# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 02 18_S103 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Dazu werden auch die Gemeinden zuweilen von dm Predigern aufgefordert, ſie zu beſuchen, — tinſtimmig miteinander, als Eine Gemeinde, Gott zu loben und zu preiſen, — welches auch biliz und gut iſt; denn man kann wahrlich nicht zu viel beten. Aber gehen wir einmal zur Betſtunde ſelbſt, Aund ſehen da, wie und von welcherlei Perſonen ſegeleitet wird, ſo bleibt uns nichts als ein be⸗ jammernswürdiger Zuſtand derſelben übrig. Man hat gewöhnlich Leute als Vorgänger, welche noch nicht einmal die Sprache ſprechen tinnen, in welcher ſie reden oder beten. Wie⸗ deum gibt es Einige, welche ein und allemal beten, und nicht nur ein und allemal beten, ſon⸗ den ein und allemal das beten, was ſie ge⸗ pöhnt ſind zu beten. Da wird nicht nach Zeit der Umſtänden, wie es die Noth erfordert, ge⸗ letet, ſondern es wird gebetet, wie es der Ge⸗ kauch iſt — nämlich, ein oder zwei Verſe ge⸗ lungen, und dann gebetet, und dann dieſes ei⸗ Heae Mal al wiederholt, bis die Zeit verfloſſen iſt: und dann wird wieder nach Hauſe gegangen, ohne Iun Ewas für das Herz geſammelt worden iſt. „Hier möchte wohl Mancher fragen, warum Vum nichts für das Herz geſammelt? Es wird üdoch in Gemeinſchaft miteinander gebetet und Halt geprieſen; und es ſteht auch einem Jeden ſelbſt zu beten. Aber es iſt die Frage, wel⸗ he Empfindungen man bei den Gebeten hat, viche in den Betſtunden gethan werden. Ich vil dann einige anführen, und daraus mag iin Jeder für ſich ſelbſt urtheilen. Der Schreiber kennt eine Betſtunde, welcher ein Mann vorſteht, der, wenn er auftritt, um ein Lied vorzuſagen, erſt eine Zeitlang zu ſpeien hat, bis er den Taback weggeſpeit hat, den er ein Nunde hat. Denſelben Mann habe ich ſchon Gebet und zur Eintracht, und an demſelben Uend habe ich jenen Mann aus der Betſtunde ſortgehen geſehen. Ein Anderer ſtammelt ein kaltes Gebet daher, u einem Jeden die Zeit lange wird, bis es um Ende kommt. Ein Anderer fängt an, ein Ammer⸗Geſchrei auszuſtoßen, daß man meinen ſu, und wenn das Gebet fertig iſt, ſo ſind auch d Thränen getrocknet. Nun denke man ſich, nie nan mit ſolchen Leuten beten kann, und doch ſil nan als ein Bekenner Jeſu Chriſti, und als 4 Glied der Kirche, die Betſtunde unterſtützen, huſt wird man ja kein Bruder genannt. O jämmerlicher Zuſtand der Betſtunden, denn jin bleibt uns nichts anders übrig, als das Bort des Apoſtels Petri: „Es iſt Zeit, daß an⸗ ſnge das Gericht am Hauſe Gottes, u. ſ. w.“ l. Petr. 4: 17.] Hier könnten wir noch man⸗ gis anführen, aber es kommt mir, als einem hien, nicht zu, viel darüber zu ſchreiben.“ Privatcorreſpondenz. (Aus Preußen.) ——, Wir tragen das Wohl und Weh unſe⸗ un Kuche in Amerika auf betenden Herzen, denn die Brüder und Schweſtern ermahnen hören lben ſlle, das Herz müßte ihm vor Thränen zerflie⸗⸗ — 103— „Niemand hat jemals ſein eigen Fleiſch gehaſſet“, und hinwiederum verſehen wir uns zu unſern Brüdern jenſeit des Meeres derſelbigen Hand⸗ reichung in unſerm gemeinſamen heiligen Streite unter der Einen Fahne des Einigen Herzogs“. Der lutheriſchen Kirche in Preußen, in Deutſch— land, ſtehen bald harte und heiße Kämpfe bevor. Kirche und Landeskirche: das wird das brennende Zeitthema je mehr und mehr werden. Unſere Widerſacher innerhalb der preußiſchen Landeskirche, welche ſich Lutheraner nennen, ſind nahe daran, ein Schattenbild von „luth. Kirche“ herzuſtellen — und mit wem dann die luth. Landeskirchen on gros Gemeinſchaft halten wer⸗ den, kann wohl kaum zweifelhaft ſein, nämlich nicht mit uns. Dagegen bereitet ſich in den lutheriſchen Landeskirchen auch ein Bruch vor, wie Sie wohl wiſſen. Löhe harrt noch, aber im Pilgerſchuh. Harleß ſetzt alle Kräfte dar⸗ an, Sachſen noch