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Der Lutheraner Frankfurt am Main — Mai 1949, Seite 60
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Seite 60 Mai 1949 Nummer 5
Verein! Ihr habt mir gerade noch gefehlt! Ihr
braucht wohl Geld, wie?“
Ein wesentlicher Punkt unserer Missionsarbeit liegt
darin, daß wir den Menschen, um die wir uns
missionarisch bemühen, zu allererst einmal klarmachen,
daß es sich bei unserem Anliegen nicht um eine Mitgliedswerbung
handelt, sondern um etwas grundsätzlich
anderes: um das Heil ihrer Seele. Wir kommen
als Abgesandte Christi, nicht in menschlichem
Auftrag. Uns interessiert die Seele des Menschen
, die der HErr Christus mit seinem Herzblut
erkauft hat. Wir kommen, um den Menschen zu
warnen vor der ewigen Höllenstrafe, die allen Ungläubigen
bestimmt ist, und um ihm die Erlösung, die
der HErr Christus auch für ihn erworben hat, anzubieten
. Das hat mit Mitgliedswerbung nichts zu tun.
Und dieser Auftrag ist wichtig genug. Welch eine
Betriebsamkeit entfalten doch die Mitglieder der
Parteien, der Klubs, der Vereine, Sekten usw. Und
doch geht es bei ihnen um Sachen, die dem Menschen
auf die Dauer nichts nützen können. Die seligmachende
Gnade Gottes aber ist das wichtigste, was
es gibt. Entspricht unser Missionseifer dieser Wichtigkeit
? Oder aber, sollten wir vielleicht selber diese
Wichtigkeit noch gar nicht erkannt haben?
Die Feinde des Reiches Gottes sind zu allen Zeiten
höchst betriebsam und geschäftig. Die Kinder Gottes
aber tragen demgegenüber oftmals eine Geruhsamkeit
und Gleichgültigkeit zur Schau, als ob sie das nicht
im geringsten etwas anginge. Unser Auftrag, den wir
als Christen haben, andere Menschen zu Christo zu
führen, ist von den Aufträgen dieser Welt grundverschieden
und ist der wichtigste Auftrag, den es gibt.
Sollen uns die Gottlosen beschämen?
Hans⸗Joachim Walter
[Bild: Kirchenraum mit Altar, Burgkapelle]
Aufn.: Helmut Höller
Burgkapelle auf Burg Tannenberg.
Wirst Du, hier, lieber Leser, bald an einem
sonnenbeglänzten Sommertag mit fröhlichen
Morgenliedern und Lauschen auf Gottes Wort
Deinen Urlaubstag beginnen?
Komm zu den Sommerrüstwochen vom Mai
bis September auf die Burg.
Alles Wissenswerte darüber schreibt dir gern
die Rüstwochenleitung der Burg Tannenberg
(16) Nentershausen über Bebra
Hallo, hier spricht Essen!
Aus allen Gemeinden des Ruhrgebiets kam am
13. März eine große Schar Jugendlicher zu einer
von der Jugend veranstalteten Gemeindefeier und
damit zu einem Jugendnachmittag in Essen zusammen
. Trotz schlechten Wetters waren einzelne
Gemeinden mit 30 und mehr Jungen und Mädeln
vertreten.
Der Tag wurde ein schöner Erfolg. Hier nur einige
Darbietungen der Veranstaltung: „Mitten wir im
Leben sind mit dem Tod umfangen“ (zweistimmiger
Satz von Othmayr); Sopran⸗Solo: „Er weidet seine
Herde“ (aus Händels „Messias“); Satz aus der Triosonate
C⸗Dur von Ludwig van Beethoven. Im
Mittelpunkt des zweiten Teiles des Nachmittags
stand das Laienspiel „Thomas“: Ein junger Heimkehrer
, der nicht mehr an den Sinn des Lebens
glaubt, wird von „Freund Hein“, dem Tod, wieder
auf den rechten Weg zurückgeführt. Die Zeitnähe und
die gute Leistung der Laienspieler halfen dem Stück
zum vollen Verständnis. — In frohem Beisammensein
klang der Tag aus.
Zum erstenmal seit der Kapitulation veranstaltete die
Essener Jugend ein größeres Treffen, und es gehörte
Mut dazu, mit einem derartigen Programm anzutreten
. Hoffen wir, daß auch andere Gemeinden
angeregt wurden, die Jugend zu ähnlichen Veranstaltungen
zusammenzurufen.
Lutz Pötsch
[Bild: Burg auf einem Hügel]
Aufn.: Helmut Höller
Wirst Du, lieber Leser, aus den Fenstern
dort oben bald glücklich und dankbar auf die
grünenden Wälder und Wiesen um unsere
Burg herabschauen?
