Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 13 › Seite 101

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-02-18, Seite 101

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eler benützen mehr oder weniger ihre Vorgän⸗
ger, wie ſie das ja auch müſſen. Man kann
1unun entweder den Inhalt entlehnen und die
„Vorte verändern, oder den Inhalt in der Wort⸗
fiſung laſſen, in der man ihn findet. Das er⸗
Kfere Verfahren iſt gewiß das beſſere, wenn der
kallebnende Schriftſteller dem zu entlehnenden
KEtoff eine überhaupt beſſere, oder doch für ſei⸗
nen Zweck paſſendere Form geben kann; das
kttere Verfahren das vorzüglichere, obgleich
„uicht der Eitelkeit des entlehnenden Schriftſtel⸗
s dienende, wenn derſelbe dem zu entlehnen⸗
den Stoff keine beſſere und paſſendere Form zu
kben weiß, als die er bereits hat. Zu dieſem
3.Hrundſatz bekennt ſich G., und es iſt nicht ein⸗
uſchen, daß er deshalb Tadel verdient.
Was endlich G.ss Einleitung ins N. Teſt.
betrifft, ſo erwähnt er der Benützung anderer
chriftſteller in der Vorrede nicht, was ohne
gyeifel darin ſeinen Grund hat, daß „dies Ge⸗
hiet hm das am meiſten heimiſche, das am mei⸗
ſen ſeine iſt.“
4. Der Verfaſſer ſagt weiter in ſeiner Anmerkung,

er würde dies „hier“ gar nicht erwähnt haben,
uenn nicht eine Engliſche Vierteljahrsſchrift G.
als Muſtertheologen geprieſen hätte.
Nan ſieht nun zwardenZuſammenhang beider
Ertigniſie gar nicht ein, nämlich wie das angeb⸗
lich unverdient von einer Engliſchen Vierteljahrs⸗
ſchrift G. geſpendete Lob ein Grund ſein kann,
daſſlbe bei Gelegenheit von Erinnerungen an
Mander zurückzuweiſen; indeß ſieht man doch
hieraus, warum es dem Verfaſſer eigentlich zu

damit verſehen, daß ſie G. allzuſehr gelobt hat.
nun ſteht zwar in der h. Schrift, daß Jeder⸗
mann nicht weiter von ſich halten ſoll, denn
dichs gebührt (Röm. 12), indeß wird gern zu⸗
acheben, daß es wünſchenswerth iſt, Schriftſtel⸗
Ierr als ſolche richtig zu würdigen, und wollten
wir es daher dem Verfaſſer nicht verargen, wollte
er Andern dazu behülflich ſein. Aber davon iſt
er nach dem Obigen weit entfernt. Er wirft je⸗
ner Engliſchen Schrift zwar „wohl meinende
Unwiſſenheit“ vor leine Zuſammenſetzung von
Vörtern, die ihrem etwas ſeltſamen Klange und
vrmutblichem Sinn nach zu urtheilen eine durch
e Ueberſetzung aus der Urſprache gemilderte
Deſis ſein ſollh; allein wir ſind überzeugt, daß
rohlmeinende Unwiſſenheit, ſelbſt wo ſie Statt
fndet, noch eher ein richtigeres Urtheil zuwege
hingt, als wiſſentliches Uebelmeinen.

Ob in jener E. Schrift G. als einer der größ⸗
kn, wo nicht als der erſte Gelehrte Deutſchlands
dargeſtelt werde, weiß Schreiber dieſes nicht,
glaubt aber zu wiſſen, daß G's Verehrer für ihn
nicht, geſchweige denn er für ſich ſelber, dieſen
Rung in Anſpruch nehmen. Zum Beſchluß
ſagt der Verfaſſer noch in Bezug auf Guericke

