Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 21 › Seite 162
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-08-03, Seite 162
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Atheiſten 9 · Unglaube 1
ausſpeiet? Aber obwohl deren Einzelne ſicherlich
vorhanden ſind, ſo fällt ihm doch ſein Pöbel mit
Haufen zu wie Waſſer und ſtaunen ihn wahr⸗
ſcheinlich an wie den Zauberer Simon, als wäre
er und die ſeines Gelichters die Kraft Gottes, die
da groß iſt. Aber, was noch mehr iſt, dieſer wür⸗
dige Vertreter der deutſchen Demokratie von der
äußerſten Linken, dieſer offenbare Chriſtusfeind
und Gottesverächter, iſt von der Bürgerſchaft
Hamburgs zu einem Gliede der neuen „geſetz
gebenden Verſammlung“ gewählt worden. Da
ſieht man deutlich, wie tief und weit der Abfall
und Unglaube die Maſſe des Volks durchdrun⸗
gen hat, da es ſich nicht ſchämte, einen ſolchen
ſchamloſen Läſterer und Satansknecht zu ſeinem
Mitgeſetzgeber zu machen, hoffentlich damit er
helfe, ein grob fleiſchliches epikuriſches Sauleben
zu Gunſten derer von ſeinen Wählern zu för⸗
dern, die beim Umſturz der beſtehenden Ord⸗
nung, bei dem Hinfallen heilſamer Zucht und
Sitte nichts verlieren können, ſondern nur zu ge⸗
winnen hoffen.
Bei ſolcher Abkehr und Entfremdung von dem
Gotte unſrer Väter, da mögen wir billig durch
Jeſaiam Gott klagen hören: „Ich habe Kinder
auferzogen und erhöhet, und ſie ſind von mir ab⸗
gefallen; ein Ochſe kennet ſeinen Herrn und ein
Eſel die Krippe ſeines Herrn, aber Iſrael kennets
nicht und mein Volk vernimmts nicht. O wehe
des ſündigen Volks, des Volks von großer Miſſe⸗
that, des boshaftigen Samens, der ſchädlichen
Kinder, die den HErrn verlaſſen, den Heiligen in
Iſrael läſtern, weichen zurück!“
Aber noch mehr. So greulich und ſchändlich
gehen in Deutſchland Unglaube und Demokratie
Hand in Hand, daß jedem, der ein Mitglied eines
demokratiſchen Klubs werden will, die Frage vor⸗
gelegt wird: „Glaubſt du an einen Gott?“ Wer
nun ſagt: nein! der iſt ſofort aufgenommen;
wer aber auch nur mit dieſer Antwort zaudert,
der wird mit Mißtrauen angeſehen, jedoch nicht
ſogleich losgelaſſen, ſondern einem Teufels-Advo⸗
caten übergeben, der geſchickt und erfahren iſt, die
Anſtöße des Gewiſſens aus dem Wege zu räumen.
Die Wortführer und Tonangeber dieſer einge⸗
teufelten Demokraten bilden übrigens innerhalb
dieſer Klubs mit ihren Vertrauten ein höheres und
geheimes Committee, welches trotz alles Ge—
ſchwätzes von „Gleichheit, Brüderſchaft
und Gemeinſamkeit der Intereſſen“,
mit dem es ſeine Opfer ködert, ein höchſt tyranni⸗
ſches Regiment über die demokratiſche Verbindung
ausübt. Von dieſem Committee ſind kleinere
Klubs unter dem Namen von „Familien“ ein⸗
gerichtet, die ſich unter einander durch geheime
Zeichen erkennen, und die zuſammen eine Kette
von furchtbarer Gewalt und faſt unendlicher Aus⸗
dehnung bilden, ſonderlich auch, um Proſelyten
zu machen. Die jungen und unwiſſenden Leute,
vor allen die von einer feurigen kräftigen Ge—
müthsart, ſind die vornehmſten Gegenſtände ihrer
Angriffe, und in der Verfolgung ihrer Zwecke be—
kennen ſie offen die jeſuitiſche Maßregel, daß alle
Mittel dafür recht ſind. „Seid Allen Alles!“
ſagt Wilhelm Marr mit einer läſterlichen Miß—
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deutung von des Apoſtels Worten. „Geſellet euch
zu Männern von allen Partheien und von den ent⸗
gegengeſetzteſten Geſinnungen“, ſagt er, „und geht
es auch hart, ſo werdet ihr doch einige für eure
Anſichten gewinnen.“
Seid klug wie die Schlangen, aber falſch wie
die Katzen! das iſt alſo die Weiſung dieſes demo⸗
kratiſchen Jeſuiten-Generals, der die Ehre vor
dem papiſtiſchen hat, daß er ohne die Zwiſchenbe⸗
hörde des allerheiligſten Vaters zu Rom, unmit⸗
telbar Sr. ſatauiſchen Majeſtät dient, und der
mit den andern Stimmführern vielleicht das Thier
iſt, von dem Offb. 13, 12. ff. geſchrieben iſt.
