Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 21 › Seite 167
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-08-03, Seite 167
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anfechtung 2 · Anfechtung 6 · Geſangbuch 1
liches Sich-Verlaſſen auf die Taufe, daß die
Sünden dann als etwa kleine Schmutzflecken am
Rocke angeſehen werden möchten; in ähnlicher
Weiſe, wie jener ſaubere Tractat, der's nur ein
wenig handgreiflicher macht, indem er uns die
Lehre zuſchreibt, es müſſe Einer nur Lutheraner
ſein, dann könne er ſündigen, ſo viel er Luſt
hätte, er würde doch ſelig. Wenn irgendwo, ſo
kann man an dieſer Verleumdung erkennen, daß
der Geiſt, der ſie inne hat, nicht der Heilige
Geiſt Gottes iſt, ſondern der Geiſt der Dumm⸗
heit und Bosheit. Sodann aber iſt in jenem
Artikel die Teufelsliſt dieſe, daß er die Chriſten,
denen das Chriſtenthum ein Ernſt iſt, denen
natürlich ihre Taufe nicht als Deckmantel
der Bosheit dienen ſoll und kann, glauben
machen will: wir ſeien ſolche Leute, die dieß
als Recht predigten. Die dieß glauben, werden
dann natürlich von den Lutheranern nichts wiſſen
mögen. Es iſt aber dieſe Liſt zugleich dumm;
denn es wird ihnen zum öftern von den zu bekeh⸗
nnden Lutheranern geſagt: „Nein, das iſt nicht
wahr, das haben uns unſre Lehrer nicht geſagt.“
Doch der HErr, der da ein HErr iſt über Alles,
was im Himmel und auf Erden und unter der
Erde iſt, derſelbige wird ihnen über kurz oder lang
ihr Handwerk legen, daß ſie offenbar werden, und
werden jetzt ſchon offenbar.
In jenem Artikel heißt es auch: „Auch wur⸗
den vier willig, das Kreuz Jeſu zu tragen; möchte
der HErr ſie lebendig bekehren und getreu erhal⸗
ten bis an ihr Ende.“ Das iſt auch wahrſchein—
lich von Cheſter gemeint; Einer von dieſen Vieren
hat ſich unſrer Gemeinde von Anfang an nicht
angeſchloſſen, die andenn drei ſind Gemeinde⸗
glieder, von denen zwei ihm auf ſeine Predigt
und Aufforderung die Hand gereicht haben. Er
mag ja nun wohl das Evangelium gepredigt ha⸗
ben von Buße und Glauben zu Gott, und will
ich Gott dem HErrn danken, wenn durch ſeine
Predigten ein ernſteres Leben und Trachten nach
den himmliſchen Dingen angeregt iſt; aber Gott
den HErrn will ich auch preiſen, wenn unſer
Cheſter von dem Seelenverderblichen Gifte, das
dieſe Methodiſtenprediger, für arme unerfahrne
Seelen heimlich und verborgen, mit ſich führen,
verſchont bleibt. Das walte Gott durch den
Heiligen Geiſt um Chriſti willen! Amen.
Ihr getreuer
S. Buttermann,
ev.⸗Iuth. Paſtor.
Nachträglich möchte ich Ihnen noch mittheilen,
daß Herr Böshenz es hier auch ſchon gemacht hat,
wie es die Methodiſtenprediger an ſich haben,
auch bei ſchon beſtehenden Gemeinden ihre Be⸗
kehrungskünſte anzuwenden, alſo Andern in's
Amt zu greifen. — Auch haben ſie ſchon mit dem
ſüten Kreuze des Methodiſtennamens gelockt, ſo
daß ſie gefragt haben, ob Einer wohl den Namen
Methodiſt tragen könnte? O, die armen Kreuz⸗
träger des Methodismus! —
Cheſter, Randolph Co., Ill.,
am Pfingſtdienstage den 29. Mai 1849.
16²
Dem Teufel und den Ketzern ſind Gottes
Werke zu gering; ſie müſſen größere —
erdichten.
