Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 12 › Seite 95
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-02-08, Seite 95
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Miſſion 26 · Predigt 17
bereits bedeutenden Einfluß gewonnen. 6000
Indianer ſollen von den Jeſuiten bereits getauft
worden ſein.“)
Soll dieſe Thatſache uns abſchrecken, nach
Oregon zu miſſioniren? Nimmermehr. Nicht
nur ſehen wir daraus, daß die Römiſche Kirche
die Bedeutung Oregons für die Zukunft erkannt
hat; wir finden auch hierin eine beſchämende
Erinnerung an die Schuld, welche die armen
Indianer auch von uns Lutheranern zu fordern
haben; und außerdem nöthigt uns die berechtigte
Ausſicht auf die zu erwartende Auswanderung
der Deutſchen nach Oregon zu einer Miſſion da⸗
hin. Wer hätte gedacht, daß hier im fernen We⸗
ſten in ſo kurzer Zeit ſich eine ſo bedeutende Zahl
von deutſchen ev.⸗lutheriſchen Gemeinden bilden
würde? Dürfen wir demnach nicht erwarten,
daß der Strom der deutſchen Auswanderung ſich
noch weiter weſtwärts ergießen wird? Wie viele
Deutſche ſind vielleicht ſchon in Oregon? Ihnen
ſowohl, unſern Glaubensgenoſſen, als den In⸗
dianern das Wort des Lebens zu brin gen, iſt un⸗
ſere heiligſte Pflicht.
Mögen ſich daher Männer und Jünglinge um
unſer reines Bekenntniß ſchaaren, und unter Lei⸗
tung eines beglaubigten Miſſionärs nach Oregon
gehen, um dort das Reich Gottes auszubreiten.
Allen Lutheranern ſei die Sache unſerer Miſ⸗
ſion zum Gebet, zur Berathung und Ausführung
herzlich empfohlen.
Wer genauere Nachrichten über den Zuſtand
der Indianer in Oregon beſitzt, wird gebeten,
dieſelben im Lutheraner mitzutheilen.
Hermann Fick.
4*
Nach Oregon!
Ziehet hin, ihr ſchnellen Boten,
Ziehet hin nach Oregon,
Und erweckt die geiſtlich Todten
Mit des Wortes mächt'gem Ton.
Ziehet hin, ihr theuren Brüder,
Ferne bis ans ſtille Meer;
Stürzt die ſtummen Götzen nieder
Und verkündigt Chriſti Ehr'.
Ach! erbarmet euch der Heiden,
Lindert ihre bittre Qual;
Denn der Jammer, den ſie leiden,
Er iſt ohne Maaß und Zahl.
Ohne Troſt dahin gegeben,
Ohne Hoffnung, ohne Licht,
Ohne Gott und ohne Leben
Kennen ſie den Frieden nicht.
IEſu, der du aufgegangen,
Aller Heiden Troſt und Stern,
Laß zu deinem Licht gelangen
Alle Heiden nah und fern.
Gnadenſonne, leuchte, glänze!
Strecke aus dein Strahlenſchwert,
Daß bis an die fernſte Grenze
Alles ſich zu dir bekehrt.
*) Der „Herald of Religious Liberty“ ſchreibt in der
Nummer vom 25. November vorigen Jahres: „Sie (die
Jeſuiten) ſind über die Felſengebirge gegangen und haben
ihre Kirchen und Inſtitute in Oregon gepflanzt. In Ore-
gon haben ſie gegen 30 Miſſionäre; 1500 Römiſch⸗Katho-
liſche ſind von Canada abgegangen, um mit ihnen zu wir⸗
ken. Sie haben da ein College und zwei Academien. Sie
haben 14 Kirchen; 6000 Indianer haben bereits dem Pabſt
Treue geſchworen. Die Geſellſchaft zur Fortpflanzung des
(römiſchen) Glaubens hat während des letzten Jahres gegen $20,000 zur Unterſtützung der Jeſuiten in Oregon ver⸗
wendet.“ — Dieſes höret, Lutheraner! — und wie? — Ihr
wollet die Hände in den Schooß legen? — A. d. R.
Rüſtet euch, ihr heilgen Schaaren,
Freudig zu des HErren Krieg;
Trotzet fröhlich den Gefahren,
Denn des HErren iſt der Sieg.
Der durch Meere Bahn gebrochen,
Der der Stürme Toben ſtillt,
Hat euch ſeinen Schutz verſprochen,
Iſt der Seinen Schirm und Schild.
Freuet euch, ihr fernen Lande,
Und ihr Meere, jauchzt, lobſingt!
Da zu eurem fernen Strande
Gottes Reich voll Gnade dringt.