Denn daß das Geheimniß der Bosheit ſich jetzt
nicht mehr heimlich reget, ſondern frech ans Tages—
licht hervortritt, iſt ziemlich mit Händen zu grei⸗
fen; daß in Deutſchland durch die demokratiſche
Larve das entſchiedenſte Antichriſtenthum mit den
Augen herausſchaut, iſt nicht mehr in Zweifel zu
ſtellen.
Und ſo ſchrecklich iſt es bereits hindurchgedrun⸗
gen, daß z. B. in Hamburg in den Herbergen der
Handwerksgeſellen hin und her der Vers geſun⸗
gen wird:
„Fluch dem Gotte, dem blinden und tauben!
wir haben lange gebetet im Glauben;
wir haben gehofft und haben geharret;
er hat uns gefoppt, er hat uns genarret.“
Sollte man es wohl für möglich halten, daß,
ohne ſonderliche Verblendung und Antrieb des
Teufels, getaufte Chriſten, die doch immer noch im
Bereich des göttlichen Wortes ſtanden, ſolche
freche Läſterung gegen den wahren und lebendigen
Gott ausſioßen könnten, der ſie erſchaffen, erhal⸗
ten, erlöſet und durch die heilige Taufe geheiliget
hat? Wäre es deukbar, daß das ohnmächtige
Menſchenkind, die Made, ſich alſo wider den all⸗
mächtigen majeſtätiſchen Gott herausließe, der
dieſe Kinder der Bosheit in einem Nu lebendig
in den Abgrund der Höllen hinunterſtoßen
könnte, wie die Kinder Korah, wenn es nicht ihre
Stunde wäre und die Macht der Finſterniß?
Aber dieſe unſeligen Menſchen, Verführer und
Verführte, ſind eben berauſcht von dem Taumel⸗
kelche des Satans; ſie werden wie das Schlacht⸗
vieh an dicken Stricken von ihm gefangen geführt
nach ſeinem Willen, bis ihre Stunde gekommen
iſt und er ſie an der Schlinge zur Höllen hinab⸗
reißt; und zumal dieſe demokratiſchen Häupter,
das ſind die Brunnen ohne Waſſer, die Wolken
vom Windwirbel umgetrieben, kahle unfruchtbare
Bäume, zweimal erſtorben und ausgewurzelt,
wilde Wellen des Meers, die ihre eigene Schande
ausſchäumen, irrige Sterne, welchen behalten iſt
das Dunkel der Finſterniß in Ewigkeit.
Nicht minder ſteht in Deutſchland auch in an⸗
derer Beziehung der Greuel der Verwüſtung an
heiliger Stätte. So wurde z. B. in Leipzig in der
Thomaskirche die Leichenfeier des ſogenannten de—
mokratiſchen Märtyrers, Robert Blum, gehalten,
der bekanntlich vom Fürſten Windiſchgrätz laut
ſtandrechtlichem Urtheil in Wien erſchoſſen wurde
und der zuerſt ein Jeſuit, darnach ein Deutſch—
Katholiſcher und endlich ein großer Demokrat und
frecher Gottesleugner war. Es ſtand bei dieſer
Gelegenheit ſtatt des Crucifixes die Büſte Blums
auf dem Altar, und von der Kanzel, die als Red⸗
nerbühne gebraucht wurde, ertönte ſtatt des Lobes
des Gekreuzigten das ſeines offenbaren Leugners
und Verächters, indeß viele ſeiner Verehrer wäh⸗
rend dieſer Leichenfeier ihre Cigarren in der Kirche
ſchmauchten.
