Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 21 › Seite 165

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-08-03, Seite 165

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl—Abendmahlsfeier 39 · Gottesdienſt 3

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und Gottesdienſt gute Acht gegeben habe, und als

eine Oberkeit darob gehalten). Siehe, da Ezechias
alſo betet, kommt Eſaias, der Prophet, und ent⸗
beut ihm Gottes Gnade, und ſagt ihm noch fünf⸗
zehn Jahre zu, zu leben, und läßt ein Pflaſter
von Feigen machen, und legt's auf ſeine Drüſe,
daß der König geſund würde. Eſa. 38. Alſo
redet auch Sirach und ſpricht: Mein Kind, wenn
du krank biſt, ſo verachte dies nicht, daß du den
HErrn bitteſt, ſo wird er dich geſund machen.
Laß von der Sünde, und mache dein Herz un⸗
ſträflich, und reinige dein Herz von aller Miſſe⸗
that ꝛc. Darnach laſſe den Arzt zu dir, denn der
HErr hat ihn geſchaffen, und laß ihn nicht von
dir, weil du ſein noch bedarfſt. Es kann die
Stunde kommen, daß dem Kranken allein durch
jenes (das Gebet und Bekehrung) geholfen werde,
wenn ſie den HErrn bitten, daß es mit ihm beſſer
werde und Geſundheit kriegen länger zu leben.
Item Pſalm 107.: Die Narren werden geplagt
und werden todt krank. Wenn ſie aber zum HErrn
rufen in ihrer Noth, ſo hilft er ihnen aus ihren
Aengſten; er ſendet ſein Wort und macht ſie ge⸗
ſund, und errettet ſie, daß ſie nicht ſterben.

Auf ſolche Weiſe ſollen wir uns drein ſchicken,
und uns der Hilfe Gottes und unſers Glaubens
erinnern, ſo oft wir in den zehn Geboten ſagen:
Ich bin der HErr, dein Gott. Gott aber iſt nicht
tin Gott der Todten, ſondern der Lebendigen.
Derwegen werde ich leben, denn der HErr iſt mein
Gott. Was ſollte mir denn die Peſtilenz thun?
Ich will und muß leben, iſt es nicht hier, ſo iſt es
dort im ewigen Leben. Ich glaube an Gott den
Allmächtigen, der mir das Leben gibt und mich
beim Leben erhält, das mir weder Peſtilenz. Tod
noch Teufel nehmen können. Denn ich glaube
an IEſum Chriſtum, meinen HErrn, der zur
Rechten Gottes ſitzt, und iſt mein Seligmacher.
Glaube ich an den und bin ſelig, was ſollte denn
der Tod mir ſchaden? Ich bitte auch täglich:
HErr, erlöſe mich von allem Uebel! und ich ſage
darauf ein gut ſtark Amen. Wohlan, ſo bin ich
nun zufrieden, Gott mach's mit mir nach ſeinem
gnädigen Gefallen! Ich bin doch ſein, und lebe
ewig. Darauf lebe ich, darauf ſterbe ich, Gottes
bin ich todt und lebendig.

Solches habe ich Euch aufs kürzeſt, ſo viel ich
dies halb Stündlein vermocht, ſchreiben wollen,
als ein Chriſt einem Chriſten, ein Bruder ſeinem
Bruder und als ein Lehrer und Diener IEſu
Chriſti. Wollt derwegen unerſchrocken ſein, und
mit David ſagen: Wenn mir gleich Leib und
Seele verſchmachtet, noch biſt du, Gott, meines

Herzens Troſt und mein Theil. Der ewige, gütige
Gott wende ſeinen Zorn von uns, und tröſte,
ſtärke und erhalte Euch mit Eurem lieben Weib
und Kinderlein und Eure ganze Freundſchaft, um
JEſu Chriſti, ſeines lieben Sohnes willen, Amen.

Dresden, den 8. October 1564.

