Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 13 › Seite 111
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-02-18, Seite 111
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haſtor Gogelen nahm die Synode keinen Anſtand,
ühn als berathendes Glied aufzunehmen.
Aber was noch mehr iſt und der Sache die
Krone aufſetzt, iſt dieſes: Derſelbe Miethspredi⸗
Eynode aufgenommen, ohne gewiſſenhafte Un⸗
ierſuchung der gerechten Beſchwerden des Herrn
haſtor Heid, deren oben Erwähnung geſchehen iſt.
Es wurde alſo durch dieſe Handlung der Sy⸗
node ein Menſch als ein Bruder in Chriſto und
als ein Diener der lutheriſchen Kirche anerkannt,
der nicht nur ein offenbarer Unioniſt iſt und bald
Reformirten bald Lutheranern das heil. Abend-,
mahl reicht, bald nach dem luth., bald nach dem
Heidelberger oder dieſem und jenem unirten Ka⸗
kechismus unterrichten kann, kurz doppelartig und
gleich einer Fledermaus halb Vogel halb Säuge⸗
ühier iſt, ſondern über den auch die Synode im
Zweifel ſein mußte, ob er einen ordentlichen Be—
muf in und bei Wappaconetto von chriſtlichen
Gemeinden habe, oder ob er ſich nur von gott⸗
boſen Buben miethen ließ, die durch ihren Haß
und Widerwillen gegen Chriſti heilſame Zucht
uUnd Ordnung in Matth. 18, 15—17 und ge⸗
gen andere nothwendige Stücke eines geſunden
lirhlichen Gemeindeweſens einen treuen Lehrer
vurworfen und ſich dadurch ſelbſt von der Kirche
Goles ausgeſchloſſen und in den Bann gethan
haben?
Wäre es da nicht die Pflicht der Synode ge⸗
veſen, bevor ſie den Herrn Gogelen aufnahm,
eine gründlicheUnterſuchung anzuſtellen und eine
1onmittee nach dem nur 15 Meil. entfernten
Pappaconetto abzuordnen, auch Paſtor Heid auf—
hufordern, ſeine Klage gegen Herrn Gogelen zu
beweiſen? Und wenn dieſe Committee es alſo
befunden, wie Paſtor Heid dem Präſidenten An⸗
Rige gethan, hätte dann uicht die Synode den
Herrn Gogelen ſogleich auf das Ernſtlichſte er—
mahnen ſollen, jene ſog. Gemeinden alsbald zu
„Reilaſſen und dieſelben vielmehr zur reumüthigen
Umkehr zu ihrem von ihnen ordentlich berufenen
haſtor und der treugebliebenen Gemeinde zu be⸗
vegen ſuchen? Falls aber Herr Gogelen ſich
enweder der Unterſuchung, oder, ſo er ſchuldig
beunden ward, der Befolgung dieſer Ermahnung
wtigerte, ſo konnte ihn natürlich die Synode
nicht aufnehmen. That ſie es aber dennoch, ſo
hetätigte ſie freilich durch die Anfnahme desſelben
als kirchliche Körperſchaft dieſe ſeine ſchändliche
und gottloſe Handlungsweiſe und machte ſich
„dadurch ſeiner ſchrecklichen Sünde theilhaftig,
uß er wider allen beſſern Unterricht freche und
zuchiloſe Leute als eine Gemeinde Chriſti be—
diente und ſie dadurch in ihrer Halsſtarrigkeit
und Unbußfertigkeit beſtärkte. Und wäre es da
nicht erſchrecklich, daß demgemäß eine ganze Sy⸗
node, ſtatt das Reich Gottes zu fördern, viel⸗
nehr eine Mithelferin wäre, das Reich des Teu⸗
fels zu ſtärken? Denn jedesmal, wenn der
llende Miethling den muthwilligen Separatiſten
das heil. Abendmahl ſich und ihnen zum Gericht
austheilte, richtete die Synode mit ihm den
Greuel der Verwüſtung auf an heil. Stätte und
machte ſich theilhaftig remder Sünde; jedesmal,
venn einer von dieſen Feinden des Herrn und
ger, Herr Gogelen, wurde ſpäter als Glied in die
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ſeines Wortes in ſeinen Sünden dahinſtürbe,
wäre die Synode mitſchuldig an ſeinem ewigen
Verderben.
