# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 08 03_S162 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ausſpeiet? Aber obwohl deren Einzelne ſicherlich vorhanden ſind, ſo fällt ihm doch ſein Pöbel mit Haufen zu wie Waſſer und ſtaunen ihn wahr⸗ ſcheinlich an wie den Zauberer Simon, als wäre er und die ſeines Gelichters die Kraft Gottes, die da groß iſt. Aber, was noch mehr iſt, dieſer wür⸗ dige Vertreter der deutſchen Demokratie von der äußerſten Linken, dieſer offenbare Chriſtusfeind und Gottesverächter, iſt von der Bürgerſchaft Hamburgs zu einem Gliede der neuen „geſetz gebenden Verſammlung“ gewählt worden. Da ſieht man deutlich, wie tief und weit der Abfall und Unglaube die Maſſe des Volks durchdrun⸗ gen hat, da es ſich nicht ſchämte, einen ſolchen ſchamloſen Läſterer und Satansknecht zu ſeinem Mitgeſetzgeber zu machen, hoffentlich damit er helfe, ein grob fleiſchliches epikuriſches Sauleben zu Gunſten derer von ſeinen Wählern zu för⸗ dern, die beim Umſturz der beſtehenden Ord⸗ nung, bei dem Hinfallen heilſamer Zucht und Sitte nichts verlieren können, ſondern nur zu ge⸗ winnen hoffen. Bei ſolcher Abkehr und Entfremdung von dem Gotte unſrer Väter, da mögen wir billig durch Jeſaiam Gott klagen hören: „Ich habe Kinder auferzogen und erhöhet, und ſie ſind von mir ab⸗ gefallen; ein Ochſe kennet ſeinen Herrn und ein Eſel die Krippe ſeines Herrn, aber Iſrael kennets nicht und mein Volk vernimmts nicht. O wehe des ſündigen Volks, des Volks von großer Miſſe⸗ that, des boshaftigen Samens, der ſchädlichen Kinder, die den HErrn verlaſſen, den Heiligen in Iſrael läſtern, weichen zurück!“ Aber noch mehr. So greulich und ſchändlich gehen in Deutſchland Unglaube und Demokratie Hand in Hand, daß jedem, der ein Mitglied eines demokratiſchen Klubs werden will, die Frage vor⸗ gelegt wird: „Glaubſt du an einen Gott?“ Wer nun ſagt: nein! der iſt ſofort aufgenommen; wer aber auch nur mit dieſer Antwort zaudert, der wird mit Mißtrauen angeſehen, jedoch nicht ſogleich losgelaſſen, ſondern einem Teufels-Advo⸗ caten übergeben, der geſchickt und erfahren iſt, die Anſtöße des Gewiſſens aus dem Wege zu räumen. Die Wortführer und Tonangeber dieſer einge⸗ teufelten Demokraten bilden übrigens innerhalb dieſer Klubs mit ihren Vertrauten ein höheres und geheimes Committee, welches trotz alles Ge— ſchwätzes von „Gleichheit, Brüderſchaft und Gemeinſamkeit der Intereſſen“, mit dem es ſeine Opfer ködert, ein höchſt tyranni⸗ ſches Regiment über die demokratiſche Verbindung ausübt. Von dieſem Committee ſind kleinere Klubs unter dem Namen von „Familien“ ein⸗ gerichtet, die ſich unter einander durch geheime Zeichen erkennen, und die zuſammen eine Kette von furchtbarer Gewalt und faſt unendlicher Aus⸗ dehnung bilden, ſonderlich auch, um Proſelyten zu machen. Die jungen und unwiſſenden Leute, vor allen die von einer feurigen kräftigen Ge— müthsart, ſind die vornehmſten Gegenſtände ihrer Angriffe, und in der Verfolgung ihrer Zwecke be— kennen ſie offen die jeſuitiſche Maßregel, daß alle Mittel dafür recht ſind. „Seid Allen Alles!