Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 19 › Seite 158

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-05-13, Seite 158

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Urthell fällte, und Dr. Sihler nicht unterthänigſt um ſeinen Ratl
bat.

Selbſt der Geſchäftsgang entgeht nicht dem Tadel unſers Kritikere.
Ehe nur irgend ein Glied ſeinen Namen gehört, hatte die Synora
ihren Geſchäftsgang fortgeſetzt, und dieſer wird höchſt wahrſcheinlich
unverändert kleiben, auch wenn er es nicht vergeſſen ſollte, ſich
perioriſch darüber verlauten zu laſſen.

Seine Bezugnahme auf den Vorfall mit Candidat Kleinegeet
zeigt nur wieder, wie er, je nach Gefallen oder Mipfallen, ſogleid
lobpreiſt oder verurtheilt. Von ihm wußte Dr. Sihler ſo viel wie
nichts, wenigſtens war er mit der Sachlage, wie aus ſeinen Bemer
kungen klar genug hervorgeht, unbekannt, und doch iſt presto, wie
gewöhnlich, ein Handgreifliches“ Urtheil bereit. Damit er nun aber
über jine Angelegenheit micht ganz unwiſſend bleibe, ſo wird ihm
hiemit kund getban, vaß die Anfrage res Herrn Kleinegees auf Ver⸗
anlaſſung des bei Dr. Sihler in Ungnade geſallenen, un ion iſtiſch
geſinnten Pruͤſidenten geſchab, der ihm ſchon früher die Gründung
einer gemiſchten Gemeinde ernſtlich unterſagt, aber deſſen ungeachten
von ſeinem Vorhaben nicht abbrachte. Später kam, nach reiferer
Uekerlegung, Candivat K. zu einer beſſern Ueberzeugung, die er ſo⸗
wohl gegen den Ehrw. Praſidenten, als auch vor der Synode aus⸗
ſprach. Beſonders bemerkenswerth für Dr. Sihler iſt es, daß dier
auf Veranlaſſung des unioniſtiſchen Präſidenten unſerex uni⸗
onlſtiſchen Synode geſchah. Dies ſtellt in ganz anderem Lichte
als er meint, den Rath an Cand. Kl. dar, und zeigt, daß er gegen
rie Gründung gemiſchter Gemeinden, und offenbar nur für lu
theriſche Lehre und lutheriſche Sakraments⸗ unt
Amtsverwaltung ſich erklärt. Die Unklarheit des Beſchluſſes
hat lediglich darin ihren Grund, daß man die Augen gefliſſeutlich
zuſchließt und ihn nicht verſtehen will.

Die Bemerkung üiber die Ordnung der Synode in Bezug auf
Lizentiaten und lhren Ausſchluß aus der Miniſterial⸗Verſammlnng,
beweiſt, daß man ſich oft in Sachen miſcht, die einen gar nichts an⸗
gehen, und ven denen man gar nichts weiß, denn an zwei verſchie⸗
denen Stellen unſerer Miniſterial⸗Ordnung werden die Candi⸗

daten berechtigt, ja verpflichtet, den Miniſterial⸗Sitzungen belzu⸗
wohnen.

Mit der „zornigen Abfertigung“ über eine ſachgemäße Frage
vurch den ehrw. Vater, Herrn Paſtor Heinecke, verhält ſich's alſo.
Dr. Sihler erhielt nämlich, als er, der doch nur ein Gaft der Synode
war, in ungebührlicher Weiſe Vater Heinecke über ſeine Amtsführung
catechiſiren wollte, den in gerechter Entrüſtung gegebenen Beſcheir.
„Ich bin dafür meinem Gott, nicht Ihnen verantwortlich⸗
Man braucht nur zu wiſſen, mit welcher Dreiſtigkeit Dr. S. Verweis
und Rath der Syonode aufzudringen ſuchte, während die Synede von
Miſſourl uns nicht einmal als rathgebende Glieder auch nur aner⸗
kennt, ſo wird der ganze Hergang wohl verſtanden. Beiläufig be⸗
merkt, iſt auch das Gerlcht, das man mit ſo großem Fleiß zu ver⸗
breiten ſuchte, daß die ganze Synode auf die Fragen von Dr. Sihler
verſtummt ſel, durchweg falſch; wohl aber war ſie über deren Unbe⸗
ſcheidenhelt nicht wenig erſtaunt. Die einzige Verſtummung, die
dem Unterzeichneten bekannt iſt, war die, die auf einen nicht unveut⸗
lichen Wink der Spnode an Dr. S., daß man ſeiner nicht bedlirfe,
ſeinerſeits erfolgie.

