# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 08 03_S167 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) liches Sich-Verlaſſen auf die Taufe, daß die Sünden dann als etwa kleine Schmutzflecken am Rocke angeſehen werden möchten; in ähnlicher Weiſe, wie jener ſaubere Tractat, der's nur ein wenig handgreiflicher macht, indem er uns die Lehre zuſchreibt, es müſſe Einer nur Lutheraner ſein, dann könne er ſündigen, ſo viel er Luſt hätte, er würde doch ſelig. Wenn irgendwo, ſo kann man an dieſer Verleumdung erkennen, daß der Geiſt, der ſie inne hat, nicht der Heilige Geiſt Gottes iſt, ſondern der Geiſt der Dumm⸗ heit und Bosheit. Sodann aber iſt in jenem Artikel die Teufelsliſt dieſe, daß er die Chriſten, denen das Chriſtenthum ein Ernſt iſt, denen natürlich ihre Taufe nicht als Deckmantel der Bosheit dienen ſoll und kann, glauben machen will: wir ſeien ſolche Leute, die dieß als Recht predigten. Die dieß glauben, werden dann natürlich von den Lutheranern nichts wiſſen mögen. Es iſt aber dieſe Liſt zugleich dumm; denn es wird ihnen zum öftern von den zu bekeh⸗ nnden Lutheranern geſagt: „Nein, das iſt nicht wahr, das haben uns unſre Lehrer nicht geſagt.“ Doch der HErr, der da ein HErr iſt über Alles, was im Himmel und auf Erden und unter der Erde iſt, derſelbige wird ihnen über kurz oder lang ihr Handwerk legen, daß ſie offenbar werden, und werden jetzt ſchon offenbar. In jenem Artikel heißt es auch: „Auch wur⸗ den vier willig, das Kreuz Jeſu zu tragen; möchte der HErr ſie lebendig bekehren und getreu erhal⸗ ten bis an ihr Ende.“ Das iſt auch wahrſchein— lich von Cheſter gemeint; Einer von dieſen Vieren hat ſich unſrer Gemeinde von Anfang an nicht angeſchloſſen, die andenn drei ſind Gemeinde⸗ glieder, von denen zwei ihm auf ſeine Predigt und Aufforderung die Hand gereicht haben. Er mag ja nun wohl das Evangelium gepredigt ha⸗ ben von Buße und Glauben zu Gott, und will ich Gott dem HErrn danken, wenn durch ſeine Predigten ein ernſteres Leben und Trachten nach den himmliſchen Dingen angeregt iſt; aber Gott den HErrn will ich auch preiſen, wenn unſer Cheſter von dem Seelenverderblichen Gifte, das dieſe Methodiſtenprediger, für arme unerfahrne Seelen heimlich und verborgen, mit ſich führen, verſchont bleibt. Das walte Gott durch den Heiligen Geiſt um Chriſti willen! Amen. Ihr getreuer S. Buttermann, ev.⸗Iuth. Paſtor. Nachträglich möchte ich Ihnen noch mittheilen, daß Herr Böshenz es hier auch ſchon gemacht hat, wie es die Methodiſtenprediger an ſich haben, auch bei ſchon beſtehenden Gemeinden ihre Be⸗ kehrungskünſte anzuwenden, alſo Andern in's Amt zu greifen. — Auch haben ſie ſchon mit dem ſüten Kreuze des Methodiſtennamens gelockt, ſo daß ſie gefragt haben, ob Einer wohl den Namen Methodiſt tragen könnte? O, die armen Kreuz⸗ träger des Methodismus! — Cheſter, Randolph Co., Ill., am Pfingſtdienstage den 29. Mai 1849. 