Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 19 › Seite 155
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-05-13, Seite 155
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wuͤrde er wohl thun, wenn ihn die Laune anwandelt mit ſeinen ge⸗
Unfizen Schimpfworten: Miethlinge, Miethsprediger, Fleiſchliche
A. dgl. um ſich zu werfen, ern ſtrich das apoſtoliſche Wort zu beherzi⸗
gen: „Wenn ich mit Menſchen⸗ und mit Engel⸗
jungen redete, und hätte der Liebe nicht, ſo wäre
ich ein tön en des Erz und eine klingende Schelle
— ich wäre nichts“. Gott ſei Dank, daß wir von dem Rich⸗
terſpruch eines Solchen unabhängig ſind!
4. Das Verfahren des Berichterſtatters iſt im höchſten Grad
anmaaßen d. Zwar iſt er Vicepräſes der Synode von Miſſouri ꝛc.,
abet ries macht ihn noch keineswegs zum Oberaufſeher der ganzen
lutheriſchen Kirche, wozu er ſich berufen zu halten ſcheint. Wir be
nachten ſeinen Verſuch, der Ohio -Synode ſchon vor mehreren Jah
un zu dietiren was ſie zu thun und nicht zu thun habe, nicht wie er
als Herablaſſung und Gunſt, ſondern vielmehr als eine Verletzung
ees Anſtandes und der Demuth. Hat er aber noch nicht ſo viel Be⸗
ſcheidentzeit gelernt, ſo wird er im Namen der Synode gebeten, ſie in
Zukunft mit ſeinem Rath nicht zu beehren, bis ſie ihn darum
bittet. Aufgedrungener Rath iſt immer fruchtlos. Da
enun aber vergeſſen zu haben ſcheint, daß ſich ſein Viſitatorami
nur über das Gebiet der Miſſouri ꝛc. Synode erſtreckt, ſo iſt ſeine
unberufene Einmiſchun3 in vie kirchlichen Angelegenheiten der Ohio
Synode pure Anmaaßung. In dieſem Geiſte hat er aber ron
Unfang an unter uns gehandelt; ia, es will uns faſt ſcheinen, er
neine, er allein habe ein Gewiſſen, und wenn zufällig jemant
Unter uns dergleichen noch habe, ſo müſſe man es verletzen und nach
dem ſeinigen ſich richten.
. 5. Auch der Verläumdung hat er ſich ſchuldig gemacht. —
Lulher erklärt das achte Gebom alſo: Wir ſollen Gott fürch⸗
en und lieben, daß wir unſern Nächſten nicht
fälſchlich belügen, verrathen, afterreven over bö⸗
ſen Leumund machen, ſondern ſollen ihn entſchul⸗
digen, Gutes von ihm reden, und Alles zum
deſten kehren. Der Berichtgeber wird wohl nicht läugnen,
naß dieſe Erklärung ächt lutheriſch iſt. — Nun die Anwen⸗
rung! Er beſchuldigt den Präſidenten der Synode, der ihm gewiß
jumer mit Achtung und Liebe begegnete, daß er (in unioniſtiſchem
Geiſte) an Paſtor Heid geſchrieben habe: „Das thut nicht
in Amerika“! Zugleich ladet er ihm auch (etwa in chriſtlicher
Liebe?) verläumderiſch die Abſicht auf, damit „Gottes Wori
und Ordnung nach amerikaniſcher Unordnung zu
neſſen“. Dazu kömmt noch die Afterrede Über die Ohio ⸗Sy⸗
node, daß ſie lieber amerikaniſchem Geſchmack, als dem Wort und
der Ordnung Gottes folge. Erſtlich nun iſt die Behauptung, daß
der Präſident in ſolchem unioniſtiſchen Geiſte Rath giebt, gänzlich
aus der Luft gegriffen, wie in der Folge in Verbindung mit Candi⸗
dat Kleinegees Namen gezeigt werden wird; zweitens aber liegt in
dieſem Augenblick ein eigenhändiger Brirf von Haſtor Heid vor mir,
der auf die Anfrage des Präſidenten die runde Erklärung giebt, daß
unie von ihm einen Brief erhalten habe. Mit welchem Rechte
hat nun Dr. Sihler den Ehrw. Präſidenten in dieſe Stellung hinein⸗
geängt? Wie viel Kraft oder Wahrheit enthalten denn die an⸗
derthalb Spalten füllenden Schlüſſe, die durchweg auf jene grund⸗
falſche An gabe ſich ſtützen, daß der Yr äſident ſo geſchrieben habe.
Die mit ſeiner gewohnten Zuverſichtlichkeit gemachte Anklage iſt daher
nichs als grobe Verläumdung.
6. Dies zeigt nun auch deutlich, daß der Berichtende fleiſchlich
gehandelt hat, wie er ſo gern Andere beſchuldigt. Das iſt nicht
fleiſchlich, auf blohe Murthmaßung hin den Präſidenten und
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nicht. Rath habe ich meines Wiſſens in jener Rüge der Ohio⸗Synodt nicht
gegeben, obwohl ſie ihn, wenn er gut wärr, ſelbſt von mir annehmen ſollte,
der ich zudem nie ihr Feind geweſen bin, auch durch die Geſinnungsrichterei
des Herrn L. nicht werden will. Wir werden ja einſt beide vor dem offenbar,
der in das Verborgene ſieht, und den Rath der Herzen offenbaren wird. —
ad 5. Hierbei verweiſe ich auf die berrits früher an den Lutheraner
eingeſandte Berichtigung. Wenn aber gleich die Irrung vorfiel daß ich das
„Sp.“ in Päſtor Heids Brief für Spielmann und nicht für Spengler nahm, da
in dem Briefe früher von jenem, aber gar nicht von dieſem die Rede war, ſo
möge doch Herr L. beweiſen, daß jener kurze Nachweis, was in Amerika auch
in der Praxis der Ohio-Synode „thue“ und „nicht thue“ „grobe Ver⸗
leumdung“ ſei. Begehrt er aber Namen und Beweiſe (die ich aus Scho—
nung für diesmal zurückhalte) im Namen der Synode, ſo ſollen ſie ihm wer—
den. Dagegen fordere ich Herrn L. auf, mir Prediger ihres Verbandes zu
nennen, die, wie oben erwähnt, keine Miethsprediger ſind, und einen
„ordentlichen Beruf“ haben, die regelmäßige Gemeindeſchule halten, die
vom HErrn Chriſto gebotene Kirchenzucht in ihren Gemeinden haben und alſo
iyr Amt nicht nach amerikaniſchem Geſchmacke, ſondern nach Gottes Ordnung
ühren.