Gott wolle in Gnaden dreinſehen, daß, wenn
nach ſeiner Verhängung die Fürſten und dieſe
„rothen Republikaner“ von Neuem ſollten
gewaltſam zuſammentreffen, die letzteren nicht
die Oberhand bekommen; denn in ſolchem Fallt
wäre, nach menſchlicher Vorausſicht, nicht nur die
Schreckenszeit der franzöſiſchen Revolution von .
vorigen Jahrhundert, ſondern zugleich die blutigſte
Verfolgung der Gläubigen aus allen Kirchen
ſicherlich zu erwarten; denn die lebendigen Be⸗
kenner des HErrn IEſu Chriſti müßten ja noth⸗
wendig wider das Ueberhandnehmen des Unglau⸗
bens und der Gottloſigkeit mit und nach Gottes
Wort zeugen und über dieſem Zeugniß leiden, was
Gott gefiele. „Hie iſt Geduld und Glaube der
Heiligen.“
Die Gläubigen Hamburgs übrigens ſuchen auf
die Weiſe der Gegner deren verderbliche Umtritbe
möglichſt zu hindern; denn wie dieſe ihre Teufels⸗
Miſſionare ſammt Büchern und Schriften unter
das Volk ſenden, um das Gift des Unglaubens
und des fleiſchlichen Freiheitsſchwindels unter
dem Namen der Demokratie mit allem Eifer aus⸗
zuſtreuen: ſo ſind jene daran, fromme, verſtändige
und eifrige Leute als innere Miſſionare ſammt ö
geeigneten Büchern und Schriften unter die Leute —
zu ſchicken, um, nach dem Berufe der Liebe, durch
Belehrung und Ermahnung des Einzelnen Keime
des wahren Glaubens an den HErrn Chriſtum
auszuſtreuen und ſo viel als möglich die armen
verführten Schafe dem Wolfe zu entreißen.
Gott wolle übrigens ſonderlich den gläubigen
Predigern aller Orten Mund und Weisheit,
Gnade und Kraft verleihen, wider vies antichriſt⸗
iſche Unweſen und die greuliche Abgötterei mit dem
Menſchen- und Volks⸗Geiſte ihre Stimme zu er⸗
heben als eine Poſaune und mit dem Schwerte
des Geiſtes, das da iſt das Wort Gottes, die
Gottesläſterer und Götzendiener zu ſchlagen; Er
wolle ſie zur feſten Stadt, zur eiſemen Säule und
ehernen Mauer ſetzen an allen Orten, daß wenn 4
gleich ihre Widerwärtigen wider ſie ſtreiten, ſie
doch nicht ſollen wider ſie ſiegen. Inſonderheit
wolle der getreue Gott den gläubigen lutheriſchen
Predigern die Gnade und Salbung reichlich ſchen⸗
ken, als Zeugen der Kirche wider ihre Verſtörer
muthig aufzutreten und alle Menſchenfurcht
gründlich unter die Füße zu treten, zugleich aber
auch die Unwiſſenden zu belehren, die Fürwitzigen
zu warnen, die Schwankenden zu befeſtigen, die
Schwachen zu ſtärken, die auch um jener Feinde
willen Angefochtenen zu tröſten; denn wenn gleich
das Meer wüthete und wallete und von ſeinem
Ungeſtüm die Berge einfielen (und die irdiſchen
Fürſtenthrone verſänken): dennoch ſoll die Stadt
Gottes fein luſtig bleiben mit ihren Brünnlein,
da die heiligen Wohnungen des Höchſten ſind;
denn Gott iſt bei ihr drinnen, darum wird ſie
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