# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 08 03_S164 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Wer aber ſolches Reden Gottes auch verachtet, und meint, wenn es nur hin und fürüber ſei, hin ſei hin, der muß zuletzt die Hefen ausſaufen, daß Gott ſpricht: Komme her, und trinke allhie den letzten Trunk, nemlich, die Hefe und allen Geifer und Schlamm, gehe und trolle dich zum Teufel in das äußerſte Finſterniß, da wird ſein Heulen und Zähnklappen in ewigem Feuer und in ewi⸗ gem Froſt. Auf ſolche Weiſe gehet Gott mit uns um, ganz väterlich und gnädig, ſo lange bis er ſeinen Zom nimmer halten kann, und wird ſelbſt unſer Buß⸗ prediger. Denn wenn man ſein Wort nicht lei⸗ den will, und wir uns von treuen Lehrern nicht wollen ſtrafen und weiſen laſſen, ſo muß Gott ſelbſt kommen und Buße predigen. Das thut er nun mit Zeichen am Himmel, und ſonſt, und mit Peſtilenz, Theurung, Krieg und andern Plagen und ſpricht: Wollt ihr mein Wort nicht hören, das ich euch durch euren Mitbruder und Glau⸗ beusgenoſſen anzeigen laſſe, ſo will ich predigen vom Himmel herab, und will meine Zeichen in der Luft, in den Wolken, in Winden, in Waſſern, auf Erden ſehen laſſen, und will auch unter euch ſchicken Peſtilenz und Krankheit, Theurung und Krieg. Laßt ſehen, ob ihr euch noch wollt beſſern. Thut ihr es, wohl und gut; thut ihr es nicht, ſo fahret hin, ich will euch wohl finden, ihr ſeid, wo ihr wollt. Ihr könnt mir und meinem Zorn nicht entlaufen. Wenn nun Gott alſo die Buße ſelbſt predigt, und läßt um uns, bei und unter uns die Peſti⸗ lenz rumoren, wie ſollen ſich die Chriſten recht halten und darein ſchicken? Das Erſte ſoll ſein, daß man dem Gewiſſen zu Hülfe kommt, wie es ſich gegen Gott halten und erzeigen ſoll, weß es ſich zu verſehen und zu tröſten habe. Denn daran liegt am allermeiſten. Wenn das Gewiſſen nicht wohl verwahrt iſt mit Gottes Wort, ſo mag leicht ein rauſchend Blatt uns ſchrecken, daß wir uns entſetzen, fürch— ten, ſcheuen und wiſſen nicht, was wir thun ſol⸗ len, und hängen nur ſchlechts an natürlichen Mit⸗ teln und menſchlichem Rath und Hülfe. Wenn dieſe aufhören oder fehlen, ſo hört auch unſer Troſt auf, und wir meinen, es ſei nun Alles aus und verloren. Da fürchten wir der Haut und des alten Madenſackes, fliehen, und ließen Andere neben uns vergehen und ſterben, ehe wir ihnen ein Werk der Liebe erwieſen. Wenn aber das Gewiſſen mit Gottes Wort fein unterrichtet, ge⸗ tröſtet, geſtärkt und verwahrt wird, da heißt es: im Namen Gottes, was Gott will, das geſchehe, wer ſich fürchtet, der ziehe einen Panzer und Har⸗ niſch an nemlich das Wort Gottes und rechten Glauben. Da kann alsdann die Peſtilenz nicht ſchaden, ſondern es weiß ein Chriſt, daß er Gott zum Vater hat, der ihm alle ſeine Sünden ver⸗ gibt, und iſt ein Gott des Lebens. Spricht der⸗ wegen: Was gehet mich's an, es fallen da, es fallen dort, Einer nach dem Andern, es muß doch ſein, wir verdienen es täglich und alle Au⸗ genblicke. Ich bin aber gewiß, daß ich ein Kind Gottes bin und