Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 13 › Seite 108
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-02-18, Seite 108
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den Sakramenten, von der heiligen Taufe, als
dem Bade der Wiedergeburt und Erneuerung des
beiligen Geiſtes, von dem heiligen Abendmahl,
als dem Sakrament des wahren Leibes und
Blutes Jeſu Chriſti.“ Und was predigten ſie
noch? nicht mehr Chriſtum, wie Luther, ſondern
eine kalte, trockene Moral, welche die Leute nicht
einmal verſtanden, oder eine Miſch ung von
halbem Geſetz und halbem Evangelium! ſie
drangen nicht mehr auf Bußthränen und auf
Bekehrung zur Taufgnade, ſondern meinten Wun⸗
der was, wenn ſie einige Thränen ſinnlicher
Rührung ausgepreßt hatten!
2. Was war die Folge dieſer Finſterniß des
Unglaubens? Wir kamen in eine gräuliche Un⸗
wiſſenheit in göttlichen Dingen; die Kirchen
wurden leer, der Rachmitagsgottesdienſt na⸗
mentlich verlacht, die Beichte wurde verachtet,
die Abſolution verſpottet, das Gebet und Bibel⸗
leſen in den Häuſern für überflüßig gehalten,
Ach leider! der Hausgottesdienſt war faſt überall
verſchwunden. Die Kinder ließ man laufen,
wohin ſie wollten, und wie lange ſie wollten;
Niemand war mehr, der ſie warnte und ſtrafte:
die Kinderlehre an Sonntagen verlaſſen! Dar⸗
um iſt auch noch keine Zeit geweſen, wo die Kin⸗
der die Eltern ſo verachtet haben, wie die jetzige,
wo ſo viele Väter und Mütter bei ihren Söhnen
uund Töchtern ihre alten Tage noch unter Thränen
und Herzeleid ver ſeufzen müſſen. Und daß ſo
viel Empörung in der Welt iſt gegen göttliche
und menſchliche Ordnung, kommt daher, daß man
ſich gegen Gottes Wort zuerſt empört hat.
Seht, das war und iſt theilweis noch die Fin⸗
ſterniß des Unglaubens und der Unwiſſenheit.
Wir alle, haben wir ſchön lange gewußt, was
wir etwa jetzt wieder wiſſen? haben wir's ernſt
genommen mit der Ewigkeit? haben wir's ſo
nothwendig geachtet, uns Bibeln und Gebetbü—
cher anzuſchaffen, wie wir jetzt wieder anfangen?
haben wir uns das Wort „Wiedergeburt“ in
der Taufe, und Bekehrung durch Buße und
ernſten Glaubenskampf in der Rechtfertigung, ſo
zu Herzen gehen laſſen, wie nun, da in evang.
lutheriſcher Predigt wieder darauf gedrungen wird.
Wenn wir die proteſtantiſche Kirche der letztver⸗
gangenen Jahre betrachten, und uns fragen:
Was iſt das? — muß nicht uns Allen unſer
Tert antworten: „Das iſt Finſterniß!“
3. Jetzt droht uns aber noch eine andere Fin⸗
ſterniß, die um ſo, gefährlicher iſt, weil ſie den
frommen Schein der Vruderliebe in kir chen⸗
mengeriſcher Werkthätigkeit derje⸗
nigen innern Miſſion trägt, welche
nur das Gemeinſame aller Secten
aber nicht die evang. lutheriſche
Kirche bauen will. Das iſt die Finſter⸗
niß der Bekenninißgleichgiltigkeit,
daß Leuten anderer Kirchenparteien geſagt wird:
wir halten nicht mehr an unſerm Glaubensbe⸗
kenniniß, wie ihr nicht mehr an eurem; wir ge⸗
ben unſere Kirche auf, damit wir zuſammenge⸗
hen und eine neue lunirte! Kirche machen kön⸗
nen. O Argliſt des Feindes l wenn der es könnte
dahin bringen, daß wir unſere Augsburgiſche
Confeſſion, mit ihrer Eintrachtsformel und die
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lutheriſchen Hauptſtücke mit ihren, der Kirche
Gottes gemäßen Erklärungen fahren laſſen, was
würde er dann aus unſern Nachkommen machen!
