Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 2 › Seite 7

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-09-15, Seite 7

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſang 1 · Geſetz und Evangelium · Ztaatsſchule 4 · Unterricht · Geſang 1 · Tanz 9

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rer, denn dieſe Jünger Loyala's, nicht unſers
herrn Jeſu, ſcheuten kein Mittel, ſich Anſehen
und Eingang zu verſchaffen. Sie wußten, wen
ſie zu Stützen hatten. Richt bloß die römiſch
Prieſterſchaft, ſondern der königliche Hof, und
namentlich die Adligen, die in Polen mehr als
der König vermochten, hingen an ihnen. Das
machte ſie ſo keck und unverſchämt. Wo ſie
Waiſenkinder wußten, ſtreckten ſie ihre Arme
nach ihnen aus, ſie römiſch-katholiſch zu machen.
An ihrem Buſen fanden auch Miſſethäter
Schutz, der gerechten Strafe zu entgehen, wenn
ſe nur in den Schoß der Kirche heimkehrten.
Die Jeſuitenſchüler ſpannen Händel mit den
Schülern des lutheriſchen Gymnaſiums an, und
wenn beim Pater Rektor Beſchwerde erhoben
wurde, ſo that er keinen Zug. Die evangeliſchen
Geiſtlichen wurden nicht blos in Schmähſchrif—
ten angegriffen, es fanden ſogar mehrmals
thätliche Mishandlungen derſelben durch jeſui⸗
tiſche Zöglinge Statt, die ihnen Steine und
Koth nachwarfen. Und das mitten unter einem
evangeliſchen Volke.

Der Profeſſor Arend hatte am Charfreitag
des Jahres 1719 eine Schrift ausgehen laſſen,
in welcher er die Rathſchläge des Hohenprieſters
Kaiphas gegen Chriſtum gehörig durchmuſterte.
Dieſe Schrift mag mancherlei verdeckte Bezie⸗
hungen gehabt haben, die Katholiken deuteten ſie
auf ihren Hohenprieſter in Rom, nämlich den
Papſt. Sie machten ſogleich Spektakel. Der
Präſident Rösner, der nicht einſchreiten woll⸗
te, wurde vor das Hofgericht in Warſchau gela⸗
den. Vorher erſchien aber noch der Biſchof von
Kulm, bei welchem die Jeſuiten geklagt hatten,
und lärmie gewaltig. Der Profeſſor Arend ent⸗
fernte ſich aber, und wurde in Königsberg ange⸗
ſtellt. Die Sache fand ſo ihre ſcheinbare Erle⸗
digung, aber die Papiſten grollten fort. Das
Feuer brach nur zu bald aus, und zwar auf eine
ſchauerlich verheerende Weiſe.

Es war am 16. Juli des Jahres 1724, als
die Katholiken das Skapulierfeſt feierten. Sie
hielten eine feierliche Prozeſſion auf dem Kirch⸗
hofe der St. Jakobskirche; welche im Beſitze der
Nonnen war. Draußen vor dem Kirchhofe
ſtanden mit entblößtem Haupte einige lutheriſche
Bürgerskinder, und noch einige aus der Nach⸗
barſchaft herbeigekommene junge Leute, der Feier
zuzuſehen. Ein Jeſuitenſchüler fand das nicht
genug, daß ſie ihre Hüte heruntergenommen
hatten, er zwang ſie, vor dem ſogenannten hoch⸗
würdigen Gute auf die Kniee niederzufallen.
Es geſchah unter Schimpfen und Ohrfeigen.
Weil er ſeinen Zweck erreicht hatte, ſo wurde er
nur kecker und unverſchämter. Er ging einige
Stunden nach der Prozeſſion mit etlichen Mit⸗
ſchülern in die Neuſtadt und ſuchte Händel. Wer
ſucht der findet. Er traf etliche Bürgersſöhne
und Knechte, und fiel ſie an. Es gab ein Hand⸗
gemenge, in welchem die lutheriſchen den Kürzern
jogen. Als zwei Bürger Friede ſtiften wollten,
wurden ſie auf den Jakobskirchhof geſchleppt, zu
Boden geworfen und mishandelt. Es wäre

ihnen noch übler gegangen, hätte ſich nicht ein
anderer Bürger mit ſeinen kräftigen Armen da⸗