ewig leben ſoll, und daß der Tod mein Gewinn iſt. Muß ich mein Leben allhie laſſen, liegt nichts dran, ich weiß mir ein beſſeres Leben, mein Wandel iſt ſchon im Himmel. Ich begehre aufgelöſ't zu werden und bei meinem HErrn Chriſto zu ſein. Es kömmt aber eben ſauer und ſchwer an. Denn wer geſund, ſtark, reich und vollfräßig iſt, und hat kein Kreuz und Elend, der begehrt ihm ſolches Troſtes nicht, ſondern gedenkt nur auf gute lange Tage und weltlich Ehr und Freude, wie Sirach ſagt, Cap. 41.: O Tod, wie bitter biſt du, wenn an dich gedenkt ein Menſch, der gute Tage und genug hat und ohne Sorge lebet, und dem es wohl gehet in allen Dingen! Wiewohl es aber natürlich iſt, daß wir uns für dem Tod, ſonderlich in gemeinen Sterbens⸗ läuften, entſetzen, jedoch iſt das gewiß, daß ein rechter Chriſt, er ſei ſo ſchwachgläubig, als er ſein kann, ſo oft er nur oben hinauf zu ſeinem HErrn Chriſto ſiehet, getröſtet und muthig wird, und kann ſagen: Bin ich doch getauft und bin ein Kind und Erbe Gottes, und Gott iſt mein Vater, ein Gott des Lebens, mit dem und bei dem ich in Ewigkeit leben werde. Chriſtus iſt mein Le⸗ ben, was will mir der Tod thun? Der Tod iſt mein Gewinn, warum ſollte ich mich denn fürch⸗ ten? Sei mir gnädig, du barmherziger Gott, um JEſu Chriſti, deines Sohnes willen, und ſtärke meinen Glauben. Wir erfahren es Alle mit der That, und müſſen es bezeugen, wenn wir allein hier unten bleiben, und gedenken an die irdiſchen, vergänglichen Dinge, und ſuchen alle menſchliche Mittel, Rath und Hilfe, und ſehen auf unſere Geſundheit, Weib, Kind, Ehre, Güter und dieſes Leben, ſo werden wir je länger, je zaghafter und kleinmü⸗ thiger in Sterbensläuften, und meinen immer, wir haben die Peſtilenz ſchon am Halſe, wenn wir nur davon hören reden, und wiſſen nicht, wie wir uns genugſam verwahren können, und ſo ſie uns auch überfällt und zu Haus kommt, ſo ge⸗ denken wir, Gott zürne mit uns, es ſollte uns nicht widerfahren, murren oder ſchweigen gar ſtille, wie unſinnige Leute, und wiſſen uns mit nichts rechtem zu tröſten, und wenn wir der Plage entgehen, ſo ſchreiben wir es zu unſerer Fürſich⸗ tigkeit und Verwahrung und menſchlichen Mit⸗ teln, und danken Gott nicht für ſeinen Schutz, und ſtellen uns, als habe Gott nichts bei uns gethan, das des Dankens würdig wäre. Wenn wir aber uns hinauf ſchwingen und empor heben zu dem, der da iſt und heißt der Höchſte und Allmächtige, zu Gott dem Vater, und zu unſerm Heiland Chriſto JEſu, unſerm HErrn, der den Tod und alle Peſtilenz, Teufel, Hölle und Sünde zu nichte gemacht und über⸗ wunden hat, iſt es denn nicht wahr? ſo gedeucht dich, als lache dich der ganze Himmel an, und als höreſt du in deinem Herzen die Stimme Got⸗ tes, Jeſ. 41.: Ich bin der HErr, dein Gott, der deine rechte Hand ſtärket und zu dir ſpricht:: Fürchte dich nicht, ich helfe dir. Item: Sei ge⸗ troſt, mein Sohn, dir ſind deine Sünden vergeben. Item: Seid getroſt, ich habe die Welt überwun⸗ den. Item: Das iſt das ewige Leben, daß ſie dich, daß du allein