ſein) „ein des Studiums ganz beſonders wür—
niger Muſtertheologe.“ Wozu die, dem Ver⸗
Eſändniß des Sinnes der Worte keineswegs för⸗
derliche Häufung derſelben, und die Verbrämung
vou „Theologe“ durch „Muſter“? Wahrſchein⸗
lcch, damit der Abſtand der Tiefe, in die der

thun iſt. Die Engliſche Vierteljahrsſchrift hat's

als wovon derſelbe weit entfernt wäre, es zuf

— 101—

Verfaſſer „dieſen listum! Guericke“ erniedrigt
zu haben vermeint und der Höhe, zu der er nicht
hinan ſollte, um ſo größer erſchiene, und der Le⸗
ſer in ſeinem mit Unwillen gemiſchten Staunen
am Ende der Tirade eher noch ein Ausrufungs⸗
zeichen vermiſſen, als zu viel finden möchte.
Schreiber dieſes meint übrigens, daß wenn je⸗
nes Blatt G. als einen rechten, des Studiums
ganz beſonders würdigen Muſtertheologen ge—
grieſen hat, ſeine Worte wohl begründet ſind,
und alle Beachtung verdienen. Denn ſoll Mu⸗
ſtertheologe Jemand ſein, nach welchem Lehrer
der Theologie ſich bilden, ſo iſt G. gewiß aller
Nachahmung werth, indem er mit dem Pfund,
das der Herr ihm gegeben hat, wuchert, während
Einige der Gl. vergraben, und viele Andere das
Ihre damit ſuchen. Soll aber Muſtertheologe
nur einen theologiſchen Schriftſteller überhaupt
bezeichnen, ſo glaubt Schreiber dieſes, daß auch
abgeſehen von dem richtigen Standpunkte, auf
welchem G. ſteht, wenig andere theologiſche
Handbücher den ſeinigen, namentlich ſeiner Kir—
chengeſchichte an Anziehendem, Anſchaulichkeit,
Gründlichkeit und Behaltbarkeit in der Darſtel⸗
lung lin Lehrbüchern ſo wünſchenswerthen Ei⸗
genſchaften! gleichkommen. Wir zweifeln dem⸗
nach auch nicht, daß ſeine Lehrbücher, insbeſon⸗
dere ſeine Kirchengeſchichte, die ſeit 1833 ſie—
ben Auflagen erlebt hat, ferner wie bisher,
und in dieſem Lande nicht minder als in Deutſch⸗
land reichlich „Handlangerdienſt dem höchſten
und herrlichſten Baumeiſter thun dürfe.“
T.

— . ——

(Eingeſandt.)
Kirchliche Zuſtände der Stadt
Cineinnati.

Unter dem obigen Titel findet ſich in der ref.
Kirchenzeitung No. 2. dieſ. J. ein Aufſatz von
C. (ſoll heißen Clauſen), Newport, Ky. Wäre
in dieſem Artikel nicht unſere luther. Kirche ge⸗
häſſig angegriffen, ſo würde Unterzeichneter An⸗
ſtand genommen haben, hierüber Etwas zu ſa⸗
gen, zumal er aus der Feder eines ihm früher
ſo werthen Freundes gefloſſen iſt. Damit aber
diejenigen geehrten Leſer des „Lutheraners“,
die beim Gebet der zweiten Bitte: „Dein Reich
komme“ auch der „Königin des Weſtens“ und
der darin lebenden Glaubensgenoſſen fürbittend
gedenken, auch ein Mal erfahren möchten, daß
der Herr aus Gnaden ihr Gebet erhört und eine
lutheriſche Gemeinde hier gepflanzt hat, will ich
bei Gelegenheit einiger Bemerkungen auf obigen
Artikel wenige Worte über die hieſige lutheriſche
Gemeinde ſchreiben.

Hr. C., nachdem er den Katholicismus und
Methodismus berührt hat, ſagt:

„Ein Mittelding zwiſchen Katholicismus und
Methodismus muß man die neueſter Zeit ent⸗
ſtandene Gemeinde des Pfr. W. an der Raceſtr.
nennen, ein Bruchſtück der jetzt noch beſtehenden
Zionsgemeinde. Pfr. W., Mitglied des ver⸗
worrenen luther. Indianopolis-Körpers, ging
von der Zionsgemeinde aus, weik er lutheriſch

war und beſonders weil ihm dieſe Gemeinde zu
methodiſtiſch und verfaſſungslos ſchien, und wie
ſeine vor einiger Zeit aus vierzig Gliedern beſte⸗
hende Gemeinde nun fleißig den „Lutheraner“
das Organ des Altlutherthums, lieſ't, ſo ſucht
er, wenn möglich, die Löheſche Agende zu em⸗
pfehlen.