Sie werden ſich freilich hiebei ſchmücken und
den Überſchwang ihrer evangeliſchen Geſinnung
und rettenden Liebe herausthun und ſagen: Ja!
mögen jene Leute auch gefehlt haben, ſo wäre es
doch Unrecht, „ſie der Gnadenmittel zu berau—
ben oder ſie zu zwingen, ihren vorigen Prediger
wieder anzunehmen; das thut nicht in
Amerika“; — Worte, die der Herr Präſident
ſelber bei Gelegenheit einer andern Gemeinde an
Paſtor Heid geſchrieben.
Was ſoll man wohl zu ſolchen Wortenſagen,
die Gottes Wort und Ordnung nach amerikani⸗
ſcher Unordnung, aber nicht dieſe nach jenem
meſſen? Wer anders beraubet denn die trotzigen
und widerſpenſtigen Leute der Gnadenmittel, als
ſie ſich ſelber? Und iſt das wirklich rettende Liebe,
oder nicht vielmehr verderbenderUnverſtand, wenn
muthwillige Separatiſten als ehriſtliche Gemein—
den angeſehen und bedient und mithin in ihrer
Bosheit und Unbußfertigkeit geſtärkt werden?
Wo iſt der Befehl Chriſti, in ſolchem Falle alſo
zu thun? Gebietet er nicht im Gegentheil:
„Ihr ſollt das Heiligthum nicht den Hunden ge—
ben und die Perlen nicht vor die Säue werfen?“
Aber freilich, das iſt eine harte Rede, wer kann
ſie hören? Das thut nicht in Amerika.
Das aber thut — und in dieſer liebevollen
Hingebung an den amerikaniſchen Geſchmack
exercirt ſich die Ohib-Synode ſammt ihren
gleichgeſinnten Schweſter-Synoden nicht ein
Geringes — das thut, einen „gedingten“
Predigthalter, Täufer, Confirmirer, Abend⸗
mahlsreicher, Copulirer und Grabredner abzu⸗
geben, aber das thut nicht, ſich der ſonderlichen
geiſtlichen Nothdurft der Einzelnen als ein Va⸗
ter in Chriſto ſorgfältig anzunehmen, zu ſtrafen,
zu tröſten und zu vermahnen; das thut, Leute
zu confirmiren, die, ohne ſchwachſinnig zu ſein,
dennoch die heil. zehn Gebote und den Glauben
nicht gelehrt') und alſo als völlig untüchtig zur
Selbſtprüfung zum heil. Abendmahl zugelaſſen
wurden, aber nicht thut es, auch den Schwachen
durch treue Lehre und Pflege den nothdürftigen
Verſtand der chriſtlichen Heilswahrheit beizu—
bringen; — das thut, einen Haufen von
Gemeinden anzunehmen, in jeder alle vier Wo⸗
chen nach amerikaniſchem Geſchmack (d. i. nach
dem Sprüchwort: waſch mir den Pelz, aber
mach mich nicht naß) ein loſes Gemengſel von
Geſetz und Evangelium zu predigen und keine
Kinderlehre zu halten und dann eiligſt heimzu⸗
reiten; aber das thut nicht, eine oder höchſtens
zwei Gemeinden gründlich und ſorgfältig zu be⸗
dienen, ſonder Menſchenfurcht und Bauchſorge
auch die amerikaniſchen Lieblingsſünden, als da
ſind: Geldgier, ſchlechte Kinderzucht, Weiber⸗
herrſchaft, Unbeſtändigkeit, Trägheit ꝛc. mit dem
Geſetze ſcharf zu ſtrafen und nur ſolche, die da
hungrig und durſtig ſind nach der Gerechtigkeit,
mit dem Evangelio zu tröſten: — das thut,
die armen Kinder gründlich zu verwahrloſen und
*) Die ſe Fälle können nachgewieſen werden.
