# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 02 08_S92 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) chen wollen, der ſie tüchtig gemacht hat zu führen das Amt des Neuen Teſtamentes (2 Cor. 3, 6.). Sie dürfen nicht aus Menſchenfurcht oder Men⸗ ſchengefälligkeit auf die allerhöchſte Ehre verzich⸗ ten, Chriſti Knechte (Gal. 1, 10.) und Gottes Mitarbeiter (1 Cor. 3, 9.) zu ſein. Es iſt einem Kirchenraub ähnlich, wenn man dem Lehramte raubt, was der HErr ihm, zum Troſte der buß⸗ ferigen und erſchrockenen Gewiſſen und zum Schrecken fleiſchlich ſicherer und muthwilliger Sünder, verliehen hat. Das, was der HErr der Kirche zu ordnen anheimgegeben hat, das ordne und ändere man nach beſtem Wiſſen und Gewiſ⸗ ſen, damit Alles ehrlich und ordentlich zugehe (1 Cor. 14, 40.), man beſtimme nach der Wage des Heiligthums, nach der Richtſchnur der Weis⸗ heit von oben her Ort, Zeit, Art der Vorbereitung, aber auf die Schlüſſelgewalt ſelbſt und alles, was weſentlich zu ihrer Handhabung gehört, erſtreckt ſich keine Macht der Erde, auch nicht die der Kirche, wenn ſie nicht von ſich ſelbſt abfallen will, vielmehr bringen alle diejenigen über ſich ſelbſt den Fluch, welche die Ordnung Chriſti antaſten. Der treue Knecht des HErrn wird, ohne an menſchliches Anſehen ſich zu kehren, Auge und Herz unverrückt und allein auf JEſum Chriſtum und die Rechenſchaft richten, die er vor ſeinem Richterſtuhl einſt abzulegen hat. Diejenigen aber, welche aus irgend welchem Grunde und auf irgend welche Weiſe die Stiftung Chriſti verſtümmeln oder ſchmälern, die werden die der Treue ver⸗ heißene unverwelkliche Krone nicht empfangen, wenn der Erzhirte erſcheinen wird (1 Petri 5, 2—4.). (Fortſetzung folgt.) * (Eingeſandt.) Methodismus. Fortſetzung und Schluß. Siehe: No. 9.) Es iſt wahr, daß Luther ſich vom Marburger Religionsgeſpräche wenig Nutzen verſprach; er kannte ſeine Gegner und der Erfolg beweiſ't leider, daß er ſich nicht täuſchte. Aber dennoch antwor⸗ tete er auf die Einladung des Landgrafen: „Wie⸗ wohl ich eine ſchlechte Hoffnung habe zu ſolchem Frieden, ſo iſt doch E. F. G. Fleiß und Sorge hoch und ſehr zu loben, und ich bin für mich wil⸗ lig, ſolchen verlornen und vielleicht auch uns ge⸗ fährlichen Dienſt E. F. G. mit allem Fleiß zu beweiſen und E. F. G.üWillen und Vornehmen nach mich begeben, wohin ich ſoll. Denn ich will dem Widertheil den Ruhm mit Wahrheit nicht laſſen, (ob Gott will,) daß ſie mehr zum Frieden und Einigkeit geneigt wären, denn ich.“ Wir ſehen hieraus, wie willig Luther war, der Hoffnung eines Friedens mit den Gegnern jegli⸗ ches Opfer zu bringen, wenn die Erfüllung dieſer Hoffnung auch noch ſo ſchwierig ſchien. Falſch iſt es dagegen, was d'Aubigne ſagt: „Dieſe Ein⸗ ladungen wurden ſehr verſchieden aufgenommen. Zwingli, deſſen Herz weit und brüderlich war, ging ein in des Landgrafen Vorſchlag, aber er wurde von Luther, der Bündniſſe und kriegeriſche Kämpfe 92 hinter dieſer vorgeblichen Vereinigung zu bemer⸗ ken glaubte, zurückgewieſen. . .. Zwingli im Ge⸗ gentheil, welcher bis ans Ende der Welt gegan⸗ gen ſein würde, machte alle Anſtrengung, um von dem Züricher Magiſtrat die Erlaubniß zur Reiſe nach Marburg zu erhalten.“ Dagegen be⸗ richten Hospinian und Hottinger, zwei refor⸗ mirte Schriftſteller, daß Zwingli zu dieſem Reli⸗ gionsſpräche ſo wenig Luſt gehabt, daß er dazu faſt hätte genöthigt werden müſſen! D'Aubigne leugnet, daß die Reformirten in Marburg in irgend einem Punkte gewichen wären. Es iſt dagegen von uns im Lutheraner, Jahrg. 3. No. 15. nachgewieſen, daß dieſelben mehrere bedeutende Irrthümer in Beziehung auf Taufe, Erbſünde und mündliche Predigt des göttlichen Wortes zurücknahmen, welche ſie nachher leider wieder erneuerten. Von Oecolampadius erzählt derſelbe, daß er nach einem Geſpräche mit Luther dem Zwingli ins Ohr geſagt: „Ich bin ein zweites Mal in die Hände von Dr. Eck gefallen“, und ſetzt hinzu: „In der Sprache des Reformators (Oecolampa⸗ dius) konnte Nichts Stärkeres geſagt werden.