“ ſagt Wilhelm Marr mit einer läſterlichen Miß— 162 deutung von des Apoſtels Worten. „Geſellet euch zu Männern von allen Partheien und von den ent⸗ gegengeſetzteſten Geſinnungen“, ſagt er, „und geht es auch hart, ſo werdet ihr doch einige für eure Anſichten gewinnen.“ Seid klug wie die Schlangen, aber falſch wie die Katzen! das iſt alſo die Weiſung dieſes demo⸗ kratiſchen Jeſuiten-Generals, der die Ehre vor dem papiſtiſchen hat, daß er ohne die Zwiſchenbe⸗ hörde des allerheiligſten Vaters zu Rom, unmit⸗ telbar Sr. ſatauiſchen Majeſtät dient, und der mit den andern Stimmführern vielleicht das Thier iſt, von dem Offb. 13, 12. ff. geſchrieben iſt. Denn daß das Geheimniß der Bosheit ſich jetzt nicht mehr heimlich reget, ſondern frech ans Tages— licht hervortritt, iſt ziemlich mit Händen zu grei⸗ fen; daß in Deutſchland durch die demokratiſche Larve das entſchiedenſte Antichriſtenthum mit den Augen herausſchaut, iſt nicht mehr in Zweifel zu ſtellen. Und ſo ſchrecklich iſt es bereits hindurchgedrun⸗ gen, daß z. B. in Hamburg in den Herbergen der Handwerksgeſellen hin und her der Vers geſun⸗ gen wird: „Fluch dem Gotte, dem blinden und tauben! wir haben lange gebetet im Glauben; wir haben gehofft und haben geharret; er hat uns gefoppt, er hat uns genarret.“ Sollte man es wohl für möglich halten, daß, ohne ſonderliche Verblendung und Antrieb des Teufels, getaufte Chriſten, die doch immer noch im Bereich des göttlichen Wortes ſtanden, ſolche freche Läſterung gegen den wahren und lebendigen Gott ausſioßen könnten, der ſie erſchaffen, erhal⸗ ten, erlöſet und durch die heilige Taufe geheiliget hat? Wäre es deukbar, daß das ohnmächtige Menſchenkind, die Made, ſich alſo wider den all⸗ mächtigen majeſtätiſchen Gott herausließe, der dieſe Kinder der Bosheit in einem Nu lebendig in den Abgrund der Höllen hinunterſtoßen könnte, wie die Kinder Korah, wenn es nicht ihre Stunde wäre und die Macht der Finſterniß? Aber dieſe unſeligen Menſchen, Verführer und Verführte, ſind eben berauſcht von dem Taumel⸗ kelche des Satans; ſie werden wie das Schlacht⸗ vieh an dicken Stricken von ihm gefangen geführt nach ſeinem Willen, bis ihre Stunde gekommen iſt und er ſie an der Schlinge zur Höllen hinab⸗ reißt; und zumal dieſe demokratiſchen Häupter, das ſind die Brunnen ohne Waſſer, die Wolken vom Windwirbel umgetrieben, kahle unfruchtbare Bäume, zweimal erſtorben und ausgewurzelt, wilde Wellen des Meers, die ihre eigene Schande ausſchäumen, irrige Sterne, welchen behalten iſt das Dunkel der Finſterniß in Ewigkeit. Nicht minder ſteht in Deutſchland auch in an⸗ derer Beziehung der Greuel der Verwüſtung an heiliger Stätte. So wurde z. B. in Leipzig in der Thomaskirche die Leichenfeier des ſogenannten de— mokratiſchen Märtyrers, Robert Blum, gehalten, der bekanntlich vom Fürſten Windiſchgrätz laut ſtandrechtlichem Urtheil in Wien erſchoſſen wurde und der zuerſt ein Jeſuit, darnach ein Deutſch— Katholiſcher und endlich ein großer Demokrat und frecher Gottesleugner