# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 08 03_S163 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) vohl bleiben; und nach ſeiner Verheißung ſollen die Pforten der Hölle ſie nicht überwältigen und wenn dieſe mit Einemmale alle Teufel herausſpiee. Denn das Wort des HErrn, das da ewiglich blei⸗ bet, hat die Kirche gegründet; dasſelbe Wort wird ſie auch erhalten und wenn ſie gleich keine welt⸗ lichen Fürſten zu Pflegern und äußerlichen Schirmherrn hat. Und je mehr ſie, entblößt von weltlichem Schutz und Gunſt, den Angriffen der Feinde preisgegeben iſt, deſto herrlicher wird ihr göttliches unüberwindliches Leben und ihre heilige Schönheit in der Kreuzesgeſtalt offenbar werden. — Was aber haben wir denn zu thun, die wir hier im Hafen der Ruhe ſitzen und unſere Glau⸗ bensbrüder draußen im Schiff lein der Kirche mit Wind und Wellen kämpfen, da es ſcheint, als ſchliefe der HErr Chriſtus? Zum Erſten haben wir nach der Liebe, da, wo ein Glied leidet, alle Glieder mitleiden, ihre ge⸗ genwärtige und zukünftige Trübſal als die eigne zu Herzen zu nehmen und vor allen Dingen uns mit ihnen zu demüthigen unter die gewaltige Hand Gottes, der ſeine Feinde als Worfſchaufel gebraucht, um wieder einmal ſeine Tenne zu fe⸗ gen, die Kirche zu ſichten und die Spreu von dem Weizen, die Un⸗ und Scheingläubigen von den wahren Chriſten zu ſondern; denn es iſt Zeit, daß anfange das Gericht am Hauſe Gottes. Zum Andern ſollen wir billig auch unſer Gebet und Flehen öffentlich und ſonderlich auf heben zu dem HErrn unſerm Gotte, daß er zumal unſere Glaubensbrüder, das arme Häuflein, die kleine Heerde, kräftig ſtärke und tröſte durch den Heiligen Geiſt und ſein theuerwerthes Wort, um theils den gekreuzigten HErrn Chriſtum wider ſeine Feinde freudig zu bekennen und den Abfall zu ſtrafen, theils um ſeines Namens willen auch gern Schmach, Hohn, Spott und Verfolgung zu dulden, ja wenn es ſein ſoll, Hab und Gut, Weib und Kind, Leib und Leben daran zu ſetzen. Zum Dritten ſtünde es uns wohl an, vornehm⸗ lich wenn der Kampf noch heftiger entbrennt, ihnen theils gemeinſam, theils einzeln, glaubens⸗ ſtärkende Zuſchriften als Zeugniſſe unſrer mitlei⸗ denden Liebe hinüberzuſenden, dadurch ſie erken⸗ neten, daß auch wir an unſerm Theile ihren Kampf mitkämpfen und ihre Trübſale mitdulden auf dem Grunde unſeres allertheuerſten heiligen Glau⸗ bens und in der Einigkeit des Geiſtes, der uns alle zu einem Leibe unter dem einen Haupte verbindet. Zum Vierten iſt es nicht minder die Sache un⸗ ſerer brüderlichen Liebe, ihnen Herz, Hand und Habe mit Freuden aufzuthun, wenn es Gott ge⸗ fiele, dieſen und jenen hier eine Berg- und Zu⸗ fluchtsſtätte anzuweiſen, ohne daß ſie gerade feld⸗ flüchtig geworden wären und Chriſtum vor ſeinen Feinden verleugnet hätten. Zuletzt aber, wie zuerſt, ſollen wir hier diesſeits des Waſſers lernen Gott fürchten und „den Sohn küſſen“, auf daß wir behalten werden vor dem Zorn wird bald anbrennen“. Wir ſollen aber billig auch den HErrn gläubig anrufen, daß er, Zorne und unſere Seelen erretten; „denn ſein 163 bei ſolchem Zunehmen des Abfalls und Unglau⸗ bens, mit ſeinem lieben jüngſten Tage herzueile, allen Gräueln und Aergerniſſen ein Ende mache, den Satan und die Kinder der Bosheit zur ewi⸗ gen Verdammniß in den feurigen Pfuhl hinab⸗ ſtoße, die Seinen aber aus allem Kampf und Drangſal erlöſe und zur triumphirenden Kirche vollende. „Denn der Geiſt und die Braut ſprechen: Komm! Ja komm, HErr IEſu, Amen.“ Geboren mit Freuden, angeſchaut mit Schmerzen. Rathe, was iſt das? Die Sünde. Sünde iſt ſüß im Anfang, am Ende bitter. Mit Luſt geſündigt, mit Pein gebüßet. ——.7 Ein Troſtbrief von Dr. Nicolaus Selnecker zur Peſtzeit an einen guten Freund geſchrieben.“) Gottes Gnade, Friede und Segen, durch IEſum Chriſtum, ſeinen lieben Sohn, unſern HErrn, ſei mit uns Allen! Amen. — Euer Kreuz iſt mir herzlich leid und ich bitte Gott treulich, daß er Euer und unſer Aller gnädiglich verſcho⸗ nen, und unſere Sünde uns um ſeines Sohnes willen vergeben wolle, und die Strafen lindern. Ich kann Euch aber weder rathen noch helfen, denn allein durch das Gebet und Wort Gottes. Darum will ich neben meinem Vater Unſer Euch allhie ein wenig aus dem Wort Gottes anzeigen und mittheilen, das Euch, wie ich hoffe, ange⸗ nehm ſein wird, und Euch Troſt, Stärke und Hülfe durch Gottes Gnade geben wird. Das verleihe der liebe, barmherzige