Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 13 › Seite 103
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-02-18, Seite 103
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Dazu werden auch die Gemeinden zuweilen von
dm Predigern aufgefordert, ſie zu beſuchen, —
tinſtimmig miteinander, als Eine Gemeinde,
Gott zu loben und zu preiſen, — welches auch
biliz und gut iſt; denn man kann wahrlich
nicht zu viel beten.
Aber gehen wir einmal zur Betſtunde ſelbſt,
Aund ſehen da, wie und von welcherlei Perſonen
ſegeleitet wird, ſo bleibt uns nichts als ein be⸗
jammernswürdiger Zuſtand derſelben übrig.
Man hat gewöhnlich Leute als Vorgänger,
welche noch nicht einmal die Sprache ſprechen
tinnen, in welcher ſie reden oder beten. Wie⸗
deum gibt es Einige, welche ein und allemal
beten, und nicht nur ein und allemal beten, ſon⸗
den ein und allemal das beten, was ſie ge⸗
pöhnt ſind zu beten. Da wird nicht nach Zeit
der Umſtänden, wie es die Noth erfordert, ge⸗
letet, ſondern es wird gebetet, wie es der Ge⸗
kauch iſt — nämlich, ein oder zwei Verſe ge⸗
lungen, und dann gebetet, und dann dieſes ei⸗
Heae Mal al wiederholt, bis die Zeit verfloſſen iſt:
und dann wird wieder nach Hauſe gegangen, ohne
Iun Ewas für das Herz geſammelt worden iſt.
„Hier möchte wohl Mancher fragen, warum
Vum nichts für das Herz geſammelt? Es wird
üdoch in Gemeinſchaft miteinander gebetet und
Halt geprieſen; und es ſteht auch einem Jeden
ſelbſt zu beten. Aber es iſt die Frage, wel⸗
he Empfindungen man bei den Gebeten hat,
viche in den Betſtunden gethan werden. Ich
vil dann einige anführen, und daraus mag
iin Jeder für ſich ſelbſt urtheilen.
Der Schreiber kennt eine Betſtunde, welcher
ein Mann vorſteht, der, wenn er auftritt, um
ein Lied vorzuſagen, erſt eine Zeitlang zu ſpeien
hat, bis er den Taback weggeſpeit hat, den er
ein Nunde hat. Denſelben Mann habe ich ſchon
Gebet und zur Eintracht, und an demſelben
Uend habe ich jenen Mann aus der Betſtunde
ſortgehen geſehen.
Ein Anderer ſtammelt ein kaltes Gebet daher,
u einem Jeden die Zeit lange wird, bis es
um Ende kommt. Ein Anderer fängt an, ein
Ammer⸗Geſchrei auszuſtoßen, daß man meinen
ſu, und wenn das Gebet fertig iſt, ſo ſind auch
d Thränen getrocknet. Nun denke man ſich,
nie nan mit ſolchen Leuten beten kann, und doch
ſil nan als ein Bekenner Jeſu Chriſti, und als
4 Glied der Kirche, die Betſtunde unterſtützen,
huſt wird man ja kein Bruder genannt.
O jämmerlicher Zuſtand der Betſtunden, denn
jin bleibt uns nichts anders übrig, als das
Bort des Apoſtels Petri: „Es iſt Zeit, daß an⸗
ſnge das Gericht am Hauſe Gottes, u. ſ. w.“
l. Petr. 4: 17.] Hier könnten wir noch man⸗
gis anführen, aber es kommt mir, als einem
hien, nicht zu, viel darüber zu ſchreiben.“
Privatcorreſpondenz.
(Aus Preußen.)
——, Wir tragen das Wohl und Weh unſe⸗
un Kuche in Amerika auf betenden Herzen, denn
die Brüder und Schweſtern ermahnen hören lben
ſlle, das Herz müßte ihm vor Thränen zerflie⸗⸗
— 103—
„Niemand hat jemals ſein eigen Fleiſch gehaſſet“,
und hinwiederum verſehen wir uns zu unſern
Brüdern jenſeit des Meeres derſelbigen Hand⸗
reichung in unſerm gemeinſamen heiligen Streite
unter der Einen Fahne des Einigen Herzogs“.
Der lutheriſchen Kirche in Preußen, in Deutſch—
land, ſtehen bald harte und heiße Kämpfe bevor.
Kirche und Landeskirche: das wird das
brennende Zeitthema je mehr und mehr werden.
Unſere Widerſacher innerhalb der preußiſchen
Landeskirche, welche ſich Lutheraner nennen, ſind
nahe daran, ein Schattenbild von „luth. Kirche“
herzuſtellen — und mit wem dann die luth.