Schade für Hrn. W., weil er gute Gaben be⸗

ſitzt, und Gottes Wort predigt, daßer durch
unmäßige Verbreitung des Altlutherthums ſich
des heilſamen Einfluſſes auf Cincinnati ent⸗
zieht.“
Unterzeichneter legte nämlich im Novbr. 1849
ſein Amt, als Prediger der hieſigen evangeliſchen
Zionsgemeinde, nieder, weil jene Gemeinde ſich
geweigert, ungeachtet der Belehrung über die
Gottes Wort widrige Union zwiſchen Luthera⸗
nern und Reformirten, auf den allein im Worte
Gottes begründeten Standpunkt der evangeliſch
lutheriſchen Kirche zu treten. Mit einigen drei⸗
ßig, ihm aus jener Gemeinde nachfolgenden Lu—
theranern gründete er eine rein lutheriſche Ge—
meinde, ungeänderter Augsburgiſcher Confeſſion
und legte in der Charwoche den Grundſtein zu
einem Gotteshauſe, das am 30. Juni v. J.
eingeweiht worden iſt.

Mit welchem Recht Hr. C. dieſe Gemeinde
uun ein „Mittelding“ zwiſchen Katholicismus
und Methodismus heißt, vermag ich nicht zu
errathen. Will er damit ſagen: dieſe Gemein⸗
de, oder beſſer: die Lehre, die dieſe Geneinde
bekennt, ſteht in der Mitte zwiſchen dem Katho⸗
licismus und Methodismus, ſo wird ihm Je⸗
dermann Recht geben, denn die lutheriſche Lehre
hält zwiſchen beiden lentſchuldige, daß ich ſo
ſage! Kirchen die rechte Mitte. Sie lehrt z. B.
vom h. Abendmahl, nicht wie die Katholiken:
Brod und Wein wird verwandelt in den Leib
und das Blut des Herrn; auch nicht mit den
Methodiſten und andern Schwärmern: Brod
und Wein ſind nur Zeichen des Leibes und Blu⸗
tes Chriſti, ſondern: in, mit und unter
dem Brod und Wein erhältſt Du den wahren
Leib und das wahre Blut Chriſti. Das iſt die“
rechte, im Worte Gottes Matth. 26, 26 —28.
und 1 Cor. 11, 23 — 29. wohl begründete
Mitte.

Allein dies kann Hr. C. nicht gemeint haben,
da es ja nicht ſein Zweck war, bei Erwähnung
der hieſigen lutheriſchen Gemeinde deren Lehre
in dieſer Weiſe zu beſtimmen. Jedenfalls hat
er nur denjenigen Leſern ſeiner reformirten Kir—
chenzeitung, die noch am Lutherthum halten und
für die er beſorgt iſt, daß ſie durch das gleichzei—
tige Leſen des „Lutheraners“ ſeinen und ſeiner
Gemeinde bodenloſen Standpunkt erkennen möch⸗
ten, einen Argwohn gegen dieſe, nicht ſehr weit!
von ihm entfernte lutheriſche Gemeinde einflößen
wollen, damit ihnen nicht in den Sinn kömmt,
als Ruheſtörer das Band des Friedens und der
Liebe in ſeiner ſogenannten chriſtlichen Gemeinde
zu zerreißen. ö

Er nennt in dem Aufſatz mich ein Mitglied,
des „verworrenen“ lutheriſchen Indiano⸗
polis⸗Körpers.“ Wenn er dieſe Synode vor
ihrer letzten Sitzung am 5. Septbr. v. J. alſo

English translation

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