Ja! Gott wird es bald vollenden,
Was er heilig zugeſagt;
Seine Boten wird er ſenden,
Daß euch bald der Morgen tagt.
So zieht hin, ihr theuren Brüder,
Ferne bis ans ſtille Meer;
Stürzt die ſtummen Götzen nieder
Und verkündigt Chriſti Ehr'.
Wecket auf die geiſtlich Todten
Mit des Wortes mächt'gem Ton;
Ziehet hin, ihr ſchnellen Boten,
Ziehet hin nach Oregon.
*
THE MISSIONARY.“
Dies iſt der Titel eines neuen lutheriſchen
Miſſionsblattes in engliſcher Sprache, wovon
die erſte als Probenummer uns vorliegt. Das⸗
ſelbe, in einer nur um Weniges kleinern Form als
der „Lutheraner“, ſoll von nun an allmonatlich
herauskommen; die nächſte Nummer zu Ende
Februar, vorausgeſetzt, daß ſich bis dahin ſo viele
baarzahlende Subſcribenten finden, als zur Be⸗
ſtreitung der nöthigen Koſten erforderlich ſind.
Der Preis iſt 50 Cents für den Jahrgang in
Vorausbezahlung; Herausgeber iſt Herr Paſtor
W. A. Paſſavant in Pittsburg, Pa., an wel⸗
chen alle den „Missionary“ betreffende Briefe
zu adreſſiren ſind. Was den Charakter des
Blattes betrifft, ſo ſchreibt Herr Paſſavant ſelbſt
unter anderen: „Dies Blatt, wie ſein Name an⸗
zeigt, wird ſich nach ſeinem Charakter mit Ange⸗
legenheiten der Miſſion beſchäftigen. Es wird
daher den beſtehenden, allgemeinen Intereſſen
gewidmeten, Zeitſchriften nicht in den Weg treten.
Der Plan iſt kürzlich dieſer: Das Feld iſt die
Welt. Derjenige Theil derſelben, welcher von
der lutheriſchen Kirche eingenommen worden iſt,
und diejenigen Theile, welche noch nicht von an⸗
dern chriſtlichen Kirchen beſetzt worden ſind, wer⸗
den das Feld unſerer beſondern Beobachtungen
bilden.“ Der Inhalt des Blattes wird drei Ge⸗
biete umfaſſen, 1. die „innere Miſſion“, das
heißt, was in der Kirche ſelbſt geſchieht und ge—
ſchehen ſollte zu ihrer Erbauung in jeder Bezie—
hung; 2. die „einheimiſche Miſſion“ (Home
Mission), das heißt, was zur Verſorgung Der—
jenigen mit dem Evangelio geſchieht, welche hier
in Amerika der geiſtlichen Pflege entbehren; und
3. die „ausländiſche Miſſion“; in dieſem Capitel
werden zuerſt die officiellen Berichte der ameri⸗
kaniſch⸗lutheriſchen Miſſionare in Indien vor⸗
kommen. Herr P. erklärt, der Missionary“ ſei
Organ „weder einer Synode, noch einer Parthei,
noch einer Geſellſchaft“; möge er der Kirche red⸗
lich dienen, zu welcher er ſich bekennt, nemlich der
lutheriſchen, ſo wird er keiner menſchlichen Parthei,
ſondern der Gemeinde dienen, die Chriſtus ſelbſt
geſtiftet hat, die über den ganzen Erdboden ver⸗
breitet iſt und unter allen Namen verborgen liegt
H. Fick.
und ſich durch alle Jahrhunderte hindurch zu
nichts bekannt hat, als zu dem reinen und lau⸗
teren Worte ihres HErrn; welchem ſei Ehre in
Ewigkeit. Amen.
„Wahrlich, ich ſage euch: Was ihr gethan habt
Einem unter dieſen meinen geringſten Brüdern,
das habt ihr mir gethan. Und was ihr nicht
gethan habt Einem unter dieſen Geringſten,
das habt ihr mir auch nicht gethan.“
Matth. 25, 40. 45.
Johannes Heß (geſtorben 1547), der erſte
lutheriſche Prediger in Schleſien, konnte es nicht
mehr anſehen, wie Bettler, Krüppel und Gebrech⸗
liche auf allen Gaſſen und vor allen Kirchen in
Breslau lagen. Er that deßhalb verſchiedene
Male öffentliche Ermahnungen von der Kanzel
an die Obrigkeit, allein man richtete keine Ver⸗
pflegung der Armen in den Gemeinden ein. Da
unterließ Heß etliche Sonntage hinter einander
das Predigen. Das machte den Magiſtrat und
die Gemeinde voll Nachdenken, da er ſonſt die
Kanzel immer mit großer Freudigkeit beſtieg.