Du bist herzlich eingeladen.
[Bild: Vignette „Aus aller Welt“]
Jugend in Not
In Nordrhein⸗Westfalen gibt es, wie das Sozialministerium
mitteilt, zur Zeit rund 6000 obdachlose
Jugendliche. Zur Betreuung der heimatlosen jungen
Männer haben die karitativen Verbände des Landes
24 Heime mit 12 000 Plätzen geschaffen. Für das
Land Niedersachsen wird die Zahl der heimatlos
umherziehenden Jugend von dem Direktor des Landesjugendamtes
Hannover auf etwa 8000 geschätzt.
15 Prozent dieser Jugendlichen sind Mädchen.
„Nachrichten der Ev. Kirche der Rheinprovinz“
Die Bibel in fast 1100 Sprachen
Nach einer neuen Übersicht sind einzelne Bücher der
Bibel bisher in 1090 Sprachen übersetzt worden,
das Neue Testament in 214 und das Alte Testament
in 185 Sprachen. EPI
Schule des Stumpfsinns
Aus einer Anzeige einer französischen Zeitung (Les
Derniers Nouvelles d'Alsace): Ein neuer
großer Abenteuerfilm; Handlung, Handlung und
nochmals Handlung ... Man braucht nicht zu
denken, man braucht nur auf die Leinwand zu
sehen. — Besser konnte man nicht auf die Hauptgefahr
eines Filmes hinweisen, nämlich gedankenlos
Echtes und Unechtes in sich aufzunehmen.
[Bild: Vignette „Kalender-Ecke“]
Über die Entstehung der Mission der
Brüdergemeine
Unter den vielen deutschen evangelischen Missionen ist
die Mission der Brüdergemeine die älteste. Hast du
schon mal etwas über ihre Entstehung gehört?
Jedenfalls wird dir der Name des Gründers nicht
unbekannt sein. Schlage doch mal dein Gesangbuch
auf, da findest du seinen Namen. Wie oft wirst du
schon das Lied gesungen haben „Jesu, geh voran, auf
der Lebensbahn“ oder „HErr, dein Wort die edle
Gabe, diesen Schatz erhalte mir“, oder auch „Herz
und Herz vereint zusammen sucht in Gottes Herzen
Ruh“. Weißt du, wer diese Lieder gedichtet hat?
Graf Ludwig Nikolaus Zinzendorf. Er hat vom
26. Mai 1700 bis zum 9. Mai 1760 gelebt. Das
bedeutendste aus seinem Leben ist seine großartige
Tätigkeit auf dem Gebiete der Inneren und der
Heidenmission. Schon als er 1722 in der Oberlausitz
das Gut Berthelsdorf erwarb, benutzte er diese
Gelegenheit, den mährischen Brüdern, die um des
Glaubens willen aus der Heimat vertrieben wurden,
die Möglichkeit zu geben, sich hier anzusiedeln. Mit
großer Liebe schuf er diesen Menschen eine neue
Heimat und legte den Grundstein zu Schulen und
Armenhaus. Wenige Jahre später entstand unter ihm
hier die Brüdergemeine Herrnhut.
Aber Zinzendorf sah seine Aufgabe nicht allein in
seiner neugegründeten Gemeine, sondern er dachte
auch an die armen Heiden, die noch nicht einmal
wissen, daß es einen Heiland gibt. Wie bekam er
aber Fühlung mit diesen Heiden, und woher wußte
er um ihre Not? Als Zinzendorf 1731 eine Reise
nach Kopenhagen machte, lernte er dort am königlichen
Hofe einen Mohren kennen. Dieser Mohr hatte
seine Heimat irgendwo in Westindien und stand nun
in den Diensten des Königs. Der Mohr erzählte ihm
viel von seiner Heimat und auch von dem schweren
Los der Negersklaven. Seine ergreifenden Schilderungen
haben den Grafen sehr beeindruckt. Zinzendorf
nahm ihn mit nach Herrnhut. Dort legte er seiner
Gemeine die ungeheure Not dieser Menschen im
fernen Indien ans Herz. — Aus dieser Begegnung
Zinzendorfs mit jenem Mohren entwickelte sich fortan
eine segensreiche Heidenmission. — Sofort erklärten
sich zwei Männer bereit, den Negern das Evangelium
zu verkündigen. Diese beiden ersten Missionare zogen
im Jahre 1732, mit nur 18 Mark ausgerüstet, nach
der Insel St. Thomas. Unter schwersten Verhältnissen
haben sie dort gearbeitet. Ihnen folgten weitere
Missionare.