im Ganzen zur Regenera⸗ tion zu führen: ob es ihm gelingen wird? Eben iſt aus unſerer Mitte Prof. Kahnis aus Bres⸗ lau an Harleß Stelle nach Leipzig berufen. Ein Wunder. — Sehr möglich, daß die Verfol⸗ gungszeit unſerer Kirche in Preußen noch— mal ganz neu wird. Die Anfänge dazu regen ſich ſchon, trotz der papiernen „freien Verfaſ⸗— ſung“. Nun, es iſt noch eine Ruhe vorhanden dem Bolke Gottes. Dahin erheben wir die Häupter. Unſere Gemeinſchaft ſtehe derweil un⸗ ter dem Thau, der vom Hermon herabfällt auf dem Berge Zion, bis wir ankommen im neuen Jeruſalem. Immanuel! S. bei C. im November 1850. Glaube, Liebe, Hoffnung. Der Glaube ergreift Chriſti Perſon und Amt. Die Liebe folgt ihm in ſeinem Leben. Die Hoff⸗ nung ergreift die zukünftige Herrlichkeit. Der Glaube muß keinen andern Chriſtum, Heiland, Seligmacher, Mittler und Weg zum Leben ha⸗ ben, denn Chriſtum Jeſum. Die Liebe hat das einige Leben Chriſti vor ſich. Die Hoffnung erwartet nichts anderes, denn der ewigen Herr⸗ lichkeit. Dieſe drei Haupttugenden, Glaube, eiebe, Hoffnung ſind befreundet mit drei andern Tu⸗ genden. Der Glaube iſt befreundet mit der De⸗ muth; die Liebe mit der Geduld; die Hoffnung mit dem Gebet. Denn wer glaubt, dennüthig ſich. Wer liebt, der iſt geduldig. Wer hoffet, der betet. Das iſt ein recht ſchöner Weg Gottes. O rr weiſe uns denſelben! He eiß J. Arndt. Jeſuitiſche Weisheit. Der Feſuit und Profeſſor der Theologie Fer⸗ dinand Sieghardt zu Prag hat im Jahre 1715 ein Büchlein herausgegeben, darin er u. A. 50 „ſchwere Fragen“ über die heil. Jungfrau Ma— ria beantwortet. Die 36. Frage lautet: „Ob Maria Zahnweh gehabt?“ Die Antwort des gelehrten Mannes iſt: „Nein, weil ſie in Adams Apfel nicht gebißen,“ er will nemlich damit ſa⸗ gen, weil Maria an dem Falle Adams keinen Antheil genommen habe. Alſo muß es gehen dem lieben Predigtamte auf beiden Seiten, daß es entweder die liegen laſſen, die es führen ſollen, oder die führen wol⸗ len, denen es nicht befohlen iſt. ‚ Luther. Einladung zur Subſcriptiou. Es wird hiermit dem chriſtlichen Leſer ein Büchlein empfohlen, welches einem Be⸗ dürfniß abhelfen ſoll, das ſchon längſt von Eltern, Lehrern und Erziehern gefühlt wor⸗ den iſt, nämlich der confirmirten Ju⸗ gend eine Schrift iu die Hände zu geben, die ihr im Laufe ihres Chriſtenthums be⸗ lehrend, rathend, mahnend, warnend, er⸗ munternd und tröſtend zur Seite ſiehe „die ihr ein Führer und Wegweiſer zum Him⸗ mel ſei, auch wenn ihre bisherigen Führer nicht mehr ihre Tritte und Schritte über⸗ wachen können. Zu dieſem Zwecke fanden wir ganz beſonders ein Büchlein aus den ältern Schätzen unſerer Kirche geeignet, nämlich das „Nützliche Andenken für Confirmirte“ von dem in ganz Würtemberg bekannten und in hohen Ehren gehaltenen M. Ph. F. Hiller. Denn es redet in eben ſo väter⸗ licher, als mächtig ergreifender Weiſe zu den Herzen der Jugend; es baut auf den rechten Grund JIEſum Chriſtum nicht Holz, Heu und Stoppeln, ſondern Gold, Silber und Edelſteine. Es erſcheint jedoch nicht ganz in ſeiner urſprünglichen Geſtalt, ſon⸗ dern unter dem Titel: „Timotheus“, theils mit einigen Weglaſſungen, um die Koſten des Büchleins zu verringern; theils mit einigen Zuſätzen, um es für die hieſigen kirchlichen Verhältniſſe nützlicher zu machen. Der Preis wird ſo billig als möglich ge⸗ ſtellt und nächſtens angezeigt werden. Die äußere Ausſtattung ſoll nichts zu wünſchen übrig laſſen. Es ſoll nochbis Ende März erſcheinen, ſo daß es bis zum Palmſonntage auch von Auswärtigen bezogen werden kann, wenn ſie zeitig genug in der Expediton des Luthe⸗ raners Beſtellungen machen. Die Bearbeitung hat ein Freund der Jugend und Mitglied der evang. luther. Synode von Miſſouri, Ohio und andern St. beſorgt, die Herausgabe aber hat die benannte Synode ſelbſt übernommen.