Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 9 › Seite 69

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-12-22, Seite 69

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Krankheit 14

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Gott und auch die Gemeinde um Vergebung des
von ihnen gegebenen Aergerniſſes und um Wie⸗
deraufnahme zu bitten. — Weiſen ſie ſeine Er⸗
mahnung ſtörrig und eigenwillig zurück, ſo habe
er nichts mehr mit ihnen zu ſchaffen.

Wolle dagegen der Candidat jene Leute anneh⸗
men, ehe er ſich auf jene vorgeſchlagene Weiſe
überzeugt hat, ob ſie im Nechte ſtehen oder nicht,

ſo habe der Paſtor auch dem Präſes desſelben

Meldung davon zu thun und ihn aufzufordern,
ſeine Einwilligung zu ſolcher leichtfertigen Hand⸗
lungsweiſe des Candidaten nicht zu geben.

4. Wie iſt mit ſolchen Kranken umzugehen,
die nicht in offenbaren Sünden gelebt, vielmehr
ſich äußerlich kirchlich und gottesdienſtlich gezeigt
haben, und wo doch auch keine offenbare Frucht
des Geiſtes vorhanden iſt?

Antwort: Bei dem jetzigen Ueberhandnehmen
des Heuchelchriſtenthums in nicht mehr rohen und
verwilderten Gemeinden wäre es allerdings im
vorliegenden Falle ziemlich unbedacht, alsbald
mit dem Tröſten zur Hand zu ſein. Im Gegen⸗
theil ſei es angemeſſen, zuerſt bei der Erforſchung
der Sünden⸗Erkenntniß und der Buße in dem
Kranken nicht ſo gar im Allgemeinen ſich zu hal⸗
ten und mit dem gewöhnlich ſehr bereitwillig ge⸗
lieferten „Ja“ zufrieden zu ſein, wenn dieſes auf
die Frage erfolgt, ob der Kranke ſich auch als
einen Sünder erkenne?

Erlaubt es nämlich die Art und Natur der
Krankheit oder das dermalige Befinden des Pa⸗
tieuten, ſo iſt es rathſam, einige beſondere Fragen
über dieſes und jenes einzelne Gebot zu thun,
um zu erforſchen, ob der Kranke einen geiſtlichen
Verſtand desſelben habe und ſeine Uebertretung
und Unterlaſſung eines jeden desſelben und darin
zugleich des ganzen Gebots der Liebe reu⸗
müthig er⸗ und bekenne, ſich an jedem einzelnen
Punkte ganz ſchuldig gebe, oder in dem Wahne
ſtehe, in ſeinem natürlichen, unwiedergebornen
Zuſtande das Geſetz nach Gottes Sinn und
Willen doch theilweiſe halten zu können?
Dabei ſind auch noch andere Fragen zu thun,

um, ſo weit menſchliches Auge reichet, die Auf⸗
richtigkeit der Buße zu prüfen. So z. B., ob es
genüge, wenn man bloß mit dem Verſtande
die Eitelkeit aller irdiſchen Dinge erkenne und
was auch davon los ſein müſſe? Ferner: was
von Rechts wegen einen bußfertigen Kranken
mehr plagen und beſchweren müſſe, als die
Schmerzen und der Druck der Krankheit? Ob
ein wachſender Haß und Abſcheu wider die ehe⸗
mals beliebten und gewohnten Sünden vorhan⸗
den ſei? Was einen bußfertigen Sünder mehr
ſchmerzen und bekümmern müſſe, als die übeln
Folgen dieſer oder jener ſündigen That? Wor⸗
nach der Kranke ſtärker begehren müſſe, als nach
der Geneſung des Leibes? u. dergl. Erſt bei
gewonnener Ueberzeugung, daß eine geſunde Er⸗

kenntniß des heiligen Geſetzes Gottes und des
einwohnenden ſündlichen Verderbens mit Reue
und Leid in dem Kranken da ſei, iſt es an der
Zeit, zu tröſten und mit dem Balſam des Evan⸗
geliums, mit dem Blute Chriſti das vom Geſetze
verwundete Herz zu heilen.

