# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 02 18_S108 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) den Sakramenten, von der heiligen Taufe, als dem Bade der Wiedergeburt und Erneuerung des beiligen Geiſtes, von dem heiligen Abendmahl, als dem Sakrament des wahren Leibes und Blutes Jeſu Chriſti.“ Und was predigten ſie noch? nicht mehr Chriſtum, wie Luther, ſondern eine kalte, trockene Moral, welche die Leute nicht einmal verſtanden, oder eine Miſch ung von halbem Geſetz und halbem Evangelium! ſie drangen nicht mehr auf Bußthränen und auf Bekehrung zur Taufgnade, ſondern meinten Wun⸗ der was, wenn ſie einige Thränen ſinnlicher Rührung ausgepreßt hatten! 2. Was war die Folge dieſer Finſterniß des Unglaubens? Wir kamen in eine gräuliche Un⸗ wiſſenheit in göttlichen Dingen; die Kirchen wurden leer, der Rachmitagsgottesdienſt na⸗ mentlich verlacht, die Beichte wurde verachtet, die Abſolution verſpottet, das Gebet und Bibel⸗ leſen in den Häuſern für überflüßig gehalten, Ach leider! der Hausgottesdienſt war faſt überall verſchwunden. Die Kinder ließ man laufen, wohin ſie wollten, und wie lange ſie wollten; Niemand war mehr, der ſie warnte und ſtrafte: die Kinderlehre an Sonntagen verlaſſen! Dar⸗ um iſt auch noch keine Zeit geweſen, wo die Kin⸗ der die Eltern ſo verachtet haben, wie die jetzige, wo ſo viele Väter und Mütter bei ihren Söhnen uund Töchtern ihre alten Tage noch unter Thränen und Herzeleid ver ſeufzen müſſen. Und daß ſo viel Empörung in der Welt iſt gegen göttliche und menſchliche Ordnung, kommt daher, daß man ſich gegen Gottes Wort zuerſt empört hat. Seht, das war und iſt theilweis noch die Fin⸗ ſterniß des Unglaubens und der Unwiſſenheit. Wir alle, haben wir ſchön lange gewußt, was wir etwa jetzt wieder wiſſen? haben wir's ernſt genommen mit der Ewigkeit? haben wir's ſo nothwendig geachtet, uns Bibeln und Gebetbü— cher anzuſchaffen, wie wir jetzt wieder anfangen? haben wir uns das Wort „Wiedergeburt“ in der Taufe, und Bekehrung durch Buße und ernſten Glaubenskampf in der Rechtfertigung, ſo zu Herzen gehen laſſen, wie nun, da in evang. lutheriſcher Predigt wieder darauf gedrungen wird. Wenn wir die proteſtantiſche Kirche der letztver⸗ gangenen Jahre betrachten, und uns fragen: Was iſt das? — muß nicht uns Allen unſer Tert antworten: „Das iſt Finſterniß!“ 3. Jetzt droht uns aber noch eine andere Fin⸗ ſterniß, die um ſo, gefährlicher iſt, weil ſie den frommen Schein der Vruderliebe in kir chen⸗ mengeriſcher Werkthätigkeit derje⸗ nigen innern Miſſion trägt, welche nur das Gemeinſame aller Secten aber nicht die evang. lutheriſche Kirche bauen will. Das iſt die Finſter⸗ niß der Bekenninißgleichgiltigkeit, daß Leuten anderer Kirchenparteien geſagt wird: wir halten nicht mehr an unſerm Glaubensbe⸗ kenniniß, wie ihr nicht mehr an eurem; wir ge⸗ ben unſere Kirche auf, damit wir zuſammenge⸗ hen und eine neue lunirte! Kirche machen kön⸗ nen. O Argliſt des Feindes l wenn der es könnte dahin bringen, daß wir unſere Augsburgiſche Confeſſion, mit ihrer Eintrachtsformel und die —108— lutheriſchen Hauptſtücke mit ihren, der Kirche Gottes gemäßen Erklärungen fahren laſſen, was würde er dann aus unſern Nachkommen machen! Unter dem Schein der Kirchenvereinigung würde er noch mehr Uneinigkeit und Verwirrung in die Chriſtenheit hineinbringen; dann ginge es wie bei jenen Heiden [Apoſtelgeſchichte 19J, die ein— müthig zu dem Schauplatz geſtürmt waren; ſie riefen: Groß iſt die Diana der Epheſer! und waren im Grunde doch nicht einig, und wußten nicht was ſie wollten. Geht's nicht in der be— kenntnißloſen Kirche zu, wie dort vor dem Thea— ter [V. 32]: Etliche ſchrieen dieſes, Etliche ein Anderes, und war die Gemeinde irre, und der größte Theil wußte nicht, warum ſie zu⸗ ſammengekommen waren. Iſt das nicht Finſterniß? 