Der Teufel hat ſich ſehr geärgert an den ge⸗
ringen und närriſchen Werken unſers HErrn Got⸗
tes, daß er ſeinen eingebornen Sohn vom Him⸗
mel herunter in die Welt ſchickt und legt ihn der
Jungfrau Maria in den Schooß. Da hat der
Teufel gedacht, er wolle es viel beſſer machen;
denn der Teufel iſt überſichtig, er kann nicht unter
ſich ſehen; er ſiehet nur hohe Dinge; er gehet da⸗
her und ſiehet über ſich, ſo wirft ihm denn unſer
HErr Gott ein armes Predigerlein unter die
Füße; darüber ſtolpert denn der Teufel, daß er
zu Boden liegt. Dann ſtehet er wieder auf und
ſiehet abermals in die Höhe, ſo wirft ihm denn
Gott wieder etwas unter die Füße, darüber er
purzelt.
Alſo ſind auch alle Ketzer, ſie ſind
alle überſichtig, denn der Teufel iſt
auch überſichtig, er kann nicht unter ſich ſe⸗
hen; ich hab, Gott ſei Dank, die Kunſt gelernt,
daß ich glaube, daß unſer HErr Gott klüger und
weiſer ſei, denn ich.
Dr. M. Luthers Tiſchr., Eisl. A. S. 621.
Ungleiche Anfechtung.
In dieſem Leben ſind mancherlei und ungleiche
Anfechtung, nach dem die Perſonen auch man⸗
cherlei und unterſchieden ſind. Wenn Einer die
Anfechtung hätte ſollen leiden, die ich gelitten
habe, ſo wäre er lange todt. Alſo hätte ich den
Engel, der St. Paulus mit Fäuſten ſchlug, nicht
können ertragen; auch hätte Paulus die ſchwer⸗
ſten Anfechtungen Chriſti nicht vermocht zu leiden.
Die höchſte und größte Traurigkeit iſt, wenn
Einer in einem Augenblick ſterben und von hin⸗
nen ſcheiden muß. Aber davon ſollen wir nicht
disputiren, ſondern es Gottes Gericht befehlen,
und uns bekümmern mit dem, das uns offenba⸗
ret iſt im Wort. Luther.
(Eingeſandt.)
Geehrter Herr Herausgeber!
Nehmen Sie mirs nicht für ungut, daß ich als
ein Leſer Ihres „Lutheraner“ Sie mit einer Bitte
beläſtige. Da hab ich etliche Briefe, die mir
mein Bruder geſchrieben hat, über das amerika⸗
niſche Geſangbuch. Mir haben dieſe Briefe ſo
viel genützt, daß ich nun auch wie mein Bruder
wünſche, ein anderes Geſangbuch in den lutheri⸗
ſchen Gemeinden zu ſehen. Da dachte ich mir,
wenn der „Lutheraner“ dieſe Briefe aufnehmen
würde, ſo könnten ſie auch ſonſt noch Manchem
nützen. Ich zweifle freilich ein wenig, ob ich's
Ihnen nicht umſonſt zuſchicke, da ſie von keiner
gelehrten Hand geſchrieben ſind; auch nicht für
Gelehrte, ſondern nur für mich, der ich auch nicht
gelehrt bin. Weil aber doch auch viele ungelehrte
Leute Ihr Blatt leſen, ſo wär's vielleicht für dieſe
etwas. Die. Gelehrten aber, denen das Alles zu
ungelehrt wäre, könnten es ja ungeleſen laſſen.
Doch überlaſſe ich es Ihnen gänzlich, was Sie
thun wollen, und unterzeichne als
Ihr wohlwollender
Van dem amerikaniſch⸗lutheriſchen und refor⸗
mirten Geſaugbuch.
Erſter Brief.
Lieber Jakob!
Es iſt ſchon lange, daß Du von uns in die
Ferne gezogen biſt und daß Du etwas von Dir
haſt hören laſſen. Darum will ich Dir wieder
einmal ſchreiben und zwar diesmal über einen
beſonderen Gegenſtand, um den ſich bei uns viele
Geſpräche drehen und wenden. Es iſt das luthe⸗
riſche und reformirte Geſangbuch. Du weißt,
unſer Herr Pfarrer hat noch während Deinem
Hierſein davon geſprochen, daß wir, wenn wir
eine rein lutheriſche Gemeinde ſein wollten, auch
ein rein lutheriſches Geſangbuch haben müßten.
