Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 21 › Seite 163
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-08-03, Seite 163
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bilder · Leiden 5 · Anhang
vohl bleiben; und nach ſeiner Verheißung ſollen
die Pforten der Hölle ſie nicht überwältigen und
wenn dieſe mit Einemmale alle Teufel herausſpiee.
Denn das Wort des HErrn, das da ewiglich blei⸗
bet, hat die Kirche gegründet; dasſelbe Wort wird
ſie auch erhalten und wenn ſie gleich keine welt⸗
lichen Fürſten zu Pflegern und äußerlichen
Schirmherrn hat. Und je mehr ſie, entblößt
von weltlichem Schutz und Gunſt, den Angriffen
der Feinde preisgegeben iſt, deſto herrlicher wird
ihr göttliches unüberwindliches Leben und ihre
heilige Schönheit in der Kreuzesgeſtalt offenbar
werden. —
Was aber haben wir denn zu thun, die wir
hier im Hafen der Ruhe ſitzen und unſere Glau⸗
bensbrüder draußen im Schiff lein der Kirche mit
Wind und Wellen kämpfen, da es ſcheint, als
ſchliefe der HErr Chriſtus?
Zum Erſten haben wir nach der Liebe, da, wo
ein Glied leidet, alle Glieder mitleiden, ihre ge⸗
genwärtige und zukünftige Trübſal als die eigne
zu Herzen zu nehmen und vor allen Dingen uns
mit ihnen zu demüthigen unter die gewaltige
Hand Gottes, der ſeine Feinde als Worfſchaufel
gebraucht, um wieder einmal ſeine Tenne zu fe⸗
gen, die Kirche zu ſichten und die Spreu von dem
Weizen, die Un⸗ und Scheingläubigen von den
wahren Chriſten zu ſondern; denn es iſt Zeit, daß
anfange das Gericht am Hauſe Gottes.
Zum Andern ſollen wir billig auch unſer Gebet
und Flehen öffentlich und ſonderlich auf heben zu
dem HErrn unſerm Gotte, daß er zumal unſere
Glaubensbrüder, das arme Häuflein, die kleine
Heerde, kräftig ſtärke und tröſte durch den Heiligen
Geiſt und ſein theuerwerthes Wort, um theils
den gekreuzigten HErrn Chriſtum wider ſeine
Feinde freudig zu bekennen und den Abfall zu
ſtrafen, theils um ſeines Namens willen auch
gern Schmach, Hohn, Spott und Verfolgung zu
dulden, ja wenn es ſein ſoll, Hab und Gut, Weib
und Kind, Leib und Leben daran zu ſetzen.
Zum Dritten ſtünde es uns wohl an, vornehm⸗
lich wenn der Kampf noch heftiger entbrennt,
ihnen theils gemeinſam, theils einzeln, glaubens⸗
ſtärkende Zuſchriften als Zeugniſſe unſrer mitlei⸗
denden Liebe hinüberzuſenden, dadurch ſie erken⸗
neten, daß auch wir an unſerm Theile ihren Kampf
mitkämpfen und ihre Trübſale mitdulden auf dem
Grunde unſeres allertheuerſten heiligen Glau⸗
bens und in der Einigkeit des Geiſtes, der uns
alle zu einem Leibe unter dem einen Haupte
verbindet.
Zum Vierten iſt es nicht minder die Sache un⸗
ſerer brüderlichen Liebe, ihnen Herz, Hand und
Habe mit Freuden aufzuthun, wenn es Gott ge⸗
fiele, dieſen und jenen hier eine Berg- und Zu⸗
fluchtsſtätte anzuweiſen, ohne daß ſie gerade feld⸗
flüchtig geworden wären und Chriſtum vor ſeinen
Feinden verleugnet hätten.
