# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 12 22_S69 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Gott und auch die Gemeinde um Vergebung des von ihnen gegebenen Aergerniſſes und um Wie⸗ deraufnahme zu bitten. — Weiſen ſie ſeine Er⸗ mahnung ſtörrig und eigenwillig zurück, ſo habe er nichts mehr mit ihnen zu ſchaffen. Wolle dagegen der Candidat jene Leute anneh⸗ men, ehe er ſich auf jene vorgeſchlagene Weiſe überzeugt hat, ob ſie im Nechte ſtehen oder nicht, ſo habe der Paſtor auch dem Präſes desſelben Meldung davon zu thun und ihn aufzufordern, ſeine Einwilligung zu ſolcher leichtfertigen Hand⸗ lungsweiſe des Candidaten nicht zu geben. 4. Wie iſt mit ſolchen Kranken umzugehen, die nicht in offenbaren Sünden gelebt, vielmehr ſich äußerlich kirchlich und gottesdienſtlich gezeigt haben, und wo doch auch keine offenbare Frucht des Geiſtes vorhanden iſt? Antwort: Bei dem jetzigen Ueberhandnehmen des Heuchelchriſtenthums in nicht mehr rohen und verwilderten Gemeinden wäre es allerdings im vorliegenden Falle ziemlich unbedacht, alsbald mit dem Tröſten zur Hand zu ſein. Im Gegen⸗ theil ſei es angemeſſen, zuerſt bei der Erforſchung der Sünden⸗Erkenntniß und der Buße in dem Kranken nicht ſo gar im Allgemeinen ſich zu hal⸗ ten und mit dem gewöhnlich ſehr bereitwillig ge⸗ lieferten „Ja“ zufrieden zu ſein, wenn dieſes auf die Frage erfolgt, ob der Kranke ſich auch als einen Sünder erkenne? Erlaubt es nämlich die Art und Natur der Krankheit oder das dermalige Befinden des Pa⸗ tieuten, ſo iſt es rathſam, einige beſondere Fragen über dieſes und jenes einzelne Gebot zu thun, um zu erforſchen, ob der Kranke einen geiſtlichen Verſtand desſelben habe und ſeine Uebertretung und Unterlaſſung eines jeden desſelben und darin zugleich des ganzen Gebots der Liebe reu⸗ müthig er⸗ und bekenne, ſich an jedem einzelnen Punkte ganz ſchuldig gebe, oder in dem Wahne ſtehe, in ſeinem natürlichen, unwiedergebornen Zuſtande das Geſetz nach Gottes Sinn und Willen doch theilweiſe halten zu können? Dabei ſind auch noch andere Fragen zu thun, um, ſo weit menſchliches Auge reichet, die Auf⸗ richtigkeit der Buße zu prüfen. So z. B., ob es genüge, wenn man bloß mit dem Verſtande die Eitelkeit aller irdiſchen Dinge erkenne und was auch davon los ſein müſſe? Ferner: was von Rechts wegen einen bußfertigen Kranken mehr plagen und beſchweren müſſe, als die Schmerzen und der Druck der Krankheit? Ob ein wachſender Haß und Abſcheu wider die ehe⸗ mals beliebten und gewohnten Sünden vorhan⸗ den ſei? Was einen bußfertigen Sünder mehr ſchmerzen und bekümmern müſſe, als die übeln Folgen dieſer oder jener ſündigen That? Wor⸗ nach der Kranke ſtärker begehren müſſe, als nach der Geneſung des Leibes? u. dergl. Erſt bei gewonnener Ueberzeugung, daß eine geſunde Er⸗ kenntniß des heiligen Geſetzes Gottes und des einwohnenden ſündlichen Verderbens mit Reue und Leid in dem Kranken da ſei, iſt es an der Zeit, zu tröſten und mit dem Balſam des Evan⸗ geliums, mit dem Blute Chriſti das vom Geſetze verwundete Herz zu heilen. 69 Im entgegengeſetzten Falle aber muß erſt dem Kranken das Geſetz geſchärft und er dringend ermahnt werden (zumal wenn die Krankheit einen langſamen Verlauf hat und mit nicht zu heftigen Schmerzen verbunden iſt), etwa alle Tage ein Gebot nebſt Erklärung vor ſich zu nehmen, den Heiligen Geiſt um Erleuchtung ernſtlich anzu⸗ rufen und Herz und Leben nach jedem Gebote gründlich zu prüfen; denn nur alſo könne er zur reumüthigen, heilſamen Erkenntniß der Sünden, zur rechten göttlichen Traurigkeit und zu dem zerbrochenen Zöllnerherzen gelangen, das da aus⸗ rufe: „Gott, ſei mir Sünnder gnädig!“ Und nur dann erſt könne ſich der gekreuzigte und auf⸗ erſtandene HErr Chriſtus an ſeiner Seele als ſein Fluchträger und Schuldbezahler, als ſein Gerecht- und Seligmacher lebendig erzeigen. 