Gott. Wir müſſen und ſollen Alle bekennen, daß die Sterbensläufte gewißlich Strafen und Bußpre⸗ digten Gottes ſind über die unbußfertige Welt, die ſich ſonſt nicht will weiſen, lehren, vermahnen und ſtrafen laſſen. Gott gibt ſein Wort, dadurch ſollen wir gelenkt und auf rechter Bahn behalten und geführt wer⸗ den. Und gehet immer mit uns um wie ein frommer Hausvater mit ſeinen Kindern und Knechten, oder eine feine Hausmutter mit ihren Mägden. Zuerſt befiehlt er uns durch ſein Wort und Predigt, wie wir uns halten, was wir thun und laſſen ſollen, was wir glauben und wie wir leben ſollen, und gibt einem Jeden ſeine Lection, ſein Amt, Beruf und Werk, das wir ausrichten ſollen. Wenn wir aber ihm nicht folgen, und gehorchen ſeiner Stimme, Lehre und Vermahnung nicht, ſo fähet er traun an zu ſchelten und unwil⸗ lig zu werden, und drohet und ſpricht: Lieber, ich habe dir das oder jenes befohlen, willſt du es thun, ſo magſt du es thun, ich will dir noch eine Weile zuſehen; willſt du es nicht thun, ſo ſollſt du ſehen, ich will dir's nicht ſchenken. Meineſt du, daß ich ſoll immerdar vergebens mit dir reden, und du willſt mir doch nicht folgen? Nach ſol⸗ chem Schelten, wenn man ihm noch nicht will fol⸗ *) Dieſer Troſtbrief iſt zu finden in Dr. Nicolaus Sel⸗ necker's Auslegung des ganzen Pſalters als Anhang zur Erklärung des 91. Pſalms. gen, ſo ſpricht er in ſeinem Zorn: Habe dir ein gutes Jahr, du verzweifelter Bube, ſoll ich dich Mores lehren und bei dem Haar herzubringen, ſo ſollſt du es erfahren, du ſollſt ſchwer geſtraft wer⸗ den, du ſollſt es keinem andern beichten, ich will dich fürwahr zum Haus hinaus ſtoßen, und dir deinen Muthwillen und Ungehorſam länger nicht geſtatten. In ſolchem Schelten gibt Gott bis⸗ weilen auch ein Product, und zeucht die ungehor⸗ ſamen Kinder herüber, ſchickt ihnen ein Kreuz zu, ein Fieber, oder ſonſt eine Krankheit, Armuth und andern Unfall. Will man dann noch nicht recht thun, ſo ſchilt er endlich gar recht und nimmt die Ruthe in die Hand, und ſtäupet redlich zu, ſchlägt uns mit Prügeln und läßt uns nicht mit ſich mehr an ſeinem Tiſche eſſen, das iſt, er ſtäupet uns mit Krieg, daß uns das Blut herabläuft; er ſchlägt uns mit Peſtilenz, daß uns die Beulen und Ge⸗ ſchwüre auflaufen. Er verbeut uns ſeinen Tiſch, daß wir Hunger und theure Zeit haben müſſen, und dieweil, wie böſe Kinder, auf der Erden ſitzen, faſten oder ja wenig eſſen müſſen, und treibet uns zum Gehorſam, wie er kann und mag. Will man dann noch halsſtarrig und muthwillig ſein, ſo macht er's darnach nicht lange, ſondern ſpricht: Komme her, ich will mit dir abrechnen, du taugſt mir nicht zu einem Knecht oder zu einer Magd, gehe hin aus meinem Hauſe und mache es, wie du willſt, du ſollſt hinfort weder mein Kind noch Knecht ſein. Ich will dich enterben und dahin ſtoßen, dahin du gehörſt. Wenn es nun dazu kommt, daß Gott alſo redet oder reden läßt, wer nun noch will umkehren und ſprechen: Ach Vater, erbarme dich mein! Ach, ſei gnädig, vergib die Sünde! und fällt Gott dem HErrn zu Fuße und um den Hals, und küſſet und herzet mit weinenden Augen ſein väterlich Angeſicht und Herz, derſelbe ſtehet wohl und kommt zu rechter großer Gnade, die ewig währen ſoll, daß Gott ſagt: Wohlan, mein Kind, erkenneſt du denn, daß du mir ungehorſam geweſen biſt, und iſt dir herzlich leid, und begehreſt meine Gnade und Er⸗ barmung, ſo ſtehe auf, ſei gutes Muthes, dir ſind alle deine Sünden vergeben, du biſt mein Sohn, meine Tochter, mein Diener, mich reuet, daß ich dich geſchlagen habe; folge mir nur, du ſollſt einen treuen Vater an mir haben, und dich alles Gutes verſehen ꝛc. Es redet aber Gott auf ſolche Weiſe, wie jetzt gemeldet, mit uns, nicht allein in ſeinem Wort durch treue Lehrer, die uns täglich zur Buße ver⸗ mahnen ſollen, ſondern auch in ſeinen Zeichen, die er uns läßt ſehen vom Himmel, und Wolken und in allen Elementen, wie denn jetzt alle Ele⸗ mente neben der Peſtilenz. die wir vor Augen ſehen, und neben der großen Gefahr des Türkens halben, unſere Bußprediger ſind, und ſchreien alle: Awe! Awe! Ach Gott! Ach Gott! Zeter und Mordvio über euern Hals! die ihr euch nicht bekehren wollet, wie wir denn jetzt den 7. October grauſame, ſchreckliche Winde gehöret, blutige Ströme und feurige Spieße am Himmel gegen einander ſchießen geſehen haben, dafür wir billig Alle erſchrocken ſind, und um Gnade und Erbar⸗ mung gebeten.