Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 19 › Seite 150
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-05-13, Seite 150
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zum Schemel deiner Füße. So laßt euch nun
weiſen, ihr Könige, und laßt euch züchtigen,
und freuet euch mit Zittern. Küſſet den Sohn,
daß er nicht zürne, und ihr umkommet auf dem
Wege.“
den Gott der Vater vor aller Welt durch die Auf—
erweckung erhöhet und dem er einen Namen ge—
geben hat, der über alle Namen iſt; daß in dem
Namen JeEſu ſich beugen ſollen alle derer Kniee,
die im Himmel und auf Erden, und unter der
Erde ſind; und alle Zungen bekennen ſollen,
daß IEſus Chriſtus der HErr ſei, zur Ehre Got—
tes des Vaters. Ach, bedenke, der du IEſu die
Ehre der Anbetung verſagſt, du ſtreiteſt wider
Gott ſelbſt, du biſt ein Feind des Allmächtigen,
du biſt ein Empörer wider den Allerhöchſten, den
Herrn aller Herren, den König aller Könige;
fährſt du fort, den Stein, den die Bauleute einſt
verworfen haben und den Gott ſelbſt zum Eck⸗
ſtein gemacht hat, zu verwerfen, wehe dir dann
ewiglich: Dieſer Stein, auf welchen du deine
Seligkeit bauen ſollteſt, wird dann auf dich fal—
len und dich zermalmen und du wirſt einſt unter
ihm Ach und Wehe über deine Seele ſchreien von
Ewigkeit zu Ewigkeit.
2.
Doch, m. Th., ich hoffe, ihr ſeid alle zur Ge⸗
nüge überzeugt, daß die Auferſtehung IEſu Chri⸗
ſti wirklich ein guter, feſter Grund iſt für uns
Chriſten zu dem freudigen Bekenntniß, daßChri⸗
ſtus Gottes Sohn und daß ſein Wort Wahrheit
iſt. Der Welt iſt aber nicht nur dieſes Bekennt⸗
niß der Chriſten höchſt anſtößig, ſondern auch
das zweite, was die Chriſten thun': daß ſie und
nur ſie bei Gott in Gnaden ſtehen. Ja, dies iſt
der Welt, wenn nicht noch ärgerlicher, doch eben
ſo ärgerlich, als das erſte.
Wie? ſpricht die Welt, ihr Chriſten wollt al⸗
lein Gottes Kinder ſein? allein Gottes Ge⸗
liebte und Auserwählte, allein die Heiligen und
Reinen? Wie? das iſt eure viel gerühmte
chriſtliche Demuth? Pfui, des häßlichen Phari⸗
ſäismus! pfui, des lächerlichen Stolzes! Was
ſeid ihr Beſſeres, denn wir? Seid ihr nicht ſo⸗
wohl Sünder, wie wir? — Und ach, es gibt lei⸗
der! ſo manchen Chriſten, der durch dergleichen
Widerreden der glaubloſen Welt ſich einſchüchtern
läßt, daß er nicht fröhlich und getroſt zu ant⸗
worten wagt: Und wenn ihr euch noch ſo ſehr
darüber entſetzet, ſo wollen und können wir den⸗
noch nicht aufhören zu bekennen: Ja, wir ſind
bei Gott in Gnaden, wir ſind ſeine Geliebten,
wir ſind ſeine Auserwählten, trotz Sünde und
Welt, trotz Tod und Hölle.