5. Kann ein Seelſorger einen Menſchen, der die ſchwärmeriſche Wiederbringung aller Dinge, und ſonderlich die endliche Beſeligung aller Gott⸗ loſen feſthält, mit dem Evangelio tröſten, wenn dieſer zu Zeiten, wie er meint, in ſchwere geiſt⸗ liche Anfechtung fällt? Antwort: Nein! wenn er nemlich früher ſchon mehrfach genauer berichtet iſt, in welch' einem ge⸗ fährlichen Irrthum er ſtecke; wenn ihm nament⸗ lich gezeigt iſt, wie gar thörlich er mit der heiligen Schrift umgehe; denn ſtatt dunkle, prophetiſche Stellen, die etwa jene Wiederbringung anzudeuten ſcheinen, durch die klaren Lehrſtellen, die ent⸗ ſchieden dawider ſind, zu erklären und die Ge⸗ wißheit feſtzuhalten, daß jene nicht wider dieſe ſein können, mache er es gerade umgekehrt, und ſtatt die Dunkelheit durch das Licht zu erhellen, mache er dieſes trübe durch die Dunkelheit. Aus dieſen klaren Stellen aber erhelle mit unzweifel⸗ hafter Gewißheit, 1. daß das Evangelium von Chriſto, als die einige Möglichkeit, zur Vergebung der Sünden und zur Seligkeit zu gelangen, nur auf dieſer Erde verkündigt werde; 2. daß, wenn er glaube bis zu ſeinem Tode, er in das ewige Leben, und wenn er nicht glaube bis an ſein Ende, in die ewige Verdammniß komme; 3. daß demgemäß nur zwei jenſeitige Zuſtände ſeien, nemlich der der Seligen und der der Verdammten, aber kein Mittelort und Fegfeuer irgendwelcher Art. Auch ſei es praktiſch, dem Schwärmer die Frage in's Gewiſſen zu ſchieben, ob er meine, daß wenn er ſelber dem Heiligen Geiſte im Evan⸗ gelis bis daher widerſtanden hätte und bis zum letzten Odemzuge widerſtehe, er nach dem Tode noch Raum zur Buße haben werde? Verneint er dies, wie er kaum anders kann, wenn noch einige Aufrichtigkeit in ihm iſt, ſo hat er natürlich für alle andern mit verneint; denn ſo gut wie er könnten ja alle glauben, die das Evangelium hören und die heilige Schrift haben oder doch haben könnten. Zuerſt und zuletzt ſei er aber auch noch zu einer ernſten Selbſtprüfung aufzufordern, ob er nicht vielleicht in einem geheimen bewußten Sün⸗ dendienſte ſtecke? aber ſei auch dieſes nicht eigent⸗ lich und ſonderlich der Fall, ſo ſei ihm die heil⸗ ſame Wahrheit nicht zu verhalten, daß jener Irrthum des Kopfes aus einem Mangel an gründlicher Buße und Bekehrung des Herzens herkomme, der ſich, vom Teufel verblendet, in jenem Wahn eine Hinterthür und Zuflucht vor dem Leuchten, Strafen, Drohen und Fluche des Geſetzes aufzubewahren ſuche. Jene Angſt und Unruhe alſo, die er für geiſt⸗ liche Anfechtung halte, ſei nichts anderes, als ein Strafen des Heiligen Geiſtes, um ihn erſt zur gründlichen Buße und Sinnesänderung zu be⸗ wegen und zugleich dann jene Schwärmerei mit zu verzehren. — (FJoriſetzung folgt.) ö (Eingeſandt.) Abgedrungene Erwiderung. Ein lichtſcheuer Bauer, wohnhaft in meiner Gemeinde, hat ſich ohnlängſt bewogen gefunden, im Volksblatt aus Cincinnati Nr. 20. ſein Müth⸗ lein an mir zu kühlen und mich, ſo gut es ihm möglich war, aufs Aergſte zu verleumden. Herr Suhr, ein Prediger aus Cincinnati, dem dieſer Zeitungsartikel auch zu Geſichte kam, wollte, wie er ſelbſt ſagte, den in demſelben enthaltenen Be⸗ ſchwerden gegen mich kaum trauen, indem ſie ihm zu auffallend erſchienen. Und worin beſtanden denn dieſe Beſchuldigungen? Erſtlich ereifert ſich der Einſender obengedachten Artikels gewaltig darüber, daß ich mich nicht von ihm und ſeines Gleichen als einen ganz gehorſamen Knecht be⸗ handeln und alle Jahre gleich einem Viehhirten dingen laſſe, ſondern allen Ernſtes der Gemeinde erklärt habe, daß ich, wenn ſie den im Worte Gottes gegründeten ordentlichen Beruf zum hei⸗ ligen Predigtamte nicht anerkennen wolle, un⸗ möglich das heilige Amt mit gutem Gewiſſen in ihr länger verwalten könne, ſondern ſie verlaſſen müſſe. Dieſes ſind die „wunderlichen Streiche“, wie ſich der Beſchwerdeführer ausdrückt, die ich mit der Gemeinde gemacht. Eine zweite Beſchuldigung iſt, daß es mir nicht um die Schafe, ſondern nur um die Wolle zu thun ſei. Möchte doch der Einſender ſo gut ſein und mir dieſes beweiſen; wo nicht, ſo iſt er ein Verleumder. Die dritte Beſchuldigung endlich beſteht darin, „daß ich die Kinder derjenigen, welche meinen Willen nicht unterſchreiben (ſoll heißen, welche ſich nicht in eine chriſtliche Ordnung fügen und eine rein lutheriſche Kirchenordnung unterſchrei⸗ ben wollen), nicht in die Schule aufnehmen wolle“. Was dieſe Beſchuldigung anlangt, ſo werden wir weiter unten darauf zu ſprechen kommen. Dieſes ſind die Anklagen, welche Hrn. Suhr beſtimmten, der Sache noch näher auf den Grund zu gehen und, nachdem er wohl unterrichtet, einen Aufſatz mit der Ueberſchrift „Brownstown Gemeinde“ in die ſogenannten proteſtantiſchen Zeitblätter ein⸗ rücken zu laſſen, wobei er nicht allein gegen die im Worte Gottes gegründete ordentliche Berufung zum heiligen Predigtamt gewaltig eifert, ſondern auch die gröbſten Unwahrheiten in die Welt hin⸗ aus ſchreibt und mich verleumdet. Ich bin daher gezwungen, ſowohl um der guten Sache, als auch