# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 05 13_S151 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) mit ihm für ihre Sünden büßte; als er um der Cünde der Welt willen, die er auf ſich genom⸗ nen, von Gott verurtheilt und endlich in den Schuldthurm des' Todes geworfen wurde, da war es nicht anders, als ob die ganze Sünder— pelt in ihm verurtheilt und in den Kerker gewor— in würde; und als endlich Gott der Vater zuſe Chriſte ſprach: „Gehe heraus, du biſt frei“! lund er voll Himmelsglanz aus dem Grabe er⸗ ſand, da erſtand in ihm, los und ledig ihrer Echuld, die ganze Sünderwelt, deren Bürge und Etelböertreter der Sohn Gottes geweſen war. Daber ſchreibt der heil. Apoſtel nicht nur: Wir Ihallen, daß, ſo Einer für alle geſtorben ul ſo ſind ſie alhe geſtorben“; ſondern er ſetzt hauch an einer anderen Stelle hinzu: „Wie durch Eints Sünde die Verdammniß über alle Reſchen gekommen iſt; alſo iſt auch durch E Ei⸗ nes Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Rlibens über alle Menſchen gekommen“. Daß in jeder MRenſch nun auch wirklich ſelig werde, unn bedarf es daher nur noch Eines, daß Ihht ich der Menſch die ihm vom Sohne erwor-⸗ hent und vom Bater verſiegelte Begnadigung, ttibein und Erlöſung auch erkenne und all⸗ nehme, daß er nun auch aus dem geöffneten Lerker der Furcht, des Unglaubens und der Ver— unmniß herausgehe und der erlangten Gnade ſch freue und rühme. O hört es darum ihr, die ihr an dem freudi⸗ Tim Bekenntniß der Chriſten euch ſloßet: wie durfs euch doch befremden, daß wir Chriſten be— knnen, wir ſind bei Goͤtt in Gnaden? Wir volen ja darum nicht beſſer ſein, als andere krute; wir wollen nur die Gnade, die euſch und uns widerfuhr, nicht wie ihr verachten; wir vollen nur Gott, der euren und unſern Brzen erweckt und mit Preis und Ehre gekrönt hat, nicht wie ihr durch unſeren Unglauben hun Lügner machen. Nicht wir, nicht wir Ind es, ſondern das ewige Erbarmen yHeites, ſeine Wahrheit und der Sieg des bnm der Herrlichkeit iſt es, des wir uns rüh— 3 ö Wohlan, ihr Chriſten, ſo ſtärket euch denn heut m effenen Grabe Jeſu, über welchem er, der hezog unſerer Seligkeit, angethan mit Herrlich— „euch zuruft: „Ich habe überwunden, doch uer iſt der Sieg“! Laßt euch dadurch ſtärken, auch in dieſer Zeit des Abfalls und der Läſterung nn Glauben fröhlich vor Freund und Feind ubekennen und ſelbſt mitten im Kreuz die Sie— gaͤlicder zu ſingen, die nun Tag und Nacht er⸗ ſhallen ſollen in den Hütten der Gerechten *). lud ſo oft euer Herz, von den Pfeilen der Spötter der Sinnenannſt getroffen und verwundet, uider zagen will, ſo eilet hin zum Grabe des Eitandenen, ſo werdet ihr allezeit erfahren, daß ) Ein Beweis, wie lebendig die Chriſten der erſten Zeit lnten, was ihnen die Auferſtehung des Herrn gebracht kͤbt, il, daß ſie es, wie Tertullian ſchreibt, für unange⸗ kutſen hielten, am Sonntag, als am Gedächtnißtage er Luſerſehung ihres HErrn, zu faſten oder knieend zu beten. Aybie dominico jejunium nefas ducimus, vel de geni- eils adorare“. De cor. mil. c. 3.) Chriſti Grab eine unverſiegbare Quelle des Le— bens und der Stärkung ſei. Ihr aber, die ihr dem Erſtandenen noch den Ruhm verweigert, daß er euer Gott und Heiland und der einige Weg zum Vater ſei, bedenket, was hruthut. Gott der Vater hat mehr gethan, als es mit einem Eide betheuert, daß IEſus Chri— ſtus ſein eingeborner Sohn und daß in ihm al— lein das Heil ſei: Gott hat ihn, wie der pre— digt, der ihn vormals verleugnet hatte, thatſäch— lich durch die Auferwecknug von den Todten „zu einem HErrn und Chriſt gemacht“. Dar— um widerſtrebet ihm nicht länger; wartet nicht bis auf den Tag der letzten Offenbarung ſeiner Herrlichkeit. Hier nimmt er ſeine um Gnade flehenden Feinde in die Arme ſeiner Erbarmung, dort legt er ſie zum Schemel ſeiner Füße. Hier rufet daher mit Thomas: „Mein HErr und mein Gott“! ſo werdet ihr auch dort mit zu ſeiner Rechten ſtehen und mit ihm und mit allen den Seinen triumphiren immer und ewiglich. Amen! Amen! „Der lutheriſche Herold“. Unter dieſem Titel erſcheint ſeit Anfang April eine neue religiöſe Zeitſchrift. Herr H. Ludwig in New Nork redigirt ſie. Jeden Monat erſcheint ſie zweimal. Der jährliche Subſeriptionspreis iſt 5 1,00. Herr Ludwig verſpricht, ſein Blatt dem Be⸗ kenntuiſſe unſerer Kirche gemäß zu redigiren. In der dritten Nummer ſchreibt er: „Wir erwar⸗ ten wenig Theilnahme von