16² Dem Teufel und den Ketzern ſind Gottes Werke zu gering; ſie müſſen größere — erdichten. Der Teufel hat ſich ſehr geärgert an den ge⸗ ringen und närriſchen Werken unſers HErrn Got⸗ tes, daß er ſeinen eingebornen Sohn vom Him⸗ mel herunter in die Welt ſchickt und legt ihn der Jungfrau Maria in den Schooß. Da hat der Teufel gedacht, er wolle es viel beſſer machen; denn der Teufel iſt überſichtig, er kann nicht unter ſich ſehen; er ſiehet nur hohe Dinge; er gehet da⸗ her und ſiehet über ſich, ſo wirft ihm denn unſer HErr Gott ein armes Predigerlein unter die Füße; darüber ſtolpert denn der Teufel, daß er zu Boden liegt. Dann ſtehet er wieder auf und ſiehet abermals in die Höhe, ſo wirft ihm denn Gott wieder etwas unter die Füße, darüber er purzelt. Alſo ſind auch alle Ketzer, ſie ſind alle überſichtig, denn der Teufel iſt auch überſichtig, er kann nicht unter ſich ſe⸗ hen; ich hab, Gott ſei Dank, die Kunſt gelernt, daß ich glaube, daß unſer HErr Gott klüger und weiſer ſei, denn ich. Dr. M. Luthers Tiſchr., Eisl. A. S. 621. Ungleiche Anfechtung. In dieſem Leben ſind mancherlei und ungleiche Anfechtung, nach dem die Perſonen auch man⸗ cherlei und unterſchieden ſind. Wenn Einer die Anfechtung hätte ſollen leiden, die ich gelitten habe, ſo wäre er lange todt. Alſo hätte ich den Engel, der St. Paulus mit Fäuſten ſchlug, nicht können ertragen; auch hätte Paulus die ſchwer⸗ ſten Anfechtungen Chriſti nicht vermocht zu leiden. Die höchſte und größte Traurigkeit iſt, wenn Einer in einem Augenblick ſterben und von hin⸗ nen ſcheiden muß. Aber davon ſollen wir nicht disputiren, ſondern es Gottes Gericht befehlen, und uns bekümmern mit dem, das uns offenba⸗ ret iſt im Wort. Luther. (Eingeſandt.) Geehrter Herr Herausgeber! Nehmen Sie mirs nicht für ungut, daß ich als ein Leſer Ihres „Lutheraner“ Sie mit einer Bitte beläſtige. Da hab ich etliche Briefe, die mir mein Bruder geſchrieben hat, über das amerika⸗ niſche Geſangbuch. Mir haben dieſe Briefe ſo viel genützt, daß ich nun auch wie mein Bruder wünſche, ein anderes Geſangbuch in den lutheri⸗ ſchen Gemeinden zu ſehen. Da dachte ich mir, wenn der „Lutheraner“ dieſe Briefe aufnehmen würde, ſo könnten ſie auch ſonſt noch Manchem nützen. Ich zweifle freilich ein wenig, ob ich's Ihnen nicht umſonſt zuſchicke, da ſie von keiner gelehrten Hand geſchrieben ſind; auch nicht für Gelehrte, ſondern nur für mich, der ich auch nicht gelehrt bin. Weil aber doch auch viele ungelehrte Leute Ihr Blatt leſen, ſo wär's vielleicht für dieſe etwas. Die. Gelehrten aber, denen das Alles zu ungelehrt wäre, könnten es ja ungeleſen laſſen. Doch überlaſſe ich es Ihnen gänzlich, was Sie thun wollen, und unterzeichne als Ihr wohlwollender Van dem amerikaniſch⸗lutheriſchen und refor⸗ mirten Geſaugbuch. Erſter Brief. Lieber Jakob! Es iſt ſchon lange, daß Du von uns in die Ferne gezogen biſt und daß Du etwas von Dir haſt hören laſſen. Darum will ich Dir wieder einmal ſchreiben und zwar diesmal über einen beſonderen Gegenſtand, um den ſich bei uns viele Geſpräche drehen und wenden. Es iſt das luthe⸗ riſche und reformirte Geſangbuch. Du weißt, unſer Herr Pfarrer hat noch während Deinem Hierſein davon