Zuletzt aber, wie zuerſt, ſollen wir hier diesſeits
des Waſſers lernen Gott fürchten und „den Sohn
küſſen“, auf daß wir behalten werden vor dem
Zorn wird bald anbrennen“. Wir ſollen aber
billig auch den HErrn gläubig anrufen, daß er,
Zorne und unſere Seelen erretten; „denn ſein
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bei ſolchem Zunehmen des Abfalls und Unglau⸗
bens, mit ſeinem lieben jüngſten Tage herzueile,
allen Gräueln und Aergerniſſen ein Ende mache,
den Satan und die Kinder der Bosheit zur ewi⸗
gen Verdammniß in den feurigen Pfuhl hinab⸗
ſtoße, die Seinen aber aus allem Kampf und
Drangſal erlöſe und zur triumphirenden Kirche
vollende.
„Denn der Geiſt und die Braut ſprechen:
Komm! Ja komm, HErr IEſu, Amen.“
Geboren mit Freuden, angeſchaut mit
Schmerzen.
Rathe, was iſt das? Die Sünde. Sünde
iſt ſüß im Anfang, am Ende bitter. Mit Luſt
geſündigt, mit Pein gebüßet.
——.7
Ein Troſtbrief von Dr. Nicolaus Selnecker
zur Peſtzeit an einen guten Freund
geſchrieben.“)
Gottes Gnade, Friede und Segen, durch
IEſum Chriſtum, ſeinen lieben Sohn, unſern
HErrn, ſei mit uns Allen! Amen. — Euer Kreuz
iſt mir herzlich leid und ich bitte Gott treulich,
daß er Euer und unſer Aller gnädiglich verſcho⸗
nen, und unſere Sünde uns um ſeines Sohnes
willen vergeben wolle, und die Strafen lindern.
Ich kann Euch aber weder rathen noch helfen,
denn allein durch das Gebet und Wort Gottes.
Darum will ich neben meinem Vater Unſer Euch
allhie ein wenig aus dem Wort Gottes anzeigen
und mittheilen, das Euch, wie ich hoffe, ange⸗
nehm ſein wird, und Euch Troſt, Stärke und
Hülfe durch Gottes Gnade geben wird. Das
verleihe der liebe, barmherzige Gott.
Wir müſſen und ſollen Alle bekennen, daß die
Sterbensläufte gewißlich Strafen und Bußpre⸗
digten Gottes ſind über die unbußfertige Welt,
die ſich ſonſt nicht will weiſen, lehren, vermahnen
und ſtrafen laſſen.
Gott gibt ſein Wort, dadurch ſollen wir gelenkt
und auf rechter Bahn behalten und geführt wer⸗
den. Und gehet immer mit uns um wie ein
frommer Hausvater mit ſeinen Kindern und
Knechten, oder eine feine Hausmutter mit ihren
Mägden. Zuerſt befiehlt er uns durch ſein Wort
und Predigt, wie wir uns halten, was wir thun
und laſſen ſollen, was wir glauben und wie wir
leben ſollen, und gibt einem Jeden ſeine Lection,
ſein Amt, Beruf und Werk, das wir ausrichten
ſollen. Wenn wir aber ihm nicht folgen, und
gehorchen ſeiner Stimme, Lehre und Vermahnung
nicht, ſo fähet er traun an zu ſchelten und unwil⸗
lig zu werden, und drohet und ſpricht: Lieber,
ich habe dir das oder jenes befohlen, willſt du es
thun, ſo magſt du es thun, ich will dir noch eine
Weile zuſehen; willſt du es nicht thun, ſo ſollſt
du ſehen, ich will dir's nicht ſchenken. Meineſt
du, daß ich ſoll immerdar vergebens mit dir reden,
und du willſt mir doch nicht folgen? Nach ſol⸗
chem Schelten, wenn man ihm noch nicht will fol⸗
*) Dieſer Troſtbrief iſt zu finden in Dr. Nicolaus Sel⸗
necker's Auslegung des ganzen Pſalters als Anhang zur
Erklärung des 91. Pſalms.