Unter dem Schein der Kirchenvereinigung würde
er noch mehr Uneinigkeit und Verwirrung in die
Chriſtenheit hineinbringen; dann ginge es wie
bei jenen Heiden [Apoſtelgeſchichte 19J, die ein—
müthig zu dem Schauplatz geſtürmt waren; ſie
riefen: Groß iſt die Diana der Epheſer! und
waren im Grunde doch nicht einig, und wußten
nicht was ſie wollten. Geht's nicht in der be—
kenntnißloſen Kirche zu, wie dort vor dem Thea—
ter [V. 32]: Etliche ſchrieen dieſes,
Etliche ein Anderes, und war die
Gemeinde irre, und der größte
Theil wußte nicht, warum ſie zu⸗
ſammengekommen waren. Iſt das
nicht Finſterniß?
4. Dieſe zunehmende Bekenntnißloſigkeit und
laodicäiſche Lauigkeit ſuchte der Herr in manchen
Gegenden heim, wie ein treuer Zeuge unſerer
Kirche ſchreibt, „durch Zulaſſung des bekannten
Unionsverſuches: der ſollte uns um Alles
bringen, was zum Fortbeſtehen einer evang.
lutheriſchen Kirche unumgänglich gehört. Das
lutheriſche Bekenntniß ſollte z. B. in der Pfalz,
in Baden, in Preußen u. a. Orten, vermöge der
Vereinigung der Lutheraner und Reformirten zu
Einer Kirche, fortan aufhören, die einige
öffentliche und allgemeine Lehre uuſerer Gemein—
de zu ſein. Die alten, allein auf dem Grunde
des lutheriſchen Bekenntniſſes ſtehenden Agen⸗
den wurden genommen, und dafür neue Kir⸗
chenbücher und Katechismen aufgedrungen, wel—
che die luteriſche Lehre, den Reformirten, ja,
ſogar den Ungläubigen gegenüber, verläugnen
und verhüllen; der beſtehende Lehrunterſchied
wurde durch zweidentige Gebete und durch zwei—
deutige Spendungsformeln beim Abendmahle
verdeckt und verwiſcht. Selbſt bis auf den (Bei⸗)
Namen, den unſere Kirche von den Vätern
her trug, erſtreckten ſich dieſe Verſuche, dieſelbe
zu zerſtören. Eine evangeliſch lutheriſche
Kirche ſollte es fortan ſelbſt dem Namen nach nicht
mehr geben; — nur „Evangeliſche“ (in's
Vieldeutige) und einenur „evangeliſche (unirte)
Kirche,“ damit das Volk nicht mehr zwiſchen
evang. reformirt, evang. unirt, und evang.