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Im entgegengeſetzten Falle aber muß erſt dem
Kranken das Geſetz geſchärft und er dringend
ermahnt werden (zumal wenn die Krankheit einen
langſamen Verlauf hat und mit nicht zu heftigen
Schmerzen verbunden iſt), etwa alle Tage ein
Gebot nebſt Erklärung vor ſich zu nehmen, den
Heiligen Geiſt um Erleuchtung ernſtlich anzu⸗
rufen und Herz und Leben nach jedem Gebote
gründlich zu prüfen; denn nur alſo könne er zur
reumüthigen, heilſamen Erkenntniß der Sünden,
zur rechten göttlichen Traurigkeit und zu dem
zerbrochenen Zöllnerherzen gelangen, das da aus⸗
rufe: „Gott, ſei mir Sünnder gnädig!“ Und
nur dann erſt könne ſich der gekreuzigte und auf⸗
erſtandene HErr Chriſtus an ſeiner Seele als
ſein Fluchträger und Schuldbezahler, als ſein
Gerecht- und Seligmacher lebendig erzeigen.

5. Kann ein Seelſorger einen Menſchen, der
die ſchwärmeriſche Wiederbringung aller Dinge,
und ſonderlich die endliche Beſeligung aller Gott⸗
loſen feſthält, mit dem Evangelio tröſten, wenn
dieſer zu Zeiten, wie er meint, in ſchwere geiſt⸗
liche Anfechtung fällt?

Antwort: Nein! wenn er nemlich früher ſchon
mehrfach genauer berichtet iſt, in welch' einem ge⸗
fährlichen Irrthum er ſtecke; wenn ihm nament⸗
lich gezeigt iſt, wie gar thörlich er mit der heiligen
Schrift umgehe; denn ſtatt dunkle, prophetiſche
Stellen, die etwa jene Wiederbringung anzudeuten
ſcheinen, durch die klaren Lehrſtellen, die ent⸗
ſchieden dawider ſind, zu erklären und die Ge⸗
wißheit feſtzuhalten, daß jene nicht wider dieſe
ſein können, mache er es gerade umgekehrt, und
ſtatt die Dunkelheit durch das Licht zu erhellen,
mache er dieſes trübe durch die Dunkelheit. Aus
dieſen klaren Stellen aber erhelle mit unzweifel⸗
hafter Gewißheit, 1. daß das Evangelium von
Chriſto, als die einige Möglichkeit, zur Vergebung
der Sünden und zur Seligkeit zu gelangen, nur
auf dieſer Erde verkündigt werde; 2. daß, wenn
er glaube bis zu ſeinem Tode, er in das ewige
Leben, und wenn er nicht glaube bis an ſein
Ende, in die ewige Verdammniß komme; 3. daß
demgemäß nur zwei jenſeitige Zuſtände ſeien,
nemlich der der Seligen und der der Verdammten,
aber kein Mittelort und Fegfeuer irgendwelcher
Art.

Auch ſei es praktiſch, dem Schwärmer die
Frage in's Gewiſſen zu ſchieben, ob er meine, daß
wenn er ſelber dem Heiligen Geiſte im Evan⸗
gelis bis daher widerſtanden hätte und bis zum
letzten Odemzuge widerſtehe, er nach dem Tode
noch Raum zur Buße haben werde? Verneint
er dies, wie er kaum anders kann, wenn noch
einige Aufrichtigkeit in ihm iſt, ſo hat er natürlich
für alle andern mit verneint; denn ſo gut wie er
könnten ja alle glauben, die das Evangelium
hören und die heilige Schrift haben oder doch
haben könnten.