gen, ſo ſpricht er in ſeinem Zorn: Habe dir ein
gutes Jahr, du verzweifelter Bube, ſoll ich dich
Mores lehren und bei dem Haar herzubringen, ſo
ſollſt du es erfahren, du ſollſt ſchwer geſtraft wer⸗
den, du ſollſt es keinem andern beichten, ich will
dich fürwahr zum Haus hinaus ſtoßen, und dir
deinen Muthwillen und Ungehorſam länger nicht
geſtatten. In ſolchem Schelten gibt Gott bis⸗
weilen auch ein Product, und zeucht die ungehor⸗
ſamen Kinder herüber, ſchickt ihnen ein Kreuz zu,
ein Fieber, oder ſonſt eine Krankheit, Armuth und
andern Unfall. Will man dann noch nicht recht
thun, ſo ſchilt er endlich gar recht und nimmt die
Ruthe in die Hand, und ſtäupet redlich zu, ſchlägt
uns mit Prügeln und läßt uns nicht mit ſich mehr
an ſeinem Tiſche eſſen, das iſt, er ſtäupet uns mit
Krieg, daß uns das Blut herabläuft; er ſchlägt
uns mit Peſtilenz, daß uns die Beulen und Ge⸗
ſchwüre auflaufen. Er verbeut uns ſeinen Tiſch,
daß wir Hunger und theure Zeit haben müſſen,
und dieweil, wie böſe Kinder, auf der Erden
ſitzen, faſten oder ja wenig eſſen müſſen, und
treibet uns zum Gehorſam, wie er kann und mag.
Will man dann noch halsſtarrig und muthwillig
ſein, ſo macht er's darnach nicht lange, ſondern
ſpricht: Komme her, ich will mit dir abrechnen,
du taugſt mir nicht zu einem Knecht oder zu einer
Magd, gehe hin aus meinem Hauſe und mache
es, wie du willſt, du ſollſt hinfort weder mein
Kind noch Knecht ſein. Ich will dich enterben
und dahin ſtoßen, dahin du gehörſt. Wenn es
nun dazu kommt, daß Gott alſo redet oder reden
läßt, wer nun noch will umkehren und ſprechen:
Ach Vater, erbarme dich mein! Ach, ſei gnädig,
vergib die Sünde! und fällt Gott dem HErrn zu
Fuße und um den Hals, und küſſet und herzet
mit weinenden Augen ſein väterlich Angeſicht und
Herz, derſelbe ſtehet wohl und kommt zu rechter
großer Gnade, die ewig währen ſoll, daß Gott
ſagt: Wohlan, mein Kind, erkenneſt du denn,
daß du mir ungehorſam geweſen biſt, und iſt dir
herzlich leid, und begehreſt meine Gnade und Er⸗
barmung, ſo ſtehe auf, ſei gutes Muthes, dir ſind
alle deine Sünden vergeben, du biſt mein Sohn,
meine Tochter, mein Diener, mich reuet, daß ich
dich geſchlagen habe; folge mir nur, du ſollſt
einen treuen Vater an mir haben, und dich alles
Gutes verſehen ꝛc.
Es redet aber Gott auf ſolche Weiſe, wie jetzt
gemeldet, mit uns, nicht allein in ſeinem Wort
durch treue Lehrer, die uns täglich zur Buße ver⸗
mahnen ſollen, ſondern auch in ſeinen Zeichen,
die er uns läßt ſehen vom Himmel, und Wolken
und in allen Elementen, wie denn jetzt alle Ele⸗
mente neben der Peſtilenz. die wir vor Augen
ſehen, und neben der großen Gefahr des Türkens
halben, unſere Bußprediger ſind, und ſchreien
alle: Awe! Awe! Ach Gott! Ach Gott! Zeter
und Mordvio über euern Hals! die ihr euch nicht
bekehren wollet, wie wir denn jetzt den 7. October
grauſame, ſchreckliche Winde gehöret, blutige
Ströme und feurige Spieße am Himmel gegen
einander ſchießen geſehen haben, dafür wir billig
Alle erſchrocken ſind, und um Gnade und Erbar⸗
mung gebeten.
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