Die Mission der Brüdergemeine ist mit Vorliebe in
solche Gebiete getragen worden, die durch ungesundes
Klima oder auch durch die Wildheit irgendwelcher
Heidenvölker besonders schwierig waren. Einmal
starben in einem Jahre infolge des ungewohnten und
ungünstigen Klimas 10 Missionare.
Die Mission hat sich seitdem immer weiter entwickelt.
Sie hat sich ausgebreitet, ihre Arbeitsgebiete sind sehr
umfangreich. Von ihnen seien einige genannt: 1734
Barbados; 1771 Labrador; 1792 Südafrika; 1849
Südaustralien; 1853 Westhimalaja. Nur die brennende
Liebe zu Jesus und der festgegründete Glaube an
Ihn konnten Zinzendorf in seiner schweren Arbeit
helfen. Das alles spricht auch aus seinen Kirchenliedern
. Da bekennt er seine Liebe zum Heiland und
legt ein lebendiges Zeugnis ab. Er schöpfte aus der
Quelle, die ihm Wegweiser und Richtschnur bot: aus
dem Wort Gottes. Das feste Vertrauen auf die
Heilige Schrift, von dem besonders eins seiner
Kirchenlieder spricht, möge auch uns der HErr
immer wieder von neuem schenken. Laßt uns daher
mit Zinzendorf bekennen: „... Wenn dein Wort nicht
mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn? Mir
ist's nicht um tausend Welten, aber um dein Wort zu
tun.“
Heinz Schätzel
Verlag: Lutheraner⸗Verlag G. m. b. H., Frankfurt/M., Taunusstr. 43. — Schriftleiter: Pastor Hans Kirsten, Oberursel (Taunus), Altkönigstr. 50.
Veröffentl. unt. d. Zulassungs⸗Nr. US⸗W⸗2055 der Nachrichtenkontrolle d. Militärregierung, Lizenzträger: Christian Schmidt. — Druck: Maindruck, Frankfurt
/M.⸗Fechenheim. 10 000 Exempl. — Erscheint monatlich. — Bezugspr.: Einzel⸗Nr. DM —.45, vierteljährl. 1.35, bei Postbezug zuzügl. Postzustellgebühr.
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Page 60 May 1949 Number 5
association! You are just what I needed! You probably need money, don't you?"
An essential point of our mission work lies in the fact that we must first make it clear to the people whom we approach in mission work that our concern is not a matter of recruiting members, but something fundamentally different: the salvation of their soul. We come as ambassadors of Christ, not on human commission. We are interested in the soul of the person, which the Lord Christ purchased with His heart's blood. We come to warn people of the eternal punishment of hell that is determined for all unbelievers, and to offer them the redemption which the Lord Christ has also earned for them. That has nothing to do with recruiting members. And this commission is important enough. What great activity is displayed by the members of parties, clubs, associations, sects, and so on. And yet with them it is a matter of things that in the long run can be of no use to a person. But the saving grace of God is the most important thing there is. Does our missionary zeal correspond to this importance? Or, perhaps, have we ourselves not yet even recognized this importance?
The enemies of the Kingdom of God are at all times highly active and busy. The children of God, however, by contrast, often display a complacency and indifference, as if it did not concern them in the least. Our commission, which we have as Christians, to lead other people to Christ, is fundamentally different from the commissions of this world and is the most important commission there is. Shall the godless put us to shame?
Hans-Joachim Walter
[Image: church interior with altar, castle chapel]
Photo: Helmut Höller
Castle chapel at Burg Tannenberg.
Will you, dear reader, soon begin your vacation day here, on a sun-drenched summer day, with joyful morning songs and listening to God's Word?
Come to the summer retreat weeks from May to September at the Burg.
The retreat weeks' leadership at Burg Tannenberg will gladly write to you with everything worth knowing about it:
(16) Nentershausen über Bebra
Hello, this is Essen speaking!
From all the congregations of the Ruhr district, a large crowd of young people gathered on March 13 for a congregational celebration organized by the youth, and thus for a youth afternoon in Essen. Despite bad weather, individual congregations were represented with 30 or more boys and girls.
The day turned out to be a fine success. Here are just a few offerings from the event: "Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen" (two-part setting by Othmayr); soprano solo: "Er weidet seine Herde" (from Handel's "Messiah"); a movement from the Trio Sonata in C major by Ludwig van Beethoven. The focus of the second part of the afternoon was the lay play "Thomas": a young returnee from the war, who no longer believes in the meaning of life, is led back onto the right path by "Freund Hein" (Death). The topicality and the good performance of the amateur actors helped the piece to be fully understood. — The day ended in cheerful fellowship.
For the first time since the capitulation, the youth of Essen organized a larger gathering, and it took courage to come forward with such a program. Let us hope that other congregations, too, were inspired to call the youth together for similar events.
