Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 12 › Seite 92
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-02-08, Seite 92
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Abendmahl—Einſezungsworte 8 · Abendmahl—Einſetzungsworte 10 · Abſolution 15 · Amt der Zcluſſel 8 · Schriftauslegung 2
chen wollen, der ſie tüchtig gemacht hat zu führen
das Amt des Neuen Teſtamentes (2 Cor. 3, 6.).
Sie dürfen nicht aus Menſchenfurcht oder Men⸗
ſchengefälligkeit auf die allerhöchſte Ehre verzich⸗
ten, Chriſti Knechte (Gal. 1, 10.) und Gottes
Mitarbeiter (1 Cor. 3, 9.) zu ſein. Es iſt einem
Kirchenraub ähnlich, wenn man dem Lehramte
raubt, was der HErr ihm, zum Troſte der buß⸗
ferigen und erſchrockenen Gewiſſen und zum
Schrecken fleiſchlich ſicherer und muthwilliger
Sünder, verliehen hat. Das, was der HErr der
Kirche zu ordnen anheimgegeben hat, das ordne
und ändere man nach beſtem Wiſſen und Gewiſ⸗
ſen, damit Alles ehrlich und ordentlich zugehe
(1 Cor. 14, 40.), man beſtimme nach der Wage
des Heiligthums, nach der Richtſchnur der Weis⸗
heit von oben her Ort, Zeit, Art der Vorbereitung,
aber auf die Schlüſſelgewalt ſelbſt und alles, was
weſentlich zu ihrer Handhabung gehört, erſtreckt
ſich keine Macht der Erde, auch nicht die der
Kirche, wenn ſie nicht von ſich ſelbſt abfallen will,
vielmehr bringen alle diejenigen über ſich ſelbſt
den Fluch, welche die Ordnung Chriſti antaſten.
Der treue Knecht des HErrn wird, ohne an
menſchliches Anſehen ſich zu kehren, Auge und
Herz unverrückt und allein auf JEſum Chriſtum
und die Rechenſchaft richten, die er vor ſeinem
Richterſtuhl einſt abzulegen hat. Diejenigen aber,
welche aus irgend welchem Grunde und auf irgend
welche Weiſe die Stiftung Chriſti verſtümmeln
oder ſchmälern, die werden die der Treue ver⸗
heißene unverwelkliche Krone nicht empfangen,
wenn der Erzhirte erſcheinen wird (1 Petri 5,
2—4.).
(Fortſetzung folgt.)
*
(Eingeſandt.)
Methodismus.
Fortſetzung und Schluß. Siehe: No. 9.)
Es iſt wahr, daß Luther ſich vom Marburger
Religionsgeſpräche wenig Nutzen verſprach; er
kannte ſeine Gegner und der Erfolg beweiſ't leider,
daß er ſich nicht täuſchte. Aber dennoch antwor⸗
tete er auf die Einladung des Landgrafen: „Wie⸗
wohl ich eine ſchlechte Hoffnung habe zu ſolchem
Frieden, ſo iſt doch E. F. G. Fleiß und Sorge
hoch und ſehr zu loben, und ich bin für mich wil⸗
lig, ſolchen verlornen und vielleicht auch uns ge⸗
fährlichen Dienſt E. F. G. mit allem Fleiß zu
beweiſen und E. F. G.üWillen und Vornehmen
nach mich begeben, wohin ich ſoll. Denn ich
will dem Widertheil den Ruhm mit Wahrheit
nicht laſſen, (ob Gott will,) daß ſie mehr zum Frieden und Einigkeit geneigt wären, denn ich.“
Wir ſehen hieraus, wie willig Luther war, der
Hoffnung eines Friedens mit den Gegnern jegli⸗
ches Opfer zu bringen, wenn die Erfüllung dieſer
Hoffnung auch noch ſo ſchwierig ſchien. Falſch
iſt es dagegen, was d'Aubigne ſagt: „Dieſe Ein⸗
ladungen wurden ſehr verſchieden aufgenommen.
Zwingli, deſſen Herz weit und brüderlich war, ging
ein in des Landgrafen Vorſchlag, aber er wurde
von Luther, der Bündniſſe und kriegeriſche Kämpfe
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hinter dieſer vorgeblichen Vereinigung zu bemer⸗
ken glaubte, zurückgewieſen. . .. Zwingli im Ge⸗
gentheil, welcher bis ans Ende der Welt gegan⸗
gen ſein würde, machte alle Anſtrengung, um
von dem Züricher Magiſtrat die Erlaubniß zur
Reiſe nach Marburg zu erhalten.“ Dagegen be⸗
richten Hospinian und Hottinger, zwei refor⸗
mirte Schriftſteller, daß Zwingli zu dieſem Reli⸗
gionsſpräche ſo wenig Luſt gehabt, daß er dazu
faſt hätte genöthigt werden müſſen!
