Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 21 › Seite 164
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-08-03, Seite 164
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gewiſſen 6 · Krankheit 5 · Tod 3
Wer aber ſolches Reden Gottes auch verachtet,
und meint, wenn es nur hin und fürüber ſei, hin
ſei hin, der muß zuletzt die Hefen ausſaufen, daß
Gott ſpricht: Komme her, und trinke allhie den
letzten Trunk, nemlich, die Hefe und allen Geifer
und Schlamm, gehe und trolle dich zum Teufel
in das äußerſte Finſterniß, da wird ſein Heulen
und Zähnklappen in ewigem Feuer und in ewi⸗
gem Froſt.
Auf ſolche Weiſe gehet Gott mit uns um, ganz
väterlich und gnädig, ſo lange bis er ſeinen Zom
nimmer halten kann, und wird ſelbſt unſer Buß⸗
prediger. Denn wenn man ſein Wort nicht lei⸗
den will, und wir uns von treuen Lehrern nicht
wollen ſtrafen und weiſen laſſen, ſo muß Gott
ſelbſt kommen und Buße predigen. Das thut er
nun mit Zeichen am Himmel, und ſonſt, und mit
Peſtilenz, Theurung, Krieg und andern Plagen
und ſpricht: Wollt ihr mein Wort nicht hören,
das ich euch durch euren Mitbruder und Glau⸗
beusgenoſſen anzeigen laſſe, ſo will ich predigen
vom Himmel herab, und will meine Zeichen in der
Luft, in den Wolken, in Winden, in Waſſern, auf
Erden ſehen laſſen, und will auch unter euch
ſchicken Peſtilenz und Krankheit, Theurung und
Krieg. Laßt ſehen, ob ihr euch noch wollt beſſern.
Thut ihr es, wohl und gut; thut ihr es nicht, ſo
fahret hin, ich will euch wohl finden, ihr ſeid, wo
ihr wollt. Ihr könnt mir und meinem Zorn
nicht entlaufen.
Wenn nun Gott alſo die Buße ſelbſt predigt,
und läßt um uns, bei und unter uns die Peſti⸗
lenz rumoren, wie ſollen ſich die Chriſten recht
halten und darein ſchicken? Das Erſte ſoll ſein,
daß man dem Gewiſſen zu Hülfe kommt, wie es
ſich gegen Gott halten und erzeigen ſoll, weß es
ſich zu verſehen und zu tröſten habe. Denn daran
liegt am allermeiſten.
Wenn das Gewiſſen nicht wohl verwahrt iſt
mit Gottes Wort, ſo mag leicht ein rauſchend
Blatt uns ſchrecken, daß wir uns entſetzen, fürch—
ten, ſcheuen und wiſſen nicht, was wir thun ſol⸗
len, und hängen nur ſchlechts an natürlichen Mit⸗
teln und menſchlichem Rath und Hülfe. Wenn
dieſe aufhören oder fehlen, ſo hört auch unſer
Troſt auf, und wir meinen, es ſei nun Alles aus
und verloren. Da fürchten wir der Haut und des
alten Madenſackes, fliehen, und ließen Andere
neben uns vergehen und ſterben, ehe wir ihnen
ein Werk der Liebe erwieſen. Wenn aber das
Gewiſſen mit Gottes Wort fein unterrichtet, ge⸗
tröſtet, geſtärkt und verwahrt wird, da heißt es:
im Namen Gottes, was Gott will, das geſchehe,
wer ſich fürchtet, der ziehe einen Panzer und Har⸗
niſch an nemlich das Wort Gottes und rechten
Glauben. Da kann alsdann die Peſtilenz nicht
ſchaden, ſondern es weiß ein Chriſt, daß er Gott
zum Vater hat, der ihm alle ſeine Sünden ver⸗
gibt, und iſt ein Gott des Lebens. Spricht der⸗
wegen: Was gehet mich's an, es fallen da, es
fallen dort, Einer nach dem Andern, es muß
doch ſein, wir verdienen es täglich und alle Au⸗
genblicke. Ich bin aber gewiß, daß ich ein Kind
Gottes bin und ewig leben ſoll, und daß der Tod
mein Gewinn iſt. Muß ich mein Leben allhie
laſſen, liegt nichts dran, ich weiß mir ein beſſeres
Leben, mein Wandel iſt ſchon im Himmel. Ich
begehre aufgelöſ't zu werden und bei meinem
HErrn Chriſto zu ſein.