geſprochen, daß wir, wenn wir eine rein lutheriſche Gemeinde ſein wollten, auch ein rein lutheriſches Geſangbuch haben müßten. Denn es ſei dem Worte Gottes und alſo auch dem lutheriſchen Bekenntniſſe ganz widerſprechend, ein ſolches Geſangbuch zu gebrauchen. Du weißt auch, was wir und Andere damals unſerm Herrn Pfarrer antworteten, nemlich, es ſeien ja doch auch ſchöne Lieder drinnen und man könne deswegen doch lutheriſch ſein u. ſ. w. Neuerdings nun hat unſer Herr Pfarrer wieder davon angefangen und geſagt, daß er nun lange unſerer Schwachheit nachgeſehen und uns Zeit gelaſſen habe, uns zu bedenken, was wir thun wollten. An Belehrung darüber hätte er es auch nicht fehlen laſſen und hätte es bei einigen auch wirklich ſo weit gebracht, daß ſie eingeſehen, er habe recht; aber doch wollten wir nicht Anſtalt machen, ein rein lutheriſches Geſangbuch einzuführen, und handelten alſo wider unſer eigenes Gewiſſen. Er aber könne nicht thun, wie wir, und müßte uns deswegen ſagen, daß, wenn wir nicht dieſes Geſangbuch mit einem beſ⸗ ſern vertauſchen wollten, er uns verlaſſen müßte. Das machte Eindruck auf Manche unter uns und beſonders auf mich. Ich muß es geſtehen, daß ich am meiſten gegen die Einführung eines andern Geſangbuchs war; aber auf dieſe eindringliche Rede hin nahm ich mir vor, doch einmal die Sache recht anzuſehen, um mich wo möglich zu überzeugen, obs denn wirklich ſo ſchlimm ſei, wie unſer Herr Pfarrer ſagte, nemlich, daß ihm dieſes Geſangbuch jeden Samstag Seufzer auspreſſe, wenn er nach einem Lied ſuche, und darüber oft in größere Verlegen⸗ heit gerathe, als über ſeine Predigt, die er zu ſtu⸗ diren habe. Ich weiß nicht, wie es kam, aber ſagen muß ich's doch, und ſag's ja Dir: ich habe ſo viel gefunden, daß ich keinen Augenblick mehr dagegen ſein will, ſondern mit allem Ernſte dafür, daß wir ein anderes Geſangbuch bekommen. Wie Du mir das letztemal ſchriebſt, ſo habt ihr dort ebendasſelbe und euer Herr Pfarrer habe noch nie etwas dagegen geſagt, ja, er lobe es vielmehr. Ich kann's aber nicht mehr loben und danke Gott dafür, daß er mir die Augen aufgethan hat und ich nun weiß, was ich weiß. Was ich aber nun gefunden, das will ich Dir alles mittheilen und zwar um Deinetwillen, daß Du Dich auch überzeugen laſſen möchteſt. Viel⸗ leicht könnteſt Du dann eine Veranlaſſung wer⸗ den, daß auch Deine Gemeinde ein beſſeres Ge⸗ ſangbuch bekäme. Freilich, wenn Bein Herr Pfarrer ſo beſondere Vorliebe für dieſes Geſang⸗ buch hat, ſo iſt wenig Hoffnung. Aber ich meine, wenn Du von der Sache Dich überzeugt haſt, ſo wärſt Du ſchuldig, es Deinem Herrn Pfarrer geradezu in Liebe zu ſagen; vielleicht gäbe Gott ſeinen Segen, daß er andern Sinnes würde. Du wirſt Dich freilich wundern, daß ich jetzt ſo ganz anders von dem Geſangbuch urtheile, als früher. Aber laß Dich's nicht wundern, denn es iſt einmal ſo, wenn man blind iſt, oder doch nicht ſehen will, ſo ſieht man eben nichts. Es iſt aber nun anders geworden. Ich habe das Geſangbuch vorgenommen und habe es Blatt für Blatt durch⸗