—.
ſie den Diſrittsſchuben ganz und gar zu dbrrla⸗
ſen, und darnach auch den Confirmanden-Unter⸗
richt ſo ſchnell wie möglich abzumachen; aber
das thut nicht, zunächſt durch freundlich ernſte
Belehrung und Vermahnung der Eltern Gemein⸗
deſchulen anzurichten und die Kinder ſelber von
Jugend auf in und mit Gottes Wort in bibli⸗
ſcher Geſchichte und Katechismus, Sprüchen
und Liedern zu unterweiſen und aufzuziehen, als
die Pflanzſchule und Hoffnung der Kirche; —
das thut, ſich zeitweiſe von den Gemeinden
miethen und dingen zu laſſen und alſo Mieths⸗
prediger und Menſchenknechte zu ſein, die den
Stab Wehe nicht führen, ihre Stimme nicht wie
eine Poſaune erheben dürfen; aber das thut
nicht, einen ordentlichen Beruf zu verlangen
und als Gottes Knechte und Diener Chriſti zu
ſtrafen, zu drohen, zu vermahnen und die von
dem Herrn geordnete Kirchenzucht auch bis zum
Banne hinauszuführen. ö
Auf dieſe und ähnliche Weiſe geſchieht es denn,
daß die Prediger dieſer Synode, indem ſie ſich
dem verderbten Geſchmack und der Verwöhnung
ihres Volks anbequemen, was ſie, thörichter
Weiſe, für Liebe zu halten ſcheinen, ihre Ge⸗
meinden nicht von Innen her zu einer geſunden
kirchlichen Erkenntniß und Geſtaltung zu brin⸗
gen vermögen und ein chriſtlich-kirchliches Ge⸗
meindeleben unter ſolcher Pflege und Leitung
unmöglich entſtehen kann.
Um nun aber nach dieſerAbſchweifung zum rech⸗
ten Schluß-Urtheil über obige Handlungsweiſe
der Synode zu gelangen, ſo iſt das gewiß, daß ſie
nicht einmal rechtlich, geſchweige chriſtlich und
kirchlich gehandelt und von Neuem bewieſen hat,
was von ihrem Sichbekennen zu den Symbolen
der luth. Kirche und von ihrer confeſſionellen
Lauterkeit zu halten ſei, nämlich daß es ihr da⸗
mit kein Amih ir Ernſt, ſondern das kirch⸗
liche Bekenntniß ihr ein bloßes Aushängeſchild
ſei, hinter dem ſie nach wie vor ihr loſes leicht⸗
fertiges Weſen treibt und die armen Gemeinden
kirchlich immer mehr verkommen und verderben
läßt. Gott helfe in Gnaden wenigſtens denen
heraus, die ſich noch wollen helfen laſſen. —
˖m˖
Gottes Gericht über einen Feind
der Wahrheit.
Welch' ein arger Feind der Wahrheit Dr. Eck,
mit welchem Luther in Leipzig disputirte, gewe⸗
ſen ſei, iſt bekannt. Einſt verbreitete ſich das Ge⸗
rücht von ſeinem erfolgten Tode. Bueer berichtete
daher in einer ſeiner Schriften, man ſage, Eck
ſei geſtorben. Das Gerücht war ungegründet.
Mit triumphirendem Herzen las es Eck, daß man
ihn todt ſage. Alſobald ſchickte er ſich daher an,
ſeine Gegner davon, daß er noch am Leben und
auf dem Plane ſei, durch die Herausgabe eines
Buches zu überführen. Der Titel, den er dieſem
Buch gab waren die Worte: „Quia Eccius vivit!“
d. i. Weil Eck noch lebt. Aber was geſchah?
In dem Augenblick da das Buch in Ingolſtadt
ausgegeben wurde, hatte Eck zu leben aufgehört.
Auf ſeinem kurzen Krankenlager von einigen
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