Es kömmt aber eben ſauer und ſchwer an.
Denn wer geſund, ſtark, reich und vollfräßig iſt,
und hat kein Kreuz und Elend, der begehrt ihm
ſolches Troſtes nicht, ſondern gedenkt nur auf gute
lange Tage und weltlich Ehr und Freude, wie
Sirach ſagt, Cap. 41.: O Tod, wie bitter biſt du,
wenn an dich gedenkt ein Menſch, der gute Tage
und genug hat und ohne Sorge lebet, und dem
es wohl gehet in allen Dingen!
Wiewohl es aber natürlich iſt, daß wir uns
für dem Tod, ſonderlich in gemeinen Sterbens⸗
läuften, entſetzen, jedoch iſt das gewiß, daß ein
rechter Chriſt, er ſei ſo ſchwachgläubig, als er ſein
kann, ſo oft er nur oben hinauf zu ſeinem HErrn
Chriſto ſiehet, getröſtet und muthig wird, und
kann ſagen: Bin ich doch getauft und bin ein
Kind und Erbe Gottes, und Gott iſt mein Vater,
ein Gott des Lebens, mit dem und bei dem ich
in Ewigkeit leben werde. Chriſtus iſt mein Le⸗
ben, was will mir der Tod thun? Der Tod iſt
mein Gewinn, warum ſollte ich mich denn fürch⸗
ten? Sei mir gnädig, du barmherziger Gott, um
JEſu Chriſti, deines Sohnes willen, und ſtärke
meinen Glauben.
Wir erfahren es Alle mit der That, und müſſen
es bezeugen, wenn wir allein hier unten bleiben,
und gedenken an die irdiſchen, vergänglichen
Dinge, und ſuchen alle menſchliche Mittel, Rath
und Hilfe, und ſehen auf unſere Geſundheit,
Weib, Kind, Ehre, Güter und dieſes Leben, ſo
werden wir je länger, je zaghafter und kleinmü⸗
thiger in Sterbensläuften, und meinen immer,
wir haben die Peſtilenz ſchon am Halſe, wenn
wir nur davon hören reden, und wiſſen nicht, wie
wir uns genugſam verwahren können, und ſo ſie
uns auch überfällt und zu Haus kommt, ſo ge⸗
denken wir, Gott zürne mit uns, es ſollte uns
nicht widerfahren, murren oder ſchweigen gar
ſtille, wie unſinnige Leute, und wiſſen uns mit
nichts rechtem zu tröſten, und wenn wir der Plage
entgehen, ſo ſchreiben wir es zu unſerer Fürſich⸗
tigkeit und Verwahrung und menſchlichen Mit⸗
teln, und danken Gott nicht für ſeinen Schutz, und
ſtellen uns, als habe Gott nichts bei uns gethan,
das des Dankens würdig wäre.
Wenn wir aber uns hinauf ſchwingen und
empor heben zu dem, der da iſt und heißt der
Höchſte und Allmächtige, zu Gott dem Vater,
und zu unſerm Heiland Chriſto JEſu, unſerm
HErrn, der den Tod und alle Peſtilenz, Teufel,
Hölle und Sünde zu nichte gemacht und über⸗
wunden hat, iſt es denn nicht wahr? ſo gedeucht
dich, als lache dich der ganze Himmel an, und
als höreſt du in deinem Herzen die Stimme Got⸗
tes, Jeſ. 41.: Ich bin der HErr, dein Gott, der
deine rechte Hand ſtärket und zu dir ſpricht::
Fürchte dich nicht, ich helfe dir. Item: Sei ge⸗
troſt, mein Sohn, dir ſind deine Sünden vergeben.
Item: Seid getroſt, ich habe die Welt überwun⸗
den. Item: Das iſt das ewige Leben, daß ſie
dich, daß du allein wahrhaftiger Gott biſt, und
den du geſandt haſt, IEſum Chriſtum, er⸗
kennen.
