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Der Lutheraner Frankfurt am Main — Mai 1949, Seite 56
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Seite 56 Mai 1949 Nummer 5
Mangel an Instrumenten leidet (wer stiftet welche?). Fleißig wurde geübt, so daß schon mehr Bläser als Hörner vorhanden sind. Noch vor Schluß des Semesters tat sich — angeregt durch eine kirchenmusikalische Tagung — ein Kirchenchor der Hochschule zusammen, der auch Personen außerhalb der Studentenschaft umfaßt. Er hat bereits bei einigen Gottesdiensten uns gedient und bei einem reich ausgestalteten kirchenmusikalischen Abend am Schlusse des Semesters mitgewirkt.
Am 4. März schlossen wir das arbeitsreiche Wintersemester mit einer vom Rektor gehaltenen Andacht. Welches sein Ertrag ist, liegt nur zum Teil vor unsern Augen. Das Beste wächst bei der Arbeit einer theologischen Ausbildungsstätte unsichtbar wie die Saat, wenn sie der mütterlichen Erde anvertraut wird. Vielleicht erst im Amtsleben der künftigen Pastoren wird es wirksam. Daß solches Wachstum da ist, dessen sind wir gewiß. Denn das Evangelium — auch in der strengen Form theologischer Wissenschaft dargeboten — bleibt nicht ohne Frucht. Wie viele Frucht es ist, das wissen wir nicht, und das ist wohl gut so. Für das aber, was uns Gott der HErr an Ertrag sehen ließ, sind wir von Herzen dankbar. Seine Gnade hat es uns geschenkt, daß wir das aufgetragene Werk nicht vergeblich getrieben haben. Es war nicht umsonst, daß wir zu Ihm riefen, und auch das Gebet derer, die mit gefalteten Händen hinter unserer Hochschule stehen, ist nicht vergeblich gewesen.
Auf Ihn, den HErrn der Kirche, werden wir im kommenden Semester noch mehr als bisher unsere Hoffnung setzen müssen. Es wächst die Zahl der Studenten. Es wachsen noch schneller unsere Sorgen. Dieser Bericht darf es nicht verschweigen: die Fortführung unserer gemeinsamen Hochschule ist aus äußeren, wirtschaftlichen Gründen so schwer geworden, daß unsere Gemeinden alle ihre Kräfte werden anspannen müssen, um das Werk durch die nächste Zeit hindurchzubringen. Wie soll auch eine noch so junge Anstalt sich bereits vorwiegend selbst zu erhalten imstande sein! Darum darf der Bericht wohl mit der Bitte schließen: Vergeßt uns nicht in unseren schon die Gefahrenzone berührenden Nöten. Gedenkt daran, daß es zu den vornehmsten Aufgaben der Kirche gehört, Hirten heranzubilden, die da tüchtig sind, zu führen das Amt des Neuen Testamentes und zu weiden die Gemeinde Gottes, welche er durch sein eigen Blut erworben hat.
Oberursel, April 1949
Kirchenrat Lic. Kiunke, derzeitiger Rektor
Für die Gemeinden der Ev.⸗Luth. Kirche Altpreußens
Das Werden einer Gemeinde
Gemeint ist die Parochie Alfeld/Elze, die jüngste Gemeinde der Ev.⸗Luth. Kirche Altpreußens. Vor einem Jahr war alles noch völlig ungewiß. Bekannt war nur soviel, daß durch den Krieg und seine Auswirkungen viele Lodzer und einige Breslauer Flüchtlinge in den erwähnten Raum verschlagen worden sind. Sie wohnten in den zerstreuten Städten und Dörfern, einsam und tief verlassen. Von Angehörigen getrennt, von Kummer, Not und Herzeleid geplagt, führten sie ein unwirkliches Schattendasein. Ebenso fühlten sie sich seelisch einsam und unglücklich, wie Schafe ohne Hirten. Sie suchten zwar Anschluß an die Ortsgemeinden, besuchten fleißig die Gottesdienste, füllten die weiten und leeren Kirchräume; aber sie konnten nicht warm werden. Alles mutete sie fremd, gleichgültig, kalt an. Eine Heimat, die kirchliche Heimat, fehlte. Die Herzen blieben verschlossen, weil keiner da war, der sie anzusprechen vermochte. Aber es sollte anders werden.