D'Aubigne leugnet, daß die Reformirten in
Marburg in irgend einem Punkte gewichen wären.
Es iſt dagegen von uns im Lutheraner, Jahrg. 3.
No. 15. nachgewieſen, daß dieſelben mehrere
bedeutende Irrthümer in Beziehung auf Taufe,
Erbſünde und mündliche Predigt des göttlichen
Wortes zurücknahmen, welche ſie nachher leider
wieder erneuerten.
Von Oecolampadius erzählt derſelbe, daß er
nach einem Geſpräche mit Luther dem Zwingli
ins Ohr geſagt: „Ich bin ein zweites Mal in
die Hände von Dr. Eck gefallen“, und ſetzt hinzu:
„In der Sprache des Reformators (Oecolampa⸗
dius) konnte Nichts Stärkeres geſagt werden.“
Wir haben dazu weiter nichts zu ſagen. Stärker
konnte der Reformator Luther allerdings nicht
verkannt und verläſtert werden, als durch dieſe
Aeußerung, falls Oecolampadius dieſelbe wirk⸗
lich gethan hat, was wir indeſſen zu ſeiner Ehre
nicht glauben wollen.
Doch wir ſchweigen von den übrigen gehäſſigen
Verdächtigungen, durch welche d'Aubigne den
Charakter und das Werk Dr. Luthers in Ver⸗
achtung zu bringen ſucht. Wir danken dem
HErrn, daß Luther und die Seinen in jenen Ta⸗
gen ein gutes Bekenntniß ablegten und um
menſchlicher Rückſichten willen die Wahrheit nicht
preisgaben, ſondern durch ihr treues Zeugniß der
Kirche erhielten. Sie haben den irrgläubigen
Gegnern die verlangte brüderliche Gemeinſchaft
nicht gewährt; ſie konnten es nicht um des Ge⸗
wiſſens willen, da ihnen die Liebe Gottes und
die Ehrfurcht vor ſeinem heiligen Worte gebot,
denjenigen die Bruderhand zu verweigern, welche
ihren HErrn und Heiland in dem hochwichtigen
Artikel vom heiligen Abendmahl verleugneten.
Sie haben ſich aber als wahre Jünger des HErrn
bewieſen, indem ſie den Irrenden die Hand der
Liebe und des Friedens boten, ihnen eine freund⸗
liche Einigkeit gewährten und für ſie beteten. Sie
haben damit dem königlichen Geſetze der Liebe
vollkommen genügt. Die wahre lutheriſche Kirche
der jetzigen Zeit befolgt dasſelbe Verfahren. Wenn
daher die Methodiſten fortfahren, den Stein der
Verdammung auf Luther zu werfen, ſo iſt ſo viel
dargethan, daß jeder Lutheraner ihnen beweiſen
kann, ihre Schmähungen ſeien unbegrün det und
ungerecht, und kommen, wie zu befürchten iſt,
aus einem unbekehrten Herzen.
Hermann Fick.
Warum ſind die Einſetzungsworte: „Das iſt mein Leib; das iſt mein Blut“, eigentlich zu
verſtehen?“)
(Fortſetzung.)
Nachdem wir im letzten Abſchnitte unſerer Be⸗
antwortung dieſer Frage (Siehe: No. 5.) uns
bemüht haben, es den Leſern deutlich zu machen,
daß in der heiligen Schrift (wie in jeder Schrift
eines nur verſtändigen Schreibers) alles buch⸗
ſtäblich zu nehmen ſei, ſo wird uns nun viel⸗
leicht mancher entgegnen: es ſei nur zu offenbar,
daß man in manchen Stellen der heiligen Schrift
von dem buchſtäblichen oder von dem Wortſinn
nothwendig abgehen müſſe, wolle man nicht
offenbaren Unſinn für den rechren Sinn der hei⸗
ligen Schrift annehmen. Es heiße ja z. B. in
der heiligen Schrift: „Ich bin der Weinſtock,
ihr ſeid die Reben.“ Joh. 15, 5. „Sie tranken
von dem geiſtlichen Fels, der mitfolgte, welcher
war Chriſtus.“ 1 Cor. 10, 4. Ferner: „Ich
bin die Thür zu den Schafen.“ Joh. 10,7.
Ferner: „Er (Johannes) iſt Elias.“ Matth.