ad 6. Die Schimpfwörter: Zeloten und Inquiſitoren, die aus der
reichen chriſtlichen Liebe des Herrn L. fließen, verzeihe ich ihm, da ſie ihm theil⸗
weiſe aus der fälſchlichen Annahme eniſtanden ſind, daß ich Herrn Spielmann
erläumdet haätte (ſiehe ad 5). — Es iſt ihm eben, da er ein gründlicher
Mann nud guter Portrait-Maler iſt, darum zu thun, ja keinen Zug zu über⸗
ſehen und ailen Fleiß anzuwenden, meine erſchreckliche Mißzeſtalt möglichſt
genau darzuſtellen; deßhalb habe ich nicht nur „falſch und u ngerechr
gehandelt, und bin nicht nur „lieblos, anm aß end und verläum⸗
deriſch“ (dieſes, wenn es wahr wäre, hätte in dieſem Regiſter billig zuerſt
kommen ſollen), ſondern auch „fleiſchlich“; und allerdings hätte ich nichts
rawider, ja ich wäre ſogar teufliſch, wenn eben die Beſchuldigung in
Ro. 5 begrändet wäre, und ich wirklich gelogen, und nicht vielmehr, wie es
am Tage iſt, mich geirrt hätte.
ad 7. Der unpartheiiſche Leſer wird hierbei bemerken, wie der treffliche
Portraitmaler, Herr L., immer mehr in Begeiſterung geräth und mich gleichſam
roth und feuerfarben als ſolchen Inquiſitor darſtellt, der die arme Ohio⸗
Synode „als Ketzer zur Guillotine“ (de Kopfabſchneide⸗Maſchine
aus der franzöſiſchen Revolution) verdammet, wenn ſie nicht „aufs Jota
ſeine kirchlichen Gebräuche mitmache“; fürwahr, faſt fange ich
an, mich vor mir ſelber zu fürchten; denn für einen ſolchen Wütherich, wahr⸗
ſcheinlich durch meine Eigenliebe an der tiefern Selbſterkenntniß gehindert,
pätte ich mich, wenigſtens in meiner Handlungsweiſe nach Außen, noch nicht
erkannt, wenn nicht Herr L. nach ſeinem tiefen, durchſchauenden Blicke den
ſchauerlichen Abgrund meines blutdürſtigen Herzens mir blitzartig enthüllt,
und mir zum Bußſpiegel vorgeſtellt hätte. Nein! mein lieber Herr Lehmann,
weder Sie noch Ihre werthen Amtsbrüder haben von meinem Zorn ſolches
ſchreckliche Schickſal zu erwarten. Was ſollte aus dem Seminar zu Colum⸗
bus, ja aus der ganzen Ohio-Synode werden, wenn ihr beredteſter Deklama⸗
tor verſtummte, wenn ihr gewandteſter Gladiator (Fechter) keine Luftſtreiche
mehr thäte?
Aber Scherz bei Seite! denn dem armen Herrn L. iſt es bel dieſer Be⸗
ſchuldigung des „UInlutheriſchen“ wirklich begegnet, daß er fleiſchlich
und verläumderiſch geworden iſt. Denn wo und wann hätte ich jemals
von der Ohio⸗Synode wider den 7ten Artikel der Augsb. Conf. Gleichförmig⸗
keit in ſolchen kirchlichen Ceremonien verlangt, die an und für ſich gleichgültig,
uns nicht im engeren und ſtrengeren Sinne Ausdruck des Bekenntniſſes ſind?
Und zumal in der „Denkwürdigkeit“, wo iſt da von Ceremonien die Rede?
Herr L. müßte es denn, wie es ſcheint, für eine gleichgültige Ceremonie halten,
daß man Reformirten, als ſolchen, das heilige Abendmahl reicht. Und
was iſt denn das für eine giftig verdächtigende Rede, da er ſchreibt: „wir
können daher nie uns dazu verſtehen, Lutherthum und
*) Es wird übrigene, als geſchichtliche Berichtigung dem gelehrten Herrn Proſeſſor kund und
zu wiſſen gethan, daß zur Zeit der Guillotine ieine Keter (Proteſianten) durch ſit abgethan
wurden, und wiederum zur Zeit der Proteßanten⸗Ermordung noch keine Guillotine erfunden
war. Cr hätte a.ſo weislicher gethan, aus dem Iuthberan Standard den General Haynau zu
borgen, dem ich daſcil ſt in meinem dictatoriſchen IAngrimm und unmenſchlichen Blutdurſt gegen
die Synode, deren Repräſentant er iſt, auf ſo gemeine Weiſe zu ver⸗ vie armen Schlacht ſchäfltin der Ohio⸗Synode zu meinern nicht geringen Ergöten verglichen wurde.
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