lutheriſch unterſcheide. Faſt ward an uns
erfüllt, was geſchrieben ſteht Pſ. 83, 5 — 6:
„Wohl her, ſprechen ſie, laſſet uns ſie ausrot⸗
ten, daß ſie kein Volk ſeien, daß des Namens
Iſrael nicht mehr gedacht werde. Denn ſie ha—
ben ſich miteinander reinigt und einen Bund
(Conföderation, Allianz) wider Dich gemacht.“
Nun waren wir durch den vorausgegangenen
Unglauben ſo krank, und das wieder erwachende
Glaubensleben war noch ſo jung und voll kin⸗
diſcher Anſchläge, daß Tauſende in Deutſchland
ohne allen Widerſtand, ja die meiſten ohne
Wiſſen und Willen die neueUnions⸗
kirche, z. B. in Preußen, mit der Kirche
ihrer Väter vertauſchten. Einzelne
wiederſtanden und wollten nicht in die ihnen zu⸗
gemuthete Verläugnung ihres Bekenntniſſes, in
die Vernichtung ihrer Kirche noch unter unirtes⸗
ie evan g. lutheriſche Kirche löſendes Kirchen⸗
regiment willigen. Dazu nehmt, daß treue
Pfarrer, welche die evang. lutheriſche Kirche
und den Glauben ihrer Väter nicht aufgeben
wollten, verfolgt und in Deutſchland oft Jahre
lang gefangen gehalten wurden; daß ſie ſelbſt
von Gutgeſinnten als eigenſinnige Stören—
friede und unruhige Köpfe angeſehen
und die Schriften, in welchen ſie die luthe—
riſche Kirche vertheidigen wollten, verboten
wurden. Die treuen evang. luth. Pfarrer und
Kirchenglieder werden ſogar als eine neue Secte
(111½0 von Separatiſten, durch allerlei Unions—
Männer in Kirchen wie in Miſſionen, in Preu⸗
ßen wie im Elſaß, abgemalt; und das geſchieht
noch im Namen der Liebe! Iſt da „Gütig⸗
keit, Gerechtigkeit und Wahrheit,“
davon (V. 9) der Tert redet, oder Finſterniß?
5. Aber ſind wir denn „kein Licht mehr
in dem Hehrn?“ —
Als evangeliſch-lutheriſche Kirche
ſind wir, ſo viele unſrer glauben, e inn
Licht in dem Herrn, denn wir haben
reines Wort und Sakrament:; die Lehre,
die in der Augsb. Confeſſion bekannt wird, iſt keine
Andere, als diejenige der Apoſtel. Sie iſt
nicht auf die blinde Menſchenver⸗
nunft gegründet, ſondern auf die ewig
giltigen Ausſprüche der h. Schrift,“
A. u. N. Teſtamentes; ſie ſcheidet aus, alle
römiſche und reformirte Irrlehren und verwirft
die Bekenntnißlauigkeit und Zweideutigkeit der
Union in der Liebe, in den Werken und nicht
in der Wahrheit. ö
Nicht auf eigenes Verdienſt, nicht auf eigene
Genugthuung gründen wir das Heil unſerer
Seele, ſondern auf Chriſti Leben, Leiden und
Sterben, auf ſeine Auferſtehung und Himmel⸗
fahrt. Unſere Kirche iſt ein Licht in
dem Herrn, weil ſie in Allem keinen
andern Grund gelegt hat, als den,
der gelegt iſt, Jeſus Chriſtus in
reinem Wort und Sakrament. Was
im Worte verkündigt, das iſt im Sakrament gege⸗
ben; und die es glauben werden ſelig.
Und wenn wir an den unübertrefflichen Ka⸗
techismus Luthers denken, den ſchon
Millionen gelernt haben, der ſchon Millionen ein
Wegweiſer zum Himmel geworden; wenn wir
denken an die achtzigtauſend Kirchenlieder, an
die vielen Predigt⸗ und Gebetbücher, die wir
haben, an die herrliche Bibelüberſetzung Luthers,
und an die Bibelauslegungen, die wir von die⸗
ſem und von vielen andern Gottesmännern be⸗
ſitzen, — ſagen wir dann zu viel, wenn wir be⸗
haupten: die evang. lutheriſche Kirche iſt ein
Licht in dem Herrn!? Was Communionbücher,
was Bücher für Kranke, Angefochtene und Lei⸗
dende hat nicht die lutheriſche Kirche! was reich
iſt ſie in aller Lehre und Kraft! Wie nüchtern
und gehorſam beugt ſie ſich unter Gottes Wort;
welches Gold der Weisheit hat ſie für ihre Be⸗
kenner ſchon aus dem Schacht der Bibel her⸗
ausgegraben, welche Seelen⸗Nahrung und Er⸗
quickung hat ſie für alle Hungrigen und Durſti⸗
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