Zuerſt und zuletzt ſei er aber auch noch zu
einer ernſten Selbſtprüfung aufzufordern, ob er
nicht vielleicht in einem geheimen bewußten Sün⸗
dendienſte ſtecke? aber ſei auch dieſes nicht eigent⸗
lich und ſonderlich der Fall, ſo ſei ihm die heil⸗
ſame Wahrheit nicht zu verhalten, daß jener

Irrthum des Kopfes aus einem Mangel an
gründlicher Buße und Bekehrung des Herzens
herkomme, der ſich, vom Teufel verblendet, in
jenem Wahn eine Hinterthür und Zuflucht vor
dem Leuchten, Strafen, Drohen und Fluche des
Geſetzes aufzubewahren ſuche.

Jene Angſt und Unruhe alſo, die er für geiſt⸗
liche Anfechtung halte, ſei nichts anderes, als ein
Strafen des Heiligen Geiſtes, um ihn erſt zur
gründlichen Buße und Sinnesänderung zu be⸗
wegen und zugleich dann jene Schwärmerei mit
zu verzehren. —

(FJoriſetzung folgt.)

ö (Eingeſandt.)
Abgedrungene Erwiderung.

Ein lichtſcheuer Bauer, wohnhaft in meiner
Gemeinde, hat ſich ohnlängſt bewogen gefunden,
im Volksblatt aus Cincinnati Nr. 20. ſein Müth⸗
lein an mir zu kühlen und mich, ſo gut es ihm
möglich war, aufs Aergſte zu verleumden. Herr
Suhr, ein Prediger aus Cincinnati, dem dieſer
Zeitungsartikel auch zu Geſichte kam, wollte, wie
er ſelbſt ſagte, den in demſelben enthaltenen Be⸗
ſchwerden gegen mich kaum trauen, indem ſie ihm
zu auffallend erſchienen. Und worin beſtanden
denn dieſe Beſchuldigungen? Erſtlich ereifert ſich
der Einſender obengedachten Artikels gewaltig
darüber, daß ich mich nicht von ihm und ſeines
Gleichen als einen ganz gehorſamen Knecht be⸗
handeln und alle Jahre gleich einem Viehhirten
dingen laſſe, ſondern allen Ernſtes der Gemeinde
erklärt habe, daß ich, wenn ſie den im Worte
Gottes gegründeten ordentlichen Beruf zum hei⸗
ligen Predigtamte nicht anerkennen wolle, un⸗
möglich das heilige Amt mit gutem Gewiſſen in
ihr länger verwalten könne, ſondern ſie verlaſſen
müſſe. Dieſes ſind die „wunderlichen Streiche“,
wie ſich der Beſchwerdeführer ausdrückt, die ich
mit der Gemeinde gemacht.

Eine zweite Beſchuldigung iſt, daß es mir
nicht um die Schafe, ſondern nur um die Wolle
zu thun ſei. Möchte doch der Einſender ſo gut
ſein und mir dieſes beweiſen; wo nicht, ſo iſt er
ein Verleumder.

Die dritte Beſchuldigung endlich beſteht darin,
„daß ich die Kinder derjenigen, welche meinen
Willen nicht unterſchreiben (ſoll heißen, welche
ſich nicht in eine chriſtliche Ordnung fügen und
eine rein lutheriſche Kirchenordnung unterſchrei⸗
ben wollen), nicht in die Schule aufnehmen wolle“.
Was dieſe Beſchuldigung anlangt, ſo werden wir
weiter unten darauf zu ſprechen kommen. Dieſes
ſind die Anklagen, welche Hrn. Suhr beſtimmten,
der Sache noch näher auf den Grund zu gehen
und, nachdem er wohl unterrichtet, einen Aufſatz
mit der Ueberſchrift „Brownstown Gemeinde“ in
die ſogenannten proteſtantiſchen Zeitblätter ein⸗
rücken zu laſſen, wobei er nicht allein gegen die im
Worte Gottes gegründete ordentliche Berufung
zum heiligen Predigtamt gewaltig eifert, ſondern
auch die gröbſten Unwahrheiten in die Welt hin⸗
aus ſchreibt und mich verleumdet. Ich bin daher
gezwungen, ſowohl um der guten Sache, als auch

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