Landeskirchen on gros Gemeinſchaft halten wer⸗
den, kann wohl kaum zweifelhaft ſein, nämlich
nicht mit uns. Dagegen bereitet ſich in den
lutheriſchen Landeskirchen auch ein Bruch vor,
wie Sie wohl wiſſen. Löhe harrt noch, aber
im Pilgerſchuh. Harleß ſetzt alle Kräfte dar⸗
an, Sachſen noch im Ganzen zur Regenera⸗
tion zu führen: ob es ihm gelingen wird? Eben
iſt aus unſerer Mitte Prof. Kahnis aus Bres⸗
lau an Harleß Stelle nach Leipzig berufen. Ein
Wunder. — Sehr möglich, daß die Verfol⸗
gungszeit unſerer Kirche in Preußen noch—
mal ganz neu wird. Die Anfänge dazu regen
ſich ſchon, trotz der papiernen „freien Verfaſ⸗—
ſung“. Nun, es iſt noch eine Ruhe vorhanden
dem Bolke Gottes. Dahin erheben wir die
Häupter. Unſere Gemeinſchaft ſtehe derweil un⸗
ter dem Thau, der vom Hermon herabfällt auf
dem Berge Zion, bis wir ankommen im neuen
Jeruſalem. Immanuel!
S. bei C. im November 1850.
Glaube, Liebe, Hoffnung.
Der Glaube ergreift Chriſti Perſon und Amt.
Die Liebe folgt ihm in ſeinem Leben. Die Hoff⸗
nung ergreift die zukünftige Herrlichkeit. Der
Glaube muß keinen andern Chriſtum, Heiland,
Seligmacher, Mittler und Weg zum Leben ha⸗
ben, denn Chriſtum Jeſum. Die Liebe hat das
einige Leben Chriſti vor ſich. Die Hoffnung
erwartet nichts anderes, denn der ewigen Herr⸗
lichkeit.
Dieſe drei Haupttugenden, Glaube, eiebe,
Hoffnung ſind befreundet mit drei andern Tu⸗
genden. Der Glaube iſt befreundet mit der De⸗
muth; die Liebe mit der Geduld; die Hoffnung
mit dem Gebet. Denn wer glaubt, dennüthig
ſich. Wer liebt, der iſt geduldig. Wer hoffet, der
betet.
Das iſt ein recht ſchöner Weg Gottes. O
rr weiſe uns denſelben!
He eiß J. Arndt.
Jeſuitiſche Weisheit.
Der Feſuit und Profeſſor der Theologie Fer⸗
dinand Sieghardt zu Prag hat im Jahre 1715
ein Büchlein herausgegeben, darin er u. A. 50
„ſchwere Fragen“ über die heil. Jungfrau Ma—
ria beantwortet. Die 36. Frage lautet: „Ob
Maria Zahnweh gehabt?“ Die Antwort des
gelehrten Mannes iſt: „Nein, weil ſie in Adams
Apfel nicht gebißen,“ er will nemlich damit ſa⸗
gen, weil Maria an dem Falle Adams keinen
Antheil genommen habe.
Alſo muß es gehen dem lieben Predigtamte
auf beiden Seiten, daß es entweder die liegen
laſſen, die es führen ſollen, oder die führen wol⸗
len, denen es nicht befohlen iſt.
‚ Luther.
Einladung zur Subſcriptiou.
Es wird hiermit dem chriſtlichen Leſer ein
Büchlein empfohlen, welches einem Be⸗
dürfniß abhelfen ſoll, das ſchon längſt von
Eltern, Lehrern und Erziehern gefühlt wor⸗
den iſt, nämlich der confirmirten Ju⸗
gend eine Schrift iu die Hände zu geben,
die ihr im Laufe ihres Chriſtenthums be⸗
lehrend, rathend, mahnend, warnend, er⸗
munternd und tröſtend zur Seite ſiehe „die
ihr ein Führer und Wegweiſer zum Him⸗
mel ſei, auch wenn ihre bisherigen Führer
nicht mehr ihre Tritte und Schritte über⸗
wachen können. Zu dieſem Zwecke fanden
wir ganz beſonders ein Büchlein aus den
ältern Schätzen unſerer Kirche geeignet,
nämlich das
„Nützliche Andenken für
Confirmirte“
von dem in ganz Würtemberg bekannten
und in hohen Ehren gehaltenen M. Ph. F.
Hiller. Denn es redet in eben ſo väter⸗
licher, als mächtig ergreifender Weiſe zu
den Herzen der Jugend; es baut auf den
rechten Grund JIEſum Chriſtum nicht Holz,
Heu und Stoppeln, ſondern Gold, Silber
und Edelſteine. Es erſcheint jedoch nicht
ganz in ſeiner urſprünglichen Geſtalt, ſon⸗
dern unter dem Titel: „Timotheus“,
theils mit einigen Weglaſſungen, um die
Koſten des Büchleins zu verringern; theils
mit einigen Zuſätzen, um es für die hieſigen
kirchlichen Verhältniſſe nützlicher zu machen.
Der Preis wird ſo billig als möglich ge⸗
ſtellt und nächſtens angezeigt werden. Die
äußere Ausſtattung ſoll nichts zu wünſchen
übrig laſſen.
Es ſoll nochbis Ende März erſcheinen,
ſo daß es bis zum Palmſonntage auch von
Auswärtigen bezogen werden kann, wenn
ſie zeitig genug in der Expediton des Luthe⸗
raners Beſtellungen machen.
Die Bearbeitung hat ein Freund der
Jugend und Mitglied der evang. luther.
Synode von Miſſouri, Ohio und andern
St. beſorgt, die Herausgabe aber hat die
benannte Synode ſelbſt übernommen.
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