Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 19 › Seite 151
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-05-13, Seite 151
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mit ihm für ihre Sünden büßte; als er um der
Cünde der Welt willen, die er auf ſich genom⸗
nen, von Gott verurtheilt und endlich in den
Schuldthurm des' Todes geworfen wurde, da
war es nicht anders, als ob die ganze Sünder—
pelt in ihm verurtheilt und in den Kerker gewor—
in würde; und als endlich Gott der Vater zuſe
Chriſte ſprach: „Gehe heraus, du biſt frei“!
lund er voll Himmelsglanz aus dem Grabe er⸗
ſand, da erſtand in ihm, los und ledig ihrer
Echuld, die ganze Sünderwelt, deren Bürge und
Etelböertreter der Sohn Gottes geweſen war.
Daber ſchreibt der heil. Apoſtel nicht nur: Wir
Ihallen, daß, ſo Einer für alle geſtorben
ul ſo ſind ſie alhe geſtorben“; ſondern er ſetzt
hauch an einer anderen Stelle hinzu: „Wie durch
Eints Sünde die Verdammniß über alle
Reſchen gekommen iſt; alſo iſt auch durch E Ei⸗
nes Gerechtigkeit die Rechtfertigung des
Rlibens über alle Menſchen gekommen“. Daß
in jeder MRenſch nun auch wirklich ſelig werde,
unn bedarf es daher nur noch Eines, daß
Ihht ich der Menſch die ihm vom Sohne erwor-⸗
hent und vom Bater verſiegelte Begnadigung,
ttibein und Erlöſung auch erkenne und all⸗
nehme, daß er nun auch aus dem geöffneten
Lerker der Furcht, des Unglaubens und der Ver—
unmniß herausgehe und der erlangten Gnade
ſch freue und rühme.
O hört es darum ihr, die ihr an dem freudi⸗
Tim Bekenntniß der Chriſten euch ſloßet: wie
durfs euch doch befremden, daß wir Chriſten be—
knnen, wir ſind bei Goͤtt in Gnaden? Wir
volen ja darum nicht beſſer ſein, als andere
krute; wir wollen nur die Gnade, die euſch und
uns widerfuhr, nicht wie ihr verachten; wir
vollen nur Gott, der euren und unſern
Brzen erweckt und mit Preis und Ehre gekrönt
hat, nicht wie ihr durch unſeren Unglauben
hun Lügner machen. Nicht wir, nicht wir
Ind es, ſondern das ewige Erbarmen
yHeites, ſeine Wahrheit und der Sieg des
bnm der Herrlichkeit iſt es, des wir uns rüh—
3 ö
Wohlan, ihr Chriſten, ſo ſtärket euch denn heut
m effenen Grabe Jeſu, über welchem er, der
hezog unſerer Seligkeit, angethan mit Herrlich—
„euch zuruft: „Ich habe überwunden, doch
uer iſt der Sieg“! Laßt euch dadurch ſtärken,
auch in dieſer Zeit des Abfalls und der Läſterung
nn Glauben fröhlich vor Freund und Feind
ubekennen und ſelbſt mitten im Kreuz die Sie—
gaͤlicder zu ſingen, die nun Tag und Nacht er⸗
ſhallen ſollen in den Hütten der Gerechten *).
lud ſo oft euer Herz, von den Pfeilen der Spötter
der Sinnenannſt getroffen und verwundet,
uider zagen will, ſo eilet hin zum Grabe des
Eitandenen, ſo werdet ihr allezeit erfahren, daß
) Ein Beweis, wie lebendig die Chriſten der erſten Zeit
lnten, was ihnen die Auferſtehung des Herrn gebracht
kͤbt, il, daß ſie es, wie Tertullian ſchreibt, für unange⸗
kutſen hielten, am Sonntag, als am Gedächtnißtage er
Luſerſehung ihres HErrn, zu faſten oder knieend zu beten.
Aybie dominico jejunium nefas ducimus, vel de geni-
eils adorare“. De cor. mil. c. 3.)