Mit Luſt gieng der ungerathene Sohn aus
ſeines Vaters Haus, mit Schmerzen kam er
witder. Bedenke das Ende. Je größere Luſt im
Anfang, deſto größerer Schmerz am Ende.

165⁵

(Eingeſandt von Paſtor Keyl.)
Die urſprüngliche Gottesdienſtordnung in den
deutſchen Kirchen lutheriſchen Bekenntniſſes.

(Fortſetzung.)
6. Die Anordnung der einzelnen Got—
tesdienſte.

Zur leichteren Ueberſicht wollen wir den Haupt⸗
Gottesdienſt als in zwei Hälften getheilt betrach⸗
ten, wovon die erſte die Handlung des Worts
und die andere die des Sacraments umfaßt; wäh⸗
rend nach den alten Kirchenordnungen in der
erſten Hälfte alles verſchieden iſt und außer der
Predigt nur das „Ehre ſei Gott in der Höhe“
und der Glaube durchgängig gefunden wird, ſo
zeigt ſich in der zweiten Hälfte nach allen alten
Agenden eine völlige Gleichförmigkeit durch das
ganze Kirchenjahr hindurch und nur etwa in der
Präfation findet ſich eine Andeutung auf eine
Feſtzeit.

In der erſten Hälfte des Hauptgottesdienſtes
ſtehen zuerſt der Introitus, das Kyrie und
das große Gloria. Mit dem Introitus ver⸗
kündigt der Chor ähnlich, wie einſt der Engel den
Hirten, der Gemeinde die beſondere Bedeutung
des Sonn⸗ oder Feſttages. Dann läßt die Ge⸗
meinde in dem Kyrie ihre Bitte um Vergebung
der Sünde vor dem dreieinigen Gott kund wer⸗
den, worauf der Prediger mit der Intonation
„Ehre ſei Gott in der Höhe“ ermuntert, Gott ſeine
Ehre durch den Glauben zu geben, daß der Vater
um Chriſti ſeines Sohnes willen durch Kraft des
Heiligen Geiſtes aus Gnaden die Sünde verge⸗
ben, und nun bekennt die Gemeinde lobpreiſend
den dreieinigen Gott und ſeine großen Thaten in
dem Liede „Allein Gott in der Höh ſei Ehr“.
Dieſe drei Stücke, denn die beiden letzteren machen
bekanntlich nur eins, nemlich das große Gloria
aus, werden in allen rein lutheriſchen Kirchen⸗
ordnungen und zwar in der angegebenen Auf⸗
einanderfolge vorgeſchrieben, demnach beginnt der
Hauptgottesdienſi faſt allgemein mit dem Introi⸗
tus. Da aber der Geſang der Introiten, weil ſie
in lateiniſcher Sprache abgefaßt waren und die
Mitwirkung eines Chores erforderten, an vielen
Orten nicht ausgeführt werden konnten, ſo erlau⸗
ben die meiſten Kirchenordnungen ausdrücklich,
daß anſtatt des Introitus ein deutſches Kirchen⸗
lied geſungen werde. Nur in einigen wenigen
Kirchenordnungen gehen dem Introitus Stücke
aus der Sonntagsmette voraus, z. B.: „Komm
Heiliger Geiſt“, die Lection, das Benedictus oder
das Tedeum; einige andere ſtellen vor dem In⸗
troitus nach dem Vorbilde der römiſchen Kirche
das Confiteor oder die Verleſung der allgemeinen
Beichte und Abſolution; die meiſten Kirchenord⸗
nungen jedoch haben dies weggelaſſen, weil die
Beichte ja im Kyrie liegt. Bei dem Kyrie ſchreibt
nur eine Kirchenordnung das Knien vor. In
zwei Kirchenordnungen fehlt das große Gloria
und ungefähr ſechs unter einander verwandte er⸗
lauben, es im Falle des Zeitmangels wegzulaſſen.