Man entſchloß ſich endlich, ihn um die Urſache zu
fragen.
IEſus liegt in ſeinen Gliedern vor
allen Kirchthüren. Ueber den mag ich
nicht wegſchreiten.
nicht hinwegräumen, ſo will ich auch
nicht predigen!“ — Dieß Wort machte all⸗
gemein den tiefſten Eindruck. Sogleich wurden
die Armenanſtalten berathen, man wies die un⸗
befugten Bettler zurecht, und brachte an einem
Tage gegen 500 Perſonen in hierzu eingerichteten
Spitälern unter.
Der Apologet
leugnet in ſeiner letzten Nummer (474) die That⸗
ſache, die wir im Lutheraner Jahrg. IV, Nr. 1.
Seite 2, Anmerkung, berichtet haben, daß nemlich
ein Mann vor uns ſelbſt ausgeſagt habe, auf
einer methodiſtiſchen Camp-Meeting um ſeinen
Gnadenſtand ſchändlich betrogen worden zu ſein.
Der Apologet leugnet dies um ſo unverſchämter,
da der unglückliche, in ſeinem Glauben irre ge⸗
machte Mann, von dem wir berichteten (ein vor⸗
maliger Reformirter aus dem Lippeſchen), ſich
dennoch endlich in die Schlingen des Methodis⸗
mus hat ziehen laſſen, und nun ausſagt, daß er
„ſich nichts Zuſammenhängendes“ von dem mit
uns geführten Geſpräche „zu erinnern wiſſe“.
Wir haben hierauf nichts zu antworten, als daß
Leugnen nicht Sich reinigen heißt, daß die Ge⸗
fangennehmung jenes Unglücklichen es nur doku⸗
mentirt, wie die Irrthümer der Methodiſten wirk⸗
lich kräftige ſeien 2 Theſſ. 2, 11., daß alles,
was wir geſchrieben haben, vollkommen mit der
vor uns gethanen Ausſage übereinſtimme, und
endlich, daß wir noch vieles, was in dieſer Sache
die Methodiſten beſchwert, verſchwiegen haben.
Herr Friedrich Schneller dahier (kein Glied
unſerer Gemeinde), der zugegen war, iſt unſer
Zeuge. — Wir müſſen übrigens geſtehen, es ekelt
uns, mit den Herren Methodiſten ferner zu con⸗
trovertiren, nachdem wir ſolche Erfahrungen von
Die Antwort war: „Mein HErr
Wird man Ihn
English translation AI translation
have already gained considerable influence. 6,000 Indians are said to have already been baptized by the Jesuits.*
Should this fact deter us from doing mission work in Oregon? By no means. Not only do we see from this that the Roman Church has recognized the importance of Oregon for the future; we also find in it a shaming reminder of the debt which the poor Indians have to demand from us Lutherans as well; and besides, the well-founded prospect of the expected emigration of Germans to Oregon compels us to undertake a mission there. Who would have thought that here in the far West, in so short a time, so considerable a number of German Evangelical Lutheran congregations would form? May we not, accordingly, expect that the stream of German emigration will pour still further westward? How many Germans may already be in Oregon? To bring the Word of life to them, our fellow believers, as well as to the Indians, is our most sacred duty.
May, therefore, men and youths gather around our pure confession, and, under the guidance of an accredited missionary, go to Oregon in order to spread the kingdom of God there.
The cause of our mission is warmly commended to all Lutherans for prayer, deliberation, and action.
Whoever possesses more precise information about the condition of the Indians in Oregon is requested to communicate it in Der Lutheraner.
Hermann Fick.
To Oregon!
Go forth, you swift messengers,
go forth to Oregon,
and awaken the spiritually dead
with the mighty sound of the Word.
Go forth, you dear brothers,
far, to the quiet sea;
cast down the mute idols
and proclaim the honor of Christ.
Ah, have mercy on the heathen,
ease their bitter torment;
for the misery they suffer
is without measure and without number.
Given over without comfort,
without hope, without light,
without God and without life,
they know not peace.
Jesus, you who have risen,
comfort and star of all the heathen,
let all the heathen, near and far,
come to your light.
Sun of grace, shine, gleam!
Stretch forth your sword of rays,
that even to the farthest border
all may turn to you.