11, 14. Ferner: „Saget demſelben Fuchs“
(Herodes). Luc. 13, 32. Was würde heraus
kommen, ſpricht man, wenn man dies alles buch⸗
ſtäblich verſtehen wollte? — Da man nun hier
den buchſtäblichen Sinn ganz offenbar verlaſſen
und das Wort „iſt“ für „bedeutet“ nehmen müſſe,
warum ſolle man denn nicht auch in den Worten:
„Das iſt mein Leib; das iſt mein Blut“, den
buchſtäblichen Verſtand verlaſſen und dieſelben ſo
nehmen dürfen, als habe Chriſtus geſagt: „Das
bedeutet meinen Leib; das bedeutet mein
Blut“? Den Methodiſten iſt es jetzt ganz ge⸗
läufig geworden, wenn ein Lutheraner erklärt,
man dürfe von den Einſetzungsworten: „Das iſt
mein Leib“ ꝛc. nicht abgehen, ſogleich auf jene
Redensarten: „Ich bin der Weinſtock“, u. ſ. f.
hinzuweiſen. Und damit meinen denn nicht nur
die Feinde das einfältige Glauben der Luthera⸗
ner an das geſchriebene Wort als eine offenbart
Thorheit ſchlagend erwieſen und für immer in
Verruf gebracht zu haben, ſondern leider gibt es
wohl auch nicht wenig Lutheraner, die, wenn
ihnen jene Stellen entgegen gehalten werden, in1
Verlegenheit gerathen und nicht wiſſen, wie ſie
antworten ſollen, ja die wohl gar, wenn ſie an
jene Stellen das erſte Mal erinnert werden, auf
die Gedanken kommen, mit dem lutheriſchen ein⸗
fältigen Halten am Wort ſei es doch wohl eine
nicht ſo gar ſichere Sache, man müſſe doch wohl
in manchen Bibelſtellen von dem Buchſtaben
weichen und es komme wohl gar nicht ſelten vor,
daß das Wörtchen „iſt“ ſo viel heiße als „be⸗
deutet“.
Aber man laſſe ſich nur nicht täuſchen. Es iſt und bleibt ausgemacht, daß kein vernünftiger Menſch in irgend einer Sprache der Welt „iſt“
*) Nachdem wir uns von einer wider Vermuthen lang⸗
wieriger gewordenen körperlichen Siechheit erſt jetzt völlig E
erholt und mit Erledigung anderer liegen gebliebener ni⸗
thiger Geſchäfte aufgeräumt haben, fahren wir wider un⸗
ſer Verſprechen erſt mit gegenwärtiger Nummer in Be⸗
haͤndlung des obgeſtellten Themas fort. Wir hoffen, dit
Leſer werden uns entſchuldigen. D. R.
English translation AI translation
...he who has made them competent to carry out the ministry of the New Testament (2 Cor. 3:6). They must not, out of fear of man or desire to please men, renounce the very highest honor of being Christ's servants (Gal. 1:10) and God's fellow workers (1 Cor. 3:9). It is like a robbing of the church when the teaching office is robbed of what the Lord has granted it for the comfort of penitent and terrified consciences and for the terror of carnally secure and willful sinners. What the Lord has left to the church to order, let it order and alter according to its best knowledge and conscience, so that all things be done honestly and in order (1 Cor. 14:40); let it determine, by the weight of the sanctuary and by the rule of wisdom from above, the place, the time, and the manner of preparation — but over the power of the keys itself, and everything essential to its exercise, no power on earth extends, not even that of the church, unless it wishes to fall away from itself; rather, all who tamper with Christ's ordinance bring the curse upon themselves.
The faithful servant of the Lord will, without regard for human authority, fix his eye and heart unwaveringly and solely upon Jesus Christ and upon the account he must one day render before His judgment seat. But those who, for whatever reason and in whatever way, mutilate or diminish Christ's institution shall not receive the unfading crown promised to faithfulness when the Chief Shepherd appears (1 Peter 5:2–4).
(To be continued.)
*
(Submitted.)
Methodism.
(Continuation and conclusion. See No. 9.)
It is true that Luther expected little benefit from the Marburg Colloquy; he knew his opponents, and the outcome regrettably proves that he was not mistaken. Yet he nevertheless answered the Landgrave's invitation: "Although I have but poor hope for such a peace, still Your Serene Highness's diligence and care are highly and greatly to be praised, and for my part I am willing, with all diligence, to render Your Serene Highness this perhaps futile and perhaps even dangerous service, and to betake myself, according to Your Serene Highness's will and intention, wherever I am to go. For I will not truly leave to the other side the credit — God willing — of being more inclined toward peace and unity than I." From this we see how willing Luther was to make every sacrifice for the hope of peace with his opponents, however difficult the fulfillment of that hope might seem.