Dadurch wird das Gewiſſen munter, ja trotzig.
wider alle Feinde, Sünde, Tod, Hölle, Teufel und
wider alle Peſtilenz, die im Finſtern ſchleichet.
Und da zuvor der Menſch ſich für Furcht ver⸗
krochen hat, und nicht gewußt, wo ein oder aus, ö
da tritt er jetzt herfür, wie ein Löwe, und ſpricht:
Potz Peſtilenz, willſt du mich freſſen? Potz Tod,
biſt du auch da? Freſſet hin, ihr habt ein niedlich
Bißlein, was frage ich nach euch? Euer Trotz
gibt und nimmt mir nichts, ja er gibt mir mehr,
denn er mir nimmt, denn er fördert mich zu mei⸗
nem HErrn Chriſto in das ewige Leben. Dieſem
HErrn befehle ich mich mit Leib und Seele und
achte nicht, was ihr könnet und ausrichtet. Ich
weiß, wo ich ſoll hinfahren, und wo ich in Ewigs⸗
keit bleiben ſoll, warum ſollte mir denn grauen?
Ich befehle mich Gott und ſpreche: Ich befehle
dir, HErr, meine Wege, und du wirſt's wohl
machen. In deine Hände befehle ich meinen
Geiſt, du haſt mich erlöſet, du treuer Gott. Deine
Güte, HErr, ſei über uns, wie wir auf dich hof—
fen. Auf dich hoffe und traue ich, laß mich nim⸗
mermehr zu Schanden werden. Handle mit dei⸗
nem Knechte nach deiner Gnade und lehre mich
deine Rechte.
Wenn nun das Gewiſſen auf ſolche Weiſe ber⸗
wahrt iſt, und hält ſich an das Wort Gottes und
an die heiligen Sacramente, und iſt gewiß, daß,
wie der 91. Pſalm ſagt, Gottes Wahrheit ſei
Schirm und Schild, ſo kann es mitten durch alle
Teufel und Peſtilenz hindurch gehen, und ſeines
Berufes abwarten, es gehe darüber, wie der liebe
Gott will.
Das Andere darnach ſoll ſein, daß man gleich⸗
wohl die ordentlichen Mittel, die Gott fürgeſtellet
hat, nicht verachte, ſondern dieſelben in der Furchi
Gottes brauche, wie Sirach ſagt: Ehre den Arzt
mit gebührlicher Verehrung, daß du ihn habeſt
zur Noth; doch daß du vor allen Dingen Rath
und Hilfe bei Gott ſucheſt, der dir ſagt 2 Moſ. 15.:
Ich bin der HErr, dein Arzt. Denn man muß
nicht hinten anheben, und die leibliche Arznei der
rechten Seelen arznei vorziehen, ſonſt wird Gott
darüber zornig, wie wir leſen 2 Chron. 17.: Aſſa,
der König, ward krank, und ſeine Krankheit nahm
ſehr zu, und ſuchte in ſeiner Krankheit nicht den
HErrn, ſondern die Aerzte, da ſtarb er ꝛc.
Wenn man Gott zuerſt ſucht, und Buße thut,
ruft ihn an, und befiehlt ſich ihm, ſo mag dar⸗
nach leichtlich eine Arznei ſein, die den Segen
Gottes hat, daß ſie helfen muß. Ja es muß wohl
eine gebratene Zwiebel und dürre Feige das Beſte
thun, wenn man bei Gott zuerſt Rath und Hilfe
ſucht, wie wir am Könige Ezechia ſehen, da er
39 Jahre alt war, fiel er in eine tödtliche Krank⸗
heit, (die man dafür hält, es ſei Peſtilenz ge⸗
weſen) und betete zu Gott mit weinendem Herzen,
und ſprach: Gedenke doch HErr, wie ich für dir
gewandelt habe in der Wahrheit, (das' iſt, in mei⸗
nem Amt, das du mir befohlen haſt, getreulich
gearbeitet) mit vollkommenen Herzen (ohne Heu⸗
chelei und Verſäumniß) und habe gethan, was
dir gefallen hat (daß ich auf deine rechte Lehre
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