Denn es ſei dem Worte Gottes und alſo auch dem
lutheriſchen Bekenntniſſe ganz widerſprechend, ein
ſolches Geſangbuch zu gebrauchen. Du weißt
auch, was wir und Andere damals unſerm Herrn
Pfarrer antworteten, nemlich, es ſeien ja doch auch
ſchöne Lieder drinnen und man könne deswegen
doch lutheriſch ſein u. ſ. w. Neuerdings nun hat
unſer Herr Pfarrer wieder davon angefangen und
geſagt, daß er nun lange unſerer Schwachheit
nachgeſehen und uns Zeit gelaſſen habe, uns zu
bedenken, was wir thun wollten. An Belehrung
darüber hätte er es auch nicht fehlen laſſen und hätte
es bei einigen auch wirklich ſo weit gebracht, daß
ſie eingeſehen, er habe recht; aber doch wollten
wir nicht Anſtalt machen, ein rein lutheriſches
Geſangbuch einzuführen, und handelten alſo wider
unſer eigenes Gewiſſen. Er aber könne nicht thun,
wie wir, und müßte uns deswegen ſagen, daß,
wenn wir nicht dieſes Geſangbuch mit einem beſ⸗
ſern vertauſchen wollten, er uns verlaſſen müßte.
Das machte Eindruck auf Manche unter uns und
beſonders auf mich.
Ich muß es geſtehen, daß ich am meiſten gegen
die Einführung eines andern Geſangbuchs war;
aber auf dieſe eindringliche Rede hin nahm ich
mir vor, doch einmal die Sache recht anzuſehen,
um mich wo möglich zu überzeugen, obs denn
wirklich ſo ſchlimm ſei, wie unſer Herr Pfarrer
ſagte, nemlich, daß ihm dieſes Geſangbuch jeden
Samstag Seufzer auspreſſe, wenn er nach einem
Lied ſuche, und darüber oft in größere Verlegen⸗
heit gerathe, als über ſeine Predigt, die er zu ſtu⸗
diren habe. Ich weiß nicht, wie es kam, aber
ſagen muß ich's doch, und ſag's ja Dir: ich habe
ſo viel gefunden, daß ich keinen Augenblick mehr
dagegen ſein will, ſondern mit allem Ernſte dafür,
daß wir ein anderes Geſangbuch bekommen. Wie
Du mir das letztemal ſchriebſt, ſo habt ihr dort
ebendasſelbe und euer Herr Pfarrer habe noch nie
etwas dagegen geſagt, ja, er lobe es vielmehr.
Ich kann's aber nicht mehr loben und danke Gott
dafür, daß er mir die Augen aufgethan hat und
ich nun weiß, was ich weiß.
Was ich aber nun gefunden, das will ich Dir
alles mittheilen und zwar um Deinetwillen, daß
Du Dich auch überzeugen laſſen möchteſt. Viel⸗
leicht könnteſt Du dann eine Veranlaſſung wer⸗
den, daß auch Deine Gemeinde ein beſſeres Ge⸗
ſangbuch bekäme. Freilich, wenn Bein Herr
Pfarrer ſo beſondere Vorliebe für dieſes Geſang⸗
buch hat, ſo iſt wenig Hoffnung. Aber ich meine,
wenn Du von der Sache Dich überzeugt haſt, ſo
wärſt Du ſchuldig, es Deinem Herrn Pfarrer
geradezu in Liebe zu ſagen; vielleicht gäbe Gott
ſeinen Segen, daß er andern Sinnes würde.
Du wirſt Dich freilich wundern, daß ich jetzt ſo
ganz anders von dem Geſangbuch urtheile, als
früher. Aber laß Dich's nicht wundern, denn es
iſt einmal ſo, wenn man blind iſt, oder doch nicht
ſehen will, ſo ſieht man eben nichts. Es iſt aber
nun anders geworden. Ich habe das Geſangbuch
vorgenommen und habe es Blatt für Blatt durch⸗
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