Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 21 › Seite 161
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-08-03, Seite 161
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Atheiſten 9
Velligirt von C. E. W. Walther.
Der Lutheraner.
„Gottes Mort und Tuthers Lehr vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten.
Zahrgang 5.
Hl. Jouis, Mo., den 12. Zuni 1849.
No. 21.
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(Eingeſandt von Dr. Sihler.)
Der Satan wider Chriſtum in Deutſchland.
Es gibt einen großen Krieg auf Erden, der auch
nicht aufhöret bis ans Ende der Tage, alſo daß
auch nicht einmal ein Waffenſtillſtand, geſchweige
ein Friedensſchluß zu Stande kommt; es iſt dies
nemlich der Krieg zwiſchen der alten Schlange
und dem geſegneten Weibesſamen, zwiſchen dem
Lügner und Mörder von Anfang und dem, der
da heißet: Treu und Wahrhaftig, zwiſchen dem
Fürſten dieſer Welt und dem, deß Reich nicht von
dieſer Welt iſt, Summa: zwiſchen Satan und
Chriſtus.
Zwar iſt der Schlange bereits das Haupt zer⸗
treten und der Fürſt dieſer Welt iſt ausgeſtoßen,
darum, daß der Fürſt des Lebens für die Scla⸗
ven des Teufels ſich ſelber in den Tod gab, mit
ſeinem heiligen und theuern Blute Gotte, dem
Schuldherrn, das Löſegeld bezahlte, und damit zu⸗
gleich dem Kerkermeiſter, d. i. dem Teufel, die
zerriſſene Handſchrift vorzeigte; darum, daß er
als der HErr der Herrlichkeit auferſtand, die Ge⸗
fangenen ausführte und losmachte die Kinder des
Todes. Aber dennoch reget die alte Schlange ihren
Schweif bis zum Untergang der Sonne; dennoch
ſetzet der Satan bald als brüllender Löwe, bald
als gleißende Schlange, unter Gottes Verhängung,
alle ſeine Macht und Liſt daran, Chriſtum zu be⸗
kämpfen.
Dies geſchieht aber nicht unmittelbar, ſondern
alſo, daß er die Kinder der Bosheit, ſeinen
Samen, an die Kinder des Reiches, an das kleine
Häuflein der gläubigen Chriſten, die eine heilige
chriſtliche Kirche, hetzet und ſie durchaus zu vertil⸗
gen trachtet. Und Gott hat darum dieſe Anläufe
verhängt, damit die Stärke des Satans in den
Weiſen und Gewaltigen dieſer Welt an Chriſto zu
Schanden würde, wenn er ſich ſchwach ſtellet in
den Thörichten und Niedrigen vor dieſer Welt,
vielleicht auch die Seinen als Schlachtſchafe dahin⸗
würgen läſſet.
Der Satan aber trachtet auf mauncherlei Weiſe
die Kirche zu verderben und die Heiligen des
Höchſten zu verſtören. Einmal durch offenbare
Angriffe, und rohe Gewalt, wie z. B. in den blu⸗
tigen Verfolgungen der erſten drei Jahrhunderte
durch die Römer und des 16. und 17. Jahrhun⸗
derts durch die Papiſten, ſodann aber auch durch
falſche Lehrer, die neben einführen verderbliche
Secten und verleugnen den HErrn, der ſie er⸗
kauft hat; und wie der Teufel ſich dort als Mör⸗
der erweiſet und die Leiber der Gläubigen zu
tödten begehret, ſo erzeiget er ſich hier als Lügner
und ſucht durch die falſche Lehre die Seelen zu
tödten.
Außer dieſen zwei Angriffsweiſen aber, darin
er mit Gewalt oder Liſt wider die Kirche unmit⸗
telbar zu Felde zieht, geht er auch noch hin und
her auf verkappte Weiſe zu Werke, ja nimmt
wohl auch hie und da die Geſtalt eines Engels
des Lichtes an, als habe er nichts im Sinne, als
die Menſchen zu beglücken; und doch iſt auch hier
ſein Muth und Sinn auf nichts Anderes gerich⸗
tet, als die Erhaltung und Vermehrung der Kirche
zu hindern und Chriſtum in ſeinen Gliedern zu
überwinden.