4. Dieſe zunehmende Bekenntnißloſigkeit und laodicäiſche Lauigkeit ſuchte der Herr in manchen Gegenden heim, wie ein treuer Zeuge unſerer Kirche ſchreibt, „durch Zulaſſung des bekannten Unionsverſuches: der ſollte uns um Alles bringen, was zum Fortbeſtehen einer evang. lutheriſchen Kirche unumgänglich gehört. Das lutheriſche Bekenntniß ſollte z. B. in der Pfalz, in Baden, in Preußen u. a. Orten, vermöge der Vereinigung der Lutheraner und Reformirten zu Einer Kirche, fortan aufhören, die einige öffentliche und allgemeine Lehre uuſerer Gemein— de zu ſein. Die alten, allein auf dem Grunde des lutheriſchen Bekenntniſſes ſtehenden Agen⸗ den wurden genommen, und dafür neue Kir⸗ chenbücher und Katechismen aufgedrungen, wel— che die luteriſche Lehre, den Reformirten, ja, ſogar den Ungläubigen gegenüber, verläugnen und verhüllen; der beſtehende Lehrunterſchied wurde durch zweidentige Gebete und durch zwei— deutige Spendungsformeln beim Abendmahle verdeckt und verwiſcht. Selbſt bis auf den (Bei⸗) Namen, den unſere Kirche von den Vätern her trug, erſtreckten ſich dieſe Verſuche, dieſelbe zu zerſtören. Eine evangeliſch lutheriſche Kirche ſollte es fortan ſelbſt dem Namen nach nicht mehr geben; — nur „Evangeliſche“ (in's Vieldeutige) und einenur „evangeliſche (unirte) Kirche,“ damit das Volk nicht mehr zwiſchen evang. reformirt, evang. unirt, und evang. lutheriſch unterſcheide. Faſt ward an uns erfüllt, was geſchrieben ſteht Pſ. 83, 5 — 6: „Wohl her, ſprechen ſie, laſſet uns ſie ausrot⸗ ten, daß ſie kein Volk ſeien, daß des Namens Iſrael nicht mehr gedacht werde. Denn ſie ha— ben ſich miteinander reinigt und einen Bund (Conföderation, Allianz) wider Dich gemacht.“ Nun waren wir durch den vorausgegangenen Unglauben ſo krank, und das wieder erwachende Glaubensleben war noch ſo jung und voll kin⸗ diſcher Anſchläge, daß Tauſende in Deutſchland ohne allen Widerſtand, ja die meiſten ohne Wiſſen und Willen die neueUnions⸗ kirche, z. B. in Preußen, mit der Kirche ihrer Väter vertauſchten. Einzelne wiederſtanden und wollten nicht in die ihnen zu⸗ gemuthete Verläugnung ihres Bekenntniſſes, in die Vernichtung ihrer Kirche noch unter unirtes⸗ ie evan g. lutheriſche Kirche löſendes Kirchen⸗ regiment willigen. Dazu nehmt, daß treue Pfarrer, welche die evang. lutheriſche Kirche und den Glauben ihrer Väter nicht aufgeben wollten, verfolgt und in Deutſchland oft Jahre lang gefangen gehalten wurden; daß ſie ſelbſt von Gutgeſinnten als eigenſinnige Stören— friede und unruhige Köpfe angeſehen und die Schriften, in welchen ſie die luthe— riſche Kirche vertheidigen wollten, verboten wurden. Die treuen evang. luth. Pfarrer und Kirchenglieder werden ſogar als eine neue Secte (111½0 von Separatiſten, durch allerlei Unions— Männer in Kirchen wie in Miſſionen, in Preu⸗ ßen wie im Elſaß, abgemalt; und das geſchieht noch im Namen der Liebe! Iſt da „Gütig⸗ keit, Gerechtigkeit und Wahrheit,“ davon (V. 9) der Tert redet, oder Finſterniß? 5. Aber ſind wir denn „kein Licht mehr in dem Hehrn?“ — Als evangeliſch-lutheriſche Kirche ſind wir, ſo viele unſrer glauben, e inn Licht in dem Herrn, denn wir haben reines Wort und Sakrament:; die Lehre, die in der Augsb. Confeſſion bekannt wird, iſt keine Andere, als diejenige der Apoſtel. Sie iſt nicht auf die blinde Menſchenver⸗ nunft gegründet, ſondern auf die ewig giltigen Ausſprüche der h. Schrift,“ A. u. N. Teſtamentes; ſie ſcheidet aus, alle römiſche und reformirte Irrlehren und verwirft die Bekenntnißlauigkeit und Zweideutigkeit der Union in der Liebe, in den Werken und nicht in der Wahrheit. ö Nicht auf eigenes Verdienſt, nicht auf eigene Genugthuung gründen wir das Heil unſerer Seele, ſondern auf Chriſti Leben, Leiden und Sterben, auf ſeine Auferſtehung und Himmel⸗ fahrt. Unſere Kirche iſt ein Licht in dem Herrn, weil ſie in Allem keinen andern Grund gelegt hat, als den, der gelegt iſt, Jeſus Chriſtus in reinem Wort und Sakrament. Was im Worte verkündigt, das iſt im Sakrament gege⸗ ben; und die es glauben werden ſelig. Und wenn wir an den unübertrefflichen Ka⸗ techismus Luthers denken, den ſchon Millionen gelernt haben, der ſchon Millionen ein Wegweiſer zum Himmel geworden; wenn wir denken an die achtzigtauſend Kirchenlieder, an die vielen Predigt⸗ und Gebetbücher, die wir haben, an die herrliche Bibelüberſetzung Luthers, und an die Bibelauslegungen, die wir von die⸗ ſem und von vielen andern Gottesmännern be⸗ ſitzen, — ſagen wir dann zu viel, wenn wir be⸗ haupten: die evang. lutheriſche Kirche iſt ein Licht in dem Herrn!? Was Communionbücher, was Bücher für Kranke, Angefochtene und Lei⸗ dende hat nicht die lutheriſche Kirche! was reich iſt ſie in aller Lehre und Kraft! Wie nüchtern und gehorſam beugt ſie ſich unter Gottes Wort; welches Gold der Weisheit hat ſie für ihre Be⸗ kenner ſchon aus dem Schacht der Bibel her⸗ ausgegraben, welche Seelen⸗Nahrung und Er⸗ quickung hat ſie für alle Hungrigen und Durſti⸗