Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 19 › Seite 149

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-05-13, Seite 149

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„ —
* 5

Dieſelbe erfolgte nehmlich nicht etwa zufällig
uid unerwartet, ſondern nachdem ſie IEſus
ſchon längſt zuvor privatim und öffentlich, vor
„5reunden und Feinden als eine Wunderthat
voraus verkündigt hatte, womit er die Wahrheit
ſeines Zeugniſſes von ſich ſelbſt und die Gött⸗
lichteit aller ſeiner anderen Wunder verſiegeln
werde. Kaum war JIeEſus öffentlich unter Is⸗
miel aufgetreten, ſo gab er auf die Frage der
Juden, womit er ſeine göttliche Vollmacht be⸗
weiſen wolle, auf ſeinen Leib deutend, zur Ant⸗
vort: „Brechet dieſen Tempel, und am dritten
ETage will ich ihn aufrichten.“ Und als man
ſpäter trotz der herrlichen Wunder, welche er be—
nits vollbracht hatte, aus Vorwitz noch andere
geichen begehrte, da entwortete er: „Die böſe
und ehebrecheriſche Art ſucht ein Zeichen; und
teo wird ihr kein Zeichen gegeben werden, denn
das Zeichen des Propheten Jonas. Denn gleich—
wie Jonas war drei Tage und drei Nächte in
des Wallfiſches Bauch; alſo wird des Menſchen
Sohn drei Tage und drei Nächte mitten in der
Erde ſein.“ Zu anderer Zeit ſprach er vor einer
großen Verſammlung: „Ich laſſe mein Leben,
auf daß ich es wieder nehme. Niemand nimmt
es von mir, ſondern ich laſſe es von mir ſelber.
J habe es Macht zu laſſen, und habe es
Racht wiederzunehmen.“ Je näher aber die
Zeit des Todes Chriſti rückte, deſto öfter, deut⸗
licher und beſtimmter redete er auch von ſeiner
auf ſein Sterben folgenden Auferſtehung. Noch

u den Zwölfen: „Sehet, wir gehen hinauf gen⸗
Fruſalem, und es wird Alles vollendet werden,
nus geſchrieben iſt durch die Propheten von des
Renſchen Sohn. Denn er wird überantwortet
wvwerden den Heiden; und er wird verſpottet, und

Tage wird er wieder auferſtehen.“ Ja, wie wir
bereits gehört haben, noch in dem letzten gericht—
lichen Verhöre gab JEſus ſeinen Richtern zu er—
kennen, daß ſein Tod und Grab die letzte Stufe
ſeiner Erniedrigung ſein, und daß darauf als⸗
bald die Offenbarung ſeiner göttlichen Kraft und
bertlichkeit folgen werde.

Unnd was iſt geſchehen? hat JIEſus dieſes ſein
großes Wort auch halten können? und
nnd hat er es gehalten? — Ja, — gelobet ſei
Pſus Chriſtus! — er konnte es halten und
ethat es gehalten “). Mit dem erſten Mor⸗
genſtrahl des dritten Tages, nach ſeinem ſchmäh⸗
ligen Tode am Kreuze, ſiehe! da drang Chri⸗

) Bekannt iſt, daß zu Anfange des vorigen Jahrhunderts
he aus den Sevennen nach England geflüchteten ſchwär⸗
nrriſtden ſogenannten Inſpirirten, um die Göttlichkeit
ihrtr angeblichen Offenbarungen über allen Zweifel zu er⸗
Ekeben, ſich endlich anheiſchig machten, einen gewiſſeen Mann
Eüner Genoſſenſchaft, den Arzt Thomas Emes, welcher den
. R. des Chriſimonats 1707 geſtorben war, den 25. Mai des
fogenden Jahres durch den Ritter Lacy wie der erwecken zu
laſen. Der beſtimmte Tag kam und eine unermeßliche
Mage Volkes ver ſammelte ſich um Emes' Grab, um Zeu⸗
Een ves verheißenen großen Wunderwerkes zu ſeins Aber

demit, daß er ſelbſt noch keinen Befehl vom „Geiſtie“ zu
dieſem Werke erhalten habe. Voll Unmuth zerſtreute ſich

iaf ſeiner letzten Reiſe nach Jeruſalem ſprach 0

echmähet, und verſpeiet werden; und ſie wer⸗
den ihn geißeln und tödten; und am dritten

