Winkler hat wohl die in Fran⸗
ken noch jetzt erſcheinenden „kirchlichen Mit⸗
theilungen“ geleſen, in welchen jedesmal Hr.
Pfarrer Löhe den Freunden der lutheriſchen Kir⸗
che Rordamerica's die Ausſendung neuer Zög⸗
linge anzeigte und ſich über deren zweckmäßige
Verwendung ausſprach. Mit mir hatte es nun
dabei folgende Bewandtniß. Ein paar Monate
vor meiner Ausſendung wurde Herr Pf. Löhe
von einem ſeiner älteren Schüler, Herrn Paſtor
Hattſtädt in Monroe, erſucht, einen ſeiner Zög⸗
linge für Detroit zu beſtimmen, indem die dor⸗
tige lutheriſche Gemeine predigerlos ſei und ſich

an ihn mit der Bitte gewendet habe, ihr zur Er⸗

langung eines rechtſchaffenen Predigers behilf⸗
lich zu ſein. Ohne alles Arg gab mir daher
Hr. Pf. Löhe bei meiner Ausſendung im März
1845 die Weiſung, nach Detroit zu gehen und
die dortige Gemeinde anzunehmen, ohne alles
Arg theilte er die getroffene Beſtimmung den Le⸗
ſern ſeines Blattes mit, ohne alles Arg fügte ich
mich ſeiner Weiſung. Möglich, daß inzwiſchen
die Detroiter Gemeinde mit Hrn. Paſtor Wink⸗
ler in Unterhandlung getreten war; aber davon
wußte ja Niemand in Deutſchland etwas.Bri

meiner Ankunft in America beſuchte ich den da⸗
maligen Präſidenten der Michiganſynode, Hrn.
Paſtor Schmidt zu Ann Arbor, indem ich mit
zwei anderen Brüdern von Deutſchland aus die
Weiſung hatte, mich dieſer Synode anzuſchließen.
Bei demſelben erfuhr ich, daß die Detroiter Ge⸗
meinde inzwiſchen den uns ſchon aus ſeinen an
Pf. Löhe geſchriebenen Briefen bekannten da⸗
maligen Hrn. Prof. Winkler zu Columbus be⸗
rufen habe und daß derſelbe in 3 — 4 Tagen
ſein Amt daſelbſt antreten werde. Da mir nun
vom Hrn. Pf. Schmidt die Gemeinde in To⸗
lede, Ohio, angetragen wurde, ich aber bei nä⸗
herer Kenntnißnahme des unirten Standpunk⸗
tes derſelben Bedenken trug, einen Beruf dahin
anzunehmen, ſo ergriff ich eine ſich mir darbie⸗
tende Gelegenheit, um eine Reiſe nach Detroit
zu machen und in dieſer Angelegenheit Hrn.
Paſt. Winkler's Rath zu hören, indem derſelbe
damals meine ganze Achtung und mein volles
Vertrauen hatte. Von da an ſtand ich ein gan⸗
zes Jahr als Amtsnachbar mit Hrn. Paſtor
Winkler in freundſchaftlichem brieflichen Verkehr
und nie wurde von mir eine Silbe laut, als ſei
es mir leid, nicht nach Detroit gekommen zu
ſein, oder als hätte ich gar noch beſondere Ab⸗
ſichten auf Hrn. Paſtor Winkler's „Previger⸗
ſtelle,“ und ebenſo wenig ließ ſich auch Paſtor
Winkler verlauten, als habe er mich deswegen
in Verdacht. Doch wie ich damals über die
Beſetzung der Detroiter Gemeinde dachte, be⸗

English translation

Not yet translated.