war. Es ſtand bei dieſer Gelegenheit ſtatt des Crucifixes die Büſte Blums auf dem Altar, und von der Kanzel, die als Red⸗ nerbühne gebraucht wurde, ertönte ſtatt des Lobes des Gekreuzigten das ſeines offenbaren Leugners und Verächters, indeß viele ſeiner Verehrer wäh⸗ rend dieſer Leichenfeier ihre Cigarren in der Kirche ſchmauchten. Gott wolle in Gnaden dreinſehen, daß, wenn nach ſeiner Verhängung die Fürſten und dieſe „rothen Republikaner“ von Neuem ſollten gewaltſam zuſammentreffen, die letzteren nicht die Oberhand bekommen; denn in ſolchem Fallt wäre, nach menſchlicher Vorausſicht, nicht nur die Schreckenszeit der franzöſiſchen Revolution von . vorigen Jahrhundert, ſondern zugleich die blutigſte Verfolgung der Gläubigen aus allen Kirchen ſicherlich zu erwarten; denn die lebendigen Be⸗ kenner des HErrn IEſu Chriſti müßten ja noth⸗ wendig wider das Ueberhandnehmen des Unglau⸗ bens und der Gottloſigkeit mit und nach Gottes Wort zeugen und über dieſem Zeugniß leiden, was Gott gefiele. „Hie iſt Geduld und Glaube der Heiligen.“ Die Gläubigen Hamburgs übrigens ſuchen auf die Weiſe der Gegner deren verderbliche Umtritbe möglichſt zu hindern; denn wie dieſe ihre Teufels⸗ Miſſionare ſammt Büchern und Schriften unter das Volk ſenden, um das Gift des Unglaubens und des fleiſchlichen Freiheitsſchwindels unter dem Namen der Demokratie mit allem Eifer aus⸗ zuſtreuen: ſo ſind jene daran, fromme, verſtändige und eifrige Leute als innere Miſſionare ſammt ö geeigneten Büchern und Schriften unter die Leute — zu ſchicken, um, nach dem Berufe der Liebe, durch Belehrung und Ermahnung des Einzelnen Keime des wahren Glaubens an den HErrn Chriſtum auszuſtreuen und ſo viel als möglich die armen verführten Schafe dem Wolfe zu entreißen. Gott wolle übrigens ſonderlich den gläubigen Predigern aller Orten Mund und Weisheit, Gnade und Kraft verleihen, wider vies antichriſt⸗ iſche Unweſen und die greuliche Abgötterei mit dem Menſchen- und Volks⸗Geiſte ihre Stimme zu er⸗ heben als eine Poſaune und mit dem Schwerte des Geiſtes, das da iſt das Wort Gottes, die Gottesläſterer und Götzendiener zu ſchlagen; Er wolle ſie zur feſten Stadt, zur eiſemen Säule und ehernen Mauer ſetzen an allen Orten, daß wenn 4 gleich ihre Widerwärtigen wider ſie ſtreiten, ſie doch nicht ſollen wider ſie ſiegen. Inſonderheit wolle der getreue Gott den gläubigen lutheriſchen Predigern die Gnade und Salbung reichlich ſchen⸗ ken, als Zeugen der Kirche wider ihre Verſtörer muthig aufzutreten und alle Menſchenfurcht gründlich unter die Füße zu treten, zugleich aber auch die Unwiſſenden zu belehren, die Fürwitzigen zu warnen, die Schwankenden zu befeſtigen, die Schwachen zu ſtärken, die auch um jener Feinde willen Angefochtenen zu tröſten; denn wenn gleich das Meer wüthete und wallete und von ſeinem Ungeſtüm die Berge einfielen (und die irdiſchen Fürſtenthrone verſänken): dennoch ſoll die Stadt Gottes fein luſtig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchſten ſind; denn Gott iſt bei ihr drinnen, darum wird ſie