Collection › Der Lutheraner (Frankfurt am Main) › Jahrgang 3, Nummer 5 › Seite 53
Der Lutheraner Frankfurt am Main — Mai 1949, Seite 53
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
Nummer 5 Mai 1949 Seite 53
dem Lautenspiel. Und ein heller Lichtstrahl fällt
auf die Schriftstelle Römer 1, 17. — Und
hier wieder schauen und verstehen wir, wie der
Maler mit Luther den Vers betet: „Er sprach
zu mir: Halt dich an mich / es soll dir jetzt
gelingen. / Ich geb' mich selber ganz für
dich . . .“ Denn dem am Schandholz hangenden
Schächer neigt sich der gekreuzigte Heiland
erbarmend und tröstend zu: „Und wo ich bleib,
da sollst du sein, / uns soll der Feind nicht
scheiden.“ —
Christus allein — Christus unsere Gerechtigkeit
und unser Friede! Dieses Herzstück lutherischen
Glaubens malt uns der Künstler in
immer neuen Bildern vor die Augen. Ganz
eigenartig ist dort bei Luthers Lied „Mitten
wir im Leben . . .“ das Bild des Heilandes,
unter dessen weitem Mantel diese armen Menschen
mit den angstverzerrten Gesichtern sich
bergen, an den Retter sich förmlich anklammernd:
„Wo soll'n wir denn fliehen hin / da
wir mögen bleiben? / Zu dir, HErr Christ,
alleine!“ Hier sind sie geborgen in sicherer
Hut.
Welche lebendige Kinderpredigt sind Schäfers
feine Bilder zu dem „Güldnen Kleinod“ des
Kleinen Katechismus, den der Ev.⸗luth.
Schulverein herausgab! Und dieser anschaulichen
Christenlehre lauschen auch die Alten
gern.
Doch die Summa aller Evangeliumspredigt
bietet der Künstler uns in seiner Bilderbibel.
Sieben Jahre hat er im Auftrage der Stuttgarter
Bibelanstalt an diesem großen Werk
gearbeitet. Ihm voran ging sein schönes
„Dresdener Schmucktestament“. Dessen kleinere
Bilder und besonders auch die kleinsten
um die Initialen, die so viel zu sagen wissen,
bringt die Vollbibel vergrößert zu tieferer
Wirkung. Wie kraftvoll und zart zugleich
steht hier des Künstlers Handschrift in den fast
farbig wirkenden Holzschnitten! 350 Bilder
sind es im ganzen mit dem Alten Testament.
— In diesem großen Volksbuch ist Luthers
deutsche Bibel für das Auge noch einmal
„verdeutscht“ worden. Deutsches Land, deutsches
Haus, deutsche Tracht und deutsche Gesichter,
unter ihnen wohlbekannte wie Luthers
und J. S. Bachs grüßen uns so vertraut.
Fast jedes Buch leitet ein vollseitiges Bild
ein. Hier wird der Maler zum gedankentiefsten
Prediger. Diese einführenden Bilder kann
man getrost den berühmten „Vorreden“
Luthers zu den biblischen Schriften an die
Seite stellen. Auch im Alten Testament schon
leuchtet aus Schäfers Zeichnungen Strahl
um Strahl der frohen Botschaft von dem
Heil in Jesus Christus. Auf dem Titelbild
des Jesaia legt die Jungfrau an der Krippe
die Windeln zurecht. Und dort sitzt einsam,
das dornenumkränzte Haupt in die Hand gestützt,
der geschändete Gottesknecht. Von der
kriegzerwühlten Erde drunten aber strecken
sich Menschenhände zu dem Verheißenen
sehnsüchtig empor. — Welche Fülle von
Glaubenskraft und Herzenstrost in dieser
Bilderbibel ruht, läßt sich nicht beschreiben.
Aber wir dürfen über den Meister des Zeichenstifts
nicht den Maler vergessen. Rudolf
Schäfer ist der größte Kirchenmaler unserer
Tage. Er lebt innerlich gerade auch im dritten
Glaubensartikel von der Kirche. Häufig finden
wir unter seinen Holzschnitten die offene
Kirchentür, durch die Vater und Mutter mit
den Kindern schreiten, und drinnen im Gotteshause
die andächtig singende Gemeinde, für
die er auch eine Reihe von Gesangbüchern
sinnig geschmückt hat. Aber es trieb ihn, den
„Ort, da Gottes Ehre wohnt“, selbst zur
Stätte seines Schaffens zu machen. Was
sein Kunstgenosse Wilhelm Steinhausen einmal,
von ihm schreibt: „. . . hab mich auch
[Bild: Ein Bischof segnet ein kniendes Kind mit einer Krone]
darüber gefreut, wie dieses Malers Art sich
so ehrfürchtig den Geheimnissen des Glaubens
und des Evangeliums naht —“, das gilt besonders
von Schäfers Kirchenmalerei. Wer
den Künstler bei dieser Arbeit einmal beobachten
durfte, der weiß, daß er sie immer
in tiefer Demut als Gottesdienst angreift.