Chriſti Grab eine unverſiegbare Quelle des Le—
bens und der Stärkung ſei.
Ihr aber, die ihr dem Erſtandenen noch den
Ruhm verweigert, daß er euer Gott und Heiland
und der einige Weg zum Vater ſei, bedenket, was
hruthut. Gott der Vater hat mehr gethan, als
es mit einem Eide betheuert, daß IEſus Chri—
ſtus ſein eingeborner Sohn und daß in ihm al—
lein das Heil ſei: Gott hat ihn, wie der pre—
digt, der ihn vormals verleugnet hatte, thatſäch—
lich durch die Auferwecknug von den Todten „zu
einem HErrn und Chriſt gemacht“. Dar—
um widerſtrebet ihm nicht länger; wartet nicht
bis auf den Tag der letzten Offenbarung ſeiner
Herrlichkeit. Hier nimmt er ſeine um Gnade
flehenden Feinde in die Arme ſeiner Erbarmung,
dort legt er ſie zum Schemel ſeiner Füße.
Hier rufet daher mit Thomas: „Mein HErr
und mein Gott“! ſo werdet ihr auch dort mit zu
ſeiner Rechten ſtehen und mit ihm und mit allen
den Seinen triumphiren immer und ewiglich.
Amen! Amen!
„Der lutheriſche Herold“.
Unter dieſem Titel erſcheint ſeit Anfang April
eine neue religiöſe Zeitſchrift. Herr H. Ludwig
in New Nork redigirt ſie. Jeden Monat erſcheint
ſie zweimal. Der jährliche Subſeriptionspreis
iſt 5 1,00.
Herr Ludwig verſpricht, ſein Blatt dem Be⸗
kenntuiſſe unſerer Kirche gemäß zu redigiren.
In der dritten Nummer ſchreibt er: „Wir erwar⸗
ten wenig Theilnahme von den Altlutherauern;
es wird aber ſtets unſer Beſtreben ſein, alles aus
unſeren Spalten zu verweiſen, was den Riß nur
vergrößern könnte, denn in der Lehre ſind wir
ja einig, wir differiren nur in der Form des
Kleides, oder in der Ansübung, und in der
Art und Weiſe die Lehre auszubreiten“L. Wir
haben allen Reſpekt vor Herrn Ludwig, als ei—
nem Mann von auszeichneten Kenntniſſen und
Fähigkeiten in ſeinein Geſchäft und dem beſten
Willen. Nach dem aber, was bereits der Of—
fentlichkeit vorliegt, zu urtheilen, können wir nicht
umhin, unſere Überzeugung auszuſprechen, daß
ſich der liebe Herr Ludwig ſelbſt täuſcht, wenn
er, wie er ſchreibt, meint, „nicht allein den
Willen, ſondern auch die erforderlichen Hülfs—
quellen zu beſitzen, ein gutes lutheriſches
Blatt zu liefern.“ Abgeſehen davon, daß er ſein
Blatt dazu benutzt, Bücher zum Verkauf auszu⸗
bieten, welche offenbar unlutheriſch, d. i.
