Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 13 › Seite 105

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-02-18, Seite 105

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I

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Oeransgegeben von der Deutſchen Ev. Luther. Sonode von Miſſouri, Ohio und andern Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.

(Oßfenb. Joh. Cap. —Av. 6. 7.)

„Soucs wort und Lurhers br vergeht nun und nimmermehr.“

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St. Louis, Mo., den 4. März 1851.

No. 14.

Dttncangen:

Kleines Cabinet

einiger
Perkwürdiger Geſchichtsverfälſchungen,
Fye lche ſichin dem St. Louiſer „Friedens⸗
en vorfinden, nebſt den nöthigen
Nachweis.

Erſtes Stück.

Der lieben Union zu Gute hat der „Friedens⸗
bo“ zu St. Louis eine ſolche Menge geſchicht—
lher Thatſachen entſtellt und verfälſcht, daß ein
chenes Blatt dazu nöthig wäre, wenn alle dieſe
knllellungen nachgewieſen und gerügt werden
üllen. Zur Steuer der Wahrheit wollen wir
moch wenigſtens einige, theils der gröbſten,
is der am meiſten verführeriſchen namhaft
nachen und beleuchten, damit, wenn auch die
Rrlappten Schreiber jenes Blattes dadurch von
Err vor Gott und Menſchen ſo ſchimpflichen
hruris nicht abgebracht werden ſollten, wenig⸗
Inns mancher redliche Leſer, dem die Quellen
Ur Geſchichte unzugänglich ſind, vor gefährli—
lier Irreleitung bewahrt werden möge.

Uuter den Mitteln, deren ſich der genannte
„Ftiedensbote“ bedient, um die falſche Waare
4es Friedens unter die Leute zu bringen und
i falſche Union zu befördern, iſt eins der
iuchtigſten (das er daher auch bei jeder Runde
Fermacht, anwendet) die Entſtellung des Ver⸗
hillniſſes, in welchem einſt Luther zu Calvin und
nwelchem letzterer zur Lehre der Augsburgiſchen

Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen
Ariptlenspreis von Einem Tollar für die auswärtigen Unterſchreiber. welche denſelben voraus zube⸗
— Aind das vaſheld zu tragen haben..— In St. Louis wird jede einzelne No. für 5 Cents verlauft.

Confeſſion geſtanden hat. Allen, das gerade
Gegentheil erweiſenden, vorhandenen echten
Documenten zu Trotz behauptet nämlich der
„Friedensbote,“ keck, Luther habe Calvins „Bü⸗
cher mit beſonderem Verguügen geleſen,“ ja, Cal⸗
vin habe bei Luther „ſo ſehr in Gunſt geſtanden,
daß Luther einſt, als man ihm eine Stelle aus
Calvins Buche zeigte, welche gegen Luther lau⸗
tete, und als man ihn gegen Calvin aufzubrin⸗
gen ſuchte, einfach erwiedert habe: „„Ich hoffe
zwar, Caloin werde noch beſſer von mir denken;
indeß muß man ſich von einem ſo trefflichen
Manne auch etwas gefallen laſſen!““ Der
„Friedensbote“ behauptet daher, „gegen Calvin
ſtehe in Luthers kleinem Bekenntniß vom Abend⸗
mahl von 1544 0 kein Wort,“ und es „ſei ganz
unwiderſprechlich gewiß, daß Luther die Abend⸗
mahlslehre Calvins für keine Irrlehre hielt.“
Um alles dies zu erhärten, erzählt der liebe Bote
allerhand Legenden, welche ihren Urſprung den
Calviniſten und Cryptocalviniſten verdankeu
und die das Gepräge der Erdichtung ſogleich
an der Stirn tragen, ohne die Quelle anzuge⸗
ben, mit einer Dreiſtigkeit, die in Verwunde⸗
rung ſetzt, und die man ſich nur dann erklären
kann, wenn man ſich an den apoſtoliſchen Aus⸗
ſpruch erinnert: „Verführen und werden ver⸗
führt.“ Denn ſicher fehlt es den Herrn Frie⸗
densbotenſchreibern ſelbſt an den nöthigen Mit⸗

1) Wir haben dieſes Bekenntniß bereits in No. 18, 19
und 20 des vorigen Jahrgangs milgetheilt.

Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redakteur, alle anteren
aber. welches Geſchäftliches, 1 C. P. Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe
Mr. F. W. Barthel, care of C

W. St. Louis, NMo. „ anher zu ſenden.

teln, ſich von der Wahrheit oder Grundloſigkeit
deſſen zu überzeugen, was ihnen durch die zweite
oder dritte Hand zukommt. Sicher haben die
lieben Herren oft nichts weniger als die Abficht
zu betrügen, wenn ſie ihre Counterfeits in's
Publikum bringen. Freilich ſollten ſolche Män⸗
ner ſo viel Selbſterkenntniß und Gewißenhaftig⸗
keit beſitzen, daß ſie ſich hüteten, ſich in das
Feld der Geſchichte zu verſteigen und ſo wider
Wiſſen und Willen die furchtbare Schuld der
Geſchichtsverfälſcher auf ſich zu laden.

Was für ein Verhältniß zwiſchen Luther und
Calvin beſtanden habe, das läßt ſich ohne Zwei⸗
fel am beſten aus den eignen darauf bezüglichen
Worten dieſer Männer ſelbſt erſehen, welche ſie
ſchriftlich aufgezeichnet haben und die noch vor—
handen ſind. Mit dem, was andere melden und
was man nur von Hörenſagen weiß, iſt es eine
mißliche Sache, inſonderheit wenn man befürch⸗
ten muß, daß Partheiligkeit im Spiele geweſen
ſei; hat man aber Schwarz auf Weiß, darauf
läßt ſich gut fußen. Auch hier gilt der Spruch:
Vox audita perit, litera seripta manet d. i. das
Wort verflieget, der geſchriebene Büchſtabe bleibt.

Ein wichtiges Document, welches klärlich dar⸗
thut, wie Luther und Calvin, inſonderheit nach⸗
dem letzterer die lutheriſche Maske abgelegt hatte,
zu einander geſtanden, iſt ein Brief, welchen
Calvin kurz nach dem Ausgehen jenes letzten
lutheriſchen „Bekenntnißes vom Ab endmahl⸗
nehmlich im Januar 1545 an Luthern in latei⸗
niſcher Sprache geſchriebeu und zur resp. über⸗

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