nas geſchah? — Lacy blieb außen, und entſchuldigte ſich

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ſtusmit ſeinem verklärten Leibe, wie das Licht
durch das Glas, ohne es zu verſehren, dringt,
durch den Grabſtein, ohne ſeine Siegel zu zer⸗
brechen, und ein Engel ſtieg vom Himmel herab,
wälzte unter dem Erbeben der Erde den Stein
von der Offnung der Gruft, zeigte, daß das
Grab leer ſei, und rief denen, die IEſu Leich⸗
nam ſuchten, um denſelben zu ſalben, zu: „Was
ſuchet ihr den Lebendigen bei den Todten? Er

—

iſt nicht hier; er iſt auferſtanden!“ Und

dies Wort: „Der Herr iſt erſtanden!“ iſt hier⸗
auf mit Blitzeseile von Mund zu Mund ge⸗
gangen, hat wie ein Schall aus der Poſaune
Gottes ſelbſt, alle Lande durchtönt und fortge⸗
tönt durch alle Jahrhunderte bis auf den heuti⸗

gen Tag und ſich als ein wahrhaftiges Wort
durch die göttliche Kraft erwieſen, die es an

Millionen Herzen geäußert hat und noch bis

dieſe Stunde äußert, zu erwecken, zu beleben,
zu erneuern und den Himmelsfrieden zu geben,

den ſonſt nichts in dieſer Welt geben kann.

O welch' einen guten, feſten, unerſchütterli⸗
chen Grund zu einem freudigen Bekenntniß un⸗
ſeres Glaubens, daß IEſus Gottes Sohn ſei,

haben daher wir Chriſten! Aus der Auferſteh—

ung IEſu Chriſti erſehen wir: Da, wo aller

Menſchen Macht zu Ende iſt und wo auch der
Mächtigſte in der Welt ohnmächtig wird, im
Tode, — da iſt doch IJEſu Macht nicht zu

Ende; ja, da hat ſie ſich erſt in ihrer unüberwind⸗
Da, bis wohin kei⸗
nes Menſchen Weisheit reicht; wo es bei allen
»Menſchen plötzlich aus iſt mit allen ihren Plä—
nen, Entwürfen, Anſchlägen; wo es bei allen
mitten in ihrem Laufe heißt: „Bis hieher, und
nicht weiter!“ im Tode, — da iſts doch nicht
aus mit JEſu Rathſchlüſſen; ja, da hat er
eben, was er beſchloſſen hatte, herrlich ausge⸗
Da, wo es offenbar wird, daß auch der
Höchſte auf Erden, der von anderen vergöttert
wurde oder ſich ſelbſt vergötterte, doch auch nür
ein Menſch war, ein Sohn des Staubes, der
wieder Staub wird, der ſich nicht ſelbſt helfen
kann, im Tode, — da wird es bei. JEſu of⸗
fenbar, daß Er nicht nur eine menſchliche Natur
habe, vermöge welcher er ſterben konnte, ſondern
daß in dieſer ſterblichen Menſchennatur zugleich
eine andere wohnte, welche das Leben in ſich
ſelbſt hatte; die die Quelle des Lebens ſelbſt war;
die nicht auf Belebung warten mußte; welche
daher kein Tod von der aufgelöſten Menſchen⸗
natur trennen konnte; eine andere, welche viel⸗
mehr mächtig war, den zerbrochenen Tempel der
Menſchheit in dreien Tagen wieder aufzubauen.
Aus der Auferſtehung IEſu Chriſti ſehen wir, daß
er ein Herr iſt auch über den König desSchreckens,
den Tod; ein Herr deſſen, der jede Crratur, die
in ſein Reich kommt, mit unzerreißbaren Banden
Aus der Aufer⸗
ſtehung IEſu Chriſti ſehen wir alſo, daß er der
Herr des Todes und Fürſt des Lebens — der
wahrhaftige Gott und das ewige Leben ſelbſt iſt.

lichen Größe geoffenbaret.

führt.

bindet und ſich zu Füßen legt.