Lutz Pötsch
[Image: castle on a hill]
Photo: Helmut Höller
Will you, dear reader, soon look down happily and gratefully from the windows up there onto the greening forests and meadows around our Burg?
You are cordially invited.
[Image: vignette "From All the World"]
Youth in Distress
In North Rhine-Westphalia, according to the Ministry of Social Affairs, there are currently around 6,000 homeless young people. To care for the homeless young men, the charitable associations of the state have created 24 homes with 12,000 places. For the state of Lower Saxony, the director of the State Youth Office in Hanover estimates the number of homeless wandering youth at about 8,000. 15 percent of these young people are girls.
"News of the Evangelical Church of the Rhine Province"
The Bible in Almost 1,100 Languages
According to a new survey, individual books of the Bible have so far been translated into 1,090 languages, the New Testament into 214, and the Old Testament into 185 languages. EPI
School of Dullness
From an advertisement in a French newspaper (Les Dernières Nouvelles d'Alsace): A great new adventure film; action, action, and once again action ... There is no need to think, one only needs to look at the screen. — One could not better point out the main danger of a film, namely thoughtlessly absorbing genuine and false things alike.
[Image: vignette "Calendar Corner"]
On the Origin of the Mission of the Moravian Brethren
Among the many German Protestant missions, the mission of the Moravian Brethren (Brüdergemeine) is the oldest. Have you ever heard anything about its origin? In any case, the name of its founder will not be unknown to you. Just open your hymnal, and you will find his name there. How often will you already have sung the hymn "Jesu, geh voran, auf der Lebensbahn" or "HErr, dein Wort die edle Gabe, diesen Schatz erhalte mir," or also "Herz und Herz vereint zusammen sucht in Gottes Herzen Ruh"? Do you know who wrote these hymns? Count Ludwig Nikolaus Zinzendorf. He lived from May 26, 1700 to May 9, 1760. The most significant thing about his life is his magnificent work in the field of Inner Mission and mission to the heathen. As early as 1722, when he acquired the estate of Berthelsdorf in Upper Lusatia, he used the opportunity to give the Moravian Brethren, who had been driven from their homeland for the sake of their faith, the possibility of settling there. With great love he created a new homeland for these people and laid the foundation stone for schools and a poorhouse. A few years later, the Moravian congregation of Herrnhut arose there under him.
But Zinzendorf did not see his task only within his newly founded congregation; he also thought of the poor heathen who did not even know that there was a Savior. But how did he get in touch with these heathen, and how did he come to know of their distress? When Zinzendorf made a journey to Copenhagen in 1731, he met a Moor there at the royal court. This Moor's homeland was somewhere in the West Indies, and he was now in the service of the king. The Moor told him much about his homeland and also about the hard lot of the Negro slaves. His moving accounts made a deep impression on the Count. Zinzendorf took him along to Herrnhut. There he laid upon his congregation's heart the tremendous distress of these people in distant India [sic]. — From this encounter of Zinzendorf with that Moor, a richly blessed mission to the heathen developed from then on. — Two men immediately declared themselves ready to proclaim the Gospel to the Negroes. These two first missionaries set out in the year 1732, equipped with only 18 marks, for the island of St. Thomas. They worked there under the most difficult conditions. Further missionaries followed them.
The mission of the Moravian Brethren has preferably been carried into such regions as were especially difficult because of an unhealthy climate or also because of the wildness of various heathen peoples. Once, in a single year, 10 missionaries died as a result of the unaccustomed and unfavorable climate.
The mission has continued to develop ever since. It has spread out, its fields of work are very extensive. A few of them may be named: 1734 Barbados; 1771 Labrador; 1792 South Africa; 1849 South Australia; 1853 Western Himalaya. Only the burning love for Jesus and the firmly grounded faith in Him could help Zinzendorf in his difficult work. All of this also speaks through his hymns. In them he confesses his love for the Savior and gives a living testimony. He drew from the source that offered him guidance and direction: from the Word of God. May the Lord grant us too, again and again, that firm trust in Holy Scripture of which one of his hymns in particular speaks. Let us therefore confess with Zinzendorf: "... If Thy Word shall no longer avail, on what shall faith rest? A thousand worlds mean nothing to me, but Thy Word alone matters."
Heinz Schätzel
Publisher: Lutheraner-Verlag G.m.b.H., Frankfurt/M., Taunusstr. 43. — Editor: Pastor Hans Kirsten, Oberursel (Taunus), Altkönigstr. 50.
Published under license no. US-W-2055 of the news control office of the Military Government, licensee: Christian Schmidt. — Printing: Maindruck, Frankfurt/M.-Fechenheim. 10,000 copies. — Published monthly. — Subscription price: single issue DM —.45, quarterly 1.35, plus postal delivery fee for postal subscription.