It is false, on the other hand, what d'Aubigné says: "These invitations were received very differently. Zwingli, whose heart was broad and brotherly, agreed to the Landgrave's proposal, but he was rejected by Luther, who believed he detected alliances and warlike struggles behind this ostensible union. ... Zwingli, on the contrary, who would have gone to the ends of the earth, made every effort to obtain from the Zurich magistrate permission to travel to Marburg." Against this, Hospinian and Hottinger, two Reformed writers, report that Zwingli had so little desire for this colloquy that he almost had to be compelled to attend it!
D'Aubigné denies that the Reformed yielded on any point at Marburg. We, however, have shown in Der Lutheraner, Volume 3, No. 15, that they retracted several significant errors concerning baptism, original sin, and the oral preaching of the divine Word — errors which they afterward, unfortunately, renewed.
Of Oecolampadius the same author relates that, after a conversation with Luther, he said into Zwingli's ear: "I have fallen a second time into the hands of Dr. Eck," and adds: "In the language of the reformer (Oecolampadius) nothing stronger could have been said." We have nothing further to say to this. The reformer Luther could indeed not have been more gravely misjudged and maligned than by this remark, if Oecolampadius really made it — which, however, for his honor's sake, we do not wish to believe.
But we will say nothing further of the other spiteful insinuations by which d'Aubigné seeks to bring the character and work of Dr. Luther into contempt. We thank the Lord that Luther and his companions, in those days, made a good confession and did not sacrifice the truth for the sake of human considerations, but preserved it for the church through their faithful testimony. They did not grant their erring opponents the brotherly fellowship demanded of them; they could not do so for conscience's sake, since the love of God and reverence for His holy Word bade them refuse the hand of brotherhood to those who denied their Lord and Savior in the weighty article of the Lord's Supper. Yet they proved themselves true disciples of the Lord by extending to those in error the hand of love and peace, granting them a friendly accord, and praying for them. In this they fully satisfied the royal law of love. The true Lutheran Church of the present day follows the same course. If, therefore, the Methodists continue to cast the stone of condemnation at Luther, this much has been shown, that every Lutheran can prove to them that their slanders are unfounded and unjust, and, as is to be feared, spring from an unconverted heart.
Hermann Fick.
Why are the words of institution, "This is my body; this is my blood," properly to be understood?*
(Continuation.)
After we endeavored, in the last installment of our answer to this question (see No. 5), to make it clear to our readers that in Holy Scripture (as in the writing of any sensible author) everything is to be taken literally, someone may perhaps now object that it is only too evident that in some passages of Holy Scripture one must of necessity depart from the literal, or verbal, sense, unless one wishes to accept manifest nonsense as the true sense of Holy Scripture. For instance, Holy Scripture says: "I am the vine, ye are the branches" (John 15:5). "They drank of the spiritual Rock that followed them, and that Rock was Christ" (1 Cor. 10:4). Further: "I am the door of the sheep" (John 10:7). Further: "He (John) is Elias" (Matt. 11:14). Further: "Go and tell that fox" (Herod) (Luke 13:32). What would result, it is asked, if one wished to understand all this literally? — Now, since here one must quite obviously abandon the literal sense and take the word "is" for "signifies," why then should one not, in the words "This is my body; this is my blood," likewise abandon the literal understanding and be permitted to take them as though Christ had said, "This signifies my body; this signifies my blood"? It has now become quite habitual for the Methodists, whenever a Lutheran declares that one must not depart from the words of institution, "This is my body," etc., immediately to point to those sayings, "I am the vine," and so forth. And by this, not only do the adversaries suppose they have conclusively demonstrated that the Lutherans' simple faith in the written Word is manifest folly and have brought it into permanent disrepute, but unfortunately there are also not a few Lutherans who, when confronted with those passages, become embarrassed and do not know how to answer — who, indeed, when reminded of those passages for the first time, come to think that this Lutheran simple adherence to the word is, after all, not so very sure a matter, that in many Bible passages one must surely depart from the letter, and that it is by no means uncommon for the little word "is" to mean as much as "signifies."
But let no one be deceived. It is and remains settled that no reasonable person, in any language in the world, writes "is"
*) Having only now fully recovered from a bodily infirmity that, contrary to expectation, became protracted, and having cleared away other necessary business that had been left pending, we resume — contrary to our promise — treatment of the above-stated theme only with the present issue. We hope our readers will excuse us. — The Editor.