Herzen denken: Aber vielleicht hat Gott der Va⸗
ter Chriſtum auferweckt, wie kann das aber

Sunamitin darum Gottes Sohn, weil El iſa ihn
von den Todten erweckt hat? — Hierauf ant⸗
worte ich: Gott der Vater hat JEſum nicht nur
„vielleicht“, ſondern laut der Schrift gewißlich
und wahrhaftig auferweckt, denn was der Sohn
thut, das thut gleich auch der Vater. Aber weit
entfernt, daß dies den in der Auferſtehung Chri⸗
ſti liegenden Beweis für ſeine Gottheit entkräf⸗
ten ſollte, ſo erhebt gerade dies dieſen Beweis
über allen Zweifel und Widerſpruch auf die höch⸗
ſte Stufe der Gewißheit. Bedenket, wer nicht
wahrer Gott iſt, und doch ſpricht, es ſollen ihn
alle ehren, wie ſie Gott den Vater ehren, der iſt
ein Gottesläſterer. Chriſtus aber hat ſo geſpro⸗
chen; Chriſtus hat ſich Gott gleich gemacht, und
ſein Recht hierzu durch ſeine Auferſtehung am
dritten Tage nach ſeinem Tode zu beweiſen ver⸗
ſprochen. Was würde nun Gott der Vater ge⸗
than haben, wäre Chriſtus nicht geweſen, wofür
er ſich erklärt hatte? Würde er ihn auferweckt
haben? — Nimmermehr! — Da nun aber der
Vater ihn doch auferweckt hat, ſo hat Gott da⸗
mit thatſächlich Chriſti eignes Zeugniß von ſei⸗
ner Gottheit beſtätigt und verſiegelt. Ja, durch
die Auferweckung Chriſti hat Gott der Vater
ſelbſt lauter, als vormals am Jordan, vor aller
Welt vom Himmel herabgerufen: „Siehe, das
iſt mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlge—
fallen habe ;. den ſollt ihr hören.“ Durch die
Auferweckung Chriſti hat Gott der Vater zu al⸗
lem, was Chriſtus von ſich ſelbſt gezeugt hat,
ſein ewig entſcheidendes feierliches Jawort gege⸗
ben; damit hat Gott der Vater ſelbſt geſagt:
Ja, ihr Menſchen, dieſer IEſus iſt nicht nur
ein Menſch, ſondern zugleich euer Gott; gleiches
Weſens mit mir, mit mir gleich ewig, gleich groß
und herrlich, von gleicher göttlicher Hoheit und
Majeſtät, und ihm gebührt, wie mir, Preis, Ehre
und Anbetung von Engeln und Menſchen, im
Himmel und auf Erden, von Ewigkeit zu Ewig⸗
keit.

Sehet, ihr Chriſten, getroſt könnet ihr hier⸗
nach vor aller Welt bekennen, daß IEſus Chri⸗
ſtus Gottes Sohn ſei. Es iſt unmöglich, daß
ihr euch hier irren könntet, denn Gott den Va⸗
ter ſelbſt habt ihr hier zum Zeugen. Getroſt
könnt ihr dem Spötter, der höhnend euch fragt:
Wie? du beteſt einen Gekreuzigten an? antwor—
ten: Ja! denn er iſt mein HErr' und dein
HErr; er iſt mein Gott und dein Gott; dar⸗
um bete ich ihn an und will ihn anbeten in alle
Ewigkeit. Aber du, der du dich ihm nicht un⸗
terwerfen willſt, zittere! Du willſt dich dem nicht
unterwerfen, der durch ſeine glorreiche Auferſteh⸗
ung, wie der große Heidenapoſtel ſchreibt, „kräf⸗
tiglich erwieſen iſt ein Sohn Gottes“, der es da⸗
durch ſelbſt bewieſen hat, daß er habe die Schlüſ⸗
ſel des Lebens und des Todes, die Schlüßſel des
Himmels und der Hölle, und daß er daher ſelig
machen, aber auch Leib und Seele verderben
kann in die Hölle. Du willſt dich dem nicht un⸗
terwerfen, zu dem der Vater durch ſeine Aufer⸗
weckung von den Todten thatſächlich vor Him⸗
mel und Erde geſprochen hat: „Du biſt mein
Sohn, heute habe ich dich gezeuget. Setze dich

Hier wird jedoch vielleicht mancher in ſeinem

dee Meuge. Chriſti Gottheit erweiſen? War der Sohn der

zu meiner Rechien, dis ich deine Feinde lege

—

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