und Kirche aufzugeben? So wie alſo ein lutheriſcher Paſtor zur beſſeren Er⸗
enatniß in dieſem Stücke gelangt, ſo iſt er gerade nach ſeinem jetzt gereinigten
ind geſchärften Gewiſſen es ſich, ſeiner lutheriſchen Gemeinde und den Refor⸗
nirten ſchuldig, jetzt auch das andere gründliche Verfahren einzuſchlagen, und
ſeine frühere Unwiſſenheit gern und willig den Betheiligten zu bekennen.
Aber auch in Hinſicht auf die Gockelen-Heidſche Sache bleibt die Wahr⸗
heit meiner Beſchuldigung ſtehen, daß die Synode ungerecht, alſo auch un⸗
chriſtlich, gehandelt habe; denn ſie hat nun doch einmal nicht den Kläger,
daſtor Held, gegenüber von Paſtor Gockelen gehört, auch nichts
jonſtig gethan, um eine unpartheiiſche Erkenntniß der Sachlage zu ge⸗
vinnen, ſondern ohne Weiteres den einſeitigen Verichten des Herrn Geckelen
vollen Glauben geſchenit, indeß doch jeder gerechte heidniſche Richter anders
ehandelt haben würde. — Aber warum dies? Herr vehmann giebt darüber
luſſchluß; denn nach ſeiner und wahrſcheinlich auch der Ehrw. Synode Mei⸗
iung heißt es ſchon „eEin Joch auf der Jünger Hälſe legen,
und ſie zur Ohrenbeichte zwingen“, daß Paſtor Heid bei ſeiner
Aebernahme jener Gemeinde Keinem das heil Abendmahl reichen wollte, der
ſich weigerte, von ihm über den Stand ſeiner chriſtlichen Erkenntniß befragt
zu werden. Hier maß man nun in der Tyat ſtaunend ſtill ſtehen; denn man
iſten Verlegenhen, ob man dieſe Worte des armen Menſchen, der ſich für
einen bekeuntnißtreuen Lulheraner hält, um auf's Glimpflichſte und Säuber⸗
zicyſte zu reden, ſeinem Kopfe oder ſeinem Herzen überwiegend zuſchreiben ſoll.
Zeoenſals wird jedem eyrlichen Lutheraner daraus von Neuen klar, daß Herr
v. (uno die Seinen) ſi h blos mit den Minde und dem Sq i ie nach zu den

irchlichen Syedolen betennen, da es doch faſt unmöglich iſt, anzunehmen,

daß ſein Verſtand auch hier noch ſo verfinſtert ſei. Alto das, was die zu er⸗
zdeulende Abſolution auch nach Art. 11. der Augsb. Conf. nothwendig vor⸗
ausſetzt, was die bewährteſten Kirchenleyrer den lutheriſchen Paſtoren zur
ernſteſten Gewiſſensſache machen, was ſeloſt auch die ſogenannte lutheriſche
Beneral-Synode (in der freilich veben iſt, weungleich ein krankhaftes) im
„luth. observer wenigſtens als heilſam und wünſchenswerth bezrugt, wo⸗
een allein der Diener der luthereſchen Kirche ſein Gewiſſen genugſam verwah⸗
ren kann, daß er wenigſtens durch ſerne Schuld, d. 1. durch Unterlaſ⸗
ſung der Befragung ſeiner einzelnen Kiichkinder, Niemandem das heil. Abend⸗

IUmayl zum Gericht reiche — das nennt Herr Lehmann „ein Joch auf

der Jünger Hälſe legen“, das nennt er „zur Ohrenbeichte
zwingen“. Hat ihn denn der Haß und Zorn und das geſchlagene Gewiſſen
wirklich alſo verolendet, daß er ſo thöricht und ungerecht redet? Oder ſollie
der Herr Prefeſſor in der That nicht wiſſen, daß die papiſtiſche Ohrenbeichtt
die Auſzählung aller Sünden ſei, die bei uns Nirmand verlangt? Sollte er
wirtlich den fur einen Glaubigen, für einen „Jünger Chriſti“
halten, der ſich weigert, nachdem er genugſem über ras Heilſame und Noth⸗
wendige davon belehrtiſt, ſeinem Seelſorger zu antworten, wenn er ihn über

ſeen Stand ſeinertchriſtlichen Erkenntniß befragen will? — Und ich frage ihn
Auf ſein Gewijſen: ſind veute, die in ſolcher ſtorrigen Meinung beharren und

uch deshalb von der Gemeinde trennen, nachdem ſie von Neuem belehrt, er⸗
ahnt, gewarnt jind, auch eine Gemeinde des HErrn, oder nicht vielmehr
muthwillige Separatiſten? Ich frage ihn ferner: hat in dieſem Falle „die
Herrſchlucht“ des Predigers die Spaltung veranlaßt, oder der boshafte
Eigenwille der Leute? — Und endlich: kann ſolche Menſchen ein bekenniniß⸗
treuer lutyeriſcher Paſtor als eine Gemeinde Gottes anſeyen und bedienen?
Der Fall endlich mit Paſt. Heinecke iſt nicht in richtiger Ordnung darge⸗
ſtellt. Es wurde nämlich der Beſchluß gefaßt: „daß die Prediger der Opio⸗
Synode gemiſchte Gemeinden nur als lutheriſche Perolzer bedienen
ſollten“ und weil natürlich durch ſoiche allgemeine Formel dem Perrn xleine⸗
gees für ſeine beſonderen Fälle doch kein Rath gegeben war, ſo erlaubte ich
mir beiſpielsweiſe, und an ſeine Verhäleniſſe anknupfeud, die Frage, was er
denn als lutheriſcher Prediger thun ſolle, wenn dieſer oder jener reformirtt
Vater auf die Confirmandenlehre ſeines Sohnes nach dem Heidelberger Kate⸗
chismus beſtehen ſollte? Und Herr L. wird ſich wohl beſinnen, daß
weder er, noch Paſtor Heinecke darauf eine beſtimmte Antwort gegeben hat.
Zum Schluſſe endlich fordere ich jeden unpartheiiſchen, aufrichtigen lu⸗
theriſchen Leſer auf, nachdem er die „Denkwürdigteiten in No. 14., Henn
Lehmann's Beſchuldigungen und dieſe meine Entgegnung geleſen hat, zu ent⸗
ſcheiden, ob ich wirklich „falſch, ungerecht, lieblos an maßend,
verläumderiſch, fleiſchlich und unluthertſch“ gehandelt, und

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