Nun iſt es freilich wahr, gründeten wir Chri⸗
ſten dieſen unſeren Ruhm auf unſere Werke, auf
unſere Frommigkeit und Gerechtigkeit, auf unſer
Verdienſt und unſere Würdigkeit, ſo müßten wir,
ſo oft wir dies Bekenntniß thun wollten, ſcham⸗
roth werden; denn wir müſſen es allerdings der
Welt eingeſtehen, wir Chriſten ſind von Natur
kein Haar beſſer und würdiger, als der ärgſte
unter den Sündern; wir müſſen es ihr eingeſte⸗
hen, in uns ſelbſt außer Chriſto ſind wir auch jetzt
noch ebenſowohl, wie alle Menſchenkinder, arme,
Du willſt dich dem nicht unterwerfen,
erröthen, bekennen können:
— 150—
elende, verlorene Sünder, die mit ihren Sünden
nichts als die Hölle und Verdammniß verdient ha⸗
ben und keiner Liebe Gottes, ſondern allein ſeines
ganzen Zornes und ſeines ewigen Haſſes würdig
ſind. Daß wir aber ſo fröhlich und getroſt, ſo kühn
und trotzig vor alle Welt hintreten und, ohne zu
Wir ſind dennoch
Gottes auserwählte Kinder und ſtehen bei ihm
in ewigen Gnaden, dazu liegt der Grund, der
gute, feſte, ewig unwandelbare Grund nirgends
anders, als — in der Auferſtehung JEſu
Chriſti, deren wir heute gedenken.
Zwar ſcheint bei dem erſten Anblick unſere Ver—
ſöhnung mit Gott und unſere Begnadigung ge⸗
rade mit der Auferſtehung Chriſti am we⸗
nigſten zuſammenzuhängen; aber betrachtet man
dieſelbe genauer, ſo erhellet alsbald, daß gerade
dieſe glorreiche Thatſache der rechte diamantene
Grund nicht nur unſeres Glaubens an Chriſti
Gottheit, ſonvern auch alles unſeres Troſtes, al⸗
ler unſerer Hoffnungen, unſeres ganzen Heiles
ſei. Der Zuſammenhang aber iſt dieſer: Als
Chriſtus auf Erden auftrat, da ließ er von ſich
ſeinen Vorläufer predigen: „Siehe, das iſt Got⸗
tes Lamm, das der Welt Sünde trägt;“ und er
ſelbſt erklärte nicht nur, daß er gekommen ſei, zu
ſuchen und ſelig zu machen, das verloren iſt,
ſondern verkündigte auch, auf welche Weiſe er
dies vollbringen wolle; er erklärte nehmlich, er
wolle als der gute Hirt aller Schaafe ſein Leben
für die Schaafe laſſen, er wolle ſeinen Leib für
ſie in den Tod dahin geben und ſein Blut zur
Vergebung ihrer Sünden vergießen. Dies ſprach
er noch in der letzten Nacht vor ſeinem Tode, als
er das Mahl des Gedächtniſſes ſeines Todes ein⸗
ſetzte. Und als er endlich am Kreuze hing und
nach unausſprechlichen Leiden ſich ihm die Pfor⸗
ten des Todes bereits öffneten, rief er laut: „Es
iſt vollberacht!“
Nun entſtand aber die Frage: Iſt's wirk⸗
lich vollbracht? — Wohl iſt IEſus todt;
das große ſchwere Opfer, er hat es dargebracht;
aber iſt das Werk, das er damit vollbringen
wollte, wirklich vollendet? Was ſpricht Gott der
Vater hierzu? iſt er wirklich verſöhnt? iſt die
Sünde wirklich getilgt? iſt dem göttlichen Ge—
ſetz wirklich genug gethan? iſt die Schuld wirk—
lich bezahlt? iſt die göttliche Gerechtigkeit wirk—
lich befriedigt? — Und was geſchah? — Nach
dreien Tagen kam die Antwort auf alle dieſe
Fragen vom Himmel ſelbſt herab. Gott der Va⸗
ter erweckte nehmlich den, den unſere Sünden⸗
laſt hinabgedrückt hatte in die Behauſung der
Verweſung und der um unſerer Schuld willen in
den Schuldthurm des Todes geworfen worden
war, wieder von den Todten auf; und hiermit
hat denn Gott der Vater vor der ganzen Sünder⸗
welt und vor allen Himmeln es bezeugt: Ja,
es iſt vollbracht, das Werk der Erlöſung
der Sünder; ich bin verſöhnt; mein Geſetz
iſt erfüllt, die Schuld iſt bezahlt; darum freuet
euch, ihr Sünder, ihr habt Gnade gefunden;
die Scheidewand, die mich und euch geſchieden,
ſie iſt niedergebrochen; der Höllen Pforten ſind
geſchloſſen und meines Himmels Thore, meine
Vaterarme, mein Vaterherz, es iſt euch aufge⸗
than. Sehet da, den, der euer Bürge und Ver⸗
treter war in meinem Gerichte, ich gebe ihn hier—
mit öffentlich und feierlich los und ſpreche ihn
gerecht; darum freuet euch, in ihm ſeid nun
auch ihr gerecht; jauchzet, jubelt, ihr ſeid frei!