“ Wir haben dazu weiter nichts zu ſagen. Stärker konnte der Reformator Luther allerdings nicht verkannt und verläſtert werden, als durch dieſe Aeußerung, falls Oecolampadius dieſelbe wirk⸗ lich gethan hat, was wir indeſſen zu ſeiner Ehre nicht glauben wollen. Doch wir ſchweigen von den übrigen gehäſſigen Verdächtigungen, durch welche d'Aubigne den Charakter und das Werk Dr. Luthers in Ver⸗ achtung zu bringen ſucht. Wir danken dem HErrn, daß Luther und die Seinen in jenen Ta⸗ gen ein gutes Bekenntniß ablegten und um menſchlicher Rückſichten willen die Wahrheit nicht preisgaben, ſondern durch ihr treues Zeugniß der Kirche erhielten. Sie haben den irrgläubigen Gegnern die verlangte brüderliche Gemeinſchaft nicht gewährt; ſie konnten es nicht um des Ge⸗ wiſſens willen, da ihnen die Liebe Gottes und die Ehrfurcht vor ſeinem heiligen Worte gebot, denjenigen die Bruderhand zu verweigern, welche ihren HErrn und Heiland in dem hochwichtigen Artikel vom heiligen Abendmahl verleugneten. Sie haben ſich aber als wahre Jünger des HErrn bewieſen, indem ſie den Irrenden die Hand der Liebe und des Friedens boten, ihnen eine freund⸗ liche Einigkeit gewährten und für ſie beteten. Sie haben damit dem königlichen Geſetze der Liebe vollkommen genügt. Die wahre lutheriſche Kirche der jetzigen Zeit befolgt dasſelbe Verfahren. Wenn daher die Methodiſten fortfahren, den Stein der Verdammung auf Luther zu werfen, ſo iſt ſo viel dargethan, daß jeder Lutheraner ihnen beweiſen kann, ihre Schmähungen ſeien unbegrün det und ungerecht, und kommen, wie zu befürchten iſt, aus einem unbekehrten Herzen. Hermann Fick. Warum ſind die Einſetzungsworte: „Das iſt mein Leib; das iſt mein Blut“, eigentlich zu verſtehen?“) (Fortſetzung.) Nachdem wir im letzten Abſchnitte unſerer Be⸗ antwortung dieſer Frage (Siehe: No. 5.) uns bemüht haben, es den Leſern deutlich zu machen, daß in der heiligen Schrift (wie in jeder Schrift eines nur verſtändigen Schreibers) alles buch⸗ ſtäblich zu nehmen ſei, ſo wird uns nun viel⸗ leicht mancher entgegnen: es ſei nur zu offenbar, daß man in manchen Stellen der heiligen Schrift von dem buchſtäblichen oder von dem Wortſinn nothwendig abgehen müſſe, wolle man nicht offenbaren Unſinn für den rechren Sinn der hei⸗ ligen Schrift annehmen. Es heiße ja z. B. in der heiligen Schrift: „Ich bin der Weinſtock, ihr ſeid die Reben.“ Joh. 15, 5. „Sie tranken von dem geiſtlichen Fels, der mitfolgte, welcher war Chriſtus.“ 1 Cor. 10, 4. Ferner: „Ich bin die Thür zu den Schafen.“ Joh. 10,7. Ferner: „Er (Johannes) iſt Elias.“ Matth. 11, 14. Ferner: „Saget demſelben Fuchs“ (Herodes). Luc. 13, 32. Was würde heraus kommen, ſpricht man, wenn man dies alles buch⸗ ſtäblich verſtehen wollte? — Da man nun hier den buchſtäblichen Sinn ganz offenbar verlaſſen und das Wort „iſt“ für „bedeutet“ nehmen müſſe, warum ſolle man denn nicht auch in den Worten: „Das iſt mein Leib; das iſt mein Blut“, den buchſtäblichen Verſtand verlaſſen und dieſelben ſo nehmen dürfen, als habe Chriſtus geſagt: „Das bedeutet meinen Leib; das bedeutet mein Blut“? Den Methodiſten iſt es jetzt ganz ge⸗ läufig geworden, wenn ein Lutheraner erklärt, man dürfe von den Einſetzungsworten: „Das iſt mein Leib“ ꝛc. nicht abgehen, ſogleich auf jene Redensarten: „Ich bin der Weinſtock“, u. ſ. f. hinzuweiſen. Und damit meinen denn nicht nur die Feinde das einfältige Glauben der Luthera⸗ ner an das geſchriebene Wort als eine offenbart Thorheit ſchlagend erwieſen und für immer in Verruf gebracht zu haben, ſondern leider gibt es wohl auch nicht wenig Lutheraner, die, wenn ihnen jene Stellen entgegen gehalten werden, in1 Verlegenheit gerathen und nicht wiſſen, wie ſie antworten ſollen, ja die wohl gar, wenn ſie an jene Stellen das erſte Mal erinnert werden, auf die Gedanken kommen, mit dem lutheriſchen ein⸗ fältigen Halten am Wort ſei es doch wohl eine nicht ſo gar ſichere Sache, man müſſe doch wohl in manchen Bibelſtellen von dem Buchſtaben weichen und es komme wohl gar nicht ſelten vor, daß das Wörtchen „iſt“ ſo viel heiße als „be⸗ deutet“. Aber man laſſe ſich nur nicht täuſchen. Es iſt und bleibt ausgemacht, daß kein vernünftiger Menſch in irgend einer Sprache der Welt „iſt“ *) Nachdem wir uns von einer wider Vermuthen lang⸗ wieriger gewordenen körperlichen Siechheit erſt jetzt völlig E erholt und mit Erledigung anderer liegen gebliebener ni⸗ thiger Geſchäfte aufgeräumt haben, fahren wir wider un⸗ ſer Verſprechen erſt mit gegenwärtiger Nummer in Be⸗ haͤndlung des obgeſtellten Themas fort. Wir hoffen, dit Leſer werden uns entſchuldigen. D. R.