Es folgt nun auf das Gloria in der Regel die
Salutation (der HErr ſei mit Euch), Collecte,
(doch ohne vorhergehende Intonation und Reſpon⸗

ſorium), Verleſung der Epiſtel, Zwiſchengeſang
und Verleſung des Evangeliums; rückſichtlich
deſſen, was zwiſchen Epiſtel und Evangelium
fällt, wobei ſtarke Abweichungen hervortreten,
verweiſe ich auf das oben bei den Kirchenliedern
Geſagte. Im Uebrigen zeigen die Kirchenordnun⸗
gen echt lutheriſchen Gepräges wenig Unterſchied.
Hierher gehört z. B. die Vertauſchung der Collecte
als des Bittgebetes der Gemeinde mit dem allge⸗
meinen Kirchengebete, welches einige Agenden an
dieſe Stelle ſetzen. —
Nach Verleſung des Evangelii folgt in allen
rein lutheriſchen Kirchenordnungen mit wenigen
Ausnahmen das von dem Geiſtlichen intonirte:
„Ich glaub an Einen Gott allein.“ Dann das
von der Gemeinde geſungene Lied: „Wir gläuben
all an einen Gott“, hierauf die Predigt und nach
derſelben ein Lied, welches ſich auf die Predigt
ſchicken ſoll. Nur eine auch nicht ganz reine Lieg⸗
nitzer Gottesdienſtordnung vom Jahr 1534. läßt
nach dem Evangelio das Lied: „Komm Heiliger
Geiſt“ ſingen, darauf predigen und weiſet dem

Glaubensbekenntniß erſt ſeine Stelle vor der Ver⸗

mahnung an die Communicanten an, wie dies in
der früheſten Kirche aus gewiſſen, ſpäter nicht mehr
anwendbaren Urſachen geſchah; andere ähnliche
Abweichungen in der Stellung des Glaubensbe⸗
kenntniſſes können hier eben ſo mit Stillſchweigen
übergangen werden, wie die Erklärung der ein⸗
zelnen eben angeführten Stücke, von denen ſchon
oben die Rede war, wir gehen daher ſogleich zur
Betrachtung der

zweiten Hälfte des Hauptgottesdienſtes über,
welche die Handlung des Sacraments umfaßt,
dazu gehören zuerſt Salutation, Präfation, Sanc⸗
tus und Vermahnung an die Communicanten.
Die Salutation gehört an dieſer Stelle nothwen⸗
dig zu der Präfation und erſcheint vor dieſer im⸗
mer, wie vor der Eingangscollecte. Im übrigen
weichen die Kirchenordnungen in der Anordnung
dieſer Stücke aufs Weiteſte von einander ab, und
zwar laſſen ſich dieſelben nach Abzug unerheblicher
Einzelnheiten füglich in drei Hauptelaſſen brin⸗
gen. Die erſte und an Zahl geringſte läßt erſt
das Vaterunſer oder eine Paraphraſe (Umſchreibung
desſelben) und darauf eine Vermahnung an die
Communicanten verleſen und geht dann zur Com⸗
munion ſelbſt über, läßt aber bei der Conſecration
kein Vaterunſer mehr ſprechen oder ſingen. Die
zweite, an Zahl die mittlere, ſtellt die Vermah⸗
nung an die Communicanten voran, darnach Sa⸗
lutation, Präfation und Sanctus, worauf dann
Conſecration und Austheilung folgt. Die dritte
endlich und zahlreichſte läßt dieſe Abtheilung aus
der Aufeinanderfolge von Salutation, Präfation,
Sanctus und Vermahnung beſtehen. Nimmt
man hierzu, daß faſt alle Kirchenordnungen frei
geben, in Berückſichtigung der Zeit emweder die
Vermahnung oder die Präfation wegzulaſſen, ob⸗
gleich zu der erſteren auch ſehr kurze Formulare
vorhanden ſind, ſo iſt es leicht erklärlich, wie die
drei angegebenen Reihenfolgen durch ſolche ver⸗
ſchiedene Auslaſſungen vielfach in einander über⸗
gehen konnten.

Was nun die folgenden Beſtandtheile der Com-

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