P. Bittner machte in Alfeld einen Besuch. Diakon Dams streifte die Dörfer und Orte ab, suchte und sammelte, Unterzeichneter wandte sich mit einem Aufruf an die Landsleute. Die ersten Gottesdienste konnten gehalten werden. Der Anfang war gemacht. Doch der Weg zur Grundsteinlegung und Bildung einer neuen Gemeinde war noch weit. Gottesdienstliche Räume zur Sicherstellung der Gottesdienste mußten gesucht und gefunden werden. Die Einstellung der landeskirchlichen Stellen mußte festgestellt werden. Mißverständnisse mußten aus dem Wege geräumt werden, ein Wohnsitz mußte für den Pastor ausfindig gemacht werden. Das religiöse und bekenntnismäßige Bewußtsein der zukünftigen Gemeindeglieder mußte vertieft, falsche Vorstellungen korrigiert, überspannte Hoffnungen beseitigt werden. Die Vielheit und Verschiedenheit der Menschen mußte geordnet und einander zugeordnet werden, damit eine Gemeinde sich formen konnte. Es kostete viel große und kleine Arbeit, viel Einsicht und Geduld, Langmut und Liebe. Aber es ist geworden. Der HErr der Kirche hat seinen Segen nicht vorenthalten. Die Gemeinde Alfeld Elze ist Gestalt und Wirklichkeit geworden. Und am 6. März d. J., am Sonntag Invocavit, konnte die Einführung der Kirchenvorsteher ins Amt vorgenommen werden.
Der feierliche Akt, der der Gründung und dem Mündigwerden der Gemeinde gleichkommt, wurde von dem Superintendenten der Diözese, Pastor Heinzelmann⸗Essen vollzogen. Es war dies gleichzeitig der erste offizielle Besuch der Vertretung unserer Kirche, und damit traten Gemeinde und Kirche unmittelbar in persönliche Gemeinschaft, offenbar für beide ein Erlebnis tiefer Freude.
Wohl fehlt es der jungen Gemeinde nicht an Sorgen. Sie ist ein Kind unserer Zeit und muß die ganze Not unserer Zeit tragen. Sie besitzt keine eigene Kirche, keinen eigenen Raum: sie besitzt außer einem kleinen Kruzifix und einer Altarbibel nichts, das sie ihr eigen nennen könnte. Sie besteht aber aus Gliedern, die ein warmes Herz haben und fest entschlossen sind, dem ungeschmälerten Erbe Martin Luthers und der Lutherischen Kirche die Treue zu halten. Sie weiß sich als jüngstes Glied der großen Familie unserer Ev.⸗Luth. Kirche mit allen ihren älteren Geschwistern innig verbunden und von ihrer besonderen fürsorglichen Liebe getragen. Im übrigen befiehlt sie sich und ihre Zukunft der Gnade und Barmherzigkeit Gottes. Bis hierher hat uns Gott geholfen; Gott hilft; Gott wird weiter helfen.
Badke
Pastorenfreizeit in Guben
vom 22. bis 25. Februar 1949
Das Oberkirchenkollegium hatte neun Pastoren der Ostzone zu einer Freizeit in das gastfreundliche Diakonissenhaus in Guben zusammengerufen. Das Thema lautete: Unsere Stellung zur Hl. Schrift. Kirchenrat Lic. Schulz referierte über „Die Lehre von der Schrift in der neueren deutschen Dogmatik“. Es finden sich nur wenige, die heute der Bibel in vollem Umfang göttliche Autorität zubilligen. Demgegenüber gilt es, festzuhalten, daß die Bibel, wenn auch von Menschen geschrieben, doch Gottes Wort für uns ist, und zwar als Ganzes und in ihren einzelnen Aussprüchen. Das Vertrauen, das der Christ seinem HErrn entgegenbringt, gilt auch dem Wort, das ihn uns darreicht. (Der Vortrag vermittelte vor allem die Darstellung der Bibelfrage bei Althaus, Elert und Barth.)
Von der „Stellung Jesu zum Alten
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Page 56 May 1949 Number 5
suffers from a lack of instruments (who will donate some?). Practice was diligent, so that there are already more brass players than horns available. Even before the end of the semester — prompted by a church-music conference — a choir of the college was formed, which also includes persons from outside the student body. It has already served us at several worship services and took part in a richly arranged church-music evening at the close of the semester.
