# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 08 03_S165 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) und Gottesdienſt gute Acht gegeben habe, und als eine Oberkeit darob gehalten). Siehe, da Ezechias alſo betet, kommt Eſaias, der Prophet, und ent⸗ beut ihm Gottes Gnade, und ſagt ihm noch fünf⸗ zehn Jahre zu, zu leben, und läßt ein Pflaſter von Feigen machen, und legt's auf ſeine Drüſe, daß der König geſund würde. Eſa. 38. Alſo redet auch Sirach und ſpricht: Mein Kind, wenn du krank biſt, ſo verachte dies nicht, daß du den HErrn bitteſt, ſo wird er dich geſund machen. Laß von der Sünde, und mache dein Herz un⸗ ſträflich, und reinige dein Herz von aller Miſſe⸗ that ꝛc. Darnach laſſe den Arzt zu dir, denn der HErr hat ihn geſchaffen, und laß ihn nicht von dir, weil du ſein noch bedarfſt. Es kann die Stunde kommen, daß dem Kranken allein durch jenes (das Gebet und Bekehrung) geholfen werde, wenn ſie den HErrn bitten, daß es mit ihm beſſer werde und Geſundheit kriegen länger zu leben. Item Pſalm 107.: Die Narren werden geplagt und werden todt krank. Wenn ſie aber zum HErrn rufen in ihrer Noth, ſo hilft er ihnen aus ihren Aengſten; er ſendet ſein Wort und macht ſie ge⸗ ſund, und errettet ſie, daß ſie nicht ſterben. Auf ſolche Weiſe ſollen wir uns drein ſchicken, und uns der Hilfe Gottes und unſers Glaubens erinnern, ſo oft wir in den zehn Geboten ſagen: Ich bin der HErr, dein Gott. Gott aber iſt nicht tin Gott der Todten, ſondern der Lebendigen. Derwegen werde ich leben, denn der HErr iſt mein Gott. Was ſollte mir denn die Peſtilenz thun? Ich will und muß leben, iſt es nicht hier, ſo iſt es dort im ewigen Leben. Ich glaube an Gott den Allmächtigen, der mir das Leben gibt und mich beim Leben erhält, das mir weder Peſtilenz. Tod noch Teufel nehmen können. Denn ich glaube an IEſum Chriſtum, meinen HErrn, der zur Rechten Gottes ſitzt, und iſt mein Seligmacher. Glaube ich an den und bin ſelig, was ſollte denn der Tod mir ſchaden? Ich bitte auch täglich: HErr, erlöſe mich von allem Uebel! und ich ſage darauf ein gut ſtark Amen. Wohlan, ſo bin ich nun zufrieden, Gott mach's mit mir nach ſeinem gnädigen Gefallen! Ich bin doch ſein, und lebe ewig. Darauf lebe ich, darauf ſterbe ich, Gottes bin ich todt und lebendig. Solches habe ich Euch aufs kürzeſt, ſo viel ich dies halb Stündlein vermocht, ſchreiben wollen, als ein Chriſt einem Chriſten, ein Bruder ſeinem Bruder und als ein Lehrer und Diener IEſu Chriſti. Wollt derwegen unerſchrocken ſein, und mit David ſagen: Wenn mir gleich Leib und Seele verſchmachtet, noch biſt du, Gott, meines Herzens Troſt und mein Theil. Der ewige, gütige Gott wende ſeinen Zorn von uns, und tröſte, ſtärke und erhalte Euch mit Eurem lieben Weib und Kinderlein und Eure ganze Freundſchaft, um JEſu Chriſti, ſeines lieben Sohnes willen, Amen. Dresden, den 8. October 1564. Mit Luſt gieng der ungerathene Sohn aus ſeines Vaters Haus, mit Schmerzen kam er witder. Bedenke das Ende. Je größere Luſt im Anfang, deſto größerer Schmerz am Ende. 165⁵ (Eingeſandt von Paſtor Keyl.) Die urſprüngliche Gottesdienſtordnung in den deutſchen Kirchen lutheriſchen Bekenntniſſes. (Fortſetzung.) 6. Die Anordnung der einzelnen Got— tesdienſte. Zur leichteren Ueberſicht wollen wir den Haupt⸗ Gottesdienſt als in zwei Hälften getheilt betrach⸗ ten, wovon die erſte die Handlung des Worts und die andere die des Sacraments umfaßt; wäh⸗ rend nach den alten Kirchenordnungen in der erſten Hälfte alles verſchieden iſt und außer der Predigt nur das „Ehre ſei Gott in der Höhe“ und der Glaube durchgängig gefunden wird, ſo zeigt ſich in der zweiten Hälfte nach allen alten Agenden eine völlige Gleichförmigkeit durch das ganze Kirchenjahr hindurch und nur etwa in der Präfation findet ſich eine Andeutung auf eine Feſtzeit. In der erſten Hälfte des Hauptgottesdienſtes ſtehen zuerſt der Introitus, das Kyrie und das große Gloria. Mit dem Introitus ver⸗ kündigt der Chor ähnlich, wie einſt der Engel den Hirten, der Gemeinde die beſondere Bedeutung des Sonn⸗ oder Feſttages. Dann läßt die Ge⸗ meinde in dem Kyrie ihre Bitte um Vergebung der Sünde vor dem dreieinigen Gott kund wer⸗ den, worauf der Prediger mit der Intonation „Ehre ſei Gott in der Höhe“ ermuntert, Gott ſeine Ehre durch den Glauben zu geben, daß der Vater um Chriſti ſeines Sohnes willen durch Kraft des Heiligen Geiſtes aus Gnaden die Sünde verge⸗ ben, und nun bekennt die Gemeinde lobpreiſend den dreieinigen