wahrhaftiger Gott biſt, und den du geſandt haſt, IEſum Chriſtum, er⸗ kennen. Dadurch wird das Gewiſſen munter, ja trotzig. wider alle Feinde, Sünde, Tod, Hölle, Teufel und wider alle Peſtilenz, die im Finſtern ſchleichet. Und da zuvor der Menſch ſich für Furcht ver⸗ krochen hat, und nicht gewußt, wo ein oder aus, ö da tritt er jetzt herfür, wie ein Löwe, und ſpricht: Potz Peſtilenz, willſt du mich freſſen? Potz Tod, biſt du auch da? Freſſet hin, ihr habt ein niedlich Bißlein, was frage ich nach euch? Euer Trotz gibt und nimmt mir nichts, ja er gibt mir mehr, denn er mir nimmt, denn er fördert mich zu mei⸗ nem HErrn Chriſto in das ewige Leben. Dieſem HErrn befehle ich mich mit Leib und Seele und achte nicht, was ihr könnet und ausrichtet. Ich weiß, wo ich ſoll hinfahren, und wo ich in Ewigs⸗ keit bleiben ſoll, warum ſollte mir denn grauen? Ich befehle mich Gott und ſpreche: Ich befehle dir, HErr, meine Wege, und du wirſt's wohl machen. In deine Hände befehle ich meinen Geiſt, du haſt mich erlöſet, du treuer Gott. Deine Güte, HErr, ſei über uns, wie wir auf dich hof— fen. Auf dich hoffe und traue ich, laß mich nim⸗ mermehr zu Schanden werden. Handle mit dei⸗ nem Knechte nach deiner Gnade und lehre mich deine Rechte. Wenn nun das Gewiſſen auf ſolche Weiſe ber⸗ wahrt iſt, und hält ſich an das Wort Gottes und an die heiligen Sacramente, und iſt gewiß, daß, wie der 91. Pſalm ſagt, Gottes Wahrheit ſei Schirm und Schild, ſo kann es mitten durch alle Teufel und Peſtilenz hindurch gehen, und ſeines Berufes abwarten, es gehe darüber, wie der liebe Gott will. Das Andere darnach ſoll ſein, daß man gleich⸗ wohl die ordentlichen Mittel, die Gott fürgeſtellet hat, nicht verachte, ſondern dieſelben in der Furchi Gottes brauche, wie Sirach ſagt: Ehre den Arzt mit gebührlicher Verehrung, daß du ihn habeſt zur Noth; doch daß du vor allen Dingen Rath und Hilfe bei Gott ſucheſt, der dir ſagt 2 Moſ. 15.: Ich bin der HErr, dein Arzt. Denn man muß nicht hinten anheben, und die leibliche Arznei der rechten Seelen arznei vorziehen, ſonſt wird Gott darüber zornig, wie wir leſen 2 Chron. 17.: Aſſa, der König, ward krank, und ſeine Krankheit nahm ſehr zu, und ſuchte in ſeiner Krankheit nicht den HErrn, ſondern die Aerzte, da ſtarb er ꝛc. Wenn man Gott zuerſt ſucht, und Buße thut, ruft ihn an, und befiehlt ſich ihm, ſo mag dar⸗ nach leichtlich eine Arznei ſein, die den Segen Gottes hat, daß ſie helfen muß. Ja es muß wohl eine gebratene Zwiebel und dürre Feige das Beſte thun, wenn man bei Gott zuerſt Rath und Hilfe ſucht, wie wir am Könige Ezechia ſehen, da er 39 Jahre alt war, fiel er in eine tödtliche Krank⸗ heit, (die man dafür hält, es ſei Peſtilenz ge⸗ weſen) und betete zu Gott mit weinendem Herzen, und ſprach: Gedenke doch HErr, wie ich für dir gewandelt habe in der Wahrheit, (das' iſt, in mei⸗ nem Amt, das du mir befohlen haſt, getreulich gearbeitet) mit vollkommenen Herzen (ohne Heu⸗ chelei und Verſäumniß) und habe gethan, was dir gefallen hat (daß ich auf deine rechte Lehre