Das, das iſt es, warum nun alle gläubige
Chriſten vor aller Welt bekennen können: Welt,
wiſſe es, wir ſind waͤhrhaftig bei Gott in Gna—
den! Spricht ſie: Aber ſeid ihr nicht noch Sün⸗
der und darum Schuldner? So können ſie ant⸗
worten: Nein; wer will die Auserwählten Got⸗
tes beſchuldigen? Gott iſt hier, der gerecht macht,
er hat unſeren Bürgen gerechtfertigt, und mit!?
ihm auch uns. Spricht die Welt ferner: Aber;
verdammt euch nicht noch das Geſetz? ſo können
ſie antworten: Nein; wer will verdammen?
Chriſtus iſt hier, der geſtorben iſt, ja, vielmehr,
der auch auferwecket iſt, welcher iſt zur Rechten
Gottes und vertritt uns; der hat das Geſetz er⸗
füllt. Spricht die Welt weiter: Aber erwartet
euch nicht der Tod und droht euch nicht doch die
Hölle? ſo können ſie antworten: Nein; unſer
Tod iſt kein Tod mehr, ſondern die Pforte des
Lebens, und die Hölle? ihrer können wir lachen;
denn der Tod iſt verſchlungen in den Sieg; Tod,
wo iſt dein Stachel? Hölle, wo iſt dein Sieg?
— Gott aber ſei Dank, der uns den Sieg gege⸗
ben hat durch unſeren HErrn IEſum Chriſtum.
Spricht endlich der Schwärmer: Aber fühlt
ihr nicht, daß ihr noch Sünde habt? verdammt
euch nicht oft euer Herz noch? Wie könnet ihr
alſo von Gnade und Gerechtigkeit rühmen? ſo
können ſie antworten: Wohl liegt das Gefühl
ter Sünde und Schuld noch ſchwer wie ein
Stein auf unſeren Herzen und Gewiſſen, preßi
uns oft noch Thränen und Seufzer aus und
will oft des Glaubens glimmendes Döchtlein uns ö
auslöſchen; aber wiſſe, nicht in unſerem Herzen
ſuchen wir den Grund unſres Troſtes; komm,
gehe mit uns in den Garten Joſephs von Ari⸗i
mathia, da wollen wir dir zeigen, was uns
Troſt gibt. Was findeſt du da? — Ein Grab;“
in dieſem Grabe wurde der verſchloſſen, der un⸗
ſere Sünden auf ſich genommen hatte. 2*
ſiehe! der Stein iſt abgewälzt, das Grab iſt
leer, und leuchtende Boten Gottes rufen uns zu:“
„Er iſt erſtanden!“ O ſelige Botſchaft!“
„Halleluja! Halleluja!“ ſo muß nun ein jeder
Chriſt dem himmliſchen Boten nachjauchzen,!
„hinweggewälzt iſt der Stein von dem Grabe
meiner Sünden, meines Todes, meiner Ver⸗
dammniß! mein Bürge iſt erſtanden, er iſt frei!
und ſchwingt triumphirend ſeine Siegesfahne.
Der iſt es, der mich tröſt't,
Weil er mich hat erlöſt;
Was ich geſündigt habe,
Hat er verſcharrt im Grabe,
Da hat er es verſchloſſen,
Da wird's auch bleiben müſſen.“
Was wundert ihr euch alſo, ihr Kinder dieſer
Welt, daß wir Chriſten bekennen, wir ſind bei!
Gott in Gnaden, wir ſind gerecht? Was wun⸗
dert ihr euch? Könnte doch die ganze Welt mit?
uns triumphiren, ſo ſie nur erkennen wollte, was!
heute auch zu ihrem Heile geſchah! Chriſtus,
war ja der Bürge der ganzen Welt; als er litt,
da war es nicht anders, als ob die ganze Welt
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