den Altlutherauern; es wird aber ſtets unſer Beſtreben ſein, alles aus unſeren Spalten zu verweiſen, was den Riß nur vergrößern könnte, denn in der Lehre ſind wir ja einig, wir differiren nur in der Form des Kleides, oder in der Ansübung, und in der Art und Weiſe die Lehre auszubreiten“L. Wir haben allen Reſpekt vor Herrn Ludwig, als ei— nem Mann von auszeichneten Kenntniſſen und Fähigkeiten in ſeinein Geſchäft und dem beſten Willen. Nach dem aber, was bereits der Of— fentlichkeit vorliegt, zu urtheilen, können wir nicht umhin, unſere Überzeugung auszuſprechen, daß ſich der liebe Herr Ludwig ſelbſt täuſcht, wenn er, wie er ſchreibt, meint, „nicht allein den Willen, ſondern auch die erforderlichen Hülfs— quellen zu beſitzen, ein gutes lutheriſches Blatt zu liefern.“ Abgeſehen davon, daß er ſein Blatt dazu benutzt, Bücher zum Verkauf auszu⸗ bieten, welche offenbar unlutheriſch, d. i. unbibliſch ſind, ſo hat Herr Ludwig ſchon jetzt auch eine offenbar unlutheriſche, höchſt un⸗ chriſtliche Einſendung aufgenommen, ob mit Be⸗ wußtſein, oder aus Verſehen, oder aus Mangel an Kenntniß der reinen Lehre? wir wiſſen es nicht. So heißt es z. B. in der dritten Nummer in dem Aufſatz: „Etwas über chriſtliche Unter⸗I2 haltungs bücher für Jung und Alt:“ „Was ſollen die tiefen bedeutungsvollen Worte: Buße, Heiligung und Wieder⸗ geburt dem Kinde, das, gleich dem Volke Israel im A. T., erſt an der Sichtbarkeit erzo⸗ 7 21217 5 — 2555 e Hi1 113•2 gen werden ſoll, das die Vorrede der h. Schrift, die ſichtbare Schöpfung im ſteten Zuſammen⸗ hange mit dem Schöpfer, als erſte Aufgabe vor ſich liegen hat? Erſt dann, wenn es den erſten Artikel ohne Störung und Unterbrechung gleichſam erlebt hat. wenn ohne Vorgriffe, wel⸗ che das Einfache immer verwirren, gleichſam der Frühling ſeine Keime und Knospen eröffnet, die Entfaltung der Blüthe ihre Zeit erhalten hat, wenn der Schöpfer Himmels und der Erde ſeine Allmacht, Weisheit und Vorſorge vor der jungen Seele in jedem Biſſen Brod, an jeder Pflanze wie am Thiere erkennbar vor Augenlegt, wenn es ſich ſelbſtals das höchſte Wunder achten und er⸗ kennen gelernt, wenn es danken und an⸗ beten kann; furz, wenn es die erſte Aufgabe un⸗ geſtört erlebte, wenn Vertrauen und Liebe, ſo⸗ wie heilige Furcht vor dem Schöpfer des Him— mels und der Erde in ungelernten Wor⸗ ten Dankbarkeit, Preis und Ehre dem Schöpfer ſtammelt, wenn das Vertrauen und die Hoffnung auf Ihm (2) erwachſen und gepflegtiſt —dann erſt kann die zweite Aufgabe, der zweite Artikel mit ſeiner unendlichen Liebe fruchtbar ſeine ſommerliche Zeit finden ꝛc. Wir ſinden keine Worte, um unſern Abſcheu vor Grundſätzen der Erziehung, wie ſie hier aus— geſprochen werden, auszudrücken. Iſt's duch, als läſe man in Noſſeau's Emile. Wir wollen gern glauben, daß es Herrn Ludwig nicht in den Sinn kommt, eine Erzie⸗ hung der Lämmer des guten Hirten, die er mit ſeinem Blute ſich erkauft und gekauft hat, nach ſolchen abſcheulichen Grundſätzen im Ernſt den Lutheranern als echt lniheriſch zu empfehlen. Allein, da nun doch ſelbſt ein ſolcher Aufſatz un⸗ ter Herrn Ludwigs Redaktion ſeinen Weg in den „lutheriſchen Herold“ hat finden können, ſo wolle er es uns doch nicht verdenken, wenn wir den Wunſch ausſprechen, das Blatt möge der Ver⸗ autwortung eines eben ſo tüchtigen als treuen Theologen übergeben werden; ſollte dann auch immerhin das Blatt eine andere „Form des Kleides“, als in welcher wir auftreten, bevor⸗ worten, ſawürden wir es dennoch, ſo es mit uns für dieſelbe „Lehre“ aufrichtig zeugte und mit uns darüber wachte, mit der aufrichtigſten Freude brüderlich begrüßen und nicht ſcheel ſehen, wenn es bald ſo rüſtig und kräftig ſein Werk ausrich⸗ tete, daß der arme „Lutheraner“ hinter ihm ver— ſchwände. In Amerika ſcheint man freilich ſich nie zu dem Glauben erheben zu können, daß es noch Menſchen gibt, die bei ihrem Tadel Anderer nicht von niedrigen Intereſſen, ſondern allein von der Liebe zur Wahrheit und zu den unſterb⸗ lichen Seelen geleitet werden ſollten; das kann uns aber nicht abhalten, der Wahrheit Zeugniß zu geben und um den menſchlichen Tag unbe⸗ kümmert allein auf jenen Tag zu ſehen, wo der Rath der n geoffenbaret werden wird. 1 Cor. 4, 3 — Dürften wir uns erlauben, Herrn Ludwig einen Vorſchlas zu machen, wodurch ihm nichts weniger als der Weg abgeſchnitten wird, mit ſeinem Pfunde zu wuchern, ſo wäre es dieſer,