Zu dieſen verkappten Angriffen nun gehören
unleugbar auch die aufrühreriſchen Bewegungen,
die ſeit mehr denn Jahresfriſt einen Theil Euro⸗
pa's und zumal unſer altes Vaterland erſchüttert
haben; denn hinter ſeinem blendenden Aushänge⸗
ſchild der „Freiheit, Brüderſchaft und Gleichheit“
hatte der Teufel nichts im Sinne, als zunächſt
auf gewaltthätige Weiſe durch die bewaffneten
Volksmaſſen die obrigkeitliche Gewalt der Fürſten
als „von Gottes Gnaden“ darniederzulegen,
und von Volkes Gnaden ein Regiment auf⸗
zurichten, unter welchem in Kurzem alle chriſtliche
Zucht, Sitte und Ordnung zu Boden gefallen und
die fleiſchliche Freiheit und Gleichheit aufgekom⸗
men wäre, daß die trefflichen Freiheitler Weiber,
Güter u. ſ. w. gemein gehabt hätten und aus
Deutſchland eine große Räuberhöhle, Mörder⸗
grube und Hurenhaus geworden wäre.
Da nun aber unſer lieber HErrgott zum guten
Glück noch im Regiment ſitzt, obzwar ihn die
„rothen Republikaner“ in ihren Herzen und
Köpfen längſt entthronet haben, ſo hat er für dies⸗
mal zu den ſaubern Geſellen geſagt: „Beſchließet
einen Rath und werde nichts daraus, beredet euch
und es beſtehe nicht; denn hie iſt Immanuel.“
Denn der HErr der Heerſchaaren hat die Waffen
der Fürſten geſegnet und die aufrühreriſchen Völ⸗
ker unter ſie gezwungen.
Als nun der Satan ſah, daß ihm ſein Gewalt⸗
ſtreich nicht gelungen war, durch Feuer und Schwert
ſeine „rothe Republik“ ſo ſchnell als möglich
aufzurichten und darin einige der edelſten Frei⸗
heitsſöhne zu Großwürdenträgern Sr. hölliſchen
Majeſtät zu machen: ſo griff er wiederum zur Liſt
und ſandte alsbald einige ſeiner eifrigſten Apoſtel
aus, um ſo viele Seelen als möglich mit dem
Gifte des läſterlichen Unglaubens zu erfüllen und
elendiglich hinzumorden.
Einer dieſer Teufelsapoſtel z. B., Wilhelm
Marr, durchzieht, wie deutſche Blätter berichten,
einen Theil des nördlichen Deutſchlards und hat
ſonderlich in Hamburg und Lübeck unter den ar⸗
beitenden Klaſſen, vornehmlich in den Herbergen
der Handwerksburſchen, großen Anklang und An⸗
hang gefunden. In ſeinem Buche: „Das junge
Deutſchland“ kommen u. A. folgende Stellen vor:
„Ich behaupte, daß der Glaube an eine per⸗
ſönliche Gottheit der Hauptgrund und die erzeu⸗
gende Peſtſeuche unſeres jetzigen wurmzerfreſſenen
geſelligen Syſtems iſt, und daß, ſo lange als die
Menſchen nur mit der kleinſten Faſer an dem Ge⸗
danken eines Himmels kleben, keine Hoffnung
wahrer Glückſeligkeit auf Erden iſt.“ „Das Chri⸗
ſtenthum“ — ſagt er an einem andern Orte —
„und die beſtehende Ordnung der Dinge, die dar⸗
auf gebauet iſt, ſind die weſentlichen Krebsge⸗
ſchwüre der menſchlichen Geſellſchaft. Der Menſch
durch ſich ſelbſt iſt die Religion des kommen⸗
den Zeitalters. Gott bedarf der Menſchen, aber
der Menſch bedarf keines Gottes.“
Sollte ſich nicht billig jeder Menſch, der auch
nur eine Spur noch von Gottesfurcht und Ach⸗
tung vor Gottes Wort, ja der auch nur einen
Funken noch von dem natürlichen Lichte hat, das
z. B. der Apoſtel Paulus den Heiden zuſchreibt —
ſollte ſich nicht jeder derartige Menſch mit Abſcheu
und Entſetzen von ſolchen ſinnloſen Läſterungen
abwenden, die dieſes ſataniſche Läſtermaul her⸗
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