—5—

zwiſchen gelegt. Die Volksmenge wuchs an.
Endlich kamen Stadtſoldaten und nahmen den
Rädelsführer Lyſiecki gefangen mit ſich auf
die Wachtſtube. Das war Oel ins Feuer ge⸗
goſſen. Die Jeſuitenſchüler, welche an dem Un⸗
fuge Theil genommen hatten, liefen zum Pater
Rektor, der ſie an den Präſidenten Rösner ver⸗
wies. Mit Ungeſtüm forderten ſie dort die Los⸗
laſſung ihres Kameraden. Das konnte Rösner
nicht, indem der Burggraf in ſolchen Fällen zu
entſcheiden hatte. Weeil es gerade Sonntag war
ſo verſchob der Burggraf die Unterſuchung auf
den folgenden Montag. Mit Drohungen ver⸗
ließen die Studenten den Burggrafen; Lyſiecki
blieb aber über Nacht verhaftet.

Am folgenden Tage, den 17. Juli, verſammel⸗
te ſich der Magiſtrat, und auf Anſuchen des
Burggrafen, übernahm er die Erledigung der
Sache. Als die Jeſuitenſchüler nun zum Burg⸗
grafen kamen, verwies er ſie an Rösner, welcher
erklärte, der Magiſtrat werde die Streitigkeit in
der nächſten Sitzung un terſuchen. Dieſe Verzö⸗
gerung erbitterte ſie gewaltig, ſo daß ſie mehrere
ihrer Mitſchüler ſammelten, und lärmend durch
die Straßen zogen. Sie forderten von den Bür⸗
gern, die den Tag vorher von ihnen mishandelt
worden waren, ſich für Freilaſſung ihres Kame⸗
raden zu ver wenden, oder ſich vor ihrer Rache zu
fürchten. Bürger kamen den Hartbedrohten zu
Hülfe. Da griffen die Jeſuitenſchüler nach ih⸗
ren Säbeln und zogen ſich erſt zu rück, als die
Stadtwache herb eieilte und wieder einen Rädels⸗
führer verhaftete. Dadurch gereizt, rottete ſich
ein größe rer Haufe ſolcher Studenten zuſammen,
und es hatte den Anſchein, als wollten ſie das
Wachthaus mit Sturm einnehmen, um den Ar⸗
reſtanten zu befreien. Der erſte der Verhafteten
war nämlich ſchon von dem Präſidenten der
Stadt freigegeben, und wegen des Andern wollte
dieſer mit dem Pater Rektor der Jeſuiten Rück⸗
ſprache nehmen. Da die Schüler eine gerüſtete
Stadtwache fanden, ſo kamen ſie auf einen an⸗
dern Einfall. Sie zogen gegen ſieben Uhr Abends
nach der Altſtadt, um den lutheriſchen Bürger
Daublinger, der ſich Tags vorher ſchon in den
Streit gemiſcht hatte, zu zwingen, für Befreiung
ihres Kameraden zu wirken. Dieſer hatte Wind
bekommen und ſich in das Haus des Burggra⸗
fen zurückgezogen. Statt ſeiner trafen ſie vor
ſeinem Hauſe einen Studenten im Schlafrocke,
der an dem Tumulte nicht den geringſten Antheil
genommen hatte, und riſſen ihn unter Beſchimp⸗
fung und Mishandlungen in das Jeſu itenkolle⸗
gium. Dort ſteckten ſie ihn mit Bedrohungen,
daß ſie ihm das Leben nehmen wollten, in ein
garſtiges Gefängniß. Ueber das Gegenrecht,
das ſie geübt hatten, wie ſie meinten, über ihren
Sieg waren ſie höchlich erfreut, und blieſen aus
den Fenſtern heraus mit Waldhörnern. Ditſer
Lärm zog eine Menge Leute herbei. Kaum
merkten dies die Studenten, ſo warfen ſie auch
bald mit Steinen nach den Neugierigen, ja hie⸗
ben mit ihren Säbeln auf ſie drein. Endlich
ließ der Präſident Rös ner die Stadtſoldaten mar⸗
ſchiren, aber die Lärm er widerſetzten ſich, und nur