*) The "Herald of Religious Liberty" writes in its issue of November 25 of last year: "They (the Jesuits) have crossed the Rocky Mountains and have planted their churches and institutes in Oregon. In Oregon they have about 30 missionaries; 1,500 Roman Catholics have gone out from Canada to work with them. They have a college and two academies there. They have 14 churches; 6,000 Indians have already sworn allegiance to the Pope. The society for the propagation of the (Roman) faith has, during the past year, spent about $20,000 in support of the Jesuits in Oregon." — Hear this, Lutherans! — and how? — Will you fold your hands in your lap? — The Editor.
Arm yourselves, you holy hosts,
joyfully for the Lord's war;
defy the dangers cheerfully,
for the victory is the Lord's.
He who has broken a path through the seas,
who stills the raging of the storms,
has promised you his protection,
is the shelter and shield of his own.
Rejoice, you distant lands,
and you seas, exult, sing praise!
For to your distant shore
the kingdom of God, full of grace, presses on.
Yes! God will soon accomplish
what he has solemnly promised;
he will send his messengers,
that morning may soon dawn for you.
So go forth, you dear brothers,
far, to the quiet sea;
cast down the mute idols
and proclaim the honor of Christ.
Awaken the spiritually dead
with the mighty sound of the Word;
go forth, you swift messengers,
go forth to Oregon.
*
THE MISSIONARY.
This is the title of a new Lutheran mission paper in the English language, of which the first, as a specimen issue, lies before us. It, in a form only slightly smaller than "Der Lutheraner," is henceforth to appear monthly; the next issue at the end of February, provided that by then as many cash-paying subscribers are found as are needed to cover the necessary costs. The price is 50 cents per year, payable in advance; the publisher is the Reverend Pastor W. A. Passavant of Pittsburgh, Pa., to whom all letters concerning "The Missionary" are to be addressed. As for the character of the paper, Mr. Passavant himself writes, among other things: "This paper, as its name indicates, will by its character concern itself with matters of mission. It will therefore not interfere with the existing periodicals devoted to general interests. The plan, briefly, is this: The field is the world. That portion of it which has been occupied by the Lutheran Church, and those portions which have not yet been occupied by other Christian churches, will form the field of our particular attention." The content of the paper will encompass three areas: 1. the "inner mission," that is, what takes place, and should take place, within the church itself for its edification in every respect; 2. the "home mission," that is, what is done to provide the Gospel for those here in America who lack spiritual care; and 3. the "foreign mission"; in this section, the official reports of the American Lutheran missionaries in India will appear first. Mr. P. declares that "The Missionary" is the organ "of neither a synod, nor a party, nor a society"; may it faithfully serve the church to which it professes allegiance, namely the Lutheran, so that it will serve no human party, but the congregation which Christ Himself founded, which is spread over the whole earth and lies hidden under all names, and which throughout all centuries has confessed nothing but the pure and clear Word of its Lord; to whom be honor forever. Amen.
H. Fick.
"Verily I say unto you: Inasmuch as ye have done it unto one of the least of these my brethren, ye have done it unto me. And inasmuch as ye did it not to one of the least of these, ye did it not to me."
Matt. 25:40, 45.
Johannes Heß (died 1547), the first Lutheran preacher in Silesia, could no longer bear to see beggars, cripples, and the infirm lying in all the streets and before all the churches in Breslau. He therefore delivered several public admonitions from the pulpit to the authorities, but no provision for the poor was established in the congregations. Then Heß ceased preaching for several Sundays in a row. This gave the magistrate and the congregation much to think about, since he otherwise always ascended the pulpit with great cheerfulness. Finally they resolved to ask him the reason.
The answer was: "My Lord Jesus lies in his members before all the church doors. I cannot step over him. If he is not to be removed, then I will not preach either!" — This saying made the deepest impression generally. At once relief for the poor was deliberated upon, unauthorized beggars were set right, and in one day about 500 persons were housed in hospitals established for this purpose.
The Apologist, in its latest issue (474), denies the fact which we reported in Der Lutheraner, Volume IV, No. 1, page 2, note — namely, that a man testified before us himself that he had been shamefully deceived about the state of his grace at a Methodist camp meeting. The Apologist denies this all the more shamelessly since the unfortunate man, led astray in his faith, of whom we reported (a former Reformed man from the Lippe region), has nevertheless finally let himself be drawn into the snares of Methodism, and now states that he "can recall nothing coherent" of the conversation held with us. We have nothing to answer to this except that denial is not the same as clearing oneself, that the capture of that unfortunate man only documents how truly powerful the errors of the Methodists are (2 Thess. 2:11), that everything we have written agrees perfectly with the testimony given before us, and finally, that we have kept silent about much else in this matter that weighs against the Methodists. Mr. Friedrich Schneller of this place (not a member of our congregation), who was present, is our witness. — We must, moreover, confess that it disgusts us to continue disputing with the Methodist gentlemen, after such experiences as