unbibliſch ſind, ſo hat Herr Ludwig ſchon jetzt
auch eine offenbar unlutheriſche, höchſt un⸗
chriſtliche Einſendung aufgenommen, ob mit Be⸗
wußtſein, oder aus Verſehen, oder aus Mangel
an Kenntniß der reinen Lehre? wir wiſſen es
nicht. So heißt es z. B. in der dritten Nummer
in dem Aufſatz: „Etwas über chriſtliche Unter⸗I2
haltungs bücher für Jung und Alt:“
„Was ſollen die tiefen bedeutungsvollen
Worte: Buße, Heiligung und Wieder⸗
geburt dem Kinde, das, gleich dem Volke
Israel im A. T., erſt an der Sichtbarkeit erzo⸗
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gen werden ſoll, das die Vorrede der h. Schrift,
die ſichtbare Schöpfung im ſteten Zuſammen⸗
hange mit dem Schöpfer, als erſte Aufgabe vor
ſich liegen hat? Erſt dann, wenn es den
erſten Artikel ohne Störung und Unterbrechung
gleichſam erlebt hat. wenn ohne Vorgriffe, wel⸗
che das Einfache immer verwirren, gleichſam der
Frühling ſeine Keime und Knospen eröffnet,
die Entfaltung der Blüthe ihre Zeit erhalten
hat, wenn der Schöpfer Himmels und der Erde
ſeine Allmacht, Weisheit und Vorſorge vor der
jungen Seele in jedem Biſſen Brod, an jeder
Pflanze wie am Thiere erkennbar
vor Augenlegt, wenn es ſich ſelbſtals
das höchſte Wunder achten und er⸗
kennen gelernt, wenn es danken und an⸗
beten kann; furz, wenn es die erſte Aufgabe un⸗
geſtört erlebte, wenn Vertrauen und Liebe, ſo⸗
wie heilige Furcht vor dem Schöpfer des Him—
mels und der Erde in ungelernten Wor⸗
ten Dankbarkeit, Preis und Ehre dem Schöpfer
ſtammelt, wenn das Vertrauen und die Hoffnung
auf Ihm (2) erwachſen und gepflegtiſt —dann
erſt kann die zweite Aufgabe, der
zweite Artikel mit ſeiner unendlichen Liebe
fruchtbar ſeine ſommerliche Zeit finden ꝛc.
Wir ſinden keine Worte, um unſern Abſcheu
vor Grundſätzen der Erziehung, wie ſie hier aus—
geſprochen werden, auszudrücken. Iſt's duch,
als läſe man in Noſſeau's Emile.
Wir wollen gern glauben, daß es Herrn
Ludwig nicht in den Sinn kommt, eine Erzie⸗
hung der Lämmer des guten Hirten, die er mit
ſeinem Blute ſich erkauft und gekauft hat, nach
ſolchen abſcheulichen Grundſätzen im Ernſt den
Lutheranern als echt lniheriſch zu empfehlen.
Allein, da nun doch ſelbſt ein ſolcher Aufſatz un⸗
ter Herrn Ludwigs Redaktion ſeinen Weg in den
„lutheriſchen Herold“ hat finden können, ſo wolle
er es uns doch nicht verdenken, wenn wir den
Wunſch ausſprechen, das Blatt möge der Ver⸗
autwortung eines eben ſo tüchtigen als treuen
Theologen übergeben werden; ſollte dann auch
immerhin das Blatt eine andere „Form des
Kleides“, als in welcher wir auftreten, bevor⸗
worten, ſawürden wir es dennoch, ſo es mit uns
für dieſelbe „Lehre“ aufrichtig zeugte und mit
uns darüber wachte, mit der aufrichtigſten Freude
brüderlich begrüßen und nicht ſcheel ſehen, wenn
es bald ſo rüſtig und kräftig ſein Werk ausrich⸗
tete, daß der arme „Lutheraner“ hinter ihm ver—
ſchwände. In Amerika ſcheint man freilich ſich
nie zu dem Glauben erheben zu können, daß es
noch Menſchen gibt, die bei ihrem Tadel Anderer
nicht von niedrigen Intereſſen, ſondern allein
von der Liebe zur Wahrheit und zu den unſterb⸗
lichen Seelen geleitet werden ſollten; das kann
uns aber nicht abhalten, der Wahrheit Zeugniß
zu geben und um den menſchlichen Tag unbe⸗
kümmert allein auf jenen Tag zu ſehen, wo der
Rath der n geoffenbaret werden wird.
1 Cor. 4, 3 —
Dürften wir uns erlauben, Herrn Ludwig
einen Vorſchlas zu machen, wodurch ihm nichts
weniger als der Weg abgeſchnitten wird, mit
ſeinem Pfunde zu wuchern, ſo wäre es dieſer,
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