mit Mühe zogen ſie ſich in ihr Kollegium zurde

Rösner ſchickte den Selretär Wedemeyer zu dem
Pater Rektor, den gefangenen Gymnaſiaſten
loszugeben. Der Rektor ging aber nur unte

der Bedingung darauf ein, wenn die beiden ka⸗
tholiſchen Studenten ebenfalls frei würden. Rös⸗
ner hatte noch die Bürger zuſammenberufen, ſie
vor einem Tumulte zu warnen. Es half aber
nichts. Die Volksmaſſe, erzürnet über die Wei⸗
gerung des Rektors, rottete ſich in immer größe⸗
rer Maſſe zuſammen. Dazu reizten noch Hand⸗
werksburſchen, die das Bier ſpürten, und einige
Handlungsdiener die Gymnaſiaſten auf, ihren
gefangenen Mitſchüler zu befreien. Das ließen
ſie ſich nicht noch einmal ſagen, ſie bracheu die

Thüre des Kollegiums auf, und führten den

Gefangenen Nagorni ſiegreich heraus. Kaum
war dies ausgeführt, ſo gingen die Gymnaſia⸗
ſten ruhig nach Hauſe, aber nicht ſo das Volk.
Die Jeſuitenſchüler warfen aus dem Kollegium
mit Steinen heraus, die Maſſe gerieth dadurch
in Zorn und warf ebenfalls mit Steinen nach
den Fenſtern. Da tönte plötzlich die Stunden⸗
glocke der Jeſuiten, ähnlich einem Sturmgeläute.
Ein immer größerer Volkshaufe ſammelte ſich.
Die dahin beorderte Stadtwache, ſowie königliche
Söldner waren nicht mehr im Stande, Einhalt
zu thun. Die Steinwürfe, ſogar Schüſſe aus
dem Jeſuitengebäude, hinderten ihre Annäherung.
Der ganz nahe wohnende Vice⸗Präſident Zerne⸗
cke kam vor ſeine Hausthüre heraus, und beſchwor
ſie, wie er ſich ſelber ausdrückt, „bei den Wunden
unſeres beſten Erlöſers, doch von dem Verbre⸗
chen abzuſtehen, und nicht die ganze Stadt ins
Unglück und Verderben zu bringen.“ Eher hät⸗
te man aber die Fluthen des Meeres zur Ruhe
bringen können, als die wuthenibrannte Volks⸗
menge. Sie drangen ins Gebäude, in dit
Schulſtuben, zerſchlugen dort Fenſter, Tiſche,
Stühle, Bänke und ſonſtiges Hausgeräth, ja
machten ſogar vor dem Hauſe ein Feuer, und
verbrannten die Bruchſtücke der Möbel. Aus
dem Kollegium ſelber wurde fortwährend ge⸗
ſchoſſen. Auf Antrieb des Präſidenten rückte die
ganze Bürgerſchaft des alten Thorniſchen Quar⸗
tiers mit etwa zwanzig Söldnern gegen den Pö⸗
bel vor und zerſtreute ihn. Gegen eilf Uhr
Nachts war es auf den Straßen von Thorn ſtille.
Die Behauptung, als hätten die Tumultuanten
Bilder von Heiligen und eins der Jungfrau
Maria veru nehrt und verbrannt, iſt eine Erfin⸗
dung des Haſſes, ſowie auch der Vorwurf, als
ſei ein Kelch geſtohlen worden, unbewieſen ge⸗
blieben iſt.

Der Magiſtrat ließ ſogleich am folgenden Ta⸗
ge die Stadtthore ſchließen, damit die Urheber
und Rädelsführer nicht entweichen könnten, und

ernannte einen Ausſchuß, die Sache zu unterſu⸗

chen, und zwar durch Zeugen von beiden Glau⸗
bensparteien.
(Fortſetzung folgt.)

Quittung und Dank.
Von der Gemeinde des Orn. Paſt. Fricke zu Indianopolit
313. zum Kirchhau in Nocheſter en pfangen zu haben be⸗
ſchtinigt dankbarſt Fle iſchmann, Paſtor.

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