Und was er so in großzügigen Entwürfen
und stillen oder glutvoll leuchtenden Farben
an Kirchenwänden und Altären geschaffen hat,
sind Predigten, denen man nur in frommer
Andacht lauscht.
Die Zahl der Kirchen hin und her in deutschen
Landen, die der Künstler ausgemalt hat, ist
groß. Es seien nur Soltau, Witten, Ravensburg,
Unna und Wangen genannt. Mehrere
dieser Bildwerke dienen dem Gedächtnis der
im Kriege Gefallenen. Da ist der Opfergedanke
besonders betont, etwa in jenem Bild
von erschütternder Weihe, wie Jesus am
Gründonnerstag im Heiligen Mahl sich hingibt.
Auf anderen ist es die zweite und dritte
Bitte des Vaterunsers mit dem lichtvollen
Bethlehemstall in der dunklen Weihnacht
und dem erkalteten Jesus auf der Totenbahre
vor den Toren Jerusalems. Wie gern möchte
man ausführlicher zeigen, welcher Reichtum
von Gedanken und Bildern, von Formen und
Farben aus diesen Kirchengemälden spricht.
Immer wieder auch klingt der Adventston
darin auf, das hoffende, sehnende Warten
auf Luthers „lieben jüngsten Tag“: die
Wächterposaunen auf der Zinne, die fünf
Jungfrauen mit ihren brennenden Lampen,
die nach dem Morgenstern betend schauende
Braut der Offenbarung und vor allem und
über allem das himmlische Jerusalem. Unvergeßlich
bleibt einem doch das Allgäuer
Bergstädtchen mit seiner Kirche, die wohl das
Größte von Schäfers Kunst birgt. Unten am
Fuß des gewaltigen Bildes, das den ganzen
Chorbogen vor dem Altarraum umzieht, liegt
die Stadt Wangen selbst vor uns mit ihren
Giebeln und Mauern und den fernen Alpenhöhen.
Auf dem hohen Stadtturm steht der
Wächter und starrt hinauf in die dunkelblauende
Nacht. — Welch ein Blick! Da
ragt die ewige Gottesstadt mit ihren Mauern
und Zinnen und den golden leuchtenden
Fenstern. Das Tor der Ewigkeit ist aufgesprungen.
Dort thront das Lamm, umringt
von allen den Ältesten und dem ganzen Heer
der Heiligen und Seligen mit ihren Harfen.
Zur Seite aber steigen von unten die Engel
des Dankes, der Bitte und der Anbetung
hinauf, und drüben kommen die Gottesboten
mit den heiligen Gnadenmitteln und bringen
Nachtmahl, Tauf und Wort zu der Gemeinde
hernieder. —
Wieviel Dank gebührt dem Manne, dessen
umfassendes Schaffen für das evangelische
Christenvolk hier nur mit wenigen Sätzen angedeutet
werden konnte! Rudolf Schäfer
sucht nichts für sich. Er will nur Gottes Ehre.
Seine Losung ist:
„Ich sei dein Sternlein, hier und dort zu
funkeln!“
Gott hat ihn zum brennenden Licht gemacht.
Möchte sein gesegneter Schein noch vielen
Christen Aug und Herz hell machen — auch
den freundlichen Lesern!
Grube
Soeben erschien:
JESU TISCHGAST
Ein Abendmahlsbüchlein für die Jugend von Pastor
L. Greve. 84 Seiten, kart. DM 1.50
Schlichte, edle Sprache verbindet sich hier mit herzandringender
Anschaulichkeit. Viele, die das Büchlein
bei seinem ersten Erscheinen mit Gewinn gebraucht
haben, begehrten es in den letzten Jahren, um es
selbst wieder zu besitzen oder es jungen Menschen
zu schenken. Aber es war lange vergriffen. Jetzt
ist es wieder da! Nun greift zu und nehmt diese
Gabe einer Kirche, die da Ernst macht mit dem
„Das ist mein Leib! das ist mein Blut!“ Das Büchlein
ist auch ein gutes Geschenk zur Konfirmation. Es
lenkt den Blick nicht ab, sondern wendet ihn hin
auf das Innerste im Leben der jungen Christenmenschen
und kann ihnen ein Begleiter fürs ganze
Dasein werden. K.-e
CHRISTUS
UND DIE NOT UNSERER ZEIT
von Dr. theol. Ernst Lerle, 64 S., 8°, kart. DM 2.—
Ausgangspunkt der Schrift sind Vorurteile, welche
die Gebildeten häufig der Kirche entgegenbringen.
Die Ausführungen zeigen den Zusammenhang zwischen
Überzeugung, Glauben, Kirche und Bekenntnis.
Dadurch werden viele Vorurteile entkräftet. Auf die
Erörterungen über den verschieden gearteten Glauben
folgt eine hoffnungsvoll ausklingende Stellungnahme
zu den Hauptfragen des Christentums von gestern.
Das wichtigste Anliegen des Christentums von heute
ist die Nächstenliebe. In Mangel an Glauben, Hoffnung
und Liebe liegt die eigentliche Not unserer Zeit.
Demnächst erscheint:
Warum heute Lutherische Freikirche?
von Pastor Hans Kirsten.
16 Seiten 8° DM —.50
Günstige Mengenpreise
Wir empfehlen für Pfingsten:
Postkarten mit Blumen und Bibelsprüchen
Jede Serie DM 1.20
Lutheraner-Verlag G. m. b. H.
Frankfurt am Main Taunasstraße 43
English translation AI translation
Number 5 May 1949 Page 53
the lute-playing. And a bright ray of light falls
on the scripture passage Romans 1:17. — And
here again we see and understand how the
painter prays the verse together with Luther: "He said
to me: Hold fast to me / it shall now
succeed for you. / I give myself wholly for
you . . ." For to the thief hanging on the shameful wood
the crucified Savior turns with
mercy and comfort: "And where I remain,
there shall you be, / the enemy shall not
part us." —
Christ alone — Christ our righteousness
and our peace! This heart of the Lutheran
faith the artist paints before our eyes
in ever new pictures. Quite
distinctive is, in connection with Luther's hymn "In the midst
of life we are . . .", the image of the Savior,
beneath whose wide cloak these poor people
with faces distorted by fear take
shelter, clinging to the Savior as if for dear life:
"Where then shall we flee / where
may we remain? / To you, Lord Christ,
alone!" Here they are sheltered in safe
keeping.
What a living children's sermon are Schäfer's
fine pictures for the "Golden Jewel" of the
Small Catechism, published by the Ev.-Luth.
School Association! And the elderly, too, gladly
listen to this vivid instruction in Christian doctrine.
Yet the sum of all gospel preaching
the artist offers us in his picture Bible.
For seven years he worked on this great
work, commissioned by the Stuttgart
Bible Institute. Preceding it was his beautiful
"Dresden Ornamented Testament." Its smaller
pictures, and especially the smallest
ones surrounding the initials, which convey so much,
the full Bible presents enlarged for deeper
effect. How powerful and delicate at once
the artist's hand appears here in the almost
colorful-seeming woodcuts! 350 pictures
there are in all, including the Old Testament.
— In this great people's book Luther's
German Bible has once more been "rendered German"
for the eye. German land, German
house, German dress and German faces,
among them well-known ones such as Luther's
and J. S. Bach's, greet us so familiarly.
Almost every book is introduced by a full-page picture.
Here the painter becomes the most profound
preacher. These introductory pictures may
confidently be set alongside Luther's famous
"prefaces" to the biblical writings.
Even in the Old Testament already
ray upon ray of the joyful message of
salvation in Jesus Christ shines forth from Schäfer's
drawings. On the title picture
of Isaiah the Virgin arranges the swaddling clothes
at the manger. And there sits alone,
his thorn-wreathed head resting in his hand,
the disgraced Servant of God. But from the
war-ravaged earth below, human hands
stretch upward longingly toward the Promised One.
— What a fullness of
faith's strength and comfort of heart rests
in this picture Bible cannot be described.
But over the master of the drawing pen we must
not forget the painter. Rudolf
Schäfer is the greatest church painter of our
day. He lives inwardly, precisely also in the third
article of faith, concerning the Church. Frequently we
find among his woodcuts the open
church door, through which father and mother with
their children stride, and inside the house of God
the devoutly singing congregation, for
whom he has also tastefully decorated a number of
hymnbooks. But he was driven to make the
"place where God's glory dwells" itself
the site of his work. What
his fellow artist Wilhelm Steinhausen once
wrote of him: ". . . I too have rejoiced
over how this painter's manner approaches
the mysteries of faith and
the gospel so reverently —", this holds especially
true of Schäfer's church painting. Whoever
was privileged to observe the artist at this work
once, knows that he always
undertakes it in deep humility as divine service.
And what he has thus created in
grand designs
and quiet or glowingly luminous colors
on church walls and altars are
sermons to which one listens only in devout
reverence.
[Image: A bishop blesses a kneeling child with a crown]
The number of churches here and there in German
lands that the artist has painted is
great. Let only Soltau, Witten, Ravensburg,
Unna and Wangen be named. Several
of these pictorial works serve the memory of
those who fell in the war. There the thought of sacrifice
is especially emphasized, as for example in that
picture of stirring solemnity, showing how Jesus on
Maundy Thursday gives himself in the Holy Supper.
On others it is the second and third
petition of the Lord's Prayer, with the luminous
Bethlehem stable in the dark
Christmas night
and the cold Jesus on the bier
before the gates of Jerusalem. How gladly
one would like to show more fully what
richness of thought and imagery, of forms and
colors speaks from these church paintings.
Again and again the tone of Advent
resounds in them too, the hoping, yearning waiting
for Luther's "beloved Last Day": the
watchmen's trumpets on the battlements, the five
virgins with their burning lamps,
the bride of Revelation gazing in prayer
toward the morning star, and above all and
over all the heavenly Jerusalem. Unforgettable
remains for one the little Allgäu
mountain town with its church, which perhaps holds the
greatest of Schäfer's art. Below at
the foot of the mighty picture that surrounds
the entire chancel arch before the altar space, lies
the town of Wangen itself before us with its
gables and walls and the distant Alpine heights.
On the high town tower stands the
watchman and stares up into the darkening blue
night. — What a view! There
rises the eternal City of God with its walls
and battlements and the gold-shining
windows. The gate of eternity has sprung open.
There the Lamb is enthroned, surrounded
by all the elders and the whole host
of the saints and blessed with their harps.
To the side, however, rise from below the angels
of thanksgiving, petition, and adoration,
and over yonder come the messengers of God
with the holy means of grace, bringing
Communion, baptism and the Word down
to the congregation. —
How much thanks is due to the man whose
extensive work for the Protestant Christian
people could here be indicated only with a few
sentences! Rudolf Schäfer
seeks nothing for himself. He wants only God's honor.
His motto is:
"May I be your little star, to sparkle
here and there!"
God has made him into a burning light.
May his blessed radiance make yet many
Christians' eyes and hearts bright — also
our friendly readers!
Grube
Just published:
JESUS' TABLE GUEST
A booklet on Holy Communion for young people, by Pastor
L. Greve. 84 pages, paperbound DM 1.50
Plain, noble language combines here with heartfelt
vividness. Many who used this booklet with profit
when it first appeared have in recent years desired
to possess it again themselves or to give it as a gift
to young people. But it had long been out of print. Now
it is available again! Take hold of it now and receive this
gift of a church that is serious about the words
"This is my body! This is my blood!" The booklet
is also a good gift for confirmation. It
does not divert the gaze but turns it
to what is innermost in the life of young Christian
people, and can become a companion for their entire
existence. K.-e
CHRIST
AND THE DISTRESS OF OUR TIME
by Dr. theol. Ernst Lerle, 64 pp., 8°, paperbound DM 2.—
The starting point of the work is the prejudices which
educated people often bring against the Church.
The presentation shows the connection between
conviction, faith, church and confession.
Through this many prejudices are refuted. Following
the discussions on the differently constituted faith
comes a hopefully concluding position
on the main questions of the Christianity of yesterday.
The most important concern of Christianity today
is love of neighbor. In the lack of faith, hope,
and love lies the real distress of our time.
Coming soon:
Why a Lutheran Free Church Today?
by Pastor Hans Kirsten.
16 pages, 8°, DM —.50
Favorable bulk prices
We recommend for Pentecost:
Postcards with flowers and Bible verses
Each set DM 1.20
Lutheraner-Verlag G.m.b.H.
Frankfurt am Main Taunusstrasse 43