Gott und ſeine großen Thaten in dem Liede „Allein Gott in der Höh ſei Ehr“. Dieſe drei Stücke, denn die beiden letzteren machen bekanntlich nur eins, nemlich das große Gloria aus, werden in allen rein lutheriſchen Kirchen⸗ ordnungen und zwar in der angegebenen Auf⸗ einanderfolge vorgeſchrieben, demnach beginnt der Hauptgottesdienſi faſt allgemein mit dem Introi⸗ tus. Da aber der Geſang der Introiten, weil ſie in lateiniſcher Sprache abgefaßt waren und die Mitwirkung eines Chores erforderten, an vielen Orten nicht ausgeführt werden konnten, ſo erlau⸗ ben die meiſten Kirchenordnungen ausdrücklich, daß anſtatt des Introitus ein deutſches Kirchen⸗ lied geſungen werde. Nur in einigen wenigen Kirchenordnungen gehen dem Introitus Stücke aus der Sonntagsmette voraus, z. B.: „Komm Heiliger Geiſt“, die Lection, das Benedictus oder das Tedeum; einige andere ſtellen vor dem In⸗ troitus nach dem Vorbilde der römiſchen Kirche das Confiteor oder die Verleſung der allgemeinen Beichte und Abſolution; die meiſten Kirchenord⸗ nungen jedoch haben dies weggelaſſen, weil die Beichte ja im Kyrie liegt. Bei dem Kyrie ſchreibt nur eine Kirchenordnung das Knien vor. In zwei Kirchenordnungen fehlt das große Gloria und ungefähr ſechs unter einander verwandte er⸗ lauben, es im Falle des Zeitmangels wegzulaſſen. Es folgt nun auf das Gloria in der Regel die Salutation (der HErr ſei mit Euch), Collecte, (doch ohne vorhergehende Intonation und Reſpon⸗ ſorium), Verleſung der Epiſtel, Zwiſchengeſang und Verleſung des Evangeliums; rückſichtlich deſſen, was zwiſchen Epiſtel und Evangelium fällt, wobei ſtarke Abweichungen hervortreten, verweiſe ich auf das oben bei den Kirchenliedern Geſagte. Im Uebrigen zeigen die Kirchenordnun⸗ gen echt lutheriſchen Gepräges wenig Unterſchied. Hierher gehört z. B. die Vertauſchung der Collecte als des Bittgebetes der Gemeinde mit dem allge⸗ meinen Kirchengebete, welches einige Agenden an dieſe Stelle ſetzen. — Nach Verleſung des Evangelii folgt in allen rein lutheriſchen Kirchenordnungen mit wenigen Ausnahmen das von dem Geiſtlichen intonirte: „Ich glaub an Einen Gott allein.“ Dann das von der Gemeinde geſungene Lied: „Wir gläuben all an einen Gott“, hierauf die Predigt und nach derſelben ein Lied, welches ſich auf die Predigt ſchicken ſoll. Nur eine auch nicht ganz reine Lieg⸗ nitzer Gottesdienſtordnung vom Jahr 1534. läßt nach dem Evangelio das Lied: „Komm Heiliger Geiſt“ ſingen, darauf predigen und weiſet dem Glaubensbekenntniß erſt ſeine Stelle vor der Ver⸗ mahnung an die Communicanten an, wie dies in der früheſten Kirche aus gewiſſen, ſpäter nicht mehr anwendbaren Urſachen geſchah; andere ähnliche Abweichungen in der Stellung des Glaubensbe⸗ kenntniſſes können hier eben ſo mit Stillſchweigen übergangen werden, wie die Erklärung der ein⸗ zelnen eben angeführten Stücke, von denen ſchon oben die Rede war, wir gehen daher ſogleich zur Betrachtung der zweiten Hälfte des Hauptgottesdienſtes über, welche die Handlung des Sacraments umfaßt, dazu gehören zuerſt Salutation, Präfation, Sanc⸗ tus und Vermahnung an die Communicanten. Die Salutation gehört an dieſer Stelle nothwen⸗ dig zu der Präfation und erſcheint vor dieſer im⸗ mer, wie vor der Eingangscollecte. Im übrigen weichen die Kirchenordnungen in der Anordnung dieſer Stücke aufs Weiteſte von einander ab, und zwar laſſen ſich dieſelben nach Abzug unerheblicher Einzelnheiten füglich in drei Hauptelaſſen brin⸗ gen. Die erſte und an Zahl geringſte läßt erſt das Vaterunſer oder eine Paraphraſe (Umſchreibung desſelben) und darauf eine Vermahnung an die Communicanten verleſen und geht dann zur Com⸗ munion ſelbſt über, läßt aber bei der Conſecration kein Vaterunſer mehr ſprechen oder ſingen. Die zweite, an Zahl die mittlere, ſtellt die Vermah⸗ nung an die Communicanten voran, darnach Sa⸗ lutation, Präfation und Sanctus, worauf dann Conſecration und Austheilung folgt. Die dritte endlich und zahlreichſte läßt dieſe Abtheilung aus der Aufeinanderfolge von Salutation, Präfation, Sanctus und Vermahnung beſtehen. Nimmt man hierzu, daß faſt alle Kirchenordnungen frei geben, in Berückſichtigung der Zeit emweder die Vermahnung oder die Präfation wegzulaſſen, ob⸗ gleich zu der erſteren auch ſehr kurze Formulare vorhanden ſind, ſo iſt es leicht erklärlich, wie die drei angegebenen Reihenfolgen durch ſolche ver⸗ ſchiedene Auslaſſungen vielfach in einander über⸗ gehen konnten. Was nun die folgenden Beſtandtheile der Com-