On March 4th we concluded the busy winter semester with a devotional service held by the Rector. What its yield is lies only partly before our eyes. The best that grows out of the work of a theological training institution grows invisibly, like seed entrusted to the maternal earth. Perhaps it will only become effective in the future pastors' ministry. That such growth is present, of that we are certain. For the Gospel — even when presented in the strict form of theological scholarship — does not remain without fruit. How much fruit it is, we do not know, and that is probably good. But for what the LORD our God has let us see as yield, we are heartily thankful. His grace has granted us that we have not pursued the entrusted work in vain. It was not for nothing that we called to Him, and the prayer of those who stand behind our college with folded hands has also not been in vain.
On Him, the LORD of the Church, we shall have to place our hope even more than before in the coming semester. The number of students is growing. Our worries are growing even faster. This report must not conceal it: the continuation of our joint college has, for external, economic reasons, become so difficult that our congregations will have to exert all their strength in order to carry the work through the coming period. How, indeed, should so young an institution already be able to sustain itself predominantly on its own! Therefore the report may well close with this request: Do not forget us in our distress, which is already touching the danger zone. Remember that it belongs to the most noble tasks of the Church to train up shepherds who are capable of leading the office of the New Testament and of shepherding the congregation of God, which He has acquired through His own blood.
Oberursel, April 1949
Church Councillor Lic. Kiunke, current Rector
For the congregations of the Ev.-Luth. Church of Old Prussia
The Becoming of a Congregation
What is meant is the parish of Alfeld/Elze, the youngest congregation of the Ev.-Luth. Church of Old Prussia. A year ago everything was still completely uncertain. All that was known was that, through the war and its effects, many refugees from Łódź and some from Breslau had been scattered into the area mentioned. They lived in the scattered towns and villages, lonely and deeply forsaken. Separated from relatives, plagued by sorrow, need, and heartache, they led an unreal, shadowy existence. They likewise felt spiritually lonely and unhappy, like sheep without a shepherd. They did seek to attach themselves to the local congregations, diligently attended the worship services, filled the wide and empty church rooms; but they could not grow warm. Everything felt strange, indifferent, cold to them. A homeland — a church homeland — was lacking. Their hearts remained closed, because there was no one there able to address them. But this was to change.
Pastor Bittner made a visit to Alfeld. Deacon Dams went through the villages and places, sought and gathered; the undersigned addressed an appeal to the fellow countrymen. The first worship services could be held. The beginning had been made. But the way to the founding and formation of a new congregation was still long. Rooms for worship services, to secure the services, had to be sought and found. The disposition of the territorial-church offices had to be ascertained. Misunderstandings had to be cleared out of the way, a residence had to be found for the pastor. The religious and confessional awareness of the future congregation members had to be deepened, false conceptions corrected, exaggerated hopes removed. The multiplicity and diversity of the people had to be ordered and related to one another, so that a congregation could take shape. It cost much labor, great and small, much insight and patience, forbearance and love. But it came to be. The LORD of the Church did not withhold His blessing. The congregation of Alfeld-Elze has become form and reality. And on March 6th of this year, on Sunday Invocavit, the installation of the church elders into office could be carried out.
The solemn act, which is equivalent to the founding and coming-of-age of the congregation, was performed by the superintendent of the diocese, Pastor Heinzelmann-Essen. This was at the same time the first official visit of the representation of our Church, and thereby congregation and Church entered directly into personal fellowship — evidently, for both, an experience of deep joy.
Indeed, the young congregation is not lacking in cares. It is a child of our time and must bear the whole distress of our time. It possesses no church of its own, no room of its own: apart from a small crucifix and an altar Bible it possesses nothing that it could call its own. But it consists of members who have a warm heart and are firmly resolved to remain faithful to the undiminished heritage of Martin Luther and the Lutheran Church. It knows itself as the youngest member of the great family of our Ev.-Luth. Church, intimately connected with all its older siblings and borne up by their especial, caring love. For the rest, it commends itself and its future to the grace and mercy of God. Hitherto God has helped us; God helps; God will continue to help.
Badke
Pastors' Retreat in Guben
from February 22 to 25, 1949
The Upper Church Council had called together nine pastors of the Eastern Zone for a retreat at the hospitable Deaconess House in Guben. The theme was: Our Stance toward Holy Scripture. Church Councillor Lic. Schulz gave a paper on "The Doctrine of Scripture in Recent German Dogmatics." Only few are to be found today who grant the Bible divine authority in its full extent. Against this it is necessary to hold fast that the Bible, even though written by human beings, is nevertheless God's Word for us — both as a whole and in its individual utterances. The trust that the Christian brings to his LORD applies also to the Word that presents Him to us. (The lecture conveyed above all the presentation of the Bible question in Althaus, Elert, and Barth.